Warum er als perfekter Bond gehandelt wurde, die Rolle aber nie bekam.
Clive Owen braucht oft nur einen Blick und wenige Worte, um eine Figur interessant zu machen. Er spielte einen Schriftsteller am Roulettetisch, einen Mann auf der Flucht durch eine zerfallende Welt und einen brillanten Chirurgen mit einer schweren Sucht. Dazwischen wurde er immer wieder als möglicher James Bond gehandelt – obwohl er die Rolle nach eigenen Angaben nie angeboten bekam. Heute wird der britische Schauspieler 62 Jahre alt.
Von Coventry auf die Bühne
Owen wurde am 3. Oktober 1964 in Coventry geboren. Er interessierte sich früh für das Theater und studierte später an der Royal Academy of Dramatic Art in London. Seine erste größere Bekanntheit verdankte er Anfang der 1990er-Jahre der britischen Fernsehserie Chancer. Darin spielte er einen ebenso charmanten wie schwer einzuschätzenden Geschäftsmann – eine Rolle, die bereits zeigte, wie gut ihm Figuren stehen, denen man nie ganz trauen kann.
Der internationale Durchbruch kam mit Croupier – Das tödliche Spiel mit dem Glück. Owen verkörperte einen angehenden Schriftsteller, der in einem Casino arbeitet und immer tiefer in dessen Welt hineingezogen wird. Statt große Gefühle offen zu zeigen, ließ er viel unter einer kontrollierten Oberfläche liegen. Der Film machte ihn auch außerhalb Großbritanniens bekannt und eröffnete ihm den Weg zu größeren Produktionen.
Der Oscar-Moment mit Hautnah
2004 spielte Owen in Mike Nichols’ Beziehungsdrama Hautnah an der Seite von Julia Roberts, Natalie Portman und Jude Law. Die vier Figuren suchen Liebe und verletzen einander dabei mit bemerkenswerter Präzision. Owen gewann für seine Rolle einen Golden Globe und einen BAFTA und wurde als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert. Der Film zeigte besonders deutlich seine Stärke für Charaktere, die gleichzeitig anziehend, verletzlich und unangenehm sein können.
In den folgenden Jahren war Owen in sehr unterschiedlichen Filmen zu sehen. In Inside Man lieferte er sich als Bankräuber ein Duell mit dem von Denzel Washington gespielten Ermittler. In Sin City passte seine Präsenz zur düsteren Comicwelt. Und in Alfonso Cuaróns Children of Men spielte er einen desillusionierten Mann, der in einer Zukunft ohne neue Geburten plötzlich Verantwortung übernehmen muss. Gerade dieser Film lebt davon, dass Owen seine Figur nicht als makellosen Helden spielt: Sein Mut entsteht erst, während er handelt.
Warum er nie James Bond wurde
Sein Auftreten machte Owen lange zu einem Favoriten in Spekulationen über den nächsten James Bond. Anzug, trockener Humor, eine Spur Gefahr – vieles schien zu passen. Daraus entstand die Geschichte, er habe die Rolle abgelehnt oder sei an Vertragsforderungen gescheitert. Owen stellte später klar, dass ihm Bond nie angeboten worden sei. Die Gerüchte sagen damit mehr über die Wirkung seiner Filmfiguren aus als über eine Entscheidung, die er tatsächlich treffen musste.
Starke Rollen auch im Fernsehen
Owen blieb nicht beim Kino. In Steven Soderberghs Serie The Knick spielte er Dr. John Thackery, einen ehrgeizigen Chirurgen im New York der Jahrhundertwende. Der Arzt treibt medizinische Neuerungen voran und kämpft zugleich mit einer Kokainabhängigkeit. Später verkörperte Owen Bill Clinton in American Crime Story und einen Techmilliardär in A Murder at the End of the World. 2024 übernahm er in Monsieur Spade die Rolle des Privatdetektivs Sam Spade – einer Figur, die einst durch Humphrey Bogart berühmt wurde.
Auch auf die Theaterbühne kehrte Owen zurück. 2025 stand er am Londoner National Theatre in End neben Saskia Reeves. Im Film Cleaner war er ebenfalls zu sehen. Seine Karriere führt ihn damit weiterhin zwischen Theater, Serien und Kino hin und her.
Mit 62 hat Clive Owen viele Männer gespielt, die nach außen ruhig wirken und innerlich unter Druck stehen. Ob im Casino, Operationssaal oder Verhörraum: Seine besten Rollen leben davon, dass man ihnen genau ansehen möchte, was sie als Nächstes tun – und es trotzdem nicht sicher weiß.
