Adam Sandler wird 60: Wie der Hollywood-Chaot einst gleichzeitig schlechtester Schauspieler und schlechteste Schauspielerin der Welt wurde

Ob man seinen Humor feiert oder nicht – den Erfolg dahinter kann man ihm nicht absprechen.

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Chaot, Kumpel oder genialer Künstler? Bei Adam Sandler scheiden sich die Geister. | © Netflix

Adam Sandler feiert am heutigen 9. September 2026 seinen 60. Geburtstag. Er gehört zu den erfolgreichsten Komikern Hollywoods, wurde von Kritikern über Jahrzehnte regelmäßig verrissen und bewies gleichzeitig in mehreren Dramen, dass in ihm ein außergewöhnlicher Charakterdarsteller steckt.

Kaum eine Karriere vereint solche Gegensätze: Sandlers Filme spielten weltweit Milliarden ein, während er bei den Goldenen Himbeeren immer wieder für die schlechtesten Leistungen des Jahres nominiert wurde. 2012 gelang ihm dort sogar ein Rekord, den vermutlich kein Schauspieler freiwillig brechen möchte. Er gewann am selben Abend sowohl als schlechtester Schauspieler als auch als schlechteste Schauspielerin.

Von Brooklyn nach New Hampshire

Adam Richard Sandler wurde am 9. September 1966 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Seine Mutter Judy arbeitete als Erzieherin, sein Vater Stanley als Elektroingenieur. Sandler wuchs in einer jüdischen Familie mit drei älteren Geschwistern auf. Als er sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Manchester im US-Bundesstaat New Hampshire.

Sein Bruder ermutigte ihn als Teenager dazu, bei einem Comedy-Abend aufzutreten. Sandler entdeckte schnell, dass ihm die Bühne lag. Nach der Schule studierte er Schauspiel an der Tisch School of the Arts der New York University und schloss das Studium 1988 ab. Parallel sammelte er erste Erfahrungen als Stand-up-Comedian und übernahm kleinere Fernsehrollen.

Der Durchbruch bei Saturday Night Live

Der Komiker Dennis Miller sah Sandler bei einem Auftritt und empfahl ihn dem Produzenten Lorne Michaels. 1990 wurde Sandler zunächst als Autor für Saturday Night Live engagiert, ein Jahr später gehörte er auch vor der Kamera zum Ensemble.

Mit Figuren wie Opera Man und Canteen Boy sowie musikalischen Sketchen entwickelte er einen Stil, der bewusst kindisch, laut und gleichzeitig überraschend eingängig war. Songs wie The Thanksgiving Song und The Chanukah Song wurden weit über die Sendung hinaus bekannt.

1995 wurde Sandler gemeinsam mit Chris Farley entlassen. Eine genaue Begründung erhielt er nach eigener Aussage nicht. Was damals wie ein schwerer Karriereknick wirkte, wurde zum Beginn einer der kommerziell erfolgreichsten Comedy-Laufbahnen Hollywoods.

Die Sandler-Formel erobert das Kino

Mit Billy Madison – Ein Chaot zum Verlieben und Happy Gilmore – Ein Champ zum Verlieben etablierte Sandler Mitte der 1990er-Jahre seinen Filmtyp: ein unreifer Außenseiter mit unkontrollierter Wut, kindischen Sprüchen und einem überraschend weichen Kern.

Filme wie Eine Hochzeit zum Verlieben, Waterboy – Der Typ mit dem Wasserschaden, Big Daddy, Mr. Deeds und 50 erste Dates machten ihn zum Publikumsmagneten. Die Kritiken fielen häufig schwach aus, doch Sandlers Fans störte das wenig. Seine Komödien waren unkompliziert, leicht wiederzuerkennen und oft stärker von Freundschaft und Loyalität geprägt, als ihr derber Humor vermuten ließ.

1999 gründete er seine Produktionsfirma Happy Madison Productions. Dadurch gewann er mehr Kontrolle über seine Filme und konnte regelmäßig mit denselben Freunden und Wegbegleitern arbeiten, darunter Rob Schneider, Kevin James, David Spade und Steve Buscemi. Genau das wurde ihm gelegentlich als Bequemlichkeit vorgeworfen, machte seine Produktionen aber auch zu einer Art dauerhaftem Comedy-Ensemble.

Die Goldene Himbeere als Mann und Frau

Den Tiefpunkt seiner Beziehung zur Filmkritik erreichte Sandler mit der 2011 veröffentlichten Komödie Jack und Jill. Darin spielte er eine Doppelrolle: den Werbefachmann Jack Sadelstein und dessen Zwillingsschwester Jill. Per Kostüm, Perücke und verstellter Stimme trat Sandler somit gleichzeitig als männliche und weibliche Hauptfigur auf.

Bei der 32. Verleihung der Goldenen Himbeeren im Jahr 2012 wurde der Film zum historischen Gewinner. Jack und Jill setzte sich in allen zehn vergebenen Kategorien durch – als erster Film in der Geschichte der satirischen Negativpreise.

Adam Sandler gewann gleichzeitig die Goldene Himbeere als schlechtester Schauspieler und als schlechteste Schauspielerin. Der Schauspielerpreis bezog sich auf seine Auftritte in Jack und Jill und Meine erfundene Frau. Den Preis als schlechteste Schauspielerin erhielt er für seine Darstellung der Jill.

Damit nicht genug: Der Film gewann unter anderem auch als schlechtester Film, für die schlechteste Regie, das schlechteste Drehbuch, das schlechteste Ensemble und das schlechteste Leinwandpaar. Selbst Al Pacino erhielt für seine absichtlich überzogene Version seiner selbst den Preis als schlechtester Nebendarsteller.

Der Rekord ist absurd, aber er fasst Sandlers Karriere nur unvollständig zusammen. Die Goldenen Himbeeren zeichneten einen Schauspieler aus, der sich in vielen seiner Komödien tatsächlich auf dieselben Stimmen, Wutausbrüche und einfachen Pointen verließ. Sie trafen jedoch nicht den Darsteller, der abseits dieser Produktionen längst bewiesen hatte, wie viel mehr er konnte.

Der andere Adam Sandler

Bereits 2002 besetzte Regisseur Paul Thomas Anderson Sandler in Punch-Drunk Love. Seine bekannte Leinwand-Wut wurde darin nicht als bloße Pointe behandelt, sondern als Ausdruck von Einsamkeit, Überforderung und unterdrückter Angst. Sandler spielte keinen völlig anderen Figurentyp. Er zeigte vielmehr, was sich unter seinen Comedyrollen verbergen konnte.

Später folgten ernstere Auftritte in Die Liebe in mir, Wie das Leben so spielt und The Meyerowitz Stories (New and Selected). Den größten Kritikererfolg seiner Karriere erzielte er 2019 mit Der schwarze Diamant. Als spielsüchtiger New Yorker Juwelier Howard Ratner erzeugte Sandler eine fast unerträgliche Mischung aus Charisma, Selbstzerstörung und nervöser Energie.

Für die Rolle gewann er den Independent Spirit Award als bester Hauptdarsteller. Eine vielfach erwartete Oscar-Nominierung erhielt er nicht. Die Leistung veränderte dennoch dauerhaft die Wahrnehmung seiner Fähigkeiten: Die Frage war nicht mehr, ob Adam Sandler ernsthaft spielen konnte, sondern warum er es so selten tat.

Netflix machte ihn noch erfolgreicher

2014 schloss Sandler einen umfangreichen Produktionsvertrag mit Netflix. Komödien wie The Ridiculous 6 wurden von Kritikern verrissen, erreichten auf der Plattform aber ein großes Publikum. Später folgten unter anderem Murder Mystery, Hubie Halloween, das Basketball-Drama Hustle und der Animationsfilm Leo.

Die Zusammenarbeit erwies sich für beide Seiten als äußerst erfolgreich. Sandler konnte seine Filme weitgehend nach eigener Vorstellung produzieren, während Netflix auf einen Star setzte, dessen Publikum ihm unabhängig von Kritiken folgte.

Familie, Freundschaften und soziales Engagement

Seit 2003 ist Sandler mit der Schauspielerin Jackie Titone verheiratet, die er bei den Dreharbeiten zu Big Daddy kennengelernt hatte. Das Paar hat zwei Töchter, Sadie und Sunny. Beide sowie Sandlers Ehefrau treten regelmäßig in seinen Filmen auf.

Diese familiäre Arbeitsweise wird manchmal als Vetternwirtschaft kritisiert. Sie passt aber zu einer Karriere, die auffällig stark von langfristigen Beziehungen geprägt ist. Sandler arbeitet seit Jahrzehnten mit denselben Autoren, Darstellern und Freunden zusammen. Beim Mark-Twain-Preis 2023 beschrieben viele von ihnen ihn nicht nur als erfolgreichen Komiker, sondern als ungewöhnlich loyalen Wegbegleiter.

Sandler unterstützt zudem verschiedene gemeinnützige Projekte. 2007 spendete er eine Million US-Dollar an den Boys & Girls Club seiner Heimatstadt Manchester, um dessen Angebote für Kinder und Jugendliche auszubauen. Darüber hinaus beteiligte er sich unter anderem an Spendensammlungen für Krebsforschung, Autismus-Hilfen und Katastrophenopfer.

Mit 60 zurück zu seinen größten Erfolgen

2025 kehrte Sandler fast drei Jahrzehnte nach dem Original in Happy Gilmore 2 zu einer seiner bekanntesten Figuren zurück. Der Film wurde für Netflix erneut zu einem großen Publikumserfolg und setzte auf dieselbe Mischung aus Nostalgie, Sportkomödie und zahlreichen Gastauftritten.

Im selben Jahr war er neben George Clooney in Noah Baumbachs Jay Kelly zu sehen. Als erschöpfter Manager eines berühmten Schauspielers erhielt Sandler erneut Lob für eine zurückhaltende dramatische Leistung. 2026 produzierte seine Firma außerdem Roommates, in dem seine ältere Tochter Sadie eine Hauptrolle übernahm.

Erfolg trotz – und manchmal wegen – der schlechten Kritiken

Adam Sandlers Karriere lässt sich weder als Geschichte eines verkannten Genies noch als Triumph des schlechten Geschmacks erklären. Einige seiner Komödien sind warmherzig, originell und bis heute beliebt. Andere wirken tatsächlich faul, überlang oder wie bezahlter Urlaub mit Freunden. Beides gehört zu seinem Werk.

Sein größtes Talent könnte darin liegen, genau zu wissen, was sein Publikum von ihm erwartet. Wenn er davon abweicht, entstehen Filme wie Punch-Drunk Love, Der schwarze Diamant oder Jay Kelly. Wenn er die vertraute Formel bedient, erreicht er oft mehr Zuschauer als viele gefeierte Prestigefilme.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....