151 Millionen Euro Schadenersatz: Rust-Spieler nach Swatting-Angriff gelähmt

Das Leben von Axeel Melendez veränderte sich durch einen Swatting-Angriff schlagartig – mit Folgen für immer.

Swatting in Arizona
Der Schock sitzt tief! Rust-Spieler nach Swatting gelähmt © KOLD/KPHO

Ein Online-Streit in einem Videospiel endete für einen 24-jährigen Gamer in Arizona in einer Katastrophe. Nachdem Hacker seine Daten erbeutet und ihn mit einem Swatting-Angriff bedroht haben sollen, wurde der Rust-Spieler bei einem Polizeieinsatz schwer verletzt und ist seitdem gelähmt. Nun fordert er Millionen von der zuständigen Behörde.

Kein Streamer, kein Star – trotzdem wurde ein Rust-Spieler zum Ziel

Wenn von Swatting die Rede ist, denken viele zunächst an bekannte Twitch-Streamer oder große Influencer. Doch der Fall von Axeel Melendez zeigt, dass auch völlig unbekannte Gamer Opfer dieser gefährlichen Methode werden können. Der 24-Jährige war kein öffentlicher Creator und hatte keine große Fangemeinde. Er spielte lediglich Rust, als ein Streit innerhalb der Gaming-Community offenbar eine dramatische Wendung nahm.

Laut der Klageschrift begann alles damit, dass ein anderer Spieler behauptete, Melendez würde betrügen. Dieser soll angeboten haben, seinen Computer zu überprüfen, um den Verdacht auszuräumen. Kurz darauf bemerkte Melendez jedoch verdächtige Aktivitäten auf seinen Accounts.

Hacker sollen Zugriff auf seine E-Mail-Adresse und persönliche Informationen erhalten haben. Anschließend sollen sie versucht haben, ihn zu erpressen. Dabei drohten sie unter anderem damit, einen falschen Notruf abzusetzen und die Polizei zu seinem Haus zu schicken.

Gamer warnte Polizei vor möglichem Swatting

Melendez nahm die Drohung ernst und kontaktierte die Behörden, um sie vor einem möglichen Angriff zu warnen. Er wollte verhindern, dass ein erfundener Notfall zu einem gefährlichen Polizeieinsatz führt.

Nach Angaben seines Anwalts wurde diese Warnung jedoch nicht ausreichend berücksichtigt. Wenig später ging tatsächlich ein gefälschter Notruf ein: Eine unbekannte Person soll sich als Melendez ausgegeben und behauptet haben, dass es in seinem Haus zu einer Gewalttat gekommen sei.

Obwohl es laut der später eingereichten Klage mehrere Auffälligkeiten gegeben habe – darunter widersprüchliche Angaben und eine verdächtige Telefonnummer –, rückten Beamte zum Haus aus.

Polizei stürmte Haus – Gamer wurde schwer verletzt

Als die Einsatzkräfte eintrafen, versuchten sie zunächst, Zugang zum Gebäude zu bekommen. Schließlich schlugen sie laut Darstellung der Familie ein Fenster von Melendez' Schlafzimmer ein. Der Gamer soll geglaubt haben, dass sich Eindringlinge Zugang zu seinem Zuhause verschaffen wollten. Er nahm deshalb die legal registrierte Waffe seiner Mutter an sich.

Als die Beamten ihn mit der Waffe sahen, eröffneten sie das Feuer. Insgesamt sollen acht Schüsse gefallen sein. Zwei davon trafen Melendez und verursachten schwere Verletzungen an Bein, Rippen und Rückenmark. Seit dem Einsatz ist er ab der Brust abwärts gelähmt.

Familie fordert 176 Millionen Dollar Schadenersatz

Melendez und seine Mutter haben nun eine Schadensersatzforderung in Höhe von 176 Millionen US-Dollar (ca. 151.360.000 €) gegen Pima County und das zuständige Sheriff’s Department eingereicht.

Der Vorwurf: Die Behörden hätten die Warnungen vor einem möglichen Swatting nicht ernst genug genommen und dadurch eine Eskalation ermöglicht. Die Familie argumentiert, dass Melendez genau das getan habe, was Betroffene in einer solchen Situation tun sollten: Er habe die Polizei frühzeitig informiert. Trotzdem sei es später zu dem gefährlichen Einsatz gekommen. Die Behörde äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen und verwies auf das laufende Verfahren.

Swatting bleibt ein Problem in der Gaming-Welt

Der Fall macht erneut deutlich, wie gefährlich Swatting sein kann. Täter nutzen dabei gefälschte Notrufe, um bewaffnete Einsatzkräfte zu einer bestimmten Adresse zu schicken – oft mit dem Ziel, die betroffene Person einzuschüchtern oder ihr zu schaden. Oft trifft Swatting größere Twitch-Streamer, da manche Täter gezielt auf die öffentliche Aufmerksamkeit aus sind. Sie wollen die Reaktion der Betroffenen live miterleben, den Stream stören oder sogar dafür sorgen, dass die Übertragung abgebrochen werden muss. Hinter solchen Angriffen stecken häufig Hass, Missgunst oder der Wunsch, anderen bewusst zu schaden.

Aber während häufig bekannte Streamer ins Visier geraten, zeigt der Fall aus Arizona: Auch normale Spieler können betroffen sein. Ob ein Streit innerhalb einer Online-Community, der Versuch, persönliche Daten zu erpressen, oder purer Wunsch nach Schaden: Manchmal genügt ein einziger Konflikt, damit aus einem normalen Gaming-Abend eine lebensgefährliche Realität wird. Was sagt ihr zu dem schlimmen Vorfall? Schreibt es uns in die Kommentare.

Michelle Baier

Michelle lebt für Gaming, Streamer, digitale Trends und alles, was die moderne Popkultur und Kreativwelt bewegt....