Videospiele sind Zeitverschwendung? – Ja, aber laut Universität des Silicon Valleys eine äußerst nützliche

Eine US-Uni vergibt Stipendien für schwierige Videospiele und stellt alte Vorurteile infrage.


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Die University of Silicon Valley beweist ein weiteres Mal wie sehr sie für Innovation steht. | © usv.edu

Jeder Gamer hat diesen Satz schon einmal gehört – ob von den Eltern oder in der Schule: „Videospiele bringen dir im echten Leben gar nichts!“ Eine Universität aus Kalifornien sieht das offenbar anders. Die University of Silicon Valley belohnt außergewöhnliche Gaming-Leistungen inzwischen mit Stipendien von umgerechnet mehr als 13.000 Euro pro Jahr.

Je nach Spiel und erreichtem Erfolg werden Bewerber in unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Vereinfacht gesagt gilt: Je schwieriger die Errungenschaft, desto höher sind die Chancen auf ein Stipendium.

Platintrophäen im Spiel bedeuten Geld im echten Leben

Das College im Herzen des Silicon Valley steht seit seiner Gründung für innovative und zukunftsorientierte Ansätze. Das „Max Achievement Scholarship“ ist das neueste Stipendium der Universität und belohnt außergewöhnliche In-Game-Erfolge in verschiedenen Genres.

Laut der University of Silicon Valley sollen dadurch Fähigkeiten wie Durchhaltevermögen, strategisches Denken und kreatives Problemlösen gefördert werden. Solche Eigenschaften ließen sich direkt auf Studium und Beruf übertragen. Mit den Worten der Universität:

„Wenn du es dir im Spiel erarbeitet hast, kannst du es auch in der Zukunft nutzen.“
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Das Kategoriensystem für mehrere Trophäen auf einer Plattform. | © usb.edu

Viele Gamer dürften diesen Zusammenhang schon lange vermutet haben. Dass diese Fähigkeiten nun nicht nur wissenschaftlich untersucht, sondern sogar finanziell belohnt werden, könnte Gaming auch bei älteren Generationen in ein neues Licht rücken.

Die Universität bewertet dabei nicht nur die Schwierigkeit der Errungenschaften, sondern auch Essays und das akademische Potenzial der Bewerber. Es reicht also nicht aus, den ganzen Tag das Lieblingsspiel zu spielen, um sich das Studium zu finanzieren.

Besonders seltene Achievements – etwa die Platintrophäe in allen drei Dark Souls-Teilen oder eine Blitzschach-Elo von über 2.400 auf Chess.com – werden am höchsten honoriert.

Für verschiedene Spiele und Genres hat die Universität ein eigenes Kategoriensystem entwickelt. Dabei wird zwischen einem „Legendary“- und einem „Mastery“-Tier unterschieden, die über die Höhe der Förderung entscheiden.

Jede Errungenschaft wird außerdem bestimmten Fähigkeiten zugeordnet, die ihren Bildungswert belegen sollen. Sollte das eigene Lieblingsspiel nicht vertreten sein, können Bewerber ihre Leistungen sogar mitsamt einer Begründung einreichen und vom Komitee prüfen lassen.

Das vollständige Kategoriensystem und den Stipendiumsantrag findet ihr hier.

Gaming trainiert weit mehr als nur die Hand-Augen-Koordination

Schon lange gilt: Reaktionsfähigkeit und Koordination können durch Videospiele verbessert werden. Um beispielsweise ein Soulslike erfolgreich abzuschließen, braucht es jedoch deutlich mehr als schnelle Reflexe.

Berüchtigt für ihren hohen Schwierigkeitsgrad und ihren enormen Frustfaktor verlangen Spiele wie Dark Souls den Spielern einiges ab. Rückschläge müssen akzeptiert und Niederlagen immer wieder überwunden werden. Die University of Silicon Valley setzt dies mit Fähigkeiten wie Zielsetzung, strategischem Denken, Selbstorganisation und Durchhaltevermögen gleich.

Wissenschaftler sprechen inzwischen sogar von einem sogenannten „resilient flow“, bei dem Spieler Frustration nicht vermeiden, sondern produktiv verarbeiten.

Gerade Spiele wie Dark Souls vermitteln vielen Fans, dass Scheitern kein Ende, sondern ein Teil des Lernprozesses ist. Bei MMORPGs und Live-Service-Games kommen zusätzlich Teamwork, Kommunikation und Ressourcenmanagement hinzu.

Von der „Zeitverschwendung“ zur anerkannten Fähigkeit?

Viele Erwachsene betrachteten das stundenlange Eintauchen in virtuelle Welten lange Zeit als bloße Zeitverschwendung. Das neue Stipendium zeigt jedoch, dass sich diese öffentliche Wahrnehmung langsam verändert.

Natürlich ersetzt eine Platintrophäe keinen Schulabschluss oder ein Studium. Die Fähigkeiten, die sich Gamer über Jahre aneignen, können jedoch durchaus auch außerhalb virtueller Welten von Nutzen sein.

Die University of Silicon Valley gehört zu den ersten Hochschulen, die solche Kompetenzen aktiv fördern und belohnen. Ob andere Universitäten diesem Beispiel folgen werden, bleibt abzuwarten. Vielleicht wird es eines Tages tatsächlich von Vorteil sein, die eigenen Achievements im Lebenslauf zu erwähnen.

Ob Videospiele wirklich mit klassischen Leistungen vergleichbar sind, wird wohl weiterhin diskutiert werden. Klar ist jedoch: Die Zeiten, in denen Gaming pauschal als Zeitverschwendung abgestempelt wurde, scheinen langsam vorbei zu sein.

Wer sich jahrelang durch Länder wie Lordran oder Azeroth gekämpft hat, oder seine Base in Terraria zu einem Wohnkomplex für unzählige NPCs umfunktioniert hat, trainiert möglicherweise weit mehr als nur schnelle Reflexe.

Hättet ihr gedacht, dass euch ein Videospiele eines Tages ein Stipendium einbringen könnten? Schreibt es uns in die Kommentare!

Julian Mayorga
Julian Mayorga