Ein bisschen Saul Goodman steckte wohl schon immer in Odenkirk.
Bob Odenkirk feiert heute, am 22. Oktober 2026, seinen 64. Geburtstag. Weltberühmt wurde er als Saul Goodman in Breaking Bad und Better Call Saul. Doch seine Karriere begann lange vorher als Comedy-Autor. Sie führte ihn auch nach Springfield zu Die Simpsons – und wurde 2021 beinahe durch einen Herzinfarkt mit Herzstillstand beendet. An etwa eine Woche rund um das Ereignis kann er sich nach eigener Aussage nicht erinnern.
Die lange Karriere vor dem großen Durchbruch
Robert John Odenkirk wurde am 22. Oktober 1962 geboren und wuchs im US-Bundesstaat Illinois auf. Bevor er zum international bekannten Schauspieler wurde, arbeitete er vor allem an Comedy: als Autor, Darsteller und später auch als Regisseur und Produzent. Ab 1987 schrieb er für Saturday Night Live. Zu seinen bekanntesten Schöpfungen gehört die Figur des großmäuligen Motivationsredners Matt Foley, mit der Chris Farley legendäre Auftritte hinlegte.
Gemeinsam mit David Cross entwickelte Odenkirk später die Sketchserie Mr. Show with Bob and David. Sie verband absurde Ideen mit bissiger Satire und wurde zum Kultformat. Der große Publikumserfolg blieb zunächst aus, doch ihr Einfluss auf die amerikanische Comedy reichte weit über ihre vier Staffeln hinaus.
Diese Vorgeschichte ist wichtig, weil Odenkirks späterer Erfolg manchmal wie eine überraschende Entdeckung wirkt. Tatsächlich lagen dahinter Jahrzehnte kreativer Arbeit. Auch unterstützte er jüngere Talente, darunter Tim und Eric sowie die Comedy-Gruppe The Birthday Boys. Sein Beitrag zur Unterhaltung besteht deshalb nicht allein aus den Rollen, für die sein Gesicht auf Plakaten steht.
Saul Goodman: Eine Witzfigur bekommt ein Innenleben
2009 stieß Odenkirk als Anwalt Saul Goodman zu Breaking Bad. Die Figur war laut, geschäftstüchtig und moralisch äußerst flexibel. Hinter der grellen Werbung und den schnellen Sprüchen steckte ein Mann, der für beinahe jedes Problem eine Lösung versprach – solange jemand dafür bezahlte.
Mit Better Call Saul wurde daraus eine Hauptfigur mit einer komplexen Vorgeschichte. Odenkirk spielte Jimmy McGill als jemanden, der Anerkennung sucht, Zurückweisung erlebt und sich immer wieder für die Abkürzung entscheidet. Seine komödiantische Erfahrung blieb dabei sichtbar, bekam aber eine andere Funktion: Ein Witz konnte plötzlich wie ein Schutzmechanismus wirken, ein souveränes Auftreten wie die Verkleidung einer tiefen Unsicherheit.
Gerade darin liegt die Stärke seiner Darstellung. Odenkirk macht Jimmy verständlich, ohne dessen Handlungen automatisch zu entschuldigen. Die Serie fordert das Publikum heraus, zwischen Mitgefühl und moralischer Zustimmung zu unterscheiden. Wer eine Figur gern sieht, muss ihr deshalb noch lange nicht recht geben.
Seine Verbindung zu Die Simpsons ist auch eine Familiengeschichte
Odenkirks Verbindung zu Die Simpsons führt zunächst über seinen jüngeren Bruder Bill. Dieser arbeitete als Autor und Produzent an der Serie. Bob selbst gehört also nicht zu deren langjährigen Hauptautoren – die wichtige Arbeit hinter den Kulissen ist hier seinem Bruder zuzuordnen.
2019 wurde Bob dann selbst Teil von Springfield: In einer Folge der 31. Staffel lieh er im englischen Original dem Anwalt von Mafia-Boss Fat Tony seine Stimme. Das Drehbuch der Episode schrieb Bill Odenkirk. Damit kamen die Brüder bei derselben Folge zusammen, der eine als Autor, der andere als Gastsprecher.
Dass Bob ausgerechnet einen Mafia-Anwalt spielte, passte zu seiner bekanntesten Rolle. Zugleich verbindet der Auftritt zwei Bereiche seiner Karriere: die satirische Comedy, aus der er kommt, und den zweifelhaften Rechtsbeistand, durch den ihn ein weltweites Publikum kennenlernte.
Der Herzinfarkt am Set und die verlorenen Erinnerungen
Im Juli 2021 brach Odenkirk während der Dreharbeiten zur letzten Staffel von Better Call Saul zusammen. Er erlitt einen Herzinfarkt mit Herzstillstand und musste wiederbelebt werden. Nach seiner späteren Schilderung kamen dabei auch drei Schocks mit einem Defibrillator zum Einsatz. Die schnelle Hilfe am Set rettete ihm das Leben.
Für Odenkirk selbst besteht dieser lebensbedrohliche Moment vor allem aus einer Erinnerungslücke. Er berichtete, dass seine erste Erinnerung erst wieder beim Verlassen des Krankenhauses etwa eine Woche später einsetzt. Den Zusammenbruch und die unmittelbare Zeit danach kennt er deshalb aus den Erzählungen anderer. Während Angehörige und Kollegen um sein Leben bangten, fehlt ihm selbst der direkte Zugang zu diesen Tagen.
Im September 2021 kehrte Odenkirk an das Set zurück. Die letzte Staffel konnte mit ihm abgeschlossen werden. Das ist ein bemerkenswerter Teil seiner Geschichte, sollte aber nicht zur Heldenerzählung über möglichst schnelle Rückkehr an den Arbeitsplatz werden. Sein Überleben verdankte er medizinischer Hilfe und den Menschen, die rechtzeitig handelten.
Mit Nobody noch einmal eine andere Richtung
Schon vor dem medizinischen Notfall hatte Odenkirk seine Karriere um eine unerwartete Facette erweitert. Im Actionfilm Nobody von 2021 spielte er einen vermeintlich unscheinbaren Familienvater mit gewalttätiger Vergangenheit. Für die Rolle absolvierte er intensives körperliches Training. Später erzählte er, dass er damit auch frühere Comedy-Kollegen überraschen wollte.
Der Film funktioniert mit dem Kontrast zwischen seinem gewöhnlichen Auftreten und der plötzlich sichtbaren Kampffähigkeit. Kritisch lässt sich allerdings fragen, wie viel Neues die bekannte Fantasie vom unterschätzten Mann erzählt, der Konflikte schließlich mit Gewalt löst. Odenkirks Besetzung gibt dem Muster einen besonderen Reiz; sie hebt dessen Grenzen nicht auf.
Unterstützung für andere gehört ebenfalls zu seiner Arbeit
Neben seiner Förderung jüngerer Comedy-Talente beteiligte sich Odenkirk auch an einem Benefizprojekt von Acting for a Cause: einer Neuinterpretation des Kultfilms The Room zugunsten der AIDS-Forschungsorganisation amfAR. Solche Projekte zeigen, wie sich seine beruflichen Fähigkeiten für einen gemeinnützigen Zweck einsetzen lassen.
Daraus muss keine umfassende politische Vorbildrolle konstruiert werden. Konkrete Unterstützung lässt sich würdigen, ohne einem Schauspieler allein aufgrund seiner Bekanntheit besondere moralische Autorität zuzuschreiben. Bei Odenkirk ist vor allem die Verbindung aus kreativer Zusammenarbeit, Nachwuchsförderung und einzelnen Benefizprojekten greifbar.
Mehr als Saul Goodman – und mehr als seine Überlebensgeschichte
Bob Odenkirks Karriere ist eine Geschichte langer Vorbereitung und später Erweiterung. Der Comedy-Autor wurde zum gefeierten Seriendarsteller und schließlich zum ungewöhnlichen Actionstar. Seine Verbindung zu Die Simpsons erinnert an die gemeinsame kreative Geschichte mit seinem Bruder Bill. Der Herzinfarkt zeigt dagegen, wie abrupt auch eine erfolgreiche Laufbahn unterbrochen werden kann.
An seinem 64. Geburtstag verdient vor allem seine Fähigkeit Aufmerksamkeit, hinter komischen Figuren Verletzlichkeit sichtbar zu machen. Saul Goodman bleibt seine berühmteste Rolle. Doch der Schauspieler dahinter hat wesentlich mehr zu erzählen – auch wenn ihm selbst ein Stück seiner Lebensgeschichte aus der Erinnerung fehlt.
