Mit nur 11 Rollen eroberte sie Hollywood und dann das Königreich Monaco.
Am 14. September 1982 starb Grace Kelly im Alter von nur 52 Jahren an den Folgen eines Autounfalls. Ihr Leben wirkte wie ein modernes Märchen: Innerhalb von fünf Jahren wurde sie von einer weitgehend unbekannten Schauspielerin zum Oscar-prämierten Hollywoodstar und schließlich zur Fürstin von Monaco. Für ihre Ehe mit Fürst Rainier III. beendete sie ihre Karriere bereits mit 26 Jahren. Ihre Filme durften danach in Monaco nicht mehr öffentlich gezeigt werden.
Grace Kellys Kindheit in Philadelphia
Grace Patricia Kelly wurde am 12. November 1929 in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania geboren. Sie stammte aus einer wohlhabenden und gesellschaftlich angesehenen Familie. Ihr Vater John B. Kelly Sr. hatte als Ruderer drei olympische Goldmedaillen gewonnen und später als Unternehmer ein Vermögen aufgebaut. Ihre Mutter Margaret Majer war Sportlehrerin und zeitweise als Model tätig.
Obwohl Grace Kelly eher zurückhaltend und schüchtern war, interessierte sie sich früh für Theater und Schauspiel. Ihre Familie stand diesem Berufswunsch zunächst skeptisch gegenüber. Besonders ihr Vater hielt die Schauspielerei nicht für eine ernsthafte oder angemessene Karriere. Kelly setzte sich dennoch durch und zog nach New York, wo sie an der American Academy of Dramatic Arts studierte.
Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitete sie zeitweise als Model. Anschließend übernahm sie erste Rollen am Theater und in den damals populären Liveproduktionen des amerikanischen Fernsehens. Bevor sie zum Kinostar wurde, war sie bereits in zahlreichen Fernsehspielen zu sehen.
Eine Filmkarriere von gerade einmal fünf Jahren
Grace Kelly wird bis heute zu den größten Hollywoodstars des 20. Jahrhunderts gezählt. Dabei war ihre eigentliche Filmkarriere erstaunlich kurz. Zwischen ihrem Kinodebüt 1951 und ihrem letzten Film 1956 lagen lediglich fünf Jahre. In dieser Zeit drehte sie nur elf Spielfilme.
Ihre erste kleine Kinorolle erhielt sie 1951 in Vierzehn Stunden. Der Auftritt war noch zu unbedeutend, um ihr zum Durchbruch zu verhelfen. Schon ein Jahr später spielte sie jedoch an der Seite von Gary Cooper in dem Westernklassiker Zwölf Uhr mittags. Kelly verkörperte darin Amy Fowler Kane, die junge, pazifistische Ehefrau eines Marshals, die am Ende selbst zur Waffe greifen muss.
Der große Durchbruch folgte 1953 mit John Fords Abenteuerfilm Mogambo. Neben Clark Gable und Ava Gardner spielte Kelly eine verheiratete Frau, die sich während einer Afrikareise in einen Großwildjäger verliebt. Für ihre Darstellung erhielt sie einen Golden Globe und ihre erste Oscar-Nominierung.
Alfred Hitchcocks ideale Hauptdarstellerin
Besonders eng ist Grace Kellys Karriere mit dem Regisseur Alfred Hitchcock verbunden. Für ihn verkörperte sie eine besondere Mischung aus Eleganz, äußerer Beherrschung und verborgener Leidenschaft. Kelly entsprach damit genau jenem Typus der scheinbar kühlen, blonden Frau, den Hitchcock in mehreren seiner Filme inszenierte.
Ihre erste Zusammenarbeit entstand 1954 mit Bei Anruf Mord. Kelly spielte eine wohlhabende Ehefrau, deren Mann ihre Ermordung plant. Im selben Jahr folgte Das Fenster zum Hof, in dem sie an der Seite von James Stewart zu sehen war. Als Lisa Fremont verbindet sie darin Glamour und Mut: Während ihr verletzter Partner aus seinem Fenster einen möglichen Mord beobachtet, dringt sie selbst in die Wohnung des Verdächtigen ein.
1955 drehten Hitchcock und Kelly schließlich Über den Dächern von Nizza. Der an der französischen Riviera entstandene Film sollte auf unerwartete Weise zu ihrer späteren Lebensgeschichte passen. Kelly spielte darin eine reiche Amerikanerin, die sich in einen ehemaligen Juwelendieb verliebt. Große Teile des Films entstanden unweit von Monaco – jenem Fürstentum, dessen Landesmutter sie nur ein Jahr später werden sollte.
Der Oscar für Ein Mädchen vom Lande
Ihre Vielseitigkeit bewies Kelly 1954 mit dem Drama Ein Mädchen vom Lande. Statt einer glamourösen Gesellschaftsdame verkörperte sie die erschöpfte Ehefrau eines alkoholkranken Schauspielers, gespielt von Bing Crosby. Für die Rolle trat sie bewusst schlichter und zurückgenommener auf als in ihren anderen Filmen.
Die Darstellung brachte ihr 1955 den Oscar als beste Hauptdarstellerin ein. Sie setzte sich dabei knapp gegen Judy Garland durch, die für Ein neuer Stern am Himmel nominiert war. Grace Kelly hatte damit im Alter von nur 25 Jahren den Höhepunkt der amerikanischen Filmindustrie erreicht.
Zu ihren weiteren Produktionen gehörten Grünes Feuer, Die Brücken von Toko-Ri und Der Schwan. Ihr letzter Spielfilm wurde 1956 das Musical Die oberen Zehntausend. An der Seite von Bing Crosby und Frank Sinatra spielte sie erneut die Figur Tracy Lord, die sie bereits während ihrer Schauspielausbildung auf der Bühne dargestellt hatte.
Wie Grace Kelly Fürstin von Monaco wurde
Die Begegnung, die Grace Kellys Leben veränderte, fand im Mai 1955 statt. Die Schauspielerin hielt sich als Teil der amerikanischen Delegation bei den Filmfestspielen von Cannes auf. Das französische Magazin Paris Match arrangierte einen Fototermin mit Fürst Rainier III. im Fürstenpalast von Monaco.
Das erste Treffen verlief keineswegs so reibungslos, wie es später in romantischen Erzählungen dargestellt wurde. Wegen eines Stromausfalls konnte Kelly das ursprünglich vorgesehene Kleid nicht bügeln. Auf dem Weg zum Palast wurde sie zusätzlich durch einen Verkehrsunfall ihrer Begleiter aufgehalten. Rainier ließ die verspätete Schauspielerin wiederum zunächst warten.
Nach dem Fototermin blieben Kelly und Rainier miteinander in Kontakt. Sie tauschten Briefe aus, und Ende 1955 reiste der Fürst in die USA. Während eines Besuchs bei Kellys Familie in Philadelphia machte er ihr einen Heiratsantrag. Die Verlobung wurde im Januar 1956 offiziell bekannt gegeben.
Am 18. April 1956 fand im Thronsaal des monegassischen Palastes zunächst die standesamtliche Trauung statt. Einen Tag später folgte die kirchliche Hochzeit in der Kathedrale von Monaco. Mehr als 30 Millionen Menschen sollen die Zeremonie im Fernsehen verfolgt haben. MGM stattete die Braut mit einem von Kostümbildnerin Helen Rose entworfenen Hochzeitskleid aus, das bis heute zu den berühmtesten Brautkleidern des 20. Jahrhunderts zählt.
Grace Kelly wurde durch die Hochzeit nicht zur Königin von Monaco. Monaco ist kein Königreich, sondern ein Fürstentum. Rainier war der regierende Fürst, weshalb seine Ehefrau fortan den Titel Fürstin Gracia Patricia von Monaco trug. Ihre offizielle Anrede lautete Ihre Durchlaucht, die Fürstin von Monaco.
Das Ende ihrer Schauspielkarriere
Mit der Hochzeit endete Grace Kellys Karriere praktisch über Nacht. Sie war gerade einmal 26 Jahre alt und befand sich auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs. Ihr Rückzug war keine Folge ausbleibender Angebote. Hollywood hätte sie gerne weiterbeschäftigt, doch eine Fortsetzung ihrer Karriere galt als unvereinbar mit den Erwartungen an eine monegassische Fürstin.
Kelly musste zudem ihren Vertrag mit MGM beenden. Die oberen Zehntausend, dessen Dreharbeiten kurz vor ihrer Hochzeit abgeschlossen worden waren, wurde ihr letzter Spielfilm. Dass eine Oscarpreisträgerin nach nur elf Filmen und fünf Jahren im Kino vollständig von der Leinwand verschwand, trug entscheidend zur Entstehung ihres Mythos bei.
Alfred Hitchcock wollte Kelly später zurück nach Hollywood holen. Anfang der 1960er-Jahre bot er ihr die Hauptrolle in Marnie an. Kelly interessierte sich für das Projekt und soll einer Rückkehr zunächst offen gegenübergestanden haben. In Monaco regte sich jedoch Widerstand. Besonders problematisch erschien, dass die Fürstin im Film eine kleptomanische und psychisch belastete Frau spielen sollte. Schließlich sagte sie die Rolle ab. Tippi Hedren übernahm ihren Part.
Warum ihre Filme in Monaco verboten wurden
Nach Grace Kellys Hochzeit ließ Fürst Rainier ihre elf Spielfilme in Monaco nicht mehr öffentlich zeigen. Häufig wird deshalb davon gesprochen, dass er sämtliche Filme seiner Frau im Fürstentum verbot. Ein weithin dokumentiertes öffentliches Verbotsdekret ist zwar nicht bekannt, in biografischen Darstellungen wird die Entscheidung jedoch übereinstimmend Rainier und dem Fürstenhaus zugeschrieben.
Der Grund lag vor allem in der neuen offiziellen Rolle seiner Frau. Die Bevölkerung sollte Grace nicht länger als amerikanischen Filmstar, sondern als Repräsentantin des Staates wahrnehmen. Liebesszenen oder Filmfiguren, die im Gegensatz zum gewünschten Bild einer würdevollen Fürstin standen, galten am Hof als politisch und gesellschaftlich problematisch.
Das Verbot beziehungsweise die bewusste Unterbindung öffentlicher Vorführungen besaß eine besondere Ironie. Grace Kellys internationale Berühmtheit hatte Monaco enorme Aufmerksamkeit verschafft. Gleichzeitig sollte ausgerechnet das filmische Werk, auf dem diese Bekanntheit beruhte, innerhalb des Fürstentums aus dem öffentlichen Raum verschwinden.
Rainier selbst kannte die Filme seiner späteren Ehefrau durchaus. Schon vor der Hochzeit ließ er sich ihre Produktionen im privaten Vorführraum des Palastes zeigen. Die Einschränkung richtete sich daher weniger gegen die Filme an sich als gegen deren öffentliche Wirkung und die Vermischung von Grace Kellys früherer Leinwandidentität mit ihrer neuen staatlichen Funktion.
Ein neues Leben im Dienst Monacos
Als Fürstin übernahm Gracia Patricia zahlreiche repräsentative und wohltätige Aufgaben. Sie lernte Französisch, empfing internationale Gäste und half dabei, Monaco als glamourösen Treffpunkt für Kultur, Wirtschaft und Tourismus zu etablieren. Ihre Bekanntheit veränderte das Bild des kleinen Fürstentums nachhaltig.
Grace und Rainier bekamen drei Kinder: Caroline wurde 1957 geboren, Albert folgte 1958 und Stéphanie 1965. Albert II. ist seit dem Tod seines Vaters im Jahr 2005 der regierende Fürst von Monaco.
Ein Schwerpunkt von Gracia Patricias Arbeit lag auf Kindern, Gesundheit und Kultur. Sie engagierte sich für das Monegassische Rote Kreuz und gründete 1963 AMADE, eine Organisation zum Schutz und zur Unterstützung von Kindern. Außerdem förderte sie Kunsthandwerk, Theater und junge Künstler.
Auch wenn sie nicht mehr regulär als Schauspielerin arbeitete, verlor sie ihre Verbindung zur Kunst nie vollständig. Sie organisierte Lesungen, trug Gedichte vor und unterstützte kulturelle Einrichtungen. 1977 sprach sie außerdem den englischen Kommentar für den Dokumentarfilm Die Kinder der Theaterstraße, der später für einen Oscar nominiert wurde.
Der tödliche Unfall am 13. September 1982
Am Morgen des 13. September 1982 fuhr Grace Kelly gemeinsam mit ihrer damals 17-jährigen Tochter Stéphanie von ihrem Landsitz Roc Agel zurück nach Monaco. Auf einer steilen und kurvenreichen Straße verlor sie die Kontrolle über ihren Rover. Das Fahrzeug kam von der Fahrbahn ab und stürzte einen Abhang hinunter.
Stéphanie überlebte den Unfall verletzt. Grace Kelly wurde mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus von Monaco gebracht. Medizinische Untersuchungen ergaben, dass sie während der Fahrt wahrscheinlich eine Hirnblutung beziehungsweise einen Schlaganfall erlitten hatte. Dieser dürfte dazu geführt haben, dass sie die Kontrolle über das Fahrzeug verlor.
Im Krankenhaus trat eine weitere schwere Hirnblutung auf. Nachdem die Ärzte keine Aussicht auf eine Genesung mehr sahen, wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen beendet. Grace Kelly starb am Abend des 14. September 1982 im Alter von 52 Jahren.
Um den Unfall entstanden später zahlreiche Gerüchte. Unter anderem wurde behauptet, Stéphanie habe am Steuer gesessen oder ein Streit zwischen Mutter und Tochter habe den Absturz ausgelöst. Für diese Spekulationen gibt es keine belastbaren Belege. Die medizinischen Befunde sprechen dafür, dass Grace Kelly während der Fahrt einen Schlaganfall erlitt.
Eine Ikone nach nur elf Filmen
44 Jahre nach ihrem Tod bleibt Grace Kelly eine der bekanntesten Persönlichkeiten des klassischen Hollywoods. Ihre anhaltende Bedeutung steht in einem auffälligen Verhältnis zur Kürze ihrer Laufbahn. Sie drehte weniger Filme als viele andere Stars in wenigen Jahren produzierten und beendete ihre Karriere noch vor ihrem 27. Geburtstag.
Dennoch umfasst ihre Filmografie mehrere Werke, die zu den Klassikern der Kinogeschichte zählen. Zwölf Uhr mittags, Bei Anruf Mord, Das Fenster zum Hof, Über den Dächern von Nizza und Die oberen Zehntausend werden bis heute regelmäßig gezeigt und neu veröffentlicht – nur in ihrer neuen Heimat waren sie nach der Hochzeit lange unerwünscht.
Grace Kellys Geschichte wird häufig als Märchen von der Schauspielerin erzählt, die einen Fürsten heiratete. Tatsächlich war der Wechsel mit einem hohen persönlichen Preis verbunden. Sie gewann einen Titel, eine Familie und eine neue öffentliche Aufgabe, gab dafür aber eine außergewöhnliche Karriere auf. Gerade diese Verbindung aus Hollywoodglanz, royaler Pflicht und frühem Tod machte aus Grace Kelly eine Legende, deren elf Filme bis heute für ein ganzes Lebenswerk stehen.
