Gears Tactics Review: Ein neuer Stern am Strategiespiel-Himmel?

Gabe Diaz und sein Team in Gears Tactics. Mit dem Rundenstrategiespiel wagt die Shooter-Reihe den Genrewechsel.
Mit kerniger Action in den Strategie-Olymp? Gear Tactics. (Quelle: Microsoft Game Studios)

Die Kettensägen der Lancer-Gewehre sind geölt, die Bajonette geschärft. Die legendäre Gears of War-Serie betritt neues Terrain. Mit dem Spin-off Gears Tactics wandelt sie im Genre der Rundenstrategie auf den Spuren von XCOM 2. Ob der Genrewechsel gelingt, klären wir in unserer Review.

Gears of War. Der Name gilt seit fast 15 Jahren als Aushängeschild der Third-Person-Shooter. Immerhin hat das Debüt aus dem Jahre 2006 das Genre der Deckungsshooter erst salonfähig gemacht. Mit dem jetzt erschienen Spin-off Gears Tactics geht es – wie der Name es bereits vermuten lässt – deutlich taktischer zur Sache. Wenn auch nicht weniger blutig. Gelingt der Genrewechsel und kann das Game sogar XCOM 2 vom Thron stoßen?

Quick-Facts zu Gears Tactics:

  • Entwickler: Splash Damage
  • Publisher: Microsoft Game Studios
  • Genre: Rundenstrategie
  • Release: 28. April 2020 (PC), 2020 (Xbox One)
  • Spieler: 1
  • Spielzeit: 20-25 Stunden
Gears Tactics ist ein PC-exklusives Spin-off zur legendären Gears of War-Reihe.
Deckungsshooter trifft Rundenstrategie. Kann das gut gehen? (Quelle: Microsoft Game Studios)

Gears Tactics: echte Story im Genre der Rundenstrategie

Mal ehrlich: Rundenstrategie-Spiele sind nicht gerade für ihre intensive Story bekannt. Mal gilt es, eine Alieninvasion aufzuhalten, mal die Ausbreitung eines Virus einzudämmen. Es muss aber nicht immer eine öde 0815-Story sein: Gears Tactics geht einen anderen Weg und räumt der Handlung einen deutlich größeren Stellenwert ein.

Das Spin-off erzählt, 10 Jahre vor dem ersten Serienteil, die Vorgeschichte zum legendären Third-Person-Shooter. Protagonist Gabe Diaz, Vater von Kait Diaz (die Heldin aus Gears 5), wird gemeinsam mit dem befreundeten KOR-Soldaten Sid Redburn auf eine geheime Mission geschickt.

Das Ziel: Ein mächtiger Locust-Wissenschaftler namens Ukkon soll irgendwo da draußen eine besonders gefährliche Monster-Spezies heranzüchten, die das Ende der Menschheit einläuten könnte. Das kann die Koalition der ordentlichen Regierungen (kurz: KOR) natürlich nicht zulassen und schickt das testosterongeladene Duo auf die Suche.

Gears Tactics erzählt seine Handlung, die sich über insgesamt drei umfangreiche Akte erstreckt, in beeindruckenden und aufwändig inszenierten In-Game-Zwischensequenzen. Vor allem Kenner der Reihe dürften sich über spannende Details zu den Zusammenhängen und Geschehnissen auf dem Planeten Sera freuen. Dabei beantwortet das Strategiespiel einige offene Fragen, während wir uns über das Wiedersehen mit dem einen oder anderen bekannte Gesicht freuen.

Der Story-Fokus macht die Jagd nach Ukkon natürlich deutlich greifbarer, einen hollywoodreifen Plot sollte allerdings niemand erwarten. Aber der war ja noch nie das Aushängeschild der Reihe.

Gears meets XCOM

Wer schon einmal XCOM oder ein ähnliches Game gespielt hat, wird sich in Gears Tactics schnell zurechtfinden. Dabei passt die Verbindung zwischen dem klassischen Deckungsshooter und einem Rundenstrategie-Spiel wie die Faust aufs Auge.

In abwechslungsreichen Haupt- und Nebenmissionen bahnt man sich seinen Weg durch detailverliebt gestaltete Level. Halbhohe oder vollständige Deckungen liefern Schutz vor Feindbeschuss – blöd nur, dass sich auch die Gegner ständig hinter Barrikaden, Autowracks oder Kisten verstecken.

Wobei: eigentlich nicht, denn sonst wäre das Spiel beileibe nicht so spannend. Ähnlich wie in der namhaften Konkurrenz, plant man zu Beginn seiner Runde das weitere Vorgehen. Doch in Gears Tactics stehen ganze drei Aktionen pro Runde zur Verfügung, die beispielsweise für Bewegungen, Angriffe, Nachladen oder andere Spezialaktionen genutzt werden.

Das sorgt dafür, dass sich das vertraute Gameplay trotzdem frisch anfühlt. Besonders, da vor allem die späteren Level mit zahlreichen alternativen Routen gespickt sind – hervorragend geeignet, um verschanzte Feinde zu flankieren.

Für frischen Wind sorgen auch die Spezialaktionen, die langjährigen Fans besten bekannt sein dürften. Gegner werden mithilfe der Kettensäge des Lancer-Gewehrs kurzerhand in mundgerechte Häppchen zerkleinert und auch die ikonischen Bolo Granaten dürfen natürlich nicht fehlen. All das garniert Gears Tactics mit einer gehörigen Portion des roten Lebenssaftes – Gears Herz, was willst du mehr?

Unser Team kämpft gegen die eintreffenden Locust-Truppen. Strategie-Fans fühlen sich in Gears Tactics direkt heimisch.
Deckung suchen, Feuerschutz geben. Genrefans fühlen sich sofort heimisch. (Quelle: Microsoft Game Studios)

Ganz schön knackig

Selbst auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden ist Gears Tactics kein einfaches Spiel. Besonders, da die Entwickler von Splash Damage und The Coalition deutlich größere Gegnerhorden auf den Bildschirm zaubern, als man es aus dem Genre normalerweise gewohnt ist. Besonderes Schmankerl sind die beeindruckend inszenierten, extrem knackigen Bosskämpfe zum Ende eines jeden Aktes.

Eine Unachtsamkeit und schon liegen die eigenen Einheiten am Boden. Ein Glück dass sich die Helden per Knopfdruck wiederbeleben lassen. Zumindest, wenn man es rechtzeitig zum gefallenen Soldaten schafft. Gelingt das nicht, greift das Permadeath-System:

Tode der normalen Gears sind final und da ist es besonders schmerzhaft, wenn die liebgewonnene Scharfschützin nach 14 erfolgreichen Missionen auf einmal das Zeitliche segnet. Fällt hingegen einer der Helden, ist die Mission gescheitert. Da hilft nur das Laden des letzten Speicherpunktes.

Manche Charaktere können sich sogar selbst ins Leben zurückholen. Gears Tactics setzt auf umfangreiche Charakterentwicklung. Neue Helden können in regelmäßigen Abständen rekrutiert oder in laufenden Missionen aus der Gefangenschaft befreit werden, um sich dem eigenen Trupp anzuschließen.

Verschiedene Klassen wie Support, Heavy oder Sniper sorgen dank variantenreicher Ausrüstung und Skills für Abwechslung. Besonders, da sie in einem verzweigten Talentbaum noch dazu in verschiedene Richtungen entwickelt werden können. Die richtige Team-Zusammenstellung für die jeweilige Mission ist also Grundvoraussetzung für den Erfolg.

Als wäre das nicht bereits genug Individualität, lässt sich die gesamte Ausrüstung der Charaktere mit Upgrades ausstatten, die in den Leveln gefunden werden können. 10 Prozent mehr kritische Trefferchance? Nimmt man gerne mit.

Der Talentbaum von Protagonisten Gabe Diaz. Supporter und andere Klassen können mit einzigartigen Skills ausgestattet werden.
Die verschiedenen Klassen warten mit individuellen Skill-Trees auf. (Quelle: Microsoft Game Studios)

Nicht alle Ideen gehen auf

Grundsätzlich gelingt Gears Tactics der Genrewechsel hervorragend. Das Konzept des Third-Person-Shooters haben die Entwickler hervorragend in das Rundenstrategie-Genre übertragen. Tatsächlich spielt sich der Titel genau so, wie man es von einem Strategie-Gears erwarten würde und das ist richtig stark!

Doch reicht das, um XCOM 2 vom Thron zu stoßen? Aus spielerischer Sicht durchaus, letztlich aber leider doch nicht ganz. Dafür mangelt es den Missionen etwas an Abwechslung. Meist besteht die Aufgabe schlicht darin, einen bestimmten Punkt zu erreichen oder Gegner zu eliminieren und das Gebiet dann wieder zu verlassen. Hier wäre mehr Varianz wünschenswert gewesen.

Ähnlich verhält es sich mit den Schlachtfeldern, denen es etwas an Dynamik mangelt. Gerade im ersten Akt ist man oftmals in recht schlauchigen Arealen unterwegs, in denen es abseits des Hauptpfades nur wenig Spannendes zu entdecken gibt.

Auch bei der Steuerung leistet sich das Spiel kleinere Patzer. Löblich, dass sowohl Maus und Tastatur sowie Gamepad unterstützt werden, die klassische PC-Peripherie ist allerdings deutlich im Vorteil. Gerade beim Spielen mit Controller mangelt es der Steuerung etwas an Präzision.

Aus technischer Sicht lässt Gears Tactics keine Wünsche offen und beeindruckt mit knackig scharfen Details und flüssigem Gameplay. Vor allem die Zwischensequenzen liegen auf dem Niveau der Hauptteile. An der Vertonung gibt es ebenfalls nichts zu meckern: Die deutschen Sprecher liefern einen hervorragenden Job ab, die Soundeffekte sind wuchtig und die Musikuntermalung treibt das Geschehen auf dem Bildschirm an.

Die PC Systemanforderungen von Gears Tactics im Detail. Grafisch hat das Spiel einiges auf dem Kasten
Die Systemanforderungen sind recht hoch. Dafür gibt's eine beeindruckende Technik. (Quelle: Microsoft Game Studios)

Fazit: Gears Tactics sägt sich auf den Strategie-Olymp

So muss ein gelungenes Spin-off aussehen! Gears Tactics meistert den Ausflug ins Strategie-Genre mit Bravour und verbindet die Stärken der Hauptteile mit den Besonderheiten der Rundenstrategie. Vor allem der Story-Fokus samt erstklassiger Zwischensequenzen sorgt für eine unglaublich dichte Atmosphäre.

Mit Ausnahme einiger kleinerer Patzer leistet sich Gears Tactics keine groben Fehler. Die Mischung aus intensiven, flotten Gefechten und einem ausgeklügelten Fortschrittssystem sorgt für Langezeitmotivation. Ein wenig mehr Abwechslung hätte dem Spiel allerdings gut zu Gesicht gestanden.

Gears Tactics Review: Packende Rundenstrategie, die nicht nur Genrefans begeistert
Gears Tactics inszeniert packende Taktik-Schlachten. (Quelle: Microsoft Game Studios)

Frische Ideen und die erstklassige Inszenierung machen Gears Tactics zu einem der besten modernen Rundenstrategie-Spiele. Actionreiche Taktik-Schlachten, die Bildschirm-Strategen stundenlang an den Bildschirm fesseln werden.

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