Die größten Lügen im Esports

ESL Arena
Die ESL Arena. (Quelle: ESL)

Wir alle kennen die Höhepunkte des Esports: raffinierte Frag-Serien und epische Plays sind ein Hauptbestandteil der Branche. Leider gibt es auch im Esports eine Menge Kontroversen und Skandale. Viele Games, Spieler und Teams wurden bereits beschuldigt und es gibt nachgewiesene Fälle von Doping, Spielabsprachen und Betrug. Hier ein Überblick über die böse Seite der Gaming-Macht...

Probleme können aus allen möglichen Dingen entstehen – besonders schlimm ist es aber, wenn es Lügen sind, welche die Probleme verursachen. Und noch schlimmer, wenn es große Organisationen sind, die Spieler und Fans belügen.

Rainbow Six: Siege – ESL kümmert sich um eure Visa

Besonders fies ist es, bei Visumsanträgen zu lügen – Probleme damit können für die Beteiligten zu ernsten Schwierigkeiten führen, wenn Spieler belogen werden. Ende 2019 sollten alle Ninjas in Pyjamas-Spieler nach Japan reisen, um an den Endspielen der ESL Pro League teilzunehmen. Nur zehn Tage vor ihrer Abreise versuchte der Teammanager, die Visa zu beschaffen, die der Veranstalter ESL versprochen hatte.

NiP R6 Siege Team
NiP sind nach wie vor in Rainbow Six Siege aktiv. (Quelle: Ninjas in Pyjamas via Twitter)

Das Schlüsselwort ist hier "versucht". Zehn Tage bevor die Spieler reisen mussten, änderte die ESL ihr bisheriges Versprechen und teilte ihnen mit, dass sie sich selbst um ihr Visum kümmern müssten. Das geschah, nachdem NiP der ESL alle erforderlichen Dokumente im Voraus zur Verfügung gestellt hatte, da die ESL versprochen hatte, die erforderlichen Visa zu besorgen.

Am Ende wurden die Visa und Notfallanträge von zwei Spielern und dem Trainer der Mannschaft abgelehnt. NiP musste das Viertelfinale mit zwei Ersatzspielern bestreiten. Es überrascht nicht, dass NiP nicht gewann, sondern mit 3:7 und 6:8 gegen Team Reciprocity verlor. Diese Lüge im Esports hat also sehr wahrscheinlich dem Team den Turniersieg gekostet.

Call of Duty – Excelerate Gaming bezahlt seine Spieler (und erpresst sie nicht)

In jedem unterzeichneten Arbeitsvertrag verspricht der Arbeitgeber, seine Mitarbeiter zu bezahlen – und es ist oft besonders schmerzhaft, wenn sich herausstellt, dass die Mitarbeiter belogen wurden.

Anfang 2019 wurde die Call of Duty-Org Excelerate Gaming beschuldigt, seine Spieler zu erpressen, damit sie Verträge unterschreiben, die sie nicht wollten. Die Organisation hatte einen Platz in der CWL Pro League und nutzte diesen, um Spieler zur Unterzeichnung von Verträgen zu zwingen.

Nach nur einer einzigen Woche in der CWL Pro League schickte der Eigentümer von Excelerate Gaming, Justin Tan, den Spielern einen aktualisierten Vertrag, der Excelerate 100% ihres CWL Pro League-Gehalts und 25% ihrer Teilnahmegebühr zusicherte. Es wurde deutlich gemacht, dass jeder Spieler, der sich weigerte, den aktualisierten Vertrag zu unterschreiben, aus dem Team ausgeschlossen und ersetzt würde.

Es überrascht nicht, dass die Spieler sich weigerten, den unfairen aktualisierten Vertrag zu unterzeichnen.

Am Ende des ersten Monats bei der Organisation erhielten die Spieler von Excelerate Gaming lediglich 213 Dollar ihres versprochenen 1800-Dollar-Gehalts. Tan wollte den Platz des Teams in der CWL Pro League, die Spieler und die unbezahlten Spielergehälter an eine neue Organisation verkaufen. Die Spieler stellten daraufhin klar, dass sie den Transfer zu einer neuen Organisation nur akzeptieren würden, wenn sie für den ersten Monat bezahlt würden.

Dazu sagte Tan die berüchtigten Worte:

"Sie haben nicht wirklich eine Wahl lol."

und

"Wenn sie mit harten Bandagen kämpfen wollen, kann ich sie alle feuern und neue Spieler unter Vertrag nehmen".

Schlussendlich wurden Anfang März ohne weitere Vereinbarungen alle Spieler von Excelerate Gaming aus ihren Verträgen entlassen.

Ein paar Tage später entschuldigte sich Tan öffentlich für seine Fehler bei der Handhabung der Situation. In einem Versuch, einen vernünftigeren Dialog mit den Spielern zu eröffnen, gelang es ihm, zwei von ihnen davon zu überzeugen, in die Mannschaft zurückzukehren. Eine mutige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass sie bereits von ihrem Chef belogen worden waren.

Halo, LoL, Super Smash Bros. Melee, H1Z1, Overwatch, Paladins, CS:GO und CoD – Denial Esports bezahlt seine Spieler

Denial Esports hat bestenfalls eine befleckte Geschichte, mit nicht einem, sondern gleich mehreren separaten Skandalen, bei denen Spieler über ihre Gehälter belogen wurden. Im Jahr 2015 schuldete Denial Esports seinem Halo-Team 3000 Dollar an unbezahlten Gehältern, nachdem es wiederholt versäumt hatte, die Gehaltszahlungen pünktlich zu leisten. Später im Jahr 2015 versäumte es Denial Esports, sein LoL-Team zwei Monate lang zu bezahlen.

Im Jahr 2017 wurde auch ein Super Smash Bros.-Spieler zwei Monate lang nicht bezahlt. Und in den folgenden Jahren kam es bei Spielern aus den Teams von H1Z1, Overwatch, Paladins und CS:GO von Denial Esports regelmäßig zu verspäteten oder völlig ausbleibenden Zahlungen sowohl von Turniergewinnen als auch von Gehältern. Denial Esports hat sogar die Zahlungen für das CS:GO-Teamhaus eingestellt. Die belogenen Spieler mussten die Miete selber zahlen, um ein Dach über dem Kopf zu haben.

Irgendwann 2017 schließlich verschwand Denial Esports, nachdem sie alle Spieler, die noch nicht gegangen waren, entlassen hatten. Ende Dezember 2018 wurde die Marke Denial Esports jedoch wieder zurückgebracht, wobei das neue Management versprach, alte Schulden zu begleichen – es gab sogar Beweise dafür, dass sie Goodwill-Zahlungen an alte Spieler geleistet hatten, denen Denial Esports Geld schuldete. Alles schien gut zu laufen, denn Denial Esports spielte wieder mit Teams in CS:GO, CoD und PUBG.

Und dann... nur 6 Monate später schuldete die Organisation allein ihrem CoD-Team schon wieder mehr als 100.000 € an unbezahlten Gehältern. Keiner der Spieler des Teams wurde drei Monate lang bezahlt, was knapp 80.000 € entspricht. Darüber hinaus hatte Denial Esports den Platz eines anderen Teams in der CWL Pro League gekauft und es dann versäumt, die vereinbarten 40.000 € an Overtime Esport zu zahlen. Den Spielern von Denial Esports CS:GO-Team wurden außerdem jeweils $1500 versäumte Zahlungen geschuldet. Ihre Lügen brachten der Organisation Hunderttausende von Schulden ein – und das in mehreren Währungen.


Erschwerend kam hinzu, dass die Goodwill-Zahlungen, die an Spieler geleistet wurden, denen Geld aus der vorherigen Iteration von Denial Esports geschuldet wurde, zurückgebucht wurden – mit anderen Worten, die Firma zog die Zahlungen später zurück. Ziemlich zwielichtig.

Aber solange es keinen lautstarken Protest von Spielern und Fans gibt, wird es vermutlich so weitergehen... oder werden wir vielleicht bald miterleben, dass Esportler sich gewerkschaftlich organisieren?

Alle weiteren News und Updates aus der Welt des Esports und Gamings, wie zum Beispiel Leaks zum Preis der PS5, gibt es täglich auf EarlyGame.

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