Kinorekorde sorgen für Schlagzeilen. Doch viele wirken weniger beeindruckend, wenn man Inflation, Ticketpreise oder geschickte PR der Studios berücksichtigt. Hier sind 15 irreführende Kinorekorde – und was hinter den Zahlen steckt.
Die Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte.
Greta Gerwigs Barbie spielte 2023 weltweit mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar ein und galt damit als erfolgreichster Film einer Regisseurin. Schwieriger wird der Vergleich, wenn Filme aus Jahrzehnten mit anderen Ticketpreisen und Wechselkursen dazukommen. Auch die Frage, welche Filme als Werke von Regisseurinnen zählen, ist nicht immer eindeutig: Bei älteren Produktionen können gemeinsame Regiearbeiten oder umstrittene Namensnennungen die Einordnung erschweren. Der Rekord ist real, doch die Rangliste dahinter ist weniger eindeutig, als die Schlagzeile vermuten lässt.
| © Warner Bros.
Top Gun: Maverick spielte 2022 auf dem nordamerikanischen Kinomarkt 718 Millionen US-Dollar ein und war damit der erfolgreichste Film des Jahres. Berichten zufolge bestand Tom Cruise bei den Flugszenen auf echten Aufnahmen statt auf Greenscreen-Effekten. Vergleicht man diese Einnahmen mit Filmen aus den 1980er- oder 1990er-Jahren, übersieht man jedoch die gestiegenen Ticketpreise. 718 Millionen Dollar aus dem Jahr 2022 haben nicht dieselbe Aussagekraft wie ein Einspielergebnis von 1986.
| © Paramount Pictures
Zehn Jahre lang war kein neuer Film der Star Wars-Saga ins Kino gekommen, als im Dezember 2015 Star Wars: Das Erwachen der Macht startete. Die lange Pause machte den Kinostart zum Ereignis. Das nordamerikanische Einspielergebnis von 936,7 Millionen US-Dollar spiegelte deshalb auch die aufgestaute Vorfreude wider. Zudem waren Kinotickets 2015 deutlich teurer als zu Zeiten der früheren Star Wars-Filme. Der Rekord ist beeindruckend, lässt sich aber wegen Nostalgie und gestiegener Ticketpreise nicht direkt mit den älteren Filmen vergleichen.
| © Walt Disney Studios
Am Thanksgiving-Wochenende 2019 stellte Die Eiskönigin 2 einen Startrekord für Animationsfilme auf. Idina Menzel sprach erneut Elsa, und die Fortsetzung profitierte stark von der Beliebtheit des Films aus dem Jahr 2013. An Feiertagswochenenden sind die Kinosäle oft voller, unabhängig von der Qualität eines Films. Deshalb zeigen die Einnahmen am Startwochenende nur bedingt, wie groß die Nachfrage tatsächlich war. Die treue Fangemeinde und die Schulferien trugen erheblich zum Rekord bei.
| © Walt Disney Studios
Als Avengers: Infinity War 2018 weltweit die Marke von zwei Milliarden US-Dollar überschritt, hatte Marvel Studios bereits 18 miteinander verknüpfte Filme veröffentlicht. Thanos, gespielt von Josh Brolin, war schon in einer Szene nach dem Abspann von Marvel’s The Avengers aus dem Jahr 2012 angekündigt worden. Diesen Kassenerfolg allein dem einzelnen Film zuzuschreiben, blendet ein Jahrzehnt voller Vorarbeit aus. Der Rekord ist auch ein Erfolg des gesamten Filmuniversums dahinter.
| © Walt Disney Studios
Der König der Löwen spielte 2019 weltweit 1,66 Milliarden US-Dollar ein. Disney reichte den Film für Filmpreise als Animationsfilm ein. Dabei entstanden sämtliche Figuren durch fotorealistische Computergrafik; klassische Zeichentrickanimation kam nicht zum Einsatz. Durch diese Einordnung konnte der Film in Kategorien antreten und gewinnen, die viele mit einer anderen Art von Animation verbinden. Ob Der König der Löwen als erfolgreichster Animationsfilm aller Zeiten gilt, hängt also davon ab, ob man Disneys Einordnung übernimmt.
| © Walt Disney Studios
Chadwick Bosemans T’Challa war bereits 2016 in The First Avenger: Civil War zu sehen, bevor er 2018 mit Black Panther seinen eigenen Film bekam. Marvel Studios hatte die Figur also schon eingeführt und dem Publikum bekannt gemacht, bevor sie erstmals im Mittelpunkt stand. Wer den Kinostart von Black Panther als erfolgreichsten Start eines Films ohne Vorgänger bezeichnet, lässt diese Vorarbeit außer Acht. Die 202 Millionen US-Dollar am ersten nordamerikanischen Wochenende kamen auch durch das Marvel-Filmuniversum zustande, das über zehn Jahre aufgebaut worden war.
| © Walt Disney Studios / Marvel Studios
Colin Trevorrows Jurassic World startete 2015 in mehr als 4.200 nordamerikanischen Kinos – breiter als jeder frühere Film der Reihe. Seit Steven Spielbergs Jurassic Park 1993 erschienen war, waren auch die Ticketpreise deutlich gestiegen. Die 208,8 Millionen US-Dollar am Startwochenende spiegelten deshalb neben der Nachfrage auch die größere Zahl an Kinos wider. Mehr Leinwände und höhere Preise treiben das Einspielergebnis nach oben, selbst wenn die Zahl allein als Beleg für die Begeisterung des Publikums präsentiert wird.
| © Universal Pictures
Inflationsbereinigt steht Vom Winde verweht mehr als 80 Jahre nach seinem Kinostart 1939 noch immer an der Spitze der nordamerikanischen Kinocharts. Dafür werden historische Ticketverkäufe geschätzt und in heutige Dollarwerte umgerechnet. Box Office Mojo und andere Anbieter verwenden dabei unterschiedliche Formeln; exakt ist keine davon. Der Rekord beruht also auf einer Berechnung, nicht auf einem direkt vergleichbaren Einspielergebnis.
| © Metro-Goldwyn-Mayer / Loew's Inc.
Titanic spielte weltweit mehr als zwei Milliarden US-Dollar ein. In dieser Summe stecken neben dem ursprünglichen Kinostart 1997 auch die Einnahmen der 3D-Wiederaufführungen von 2012 und 2017. Jeder erneute Kinostart brachte weitere Millionen ein, die heute oft als Teil einer einzigen Erfolgszahl genannt werden. Schon die erste Kinoauswertung war historisch: In Nordamerika hielt Titanic den Einspielrekord mehr als ein Jahrzehnt lang. Die Einnahmen mehrerer Kinostarts zusammenzurechnen, ergibt eine eindrucksvolle Zahl – erzählt aber nicht die ganze Geschichte.
| © Paramount Pictures / 20th Century Fox
J. J. Abrams brachte eine Filmreihe zurück, die seit 2005 nicht mehr im Kino zu sehen gewesen war. Das Publikum strömte in die Säle: Star Wars: Das Erwachen der Macht spielte auf dem nordamerikanischen Kinomarkt 936,7 Millionen US-Dollar ein und brach damit Rekorde. Allerdings kostete ein Kinoticket 2015 im Durchschnitt mehr als acht Dollar – fast doppelt so viel wie zur Zeit der ursprünglichen Trilogie. Der Rekord spiegelt deshalb sowohl die Vorfreude nach zehn Jahren Pause als auch die höheren Ticketpreise wider.
| © Walt Disney Studios
Drei Generationen von Spider-Man gemeinsam auf der Leinwand – das hatte es zuvor noch nie gegeben. Allein dieses Ereignis lockte weltweit Menschen in die Kinos. Spider-Man: No Way Home spielte rund 1,95 Milliarden US-Dollar ein, eine enorme Summe für einen Film, der während der Pandemie erschien. Die Rückkehr von Tobey Maguire und Andrew Garfield war mehr als der übliche Anreiz einer Fortsetzung: Sie fühlte sich wie eine Reunion-Tour an. Aus dem Einspielergebnis abzuleiten, dass sich die Kinos insgesamt vollständig erholt hatten, lässt diese außergewöhnlichen Umstände außer Acht.
| © Sony Pictures Releasing
357 Millionen US-Dollar an einem Wochenende klingen nach einem eindeutigen Beleg dafür, was das Publikum im April 2019 sehen wollte. So viel spielte Avengers: Endgame zum Kinostart auf dem nordamerikanischen Markt ein. Dazu trugen auch Vorpremieren am Donnerstag bei, die den Kinostart praktisch vorverlegten. Elf Jahre Aufbau des Marvel Cinematic Universe mündeten in diesem einen Starttermin. Die gewaltige Zahl misst deshalb vor allem die Vorfreude der Fans – und sagt weniger darüber aus, wie breit der Film darüber hinaus das Publikum ansprach.
| © Walt Disney Studios
Avatar – Aufbruch nach Pandora stand mehr als ein Jahrzehnt lang an der Spitze der Kinocharts aller Zeiten – dank eines weltweiten Einspielergebnisses von rund 2,9 Milliarden US-Dollar. Ein Teil davon stammt aus Zuschlägen für 3D- und IMAX-Vorstellungen, die es zu Zeiten älterer Blockbuster noch nicht gab. Außerdem brachte James Cameron den Film mehrfach erneut ins Kino und steigerte so die Gesamteinnahmen. Diese Zahl direkt mit dem Einspielergebnis eines Films aus den 1970er-Jahren zu vergleichen, greift deshalb zu kurz.
| © 20th Century Fox
2019 war Avengers: Endgame eine Zeit lang der umsatzstärkste Film aller Zeiten. Mit weltweit 2,798 Milliarden US-Dollar zog er knapp an Avatar – Aufbruch nach Pandora vorbei – ohne die Inflation zu berücksichtigen. Rechnet man die unterschiedlichen Ticketpreise ein, liegt Vom Winde verweht mit seinem Kinostart von 1939 noch immer deutlich vor beiden Filmen. Reine Dollarbeträge begünstigen neuere Produktionen und zeigen nicht unbedingt, welcher Film die meisten Menschen ins Kino lockte.
| © Walt Disney StudiosKinorekorde sorgen für Schlagzeilen. Doch viele wirken weniger beeindruckend, wenn man Inflation, Ticketpreise oder geschickte PR der Studios berücksichtigt. Hier sind 15 irreführende Kinorekorde – und was hinter den Zahlen steckt.
Kinorekorde sorgen für Schlagzeilen. Doch viele wirken weniger beeindruckend, wenn man Inflation, Ticketpreise oder geschickte PR der Studios berücksichtigt. Hier sind 15 irreführende Kinorekorde – und was hinter den Zahlen steckt.