Wenn Entwickler bei den auf UE5 laufenden PC-Ports an allen Ecken und Enden sparen, wird einem ordentlich der Tag versaut.
Die neuesten Spieleveröffentlichungen geraten auf dem PC immer mehr zur Zerreißprobe. Wie das im letzten Jahr erschienene Soulslike Wuchang: Fallen Feathers zeigt, müssen PC-Spieler oft wochenlang auf Performance Patches warten, während Konsolenversionen wesentlich flüssiger laufen.
Für Content Creator ist diese Problematik weit mehr als ein reines Ärgernis; sie schlägt sich direkt auf ihre Arbeit nieder. Streamer und YouTuber setzen auf eine stabile Performance, um Videos aufnehmen und übertragen zu können, ohne Frame-Drops oder Abstürze befürchten zu müssen.
Photorealismus ist nicht die einzige Baustelle
Unreal Engine 5 hat Technologien wie Nanite oder Lumen eingeführt, welche Entwicklern das Erstellen wesentlich detailgetreuerer Welten ermöglicht. Das Problem liegt also nicht direkt bei der Engine selbst.
Das Problem ist, dass Optimierung bis ganz zum Ende der Entwicklung aufgeschoben wird. Streamer wie Asmongold haben die wachsende Kritik aufgegriffen, dass die Unreal Engine 5 Spiele „tötet“. Damit sprechen sie den PC-Spielern aus der Seele.
Viele neuere UE5-Releases kamen mit heftigen Shader-Kompilierungs-Rucklern, unregelmäßigem Frame-Pacing und einer mangelhaften PC-Optimierung auf den Markt.
Für Streamer können solche Probleme eine komplette Übertragung ruinieren. OBS, Webcams, Overlays, Alerts und das Encoding - sie alle benötigen Grafikspeicher. Wenn ein Spiel die GPU vollständig auslastet, kommt es im Stream zu Frame-Drops, selbst wenn das eigentliche Spiel noch läuft.
Deshalb stützen sich viele Creator auf Technologien wie DLSS. Sie rendern das Spiel in einer geringeren internen Auflösung, sodass wertvolle Leistungsreserven frei werden. Dadurch können sowohl das Spiel als auch der Stream flüssig laufen.
Das Hochskalieren hat sich von einem optionalen Grafik-Feature zu einer praktischen Notwendigkeit für viele Creator entwickelt.
Nicht einmal Cozy Games sind immun
Obwohl man derart hohe Hardware-Anforderungen zunächst von brandaktuellen AAA-Shootern erwarten würde, leiden selbst stilisierte Story-Spiele mittlerweile an Optimierungsproblemen.
Als Paradebeispiel dient Life is Strange: Reunion, welches von Deck Nine entwickelt und von Square Enix veröffentlicht wurde. Als das Studio die offiziellen Hardware-Anforderungen für den PC teilte, sprang ein Detail direkt ins Auge:
Die empfohlene Grafikkarte für natives 4K bei höchsten Einstellungen mit gerade einmal 30 FPS ist eine RTX 4080.
Für Content-Creator sind 30 FPS überhaupt kein realistisches Ziel. Es kommt allerdings noch dicker, denn Spieler berichten zugleich über einen das Spiel zerstörenden DX12-Absturz bei neueren Nvidia Treibern, der ausgerechnet immer dann passiert, wenn Max Caulfield ihre berühmte Rückspul-Fähigkeit verwendet.
Der Effekt kann einen Windows-TDR-Fehler (Timeout Detection and Recovery) auslösen, welcher die Grafiktreiber abstürzen lässt und Spieler zurück auf den Desktop wirft. Einige mussten deshalb schon als Notlösung auf alte Grafiktreiber ausweichen.
Wo geht die Reise für die Branche hin?
Es handelt sich hier längst nicht mehr um einen Einzelfall oder einen einzigen schlecht optimierten Release. Es ist vielmehr Teil eines weitreichenden Trends, der das gesamte PC-Gaming erfasst.
Story-fokussierte Adventures haben bislang eher auf einen unverkennbaren Grafikstil und Barrierefreiheit gesetzt, anstatt die Grenzen der Hardware auszuloten. Da nun mehr Studios zur Unreal Engine 5 wechseln, gerät dieses Gleichgewicht ins Wanken.
Ohne ordentliche Optimierung können am Ende selbst schlicht aussehende Spiele absolute Flaggschiff-Hardware voraussetzen, was sowohl für Spieler als auch für Content-Creator unnötige Hürden schafft.
Grafische Brillanz hilft einem herzlich wenig, wenn die Performance auf der Strecke bleibt. Upscaling sollte das Erlebnis bereichern und nicht zur Grundvoraussetzung für stabiles Gameplay und flüssige Streams werden.
