Heute kennt die ganze Welt Waltz – doch das war lange nicht abzusehen.
Christoph Waltz gehört zu den wenigen Schauspielern, die eine freundliche Frage so stellen können, dass sie wie eine Drohung klingt. Seine Rolle als Hans Landa in Inglourious Basterds machte ihn mit über 50 zum Weltstar. Wer nur diesen Waltz kennt, verpasst allerdings einen herrlichen Gegenentwurf: 1977 sang und turnte er in einer österreichischen Kindersendung in einem knallbunten Regenbogen-Outfit. Heute wird der Schauspieler 70 Jahre alt.
Ein langer Weg zum internationalen Durchbruch
Waltz wurde am 4. Oktober 1956 in Wien geboren und wuchs in einer Familie mit engen Verbindungen zum Theater auf. Er studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und am Lee Strasberg Theatre Institute in New York. Danach arbeitete er über Jahrzehnte auf der Bühne und für deutschsprachige Film- und Fernsehproduktionen. Sein später Erfolg in Hollywood wirkt im Rückblick wie eine plötzliche Entdeckung. Für Waltz selbst war er das Ergebnis eines langen Berufslebens vor der Kamera.
Waltz als singender Jahreswechsel
Zu seinen frühen Fernsehauftritten gehört ein Ausschnitt aus der ORF-Kindersendung Am Dam Des, der am 3. Januar 1977 ausgestrahlt wurde. Der junge Waltz singt und bewegt sich darin als personifizierter Jahreswechsel in einer eng anliegenden, bunt gestreiften Hose. Das Bild steht in ziemlich großem Abstand zu den maßgeschneiderten Anzügen und bedrohlich höflichen Figuren, mit denen ihn später Millionen Kinobesucher verbinden sollten. Der ORF hält den Auftritt in seinem Archiv bereit.
Jahrzehnte später zeigte US-Moderator Jimmy Kimmel ihm den Clip in seiner Talkshow. Waltz reagierte sichtbar verlegen, das Publikum begeistert. Der Ausschnitt ist mittlerweile eine beliebte Erinnerung daran, dass auch ein zweifacher Oscarpreisträger einmal bei einem bunten Kinderlied angefangen hat.
Inglourious Basterds und das Glas Milch
2009 besetzte Quentin Tarantino Waltz als SS-Offizier Hans Landa in Inglourious Basterds. Schon Landas erster Auftritt zeigt, warum diese Rolle Waltz’ Karriere veränderte. Er besucht einen französischen Bauern, bittet höflich um Milch und führt ein Gespräch, bei dem mit jedem Satz deutlicher wird, welche Gefahr von ihm ausgeht. Seine Ruhe macht die Szene beklemmender als jedes Gebrüll. Für die Rolle erhielt Waltz 2010 den Oscar als bester Nebendarsteller.
Und wie viel Milch musste er für diese Szene trinken? Auf genau diese Frage antwortete Waltz 2025 in einem Interview mit einem trockenen Scherz: „Nicht mehr als 27“ Gläser. Daraus wird häufig die Geschichte, er habe genau 27 Gläser getrunken. Das hat er so nicht bestätigt. Seine Antwort liefert vor allem einen guten Witz – und passt damit ziemlich gut zu einem Schauspieler, der selbst ernsten Sätzen gern eine überraschende Wendung gibt.
Ein zweiter Oscar und viele neue Rollen
Tarantino besetzte Waltz erneut in Django Unchained. Diesmal spielte er Dr. King Schultz, einen Kopfgeldjäger, der dem versklavten Django zur Freiheit verhilft. Für diese Rolle gewann Waltz 2013 seinen zweiten Oscar als bester Nebendarsteller. Innerhalb weniger Jahre war aus einem international vergleichsweise wenig bekannten Schauspieler einer der gefragtesten Darsteller Hollywoods geworden.
Seitdem war Waltz unter anderem als Blofeld in den James-Bond-Filmen Spectre und Keine Zeit zu sterben zu sehen. In der Serie The Consultant spielte er einen undurchsichtigen Firmenberater; 2025 gehörte er zur Besetzung von Frankenstein und Dracula – Die Auferstehung. Oft bekommen seine Figuren die Kontrolle über einen Raum, lange bevor sie ihre Absichten offenlegen.
Zu seinem 70. Geburtstag gehören beide Bilder zusammen: Waltz als Hans Landa, der mit einem Glas Milch Angst auslöst, und Waltz als junger Sänger in Regenbogenstreifen. Zwischen ihnen liegen Jahrzehnte Arbeit – und eine Karriere, die ihren größten Sprung erst nahm, als viele andere Schauspieler längst auf ihre bekannteste Rolle zurückblicken.
