Tanzduelle waren gestern. In Lateinamerika messen Jugendliche ihre „Aura“ in viralen Meme-Duellen auf der Straße.
In Lateinamerika messen sich Jugendliche längst nicht mehr nur in Poetry-Slams oder Tanzduellen. Stattdessen setzt sich das sogenannte „Aura-Farming“ immer mehr durch. Ein tiefes Verständnis der Internetkultur ist dabei die absolute Grundvoraussetzung - ansonsten geht man in den Duellen schnell unter.
Ein Trend schwappt über
Um überhaupt hinter das populäre „Aura-Farming“ zu blicken, muss man sich die Jugendkultur in Lateinamerika vor Augen führen. Dort ist es nämlich gang und gäbe, sich auf öffentlichen Plätzen und in Parks zu versammeln, um Dance- oder Rap-Battles auszutragen. Die „Aura-Duelle“ übernehmen dieses altbekannte Format und erweitern es um Memes und Slang aus den sozialen Medien. Der 2024 zum Jugendwort des Jahres gekürte Begriff „Aura“ bezieht sich auf die Ausstrahlung und Selbstsicherheit einer Person. Bei den Duellen wird diese in imaginären Punkten gemessen, die man redensartlich „farmt“ - dabei lautet die Devise: Je ausgefallener, desto besser.
Auch wenn Lateinamerika als Brutstätte des Trends gilt, ist das „Aura-Farming“ schnell über Spanien nach Mitteleuropa geschwappt. Dadurch wurden auch deutsche und mittlerweile sogar US-amerikanische Großstädte zu Austragungsorten der Duelle. Die Hotspots liegen aber weiterhin in Ländern wie Brasilien, Mexiko und Argentinien.
Nicht jeder versteht die Duelle
Da „Aura-Farming“ vor allem auf Memes der Gen Z und Gen Alpha basiert, ist der Trend älteren Generationen oft völlig fremd. Die Reaktionen reichen dementsprechend von Neugierde über wohlwollende Ignoranz bis hin zu offener Ablehnung. Befürworter sehen eine positive Entwicklung darin, dass die Internetkultur auf die Straße geholt wird, weil sie echte zwischenmenschliche Kontakte fördert. Kritiker hingegen, allen voran Behörden in Honduras, wo Treffen wegen Störung der öffentlichen Ordnung sogar untersagt wurden, wünschen sich ein Verbot der Duelle.
Auch wenn die verrückten Possen und Tänze befremdlich wirken mögen, kann der Trend einen Beitrag dazu leisten, Jugendliche von den Bildschirmen weg und wieder ins echte Sozialleben zu holen. Darüber hinaus ist das Konzept der „Aura“ an und für sich nichts Neues - es geht lediglich eine Symbiose mit moderner Internetkultur ein.
Würdet ihr euch im „Aura-Farming“ messen? Schreibt es in die Kommentare!
