Bill Murray wird 76: Hollywoods größter Spaßvogel zwischen Kultfilmen, spontanen Pranks und Kontroversen

Einer, der Hollywood im Alleingang zum Lachen, Staunen, aber auch zum Kritisieren und Wundern bringt – immer wieder.

Bill Murray 01 Warner Splendid Films
Eine Legende, mit Lach- aber auch Sorgenfalten. | © Warner Bros. / Splendid Films

Bill Murray feiert heute, am 21. September 2026, seinen 76. Geburtstag. Seit fast fünf Jahrzehnten gehört er zu den bekanntesten Komikern Hollywoods. Er jagte Geister, erlebte denselben Tag immer wieder und verwandelte seine trockene, beinahe gelangweilte Art in einen der unverwechselbarsten Schauspielstile der Filmgeschichte.

Doch Bill Murray ist längst mehr als die Summe seiner Rollen. Um den Schauspieler hat sich eine eigene moderne Mythologie gebildet. Immer wieder soll er unangekündigt auf Partys auftauchen, fremden Menschen Pommes vom Teller nehmen oder ihnen bei einer völlig absurden Begegnung zuflüstern, dass ihnen später sowieso niemand glauben werde.

Einige dieser Geschichten sind belegt, andere vermutlich ausgeschmückt und manche wahrscheinlich vollständig erfunden. Genau darin liegt ihr Reiz: Bei kaum einem anderen Hollywoodstar fällt es so schwer zu erkennen, wo der echte Mensch endet und die Legende beginnt.

Aufgewachsen in einer irisch-katholischen Großfamilie

William James Murray wurde am 21. September 1950 in Evanston im US-Bundesstaat Illinois geboren und wuchs in Wilmette, einem Vorort von Chicago, auf. Er war eines von neun Kindern einer irisch-katholischen Familie. Sein Vater Edward arbeitete als Holzverkäufer, seine Mutter Lucille kümmerte sich um die Großfamilie.

Mehrere seiner Geschwister gingen später ebenfalls ins Filmgeschäft. Brian Doyle-Murray und Joel Murray wurden Schauspieler, John Murray arbeitete ebenfalls vor der Kamera. Mit seinen Brüdern teilte Bill außerdem eine frühe Verbindung zum Golf: Einige der Murray-Kinder verdienten als Caddies Geld, um ihre Schulbildung zu finanzieren.

In der Schule galt Murray nicht als besonders disziplinierter Schüler. Er spielte Theater, machte Musik, zeichnete Karikaturen und testete regelmäßig aus, wie weit er bei seinen Lehrern gehen konnte. Nach seinem Abschluss begann er an der Regis University in Denver ein Studium mit dem Ziel, Medizin zu studieren.

Diese Karriere endete schnell. An seinem 20. Geburtstag wurde Murray am Flughafen von Chicago festgenommen, nachdem in seinem Gepäck Cannabis gefunden worden war. Er erhielt Bewährung, verließ das College und kehrte nach Chicago zurück. Was zunächst wie ein massiver Fehlstart wirkte, führte ihn letztlich zur Comedy.

Second City und der schwierige Start bei Saturday Night Live

Auf Anregung seines Bruders Brian schloss sich Murray der berühmten Chicagoer Improvisationstheater-Gruppe Second City an. Dort lernte er, auf sein Publikum zu reagieren, Situationen spontan weiterzuentwickeln und selbst dann in einer Figur zu bleiben, wenn eine Szene vollständig aus dem Ruder lief.

1977 wurde Murray Teil des Ensembles von Saturday Night Live. Er trat die undankbare Nachfolge des beliebten Chevy Chase an und wurde vom Publikum anfangs kritisch betrachtet. Murray reagierte darauf mit einer ungewöhnlichen Aktion: Er wandte sich in der Sendung direkt an die Zuschauer und bat sie darum, ihn zu mögen.

Die Strategie funktionierte. Mit Figuren wie dem schmierigen Sänger Nick the Lounge Singer und seinen Auftritten als übermotivierter Nachrichtensprecher entwickelte er sich zu einem der Stars der Show. Für seine Arbeit als Autor erhielt er seinen ersten Emmy.

Seine Jahre bei Saturday Night Live bildeten die Grundlage für eine ganze Generation amerikanischer Filmkomödien. Gemeinsam mit Kollegen wie Dan Aykroyd, John Belushi, Harold Ramis und Chevy Chase wechselte Murray vom Fernsehen ins Kino.

Und täglich grüßt das Murmeltier wird sein Meisterwerk

1993 entstand der Film, der bis heute am engsten mit Bill Murray verbunden ist. In Und täglich grüßt das Murmeltier spielt er den arroganten Wettermoderator Phil Connors, der in der Kleinstadt Punxsutawney denselben Tag immer wieder erlebt.

Was als Komödie beginnt, entwickelt sich zu einer Geschichte über Einsamkeit, Verzweiflung, Selbstverbesserung und die Frage, was einem Leben Bedeutung gibt. Murray lässt Phil vom zynischen Egoisten über einen verzweifelten Gefangenen seiner eigenen Existenz bis zu einem Menschen wachsen, der anderen hilft, ohne dafür eine Belohnung zu erwarten.

Die Dreharbeiten belasteten allerdings seine Beziehung zu Regisseur Harold Ramis. Murray wollte den Film düsterer und philosophischer gestalten, während Ramis stärker an der Komödie festhielt. Nach dem Dreh sprachen die beiden ehemaligen Freunde rund 20 Jahre kaum miteinander. Erst kurz vor Ramis’ Tod im Jahr 2014 versöhnten sie sich.

Und täglich grüßt das Murmeltier wurde mit den Jahren immer stärker gewürdigt. Der Filmtitel entwickelte sich sogar zu einer festen Redewendung für Situationen, die sich ständig wiederholen. Hinter der leicht zugänglichen Komödie steckt eine der besten und komplexesten Leistungen in Murrays Karriere.

Die zweite Karriere als melancholischer Charakterdarsteller

Ende der 1990er-Jahre entdeckte eine neue Generation von Regisseuren eine andere Seite des Komikers. Wes Anderson besetzte ihn 1998 in Rushmore als unglücklichen Geschäftsmann Herman Blume. Murray verzichtete dabei auf einen Großteil seiner gewohnten Gags und spielte die Figur mit stiller Traurigkeit.

Der Film begründete eine lange Zusammenarbeit mit Anderson. Murray wirkte anschließend unter anderem in Die Royal Tenenbaums, Die Tiefseetaucher, Darjeeling Limited, Moonrise Kingdom, Grand Budapest Hotel, Isle of Dogs – Ataris Reise, The French Dispatch und Asteroid City mit.

Seine vielleicht wichtigste dramatische Rolle übernahm er 2003 in Sofia Coppolas Lost in Translation. Als alternder Schauspieler Bob Harris reist er für einen Werbedreh nach Tokio und entwickelt eine ungewöhnliche Freundschaft mit der deutlich jüngeren Charlotte, gespielt von Scarlett Johansson.

Murray erhielt für seine zurückhaltende Darstellung einen Golden Globe und einen BAFTA Award. Bei der Oscarverleihung war er als bester Hauptdarsteller nominiert, verlor jedoch gegen Sean Penn. Seine sichtbar enttäuschte Reaktion gehört bis heute zu den bekanntesten Momenten der damaligen Zeremonie.

Mit Filmen wie Broken Flowers, St. Vincent und On the Rocks festigte Murray seinen Ruf als Darsteller melancholischer Männer, deren Charme häufig von Egoismus, unerfüllten Beziehungen und früheren Fehlern überschattet wird.

Der berühmteste Bill-Murray-Prank

Um Bill Murray kursiert seit Jahren eine Geschichte, die inzwischen fast bekannter ist als manche seiner Filme. Demnach geht er in der Öffentlichkeit auf vollkommen fremde Menschen zu, macht etwas Unerwartetes und sagt ihnen anschließend, dass ihnen sowieso niemand glauben werde, Bill Murray begegnet zu sein.

Die berühmteste Version spielt an einem Restauranttisch oder Imbissstand. Murray soll sich wortlos eine Pommes von einem fremden Teller genommen, sie gegessen und dem verblüfften Besitzer anschließend erklärt haben: "Niemand wird dir jemals glauben".

Ob sich die ursprüngliche Begegnung exakt so ereignet hat, lässt sich nicht zweifelsfrei belegen. Die Geschichte wurde jahrelang vor allem anonym im Internet weitererzählt. 2016 tauchten allerdings Fotos auf, die Murray am Flughafen von Martha’s Vineyard dabei zeigten, wie er sich tatsächlich bei den Pommes eines anderen Gastes bediente. Mehrere Menschen berichteten unabhängig voneinander von ähnlichen Begegnungen.

Auch die Vorstellung, Murray würde sich an Fremde anschleichen, ihnen die Augen zuhalten und danach den berühmten Satz sagen, gehört zu seiner Legende. Der Schauspieler soll das Prinzip sogar selbst aufgegriffen und weitergespielt haben. Ob jede einzelne Erzählung wahr ist, scheint dabei fast nebensächlich. Dass man sie ihm sofort zutraut, ist der eigentliche Witz.

Hochzeiten, Partys und Karaoke mit Fremden

Die Pommes-Geschichte ist nur ein Teil der Bill-Murray-Mythologie. Zahlreiche andere spontane Aktionen sind durch Fotos, Videos oder mehrere Augenzeugen dokumentiert.

Murray tauchte beispielsweise unangekündigt bei einer Studentenparty in Schottland auf und half anschließend beim Abwasch. Er überraschte eine Gruppe beim Karaoke, nahm an einem Kickballspiel in einem Park teil und mischte sich in die Verlobungsfotos eines fremden Paares ein.

2014 erschien er bei einem Junggesellenabschied in Charleston und hielt den Männern eine improvisierte Rede über Liebe und Beziehungen. Bei anderen Gelegenheiten servierte er Gästen Getränke, las Gedichte vor oder feierte einfach eine Weile mit Menschen, die wenige Minuten zuvor nicht damit gerechnet hatten, einem Hollywoodstar zu begegnen.

Diese Aktionen funktionieren, weil Murray dabei keine große Show um seine Prominenz macht. Er verhält sich, als wäre sein Auftauchen das Normalste der Welt. Anschließend verschwindet er häufig genauso plötzlich, wie er gekommen ist.

Das Ergebnis ist eine perfekte Form moderner Legendenbildung: ein berühmter Mann, eine absurde Begegnung und eine Geschichte, die so unwahrscheinlich klingt, dass sie trotzdem wahr sein könnte.

Die dunklere Seite der Legende

Das Bild des liebenswerten Spaßvogels erzählt allerdings nicht die ganze Geschichte. Murray besitzt seit Jahrzehnten den Ruf, am Set schwierig, launisch und teilweise einschüchternd zu sein. Dan Aykroyd gab ihm deshalb den Spitznamen Murricane – eine Mischung aus Murray und Hurricane.

Mehrere frühere Kollegen berichteten von heftigen Auseinandersetzungen oder respektlosem Verhalten. Lucy Liu sprach über einen verbalen Angriff während der Dreharbeiten zu 3 Engel für Charlie. Geena Davis schilderte unangenehme Erfahrungen im Zusammenhang mit Ein verrückter Tag in New York. Auch Richard Dreyfuss, Seth Green und andere Mitarbeiter erhoben Vorwürfe gegen Murray.

Besonders schwerwiegend war ein Vorfall bei der Produktion von Being Mortal im Jahr 2022. Eine Mitarbeiterin warf Murray unangemessenes Verhalten vor. Die Dreharbeiten wurden gestoppt und nie wieder aufgenommen. Später wurde bekannt, dass eine finanzielle Einigung erzielt worden war.

Murray erklärte 2025, er habe die Mitarbeiterin durch eine Maske geküsst und die Situation als Scherz verstanden. Er räumte ein, häufig über den Vorfall nachzudenken, verteidigte seinen ursprünglichen Humor jedoch teilweise weiterhin. Genau darin liegt die problematische Seite seiner öffentlichen Persona: Ein spontaner Prank funktioniert nur, wenn alle Beteiligten ihn als lustig empfinden und persönliche Grenzen respektiert werden.

Bei öffentlichen Überraschungsauftritten kann seine Unberechenbarkeit charmant wirken. Am Arbeitsplatz entsteht jedoch ein Machtgefälle, in dem sich andere Personen einem berühmten Schauspieler möglicherweise nicht ohne Weiteres widersetzen können.

Murray äußerte inzwischen selbst, dass er in seinem Leben Schaden angerichtet habe. Scarlett Johansson beschrieb ihn 2025 als einen veränderten und durch seine Erfahrungen demütiger gewordenen Menschen. Ob diese Veränderung nachhaltig ist, können letztlich nur die Menschen beurteilen, die heute mit ihm arbeiten.

Ein Kultstar, dessen Charme nicht alles entschuldigt

Bill Murrays Karriere basiert auf einem seltenen Widerspruch. Er kann gleichzeitig distanziert und nahbar, melancholisch und absurd, arrogant und verletzlich wirken. Selbst wenn er kaum sein Gesicht verzieht, entsteht der Eindruck, dass hinter seinen Augen bereits der nächste vollkommen unvorhersehbare Gedanke wartet.

Seine spontanen Begegnungen mit fremden Menschen haben aus ihm eine Art folkloristische Figur gemacht. Bill Murray taucht auf, verändert für wenige Minuten den Alltag und verschwindet wieder. Zurück bleibt eine Geschichte, die tatsächlich kaum jemand glauben würde.

Die Berichte über sein Verhalten am Set zeigen jedoch, dass dieselbe Grenzüberschreitung nicht in jeder Situation harmlos oder komisch ist. Zur vollständigen Betrachtung seines Lebens gehören deshalb sowohl die legendären Überraschungsauftritte als auch die Erfahrungen jener Menschen, die sein Verhalten als verletzend oder unangemessen empfanden.

Mit 76 Jahren bleibt Bill Murray einer der eigenwilligsten Stars Hollywoods: ein großartiger Komiker, ein bemerkenswerter Charakterdarsteller, eine wandelnde urbane Legende und ein Mensch mit deutlich komplizierteren Seiten als seine berühmtesten Pranks vermuten lassen.

Und sollte er heute plötzlich neben dir stehen, eine Pommes nehmen und wieder verschwinden, hast du immerhin ein Problem: Vermutlich würde dir tatsächlich niemand glauben.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....