Ein Brite zwischen Hollywood, Zombiejagd und tatsächlicher Liebe...
Andrew Lincoln feiert am heutigen 14. September 2026 seinen 53. Geburtstag. Weltweit bekannt wurde der britische Schauspieler als Rick Grimes in The Walking Dead. Dabei unterscheidet sich Lincoln nicht nur durch seinen britischen Akzent deutlich von seiner berühmtesten Rolle: Auch sein richtiger Name dürfte viele Fans überraschen. Geboren wurde er als Andrew James Clutterbuck.
Andrew Lincoln heißt eigentlich Andrew James Clutterbuck
Andrew Lincoln wurde am 14. September 1973 in London geboren. Sein vollständiger Geburtsname lautet Andrew James Clutterbuck. Den heute bekannten Künstlernamen legte er sich erst zu Beginn seiner Schauspielkarriere zu.
Nach eigener Darstellung riet ihm sein damaliger Agent davon ab, unter dem Familiennamen Clutterbuck aufzutreten. Der Name klinge zu ungewöhnlich und erinnere an eine Figur aus einer Fantasygeschichte beziehungsweise an einen Hobbit. Aus Andrew Clutterbuck wurde daraufhin Andrew Lincoln.
Seinen Vornamen behielt er, für den neuen Nachnamen entschied er sich nach mehreren Überlegungen. Unter diesem deutlich kürzeren Künstlernamen begann er schließlich, sich für professionelle Rollen zu bewerben. Dass Millionen Menschen ihn später fast ausschließlich als Rick Grimes kennen würden, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen.
Kindheit zwischen Hull und Bath
Lincoln verbrachte seine ersten Lebensjahre nicht dauerhaft in London. Als er etwa 18 Monate alt war, zog seine Familie nach Hull. Später ließ sie sich in Bath im Südwesten Englands nieder. Sein Vater war Bauingenieur, seine aus Südafrika stammende Mutter arbeitete als Krankenschwester.
Während seiner Schulzeit interessierte sich Lincoln zunächst stärker für Sport als für die Schauspielerei. Er spielte unter anderem Rugby. Im Alter von 14 Jahren übernahm er jedoch die Rolle des Artful Dodger in einer Schulaufführung von Oliver!. Die Erfahrung auf der Bühne weckte sein Interesse an der Schauspielerei.
Nach der Schule studierte er an der renommierten Royal Academy of Dramatic Art in London. Dort begann er auch, den Namen Andrew Lincoln professionell zu verwenden.
Die ersten Rollen im britischen Fernsehen
Seinen ersten Fernsehauftritt hatte Lincoln 1994 in einer Episode der britischen Comedyserie Drop the Dead Donkey. Kurz darauf erhielt er seine erste Filmrolle in dem Drama Boston Kickout.
Der eigentliche Durchbruch in Großbritannien gelang ihm 1996 mit der BBC-Serie This Life. Lincoln spielte Edgar Cook, der von seinen Freunden Egg genannt wird. Die Serie erzählte vom beruflichen und privaten Leben einer Gruppe junger Juristen in London und entwickelte sich besonders bei einem jüngeren Publikum zum Erfolg.
Mit seiner Rolle etablierte sich Lincoln als Fernsehschauspieler. Nach dem Ende der Serie folgten Auftritte in verschiedenen britischen Produktionen. Von 2001 bis 2003 spielte er in der Comedyserie Teachers den idealistischen, häufig überforderten Lehrer Simon Casey. Bei zwei Episoden führte er außerdem Regie und erhielt dafür eine Nominierung bei den British Academy Television Awards.
Der Mann mit den Schildern aus Tatsächlich… Liebe
Bevor Lincoln zum Star einer Zombieserie wurde, kannten ihn viele Zuschauer aus einer der berühmtesten Szenen einer romantischen Weihnachtskomödie. In Tatsächlich… Liebe spielte er 2003 den zurückhaltenden Mark.
Mark ist heimlich in Juliet verliebt, die gerade seinen besten Freund Peter geheiratet hat. An Weihnachten steht er vor ihrer Haustür und gesteht ihr seine Gefühle mithilfe handbeschriebener Schilder. Während im Hintergrund Silent Night läuft, zeigt er ihr unter anderem die inzwischen berühmte Botschaft, dass sie für ihn vollkommen sei.
Die Szene wurde zu einem festen Bestandteil der Popkultur. Sie wurde vielfach nachgestellt, parodiert und diskutiert. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand bewerteten manche Zuschauer Marks Verhalten allerdings kritischer und bezeichneten es als unangemessen. Lincoln selbst äußerte später scherzhaft, dass er in dem Film einen seltsamen Stalker gespielt habe.
Für den internationalen Durchbruch reichte Tatsächlich… Liebe zunächst dennoch nicht. Lincoln blieb in den folgenden Jahren vor allem im britischen Fernsehen aktiv.
Zwischen Liebeskomödien, Dramen und Mystery
Von 2005 bis 2006 übernahm Lincoln eine Hauptrolle in der Mysteryserie Afterlife. Als Psychologe Robert Bridge untersucht er darin die vermeintlich übernatürlichen Erlebnisse eines Mediums. Die Serie zeigte bereits jene ernste und zunehmend verzweifelte Seite des Schauspielers, die später auch für Rick Grimes wichtig werden sollte.
Daneben war Lincoln unter anderem in Gangster No. 1, Herzensbrecher und We Want Sex zu sehen. In der Serie Strike Back spielte er 2010 außerdem Hugh Collinson, einen britischen Offizier mit einer belastenden Vergangenheit.
Bis zu diesem Zeitpunkt war Lincoln ein etablierter britischer Darsteller, aber noch kein internationaler Fernsehstar. Das änderte sich im selben Jahr grundlegend.
Der Durchbruch als Rick Grimes
2010 übernahm Andrew Lincoln die Hauptrolle in der neuen AMC-Serie The Walking Dead. Grundlage war die gleichnamige Comicreihe von Robert Kirkman, Tony Moore und Charlie Adlard.
Lincoln spielte den Hilfssheriff Rick Grimes, der nach einer Schussverletzung aus dem Koma erwacht und eine von Untoten überrannte Welt vorfindet. Auf der Suche nach seiner Frau Lori und seinem Sohn Carl schließt er sich einer Gruppe Überlebender an. Aus dem pflichtbewussten Polizisten entwickelt sich im Laufe der Serie ein kompromissbereiter und teilweise brutaler Anführer.
Lincoln, der selbst Brite ist, verwendete für die Rolle einen amerikanischen Südstaatenakzent. Viele Zuschauer erfuhren deshalb erst durch Interviews, dass der Schauspieler weder Amerikaner ist noch privat wie Rick Grimes spricht.
Seine Darstellung lebte von der Veränderung der Figur. Rick begann als Mann, der auch nach dem Zusammenbruch der Zivilisation an Regeln und Moral festhalten wollte. Verluste, Verrat und die ständige Bedrohung durch andere Gruppen ließen ihn jedoch immer radikaler werden. Lincoln verkörperte sowohl den Familienvater und Beschützer als auch einen Menschen, der unter der Last seiner Entscheidungen beinahe zerbricht.
Eine der erfolgreichsten Serien ihrer Zeit
The Walking Dead entwickelte sich zu einem internationalen Phänomen. Besonders während der mittleren Staffeln erreichte die Serie in den USA Zuschauerzahlen, die für eine Kabelproduktion außergewöhnlich waren. Rick Grimes wurde zu einer der bekanntesten Fernsehfiguren der 2010er-Jahre.
Lincoln stand von 2010 bis 2018 für die Serie vor der Kamera. In dieser Zeit prägten vor allem Ricks Beziehungen zu Figuren wie Daryl Dixon, Michonne, Carl, Shane Walsh und seinem Gegenspieler Negan die Handlung.
Zu den bekanntesten Momenten gehörten Ricks Erwachen im Krankenhaus, seine Ankunft in Atlanta, der Konflikt mit Shane und die Auseinandersetzungen mit dem Governor und Negan. Auch Ricks häufig emotional herausgerufener Name seines Sohnes Carl wurde durch Lincolns Aussprache zu einem Internetphänomen.
Ein bewusst privates Familienleben
Andrew Lincoln ist seit 2006 mit Gael Anderson verheiratet. Sie ist die Tochter von Ian Anderson, dem Sänger und Flötisten der Rockband Jethro Tull. Das Paar hat zwei Kinder und lebt überwiegend in London.
Lincoln hält sein Privatleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Er nutzt keine offiziellen Social-Media-Profile und spricht nur selten über seine Familie. Seine Entscheidung, The Walking Dead zu verlassen, zeigte jedoch, welchen Stellenwert das Familienleben für ihn besitzt.
Zu seinen engen Freunden gehört Norman Reedus, der in The Walking Dead Daryl Dixon spielt. Reedus und Lincoln entwickelten während der gemeinsamen Dreharbeiten eine Freundschaft, die für gegenseitige Streiche am Set bekannt wurde. Lincoln ist außerdem Pate von Reedus’ Sohn Mingus.
Weit mehr als Rick Grimes
Andrew Lincoln wird für viele Zuschauer dauerhaft mit Sheriffhut, Revolver und dem Kampf gegen Untote verbunden bleiben. Rick Grimes prägte seine Karriere über mehr als ein Jahrzehnt und machte ihn zu einem der bekanntesten britischen Fernsehschauspieler seiner Generation.
Seine Laufbahn begann jedoch lange vor The Walking Dead. Von This Life und Teachers über die Schilder-Szene in Tatsächlich… Liebe bis zu den psychologisch komplexeren Rollen in Penguin Bloom, Guillermo del Toros Kuriositätenkabinett und Coldwater hat Lincoln immer wieder andere Seiten gezeigt.
Auch sein Name erzählt einen Teil dieser Karriere. Andrew James Clutterbuck legte seinen auffälligen Familiennamen zu Beginn seiner Ausbildung ab, um bessere Chancen in der Branche zu haben. Mehr als drei Jahrzehnte später ist Andrew Lincoln weltweit bekannt – während sein eigentlicher Name für viele Fans noch immer eine überraschende Entdeckung bleibt.
