FIFA-Ratings erklärt: Wie entsteht die Gesamtbewertung (OVR)?

FIFA Ratings erklärt Müller haha
Wie kommt Thomas Müller auf eine 86 OVR, obwohl er so schlechte Werte auf seiner Karte hat? | © badische-zeitung / EarlyGame

FIFA-Ratings sorgen kurz vor dem Release des neuen FIFAs für Diskussionen. Und das ist ausnahmslos jede Saison der Fall. EA wird von allen Seiten kritisiert, wenn sie Spieler mal wieder als zu gut oder zu schlecht bewertet haben. Doch wie setzen sich diese FIFA-Ratings überhaupt zusammen? Wie kommt eine FUT-Karte auf seine OVR?

Jeder Fußballfan liebt die Diskussionen um die FIFA-Ratings seiner Lieblingsspieler. Im vergangenen Sommer waren zum Beispiel die Fans des FC Bayern München verärgert, weil Bayern als Champions-League-Sieger überraschend schlecht bewertet wurde. Viele glauben, dass das an der Partnerschaft des FC Bayern mit FIFA-Konkurrent eFootball (ehemals PES) liegt.

Doch die FIFA-Ratings setzen sich aus ganz vielen verschiedenen Faktoren zusammen. Wir erklären, was dahintersteckt.

FIFA-Ratings erklärt: Wie entsteht die OVR?

Die OVR (Overall), oder auf Deutsch GES (Gesamt), setzt sich aus allen Ingame-Werten des Spielers zusammen. Darüber hinaus spielt die Position eine entscheidende Rolle - aber das sollte ja klar sein, dass ein Lewandowski als Innenverteidiger keine gute Bewertung hat. Die Werte auf der FUT-Karte spielen für die endgültige OVR keine Rolle! Aber um zu verstehen, müssen wir ins Detail gehen.

FIFA-Ratings: Mehr als 17.000 Spieler im Game

In FIFA gibt es jedes Jahr mehr als 30 Ligen, mehr als 700 Vereine und mehr als 17.000 Spieler. Und jeder einzelne dieser Spieler muss gescoutet werden, damit eine faire Bewertung abgegeben werden kann.

Selbst die Spieler der Aufsteiger in die 3. Liga müssen beobachtet werden, um die Pace des jeweiligen Akteurs herauszufinden. Das geht natürlich nur mit einem umfangreichen Scouting-Team.


FIFA Talent Scouts

EA muss viele Ressourcen verwenden, um ein anständiges Scouting-Team aufzustellen. Wir hätten nichts dagegen, wenn EA das Team vergrößern würde, um für faire Ratings zu sorgen. Wir buttern jedes Jahr so viel Geld in FUT, da könnte man sich das schon mal leisten. Im FIFA-Scouting-Team sind ungefähr 30 Producer und mehr als 400 Freie Mitarbeiter angestellt, die für EA die Spieler scouten. Dazu kommen mehr als 6.000 Data Reviewer, die das Team mit Einschätzungen und Hinweisen verstärken. Diese Data Reviewer sind von der Community, also nicht von EA angestellt oder bezahlt. Mies.

Head of Data Collection, Michael Müller-Möhring, sagte ESPN folgendes dazu:

"We have many leagues in the game; no stats provider could offer us data for all these leagues, teams and players [...]. This is also the reason why we use this online database, because it's not possible to buy this data some way - it just doesn't exist."

EA hat also durch seine Talent Scouts eine einzigartige Database erschaffen und kann so die ganzen verschiedenen Ligen und Spieler möglichst objektiv bewerten.

Auch zu den vermeidlich schlechten Bayern-Ratings in FIFA 21 äußerte sich der Rating-Chef Müller-Möhring:

"Ehrlich gesagt, auch hier ist mal wieder Corona etwas schuld. Wir waren sehr unter Zeitdruck aufgrund der unvorhergesehenen Umstände und mussten sehr früh raus. Somit sind leider einige der Partien aus der
letzten Saison nicht mit in die Bewertung eingeflossen. Wenn wir die Leistungen daraus inkludiert hätten, wären einige Werte definitiv höher."

Für FIFA 22 dürfte Corona allerdings nicht mehr als Ausrede gelten, denn es war genug Zeit, um sich alle Spiele im Detail anzuschauen.

Auch ihr könnt Data Reviewer werden, ein umfangendes Fußballwissen ist dafür allerdings Voraussetzung. Hier gibt's den Link zur Bewerbung.

Wie kommt das FIFA-Rating zustande?

Die FIFA-Ratings setzen sich NICHT nur aus den sechs Werten der klassischen FUT-Karte zusammen, sprich Tempo, Schießen, Passen, Dribbling, Verteidigen und Physis. Das sind nur die Oberkategorien für viele weitere Attribute. Insgesamt gibt es 35 Werte, die in die OVR einfließen. Dabei gibt es verschiedene Koeffizienten, die den Spieler positionsabhängig bewerten.

Bei einem Verteidiger werden Attribute wie Grätsche, Kopfballpräzision und Abfangen höher im Koeffizienten bewertet als Abschluss oder Dribbling. Insgesamt addiert ergeben alle Koeffizienten den Wert 1. Wir haben euch zur Veranschaulichung hier eine Tabelle anhand des Beispiels von Virgil van Dijks Bewertung aus FIFA 20 erstellt.

Attribut

IV-KoeffizientVan DijkIV-Bewertung
Fairer Zweikampf0,159213,8
Grätsche0,158612,9
Deckung0.159113,65
Kopfballgenauigkeit0,18612,9
Agressivität0,08826,56
Stärke0,1929,2
Abfangen0,08907,2
Kurzer Pass0,05793,95
Ballkontrolle0,05763,8
Reaktion0,05884,4
Sprungkraft0,04903,6
GESAMT195287,66

Die Gesamtbewertung resultierend aus all den verschiedenen Faktoren war in diesem Fall bei VVD 87,66. Diese Zahl wird auf- oder abgerundet, hier ergibt ein Rating von 88. Doch der Niederländer hatte in FIFA 20 und FIFA 21 ein 90er-OVR, das ergibt sich aus der internationalen Anerkennung, die mit Sternen bewertet werden. Ihr habt das vielleicht schon mal bei FUTBIN gesehen und euch gefragt, was das überhaupt ist.

Ihr interessiert euch für Ratings? Dann checkt mal unsere Rating-Prediction für FC Barcelona , FC Bayern München und PSG ab.

So entsteht ein FIFA-Rating

Die internationale Anerkennung wird mit 1-5 Sternen bewertet. Spieler mit 1 oder 2 Sternen bekommen kein OVR-Boost. Ab einer 51er-Bewertung erhält ein Akteur +1 OVR, wenn er 3 Sterne in dieser Kategorie hat. Bei Vier-Sterne-Spielern wird das zu +1 OVR zwischen 36 und 66 GES und +2 OVR für 67-99 GES. Fünf-Sterne-Spieler erhalten eine Erhöhung von +1 OVR für 24-49, +2 OVR für 50-74 und +3 OVR für 75-99. Van Dijk hatte in FIFA 20 vier Sterne (+2 OVR). In unserem Beispiel von eben hat Van Dijk also die 88 OVR + 2 OVR, das ergibt ein finales Rating von 90 OVR.

FIFA-Ratings erklärt: Wie entsteht die OVR?

Also noch mal zusammengefasst: EA bewertet zusammen mit Data Reviewern die einzelnen Attribute der Spieler, die, je nach Position, mit einem Koeffizienten versehen und addiert werden. Auf diese Zahl wird die internationale Anerkennung dazugerechnet - und so erhält man ein FIFA-Rating.

Müller Werte
Eigentlich keine guten Werte - doch man kommt trotzdem auf ein hohes OVR, wenn man alle Faktoren betrachtet. | © FUTBIN

Ein berühmtes Beispiel für eine FUT-Karte, die Spieler nicht verstehen, ist Thomas Müller. Der Bayern-Star hat auf seiner FUT-Karte keinen besseren Wert als 82, aber eine Gesamtbewertung von 86. Da kommt das eben erklärte Prinzip ins Spiel, weil Müller hohe Stats in wichtigen Attributen wie Stellungsspiel (94), Reaktion (94), und vier Sterne bei internationaler Anerkennung.

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