Nicht nur wegen ihren markanten Augenbrauen hinterlässt die Künstlerin einen bleibenden Eindruck.
Cara Delevingne feiert heute, am 12. August 2026, ihren 34. Geburtstag. Anfang der 2010er-Jahre wurde die Britin innerhalb kürzester Zeit zu einem der bekanntesten Models der Welt. Sie lief für Chanel, Burberry und zahlreiche weitere Luxusmarken, gewann zweimal den Titel Model of the Year und löste mit ihren markanten Augenbrauen einen Beauty-Trend aus, der die 2010er-Jahre prägen sollte. Später tauschte sie den Laufsteg zunehmend gegen Filmsets und Theaterbühnen. Hinter der Karriere lagen jedoch auch eine schwierige Jugend, ein problematisches Verhältnis zu Alkohol und Drogen und ein ungewöhnlich früher erster Kontakt mit Champagner.
Eine Karriere abseits der Norm
Wer Anfang der 2010er-Jahre Modemagazine aufschlug oder eine Fashion Week verfolgte, kam an Cara Delevingne kaum vorbei.
Blonde Haare, große Augen und vor allem zwei außergewöhnlich volle, dunkle Augenbrauen machten sie schon optisch unverwechselbar. Dazu kam eine Persönlichkeit, die so gar nicht zum damals verbreiteten Bild des distanzierten Laufstegmodels passen wollte.
Delevingne zog Grimassen vor Fotografen, machte Witze hinter den Kulissen, tauchte in ausgefallenen Streetstyle-Looks auf und nutzte soziale Medien wesentlich offensiver als viele Models vor ihr.
Aus einem Model wurde dadurch innerhalb weniger Jahre eine Popkulturfigur.
Aufgewachsen zwischen britischer High Society und familiären Problemen
Cara Jocelyn Delevingne wurde am 12. August 1992 in London geboren. Sie ist die jüngste von drei Schwestern und wuchs gemeinsam mit Chloe und Poppy Delevingne in ausgesprochen privilegierten Verhältnissen auf.
Ihr Vater Charles Delevingne arbeitete als Immobilienentwickler. Ihre Mutter Pandora bewegte sich als ehemaliges It-Girl in der britischen High Society. Auch darüber hinaus verfügte die Familie über enge Verbindungen zu Medien, Gesellschaft und britischem Adel.
Delevingne selbst hat nie bestritten, dass sie finanziell privilegiert aufwuchs. Gleichzeitig beschrieb sie ihre Kindheit später als wesentlich komplizierter, als sie von außen wirkte.
Ihre Mutter sprach öffentlich über psychische Probleme und eine langjährige Drogenabhängigkeit. Für Cara bedeutete das, bereits als Kind mit Situationen konfrontiert zu sein, die sie nach eigenen Aussagen erst Jahre später wirklich einordnen konnte.
Musik und Schauspiel wurden früh zu einem Rückzugsort. Delevingne spielte Schlagzeug und Gitarre, sang und interessierte sich stark für Theater. An der Bedales School in Hampshire konzentrierte sie sich unter anderem auf Musik und Schauspiel.
Ihr erster Champagner-Rausch kam erschreckend früh
Eine Geschichte aus ihrer Kindheit bekam Jahre später eine völlig neue Bedeutung.
Delevingne erzählte 2024 in einem Interview, dass sie bei einer Familienhochzeit bereits im Alter von acht Jahren betrunken gewesen sei. Als Brautjungfer habe sie immer wieder Champagnergläser genommen und ausgetrunken.
Am folgenden Morgen sei sie im Haus ihrer Großmutter aufgewacht – noch immer in ihrem Brautjungfernkleid und mit einem Kater.
In einem früheren Interview hatte sie das Erlebnis sogar auf ein Alter von sieben Jahren datiert. Sicher ist damit vor allem eines: Ihr erster problematischer Kontakt mit Alkohol fand nicht erst während ihrer späteren Modelkarriere oder mit 14 statt, sondern bereits im Grundschulalter.
Rückblickend sprach Delevingne offen darüber, wie früh sich bei ihr ein Muster entwickelte, unangenehmen Gefühlen entkommen zu wollen. Als Teenager kamen Partys und Alkohol verstärkt hinzu. Gleichzeitig kämpfte sie mit Schlafproblemen und psychischen Belastungen.
Mit 15 erlebte sie nach eigenen Angaben einen schweren psychischen Zusammenbruch.
Dass sie Jahre später ausgerechnet gemeinsam mit ihren Schwestern ein eigenes Schaumwein-Unternehmen aufbauen und schließlich auch eine alkoholfreie Variante anbieten würde, wirkt vor dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte beinahe wie ein geschlossener Kreis.
Vom Kinder-Fotoshooting auf die größten Laufstege der Welt
Ihre erste Erfahrung vor einer professionellen Modekamera machte Delevingne bereits als Kind. 2002 erschien sie in einem von Bruce Weber fotografierten Editorial der italienischen Vogue.
Eine klassische Modelkarriere begann allerdings erst einige Jahre später.
Mit 16 wurde sie von Sarah Doukas entdeckt, der Gründerin von Storm Model Management. Doukas hatte zuvor bereits Kate Moss entdeckt.
Zunächst lief es trotzdem nicht sofort.
Delevingne arbeitete unter anderem für ASOS und besuchte Castings, bevor Burberry ihr schließlich den entscheidenden Karriereschub gab. 2011 lief sie für das britische Modehaus und wurde auch eines der Gesichter der Marke.
Von diesem Moment an ging alles extrem schnell.
Chanel, Burberry und 31 Shows in einer Saison
Innerhalb weniger Jahre lief Cara Delevingne für einen großen Teil der internationalen Luxusindustrie.
Chanel, Burberry, Fendi, Stella McCartney, Givenchy, Dolce & Gabbana, Oscar de la Renta und Saint Laurent gehörten zu den Marken, für die sie auf dem Laufsteg oder in Kampagnen auftauchte.
Besonders eng wurde ihre Verbindung zu Karl Lagerfeld. Der damalige Chanel-Kreativdirektor setzte Delevingne immer wieder für Shows und Kampagnen ein. Sie eröffnete mehrere Chanel-Shows und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Gesichter der Lagerfeld-Ära.
2012 gewann sie bei den British Fashion Awards erstmals die Auszeichnung als Model of the Year. Zwei Jahre später gewann sie den Preis erneut.
In der Hochphase ihrer Karriere absolvierte sie innerhalb einer einzigen Fashion-Week-Saison Dutzende Shows.
Doch ihr Einfluss beschränkte sich nicht auf die Kleidung, die sie präsentierte.
Wie Cara Delevingnes Augenbrauen die Beauty-Industrie veränderten
Es klingt zunächst banal, doch einer der größten Einflüsse Delevingnes auf die Beautywelt saß direkt über ihren Augen. In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren waren stark gezupfte, dünne Augenbrauen über Jahre eines der dominierenden Schönheitsideale gewesen. Dann kam Cara Delevingne. Ihre Brauen waren dunkel, auffällig, breit und deutlich natürlicher als das, was zuvor häufig auf Laufstegen und in Magazinen gezeigt worden war.
Und plötzlich wollte die Modewelt genau das. Bereits 2013 bezeichnete Vogue Delevingne als Aushängeschild für volle Augenbrauen. Auf den Laufstegen von Chanel, Marc Jacobs, Louis Vuitton, Versace und zahlreichen weiteren Labels wurden starke Brauen gleichzeitig immer sichtbarer.
British Vogue sprach damals sogar vom "Cara Delevingne Effekt".
Der Effekt ließ sich nicht nur auf Fashion Shows beobachten. Google-Daten aus dem Jahr 2013 zeigten, dass Suchanfragen nach Cara Delevingne und volleren Augenbrauen deutlich zunahmen, während gleichzeitig weniger nach Augenbrauenzupfen und Pinzetten gesucht wurde.
Auch die Beauty-Industrie reagierte. Brow Gels, Augenbrauenstifte, Wachstumsseren und Produkte zum Auffüllen der Brauen wurden stärker vermarktet. Beauty-Marken begannen, die Augenbraue nicht mehr lediglich als kleines Detail des Make-ups zu behandeln, sondern als zentrales Feature eines Looks.
Delevingne war natürlich nicht allein dafür verantwortlich, dass sich ein gesamtes Schönheitsideal veränderte. Stars wie Lily Collins oder Emma Watson trugen ebenfalls zu dem Trend bei. Doch kaum ein Gesicht wurde Anfang der 2010er-Jahre so stark mit der vollen Augenbraue verbunden wie ihres.
Selbst mehr als ein Jahrzehnt später wird sie regelmäßig als eine der Personen genannt, die den Wechsel von extrem dünnen zu natürlichen und kräftigen Brauen entscheidend mitgeprägt haben.
Aus einem vermeintlichen Schönheitsmakel wurde ein Markenzeichen.
Cara Delevingne wollte mehr sein als ein Model
Während ihre Modelkarriere ihren Höhepunkt erreichte, arbeitete Delevingne längst an einem zweiten Ziel: Sie wollte Schauspielerin werden. 2012 bekam sie eine kleine Rolle in Anna Karenina. Drei Jahre später folgte mit Margos Spuren ihre erste große Hauptrolle. Delevingne spielte darin die geheimnisvolle Margo Roth Spiegelman in der Verfilmung des Romans von John Green.
2016 folgte der Sprung in eine der größten Comicproduktionen der damaligen Zeit. In Suicide Squad spielte sie Dr. June Moone und deren dämonisches Alter Ego Enchantress.
Ein Jahr später stand sie gemeinsam mit Dane DeHaan für Luc Bessons Science-Fiction-Film Valerian – Die Stadt der tausend Planeten vor der Kamera.
Weitere Rollen folgten unter anderem in Tulpenfieber, Her Smell und der Fantasyserie Carnival Row. In der zweiten Staffel von Only Murders in the Building trat sie 2022 als Alice Banks auf.
2023 und 2024 war sie außerdem in American Horror Story: Delicate zu sehen.
Der Wechsel von der Mode zum Schauspiel verlief allerdings nicht ohne Kritik. Gerade ihre großen Hollywoodrollen wurden teilweise deutlich skeptischer aufgenommen als ihre Arbeit auf dem Laufsteg.
Delevingne hielt trotzdem an dem Wunsch fest, nicht ausschließlich als Model wahrgenommen zu werden.
2024 überraschte sie als Sally Bowles auf der Theaterbühne
Eine neue Seite ihrer Karriere zeigte sie 2024 in London.
Im West End übernahm Delevingne im Musical Cabaret die Rolle der Sally Bowles. Die Besetzung sorgte im Vorfeld für Skepsis, weil viele Zuschauer sie weiterhin primär mit ihrer Modelkarriere und ihren Filmrollen verbanden.
Die Reaktionen auf ihre Bühnenarbeit fielen anschließend wesentlich positiver aus, als manche erwartet hatten.
Für Delevingne selbst bedeutete das Theater auch eine Rückkehr zu einem Bereich, für den sie sich bereits während ihrer Schulzeit begeistert hatte.
Die Karriere hatte damit einen bemerkenswerten Kreis geschlossen: Das Mädchen, das eigentlich Schauspiel und Musik liebte, war zunächst eines der berühmtesten Models seiner Generation geworden und stand Jahrzehnte später auf einer der wichtigsten Theaterbühnen Londons.
Rausch als Flucht
Während Delevingne nach außen für Energie, Partys und einen rebellischen Lebensstil stand, sprach sie später sehr offen darüber, dass ein Teil dieser Persönlichkeit auch eine Flucht gewesen sei. Alkohol und Drogen begleiteten sie über Jahre.
2022 sorgten Bilder vom Flughafen Van Nuys in Los Angeles für große öffentliche Aufmerksamkeit. Delevingne wirkte darauf erschöpft und angeschlagen. Später bezeichnete sie die Fotos selbst als einen entscheidenden Weckruf.
Sie begab sich in Behandlung und entschied sich für ein Zwölf-Schritte-Programm. In späteren Interviews erklärte sie, dass sie früher geglaubt habe, Alkohol und Drogen würden ihr helfen, mit ihren Problemen umzugehen. Tatsächlich hätten sie ihren Zustand verschlechtert.
2024 berichtete sie öffentlich davon, Festivals wie Glastonbury inzwischen nüchtern zu erleben.
Die Person, die in der öffentlichen Wahrnehmung jahrelang für grenzenlose Energie und exzessive Partys stand, begann damit selbst, dieses Image neu zu definieren.
Von Champagner zu alkoholfreiem Schaumwein
Eine besondere Verbindung zwischen ihrer Vergangenheit und ihrem heutigen Leben entstand durch Della Vite.
2020 gründeten Cara, Poppy und Chloe Delevingne gemeinsam ihre eigene Prosecco-Marke. Später kam mit Della Vite Zero auch eine alkoholfreie Variante hinzu.
2025 sorgte das Unternehmen zusätzlich mit einer provokanten Werbekampagne für Aufmerksamkeit. Der Slogan Cheat on Champagne führte sogar zu Ärger mit Vertretern der französischen Champagnerindustrie.
Dass ausgerechnet Champagner in ihrer Unternehmensgeschichte erneut auftauchte, besitzt angesichts von Delevingnes Kindheit eine ungewöhnliche Symbolik.
Mit acht Jahren wachte sie nach mehreren Gläsern Champagner mit einem Kater auf. Jahrzehnte später spricht sie öffentlich über Nüchternheit und verkauft gemeinsam mit ihren Schwestern eine alkoholfreie Alternative zum klassischen Schaumwein.
Mehr als die Frau mit den Augenbrauen
Heute wird Cara Delevingne 34 Jahre alt.
Der erste große Teil ihrer Karriere spielte sich in einer Modewelt ab, die noch stärker von Magazinen, Laufstegen und klassischen Supermodel-Karrieren geprägt war. Gleichzeitig gehörte sie zu einer neuen Generation, bei der Persönlichkeit, Streetstyle und Social Media immer wichtiger wurden.
Sie war nicht nur das Gesicht einer Kampagne. Grimassen, Tattoos, Interviews, Freundschaften und ihr Privatleben wurden beinahe genauso stark Teil ihrer öffentlichen Marke wie die Mode selbst.
Und dann waren da natürlich die Augenbrauen.
Ein Körpermerkmal, das früher bei vielen Frauen möglichst schmal gezupft wurde, wurde durch Models wie Delevingne plötzlich zum Beauty-Statement. Jahre später wechselten die Trends erneut zu gebleichten, dünneren oder deutlich zurückhaltenderen Brauen.
Doch die Beauty-Ära der 2010er-Jahre lässt sich kaum erzählen, ohne ihren Namen zu erwähnen.
Cara Delevingne brauchte dafür keine neue Frisur, kein Kleid und keine spektakuläre Kampagne. Zwei Augenbrauen reichten, um eines der prägendsten Schönheitsideale eines ganzen Jahrzehnts mitzuverändern.
