Viele Homelander Fans können gar nicht glauben, wie anders der Mann hinter der Figur ist.
Antony Starr feiert heute, am 25. Oktober 2026, seinen 51. Geburtstag. Als Homelander in The Boys wurde der neuseeländische Schauspieler weltweit bekannt. Dabei hielt er sich zunächst für die falsche Besetzung. Sein Bewerbungsvideo nahm er nach eigener Aussage verärgert auf, weil seine Vertreter ihn immer wieder dazu drängten. Ausgerechnet dieses widerwillige Vorsprechen überzeugte die Verantwortlichen.
Die Karriere vor dem Superheldenkostüm
Antony Starr wurde am 25. Oktober 1975 geboren. Seine Schauspielkarriere begann in Neuseeland mit Werbung und kleineren Fernsehrollen. Ein abendlicher Schauspielkurs führte ihn in einen Beruf, für den er zunächst keinen klaren Karriereplan hatte. Zu seinen frühen Arbeiten gehörten Auftritte in Xena – Die Kriegerprinzessin und Street Legal.
In seiner Heimat wurde er besonders durch Outrageous Fortune bekannt. Dort spielte er die Zwillingsbrüder Van und Jethro West, deren Persönlichkeiten deutlich auseinanderliegen. Die Doppelrolle verlangte mehr als unterschiedliche Frisuren oder Kleidung: Starr musste zwei Menschen unterscheidbar machen, die dasselbe Gesicht haben.
Von 2013 bis 2016 folgte die Hauptrolle in Banshee – Small Town. Big Secrets.. Starr spielte einen ehemaligen Häftling, der die Identität des neuen Sheriffs Lucas Hood übernimmt. Die Serie verband eine falsche Identität mit kompromissloser Gewalt und gab ihm bereits vor The Boys eine international sichtbare Hauptrolle.
Für Homelander hielt er sich zunächst nicht für geeignet
Als Starr die Möglichkeit bekam, für The Boys vorzusprechen, war seine Begeisterung zunächst überschaubar. Er verband das Projekt mit klassischen Superhelden und erwartete, dass die Rolle an jemanden mit der körperlichen Erscheinung eines Henry Cavill gehen würde. Sich selbst sah er nicht in diesem Bild. Deshalb beschäftigte er sich anfangs kaum mit dem Material.
Seine Agent blieben jedoch hartnäckig. Starr arbeitete gerade an einem anderen Projekt und erklärte später im WIRED-Interview, dass er schließlich mit einem iPad ein Bewerbungsvideo aufnahm. Er sei wegen des wiederholten Drängens verärgert gewesen und habe entsprechend ein wütendes Vorsprechen abgeliefert.
Das Video gefiel Showrunner Eric Kripke. Erst nach der positiven Rückmeldung las Starr das Drehbuch genauer und erkannte, dass hier eine wesentlich interessantere Figur auf ihn wartete als der gewöhnliche Superheld, den er erwartet hatte.
Ein freundliches Lächeln kann bei ihm zur Drohung werden
Homelander trägt die äußeren Zeichen eines klassischen Helden: blondes Haar, ein makelloses Kostüm und die amerikanische Flagge als Umhang. Starr macht daraus eine Figur, deren beruhigendes Auftreten jederzeit kippen kann. Das Lächeln bleibt stehen, während die Augen bereits etwas anderes erzählen.
Seine Darstellung funktioniert besonders über kleine Veränderungen. Ein angespannter Kiefer, eine kurze Pause oder ein Blick können eine Szene bedrohlicher machen als eine laut ausgesprochene Drohung. Gleichzeitig zeigt Starr hinter der Überlegenheit eine enorme Bedürftigkeit. Homelander will nicht nur gehorcht werden. Er verlangt Bewunderung und erträgt kaum, wenn sie ausbleibt.
Gerade diese Verbindung macht die Figur interessant: enorme Macht bei geringer Fähigkeit, Kränkungen auszuhalten. Starr spielt keinen souveränen Herrscher, sondern einen Menschen, der seine Unsicherheit durch Kontrolle über andere zu verdrängen versucht.
Die politische Bedeutung der Figur
The Boys lässt sich als Satire auf eine Gesellschaft lesen, in der Macht durch Werbung, Unterhaltung und sorgfältig gepflegte öffentliche Bilder legitimiert wird. Homelander ist dafür das deutlichste Beispiel. Seine Vermarktung als Beschützer verdeckt, wie gefährlich er für diejenigen ist, die sich ihm widersetzen.
Starrs Leistung besteht darin, diese Kritik nicht nur über Dialoge zu vermitteln. Seine Figur kann gleichzeitig charmant auftreten und einschüchtern. Das Publikum sieht, wie die öffentliche Fassade hergestellt wird – und wie schnell sie fällt, sobald keine Zustimmung mehr zu erwarten ist.
Allerdings hat die extreme Darstellung auch Grenzen. Wenn eine Serie immer wieder auf noch größere Grausamkeit setzt, kann die nächste Eskalation an Wirkung verlieren. Starrs stärkste Momente liegen deshalb häufig in der Zurückhaltung: dort, wo man noch nicht weiß, ob Homelander gleich lächeln, zusammenbrechen oder jemanden angreifen wird.
Eine reale Verurteilung gehört ebenfalls zur Bilanz
Eine kritische Würdigung darf Starrs Verurteilung wegen Körperverletzung nicht auslassen. Im März 2022 griff er in einer Bar in Alicante einen 21-jährigen Mann an. Ein spanisches Gericht verurteilte ihn zu zwölf Monaten Haft, deren Vollstreckung ausgesetzt wurde, sowie zu einer Entschädigungszahlung von 5.000 Euro an den Betroffenen.
Die Tat sollte weder als unterhaltsame Parallele zu Homelander behandelt noch zur Erklärung seiner Schauspielkunst gemacht werden. Eine überzeugende Darstellung von Gewalt sagt nichts darüber aus, ob jemand im wirklichen Leben gewalttätig handelt. Umgekehrt macht berufliches Können eine reale Körperverletzung nicht weniger schwerwiegend.
Die notwendige Trennung zwischen Schauspieler und Figur bedeutet deshalb keine Trennung von Verantwortung. Starrs Arbeit lässt sich anerkennen, während sein tatsächliches Verhalten kritisch beurteilt wird.
Mehr als eine glückliche Casting-Anekdote
An seinem 51. Geburtstag ist Antony Starr vor allem für eine Rolle bekannt, die er sich anfangs selbst kaum zugetraut hatte. Das genervte Bewerbungsvideo ist eine ungewöhnliche Geschichte. Seine spätere Darstellung beruht jedoch auf mehr als einem passenden Moment schlechter Laune: auf Timing, körperlicher Kontrolle und der Fähigkeit, widersprüchliche Gefühle zugleich sichtbar zu machen.
Homelander bleibt ein eindrucksvoller Teil seiner Karriere. Die Doppelrolle in Outrageous Fortune und seine Arbeit in Banshee – Small Town. Big Secrets. zeigen, dass diese Karriere schon vorher Substanz hatte. Eine faire Würdigung berücksichtigt beides – und blendet seine Verantwortung außerhalb der Leinwand nicht aus.
