Aubrey Plaza wird 42: Vom Schlaganfall mit 20 zur Akward-Comedy-Ikone

Wer nur eines ihrer legendären Interviews mit etwa Conan O'Brien gesehen hat, weiß, was sie so beliebt macht.

Aubrey Plaza 01 Universum Film
Ob in Filmen, Shows oder Interviews – Plaza ist gelebter Internet-Humor. | © Universum Film

Aubrey Plaza feiert am heutigen 26. Juni 2026 ihren 42. Geburtstag – und kaum eine Schauspielerin hat ihr Image in den letzten Jahren so interessant gedreht wie sie. Viele kennen sie bis heute als April Ludgate aus Parks and Recreation: trocken, gelangweilt, komplett unbeeindruckt von allem. Aber genau dieses Image hat Plaza Stück für Stück aufgebrochen.

Aus der Queen des Deadpan-Humors wurde eine Schauspielerin, Produzentin und Autorin, die zwischen Indie-Thrillern, Prestige-Serien, Marvel-Fantasy und absurden Comedy-Projekten fast mühelos hin und her wechselt. Geboren wurde Aubrey Christina Plaza am 26. Juni 1984 in Wilmington, Delaware.

Von Wilmington nach New York

Plazas Weg nach Hollywood begann nicht mit einem klassischen Disney-Channel-Moment, sondern eher mit Community Theater, Improvisation und einem sehr eigenen Sinn für Humor. Schon in ihrer Jugend spielte sie Theater in Wilmington, später zog sie nach New York, nahm Kurse am Upright Citizens Brigade Theatre und studierte Film- und Fernsehproduktion an der Tisch School of the Arts der New York University, wo sie 2006 ihren Abschluss machte.

Ein einschneidendes Erlebnis hatte sie bereits mit 20 Jahren: Plaza erlitt einen Schlaganfall, der zeitweise zu expressiver Aphasie führte. Sie konnte also verstehen, was passierte, aber nicht richtig sprechen. Dass sie danach ausgerechnet eine Karriere aufbaut, die so stark von Timing, Stimme, Pausen und Blicken lebt, macht ihre spätere Laufbahn noch beeindruckender.

Der Durchbruch als April Ludgate

Nach ersten Jobs als Praktikantin bei Saturday Night Live und als NBC-Page bekam Plaza 2009 gleich mehrere Chancen auf einmal. Sie spielte in Judd Apatows Wie das Leben so spielt, in Edgar Wrights Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – und wurde im selben Jahr für Parks and Recreation besetzt. Genau diese Serie machte sie zum Kultgesicht. Als April Ludgate war sie der perfekte Gegenpol zu Amy Poehlers hypermotivierter Leslie Knope: minimalistische Mimik, maximale Verachtung, aber irgendwie trotzdem liebenswert.

Das Problem war nur: Die Rolle war fast zu ikonisch. Nach Parks and Recreation erwarteten viele von Plaza immer wieder dieselbe Figur: sarkastisch, düster, seltsam, ein bisschen wie jemand, der heimlich einen Fluch ausspricht. Doch Plaza nutzte genau diese Erwartung, um sie immer wieder leicht zu verschieben.

Vom Comedy-Gesicht zur Indie-Waffe

Mit Filmen wie Journey of Love, im Original Safety Not Guaranteed, Die To-Do Liste, Life After Beth und The Little Hours – Stoßgebete und andere Todsünden baute Plaza sich ein zweites Standbein im Indie-Kino auf. Besonders spannend wurde es 2017 mit Ingrid Goes West, in dem sie eine Frau spielt, die sich immer tiefer in Social-Media-Obsession und Einsamkeit verliert. Das war zwar noch Comedy, aber deutlich dunkler, unangenehmer und näher an psychologischem Drama.

Spätestens mit Emily the Criminal zeigte Plaza dann, dass sie nicht nur Szenen stehlen, sondern einen ganzen Film tragen kann. Als verschuldete junge Frau, die in Kreditkartenbetrug und Kriminalität abrutscht, spielte sie weniger auf Pointe als auf Druck, Wut und Überlebensinstinkt. Gleichzeitig produzierte sie den Film mit – ein Zeichen dafür, dass Plaza ihre Karriere längst nicht mehr nur als Schauspielerin denkt, sondern als kreative Kontrolle über Stoffe, die zu ihr passen.

The White Lotus, Marvel und der Prestige-Sprung

Der große Prestige-Moment kam 2022 mit der zweiten Staffel von The White Lotus. Als Harper Spiller spielte Plaza eine Figur, die nach außen kontrolliert und kühl wirkt, innerlich aber voller Zweifel, Misstrauen und Frust steckt. Für diese Rolle erhielt sie unter anderem eine Golden-Globe-Nominierung und rückte endgültig in die Liga der Schauspielerinnen auf, über die nicht mehr nur als Comedy-Typ, sondern als ernsthafte Charakterdarstellerin gesprochen wird.

2024 folgten gleich mehrere auffällige Rollen: In Francis Ford Coppolas Megalopolis spielte sie Wow Platinum, eine überzeichnete TV-Persönlichkeit in einer völlig überladenen Zukunftsvision. In My Old Ass wurde sie zur älteren Version einer jungen Frau, die ihrem Teenager-Ich begegnet. Und in Agatha All Along stieg Plaza ins Marvel Cinematic Universe ein – als Rio Vidal, die später als Verkörperung des Todes enthüllt wird.

Gerade Agatha All Along war auch kulturell wichtig. Das Finale enthielt den ersten lesbischen Kuss im Marvel Cinematic Universe zwischen Kathryn Hahns Agatha und Plazas Rio. Für Plaza passte das erstaunlich gut: Ihre Karriere lebte schon immer davon, Außenseiterinnen, Grenzfiguren und schwer einzuordnende Frauen nicht glattzubügeln, sondern genau diese Ambivalenz interessant zu machen.

2026: Persönlicher Neuanfang und ein bitterer Serienmoment

Auch privat war Plazas Leben in den letzten Jahren von großen Brüchen geprägt. Im Januar 2025 starb ihr Ehemann, der Filmemacher Jeff Baena, durch Suizid. Plaza und Baenas Familie sprachen damals von einer unvorstellbaren Tragödie und baten um Privatsphäre. Später beschrieb Plaza ihre Trauer öffentlich als täglichen Kampf.

2026 steht nun auch für einen neuen Lebensabschnitt: Im April bestätigte People, dass Plaza ihr erstes Kind mit ihrem Partner Christopher Abbott erwartet. Die beiden hatten zuvor bereits gemeinsam in Black Bear und in der Off-Broadway-Produktion Danny and the Deep Blue Sea gearbeitet.

Beruflich brachte 2026 aber auch einen kleinen Dämpfer. Ihre animierte Prime-Video-Serie Kevin, die sie mit Joe Wengert entwickelte, wurde nach nur einer Staffel abgesetzt. Plaza nannte die Entscheidung enttäuschend und erinnerte daran, dass auch Parks and Recreation am Anfang Zeit gebraucht habe, um sein Publikum zu finden. Die Serie erzählte von einem neurotischen Hauskater, der nach der Trennung seiner menschlichen Besitzer in einem Tierheim landet.

Politisches und soziales Engagement

Aubrey Plaza ist keine Schauspielerin, die sich dauerhaft als klassische Polit-Aktivistin inszeniert. Ihr öffentliches Engagement wirkt eher punktuell, persönlich und stark mit ihrer Herkunft verbunden. Ein Beispiel dafür ist Puerto Rico: Nach Hurrikan Maria arbeitete sie 2018 mit LG Mobile an einer Hilfsaktion, bei der Smartphones und Service im Wert von 200.000 US-Dollar für den Wiederaufbau und die Versorgung in Puerto Rico bereitgestellt wurden. Plaza, deren Vater puerto-ricanische Wurzeln hat, reiste damals auch selbst dorthin, um die Aktion mit der Hispanic Federation zu unterstützen.

Auch politisch wurde sie deutlicher, als Puerto Rico 2024 bei einer Trump-Veranstaltung durch einen Comedian beleidigt wurde. Plaza kritisierte den Kommentar öffentlich bei den WSJ Magazine Innovator Awards und machte klar, dass sie diese Bemerkung über die Heimat vieler ihrer Familienmitglieder nicht einfach stehen lassen wollte.

Dazu kommt ihr Einsatz für Sichtbarkeit. Plaza sprach in Interviews offen über ihre bisexuelle Identität und über die Bedeutung vielfältiger lateinamerikanischer Repräsentation in Hollywood. Besonders interessant ist dabei, dass sie nicht auf eine einzige Schublade reduziert werden will: weder als Latina, noch als queere Schauspielerin, noch als reine Comedy-Figur. Genau diese Weigerung, leicht vermarktbar zu sein, ist ein großer Teil ihrer öffentlichen Wirkung.

Außerdem zeigte sie 2023 Solidarität mit der Hollywood-Arbeiterbewegung: Gemeinsam mit weiteren Parks and Recreation-Kolleginnen und -Kollegen war Plaza während des SAG-AFTRA- und WGA-Streiks auf der Streiklinie zu sehen. Dabei ging es unter anderem um faire Bezahlung, Streaming-Restvergütungen und Schutz vor unregulierter KI-Nutzung in der Film- und Fernsehbranche.

Warum Aubrey Plaza so besonders bleibt

Aubrey Plaza ist 2026 längst mehr als April Ludgate. Sie ist eine Schauspielerin, die Humor wie eine Waffe benutzt, aber sich nie darauf ausruht. Sie kann eine Szene mit einem einzigen Blick kippen lassen, aber sie kann inzwischen auch komplette Filme tragen, Serien prägen und Figuren spielen, die mehr Schmerz als Punchline haben.

Gerade deshalb bleibt sie spannend: Plaza hat aus einem vermeintlich engen Image eine ganze Karriere gebaut. Sie ist awkward, aber nicht eindimensional. Düster, aber nicht gefühllos. Komisch, aber oft auf eine Art, bei der man erst lacht und dann merkt, dass darunter etwas ziemlich Trauriges liegt. Und vielleicht ist genau das ihr größter Trick: Aubrey Plaza wirkt oft, als würde sie Hollywood nicht ernst nehmen – während sie längst eine der interessantesten Karrieren ihrer Generation aufgebaut hat.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....