Wie viel Wahrheit – und Gefahr – steckt in Theorien über eine Inszenierung durch die rechte Partei?
Nach der schrecklichen Tragödie des Anschlags auf den CSD am vergangenen Wochenende wird die Tat nicht nur in Politik und Gesellschaft, sondern auch unter Polit-Influencern heiß diskutiert.
Dabei wird nicht nur Kritik an Häme für die Opfer oder mangelnder Aufklärungsarbeit laut, auch Theorien darüber ob Vladimir Putin, die AfD oder andere Gruppierungen die Strippenzieher hinter der Bluttat Abdul B.s schwirren durch das Netz.
Auch noch Tage nachdem Abdul B. mit einem Auto in Besucher des CSD gefahren ist, zahllose Personen verletzt und eine getötet hat, beherrscht die Tat Medien und den politischen Diskurs.
Die Linke-Berater Dara über AfD-Häme und Wegwerf-Agenten
Auch Dara, YouTuber und Social Media-Berater der Partei Die Linke beschäftigte sich mit dem Thema, prangerte die menschenverachtende Häme an, die im Netz verbreitet wurde, wenn etwa davon geschrieben wird, dass es “die Richtigen getroffen hätte” führt aber noch einen weiteren Gedanken aus: Einen, an dessen Ende die Frage steht, wer neben B. außerdem für den Anschlag verantwortlich sein könnte.
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So verweist er zunächst unter anderem auf die AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber, die bereits früher davor warnte, dass solche Taten in entsprechenden Chatgruppen der Partei eher für Freudenschreie als Schweigeminuten führen würden und erläutert seine Skepsis darüber, dass derartige Anschläge, die der AfD neue Mitglieder und Wähler zuführen würden, immer vor wichtigen Wahlen passieren würden.
Bei diesem Thema führt er auch die Methode der “Wegwerf-Agenten” aus, vermeintliche Attentäter oder Terroristen, die am Ende gar nicht genau wüssten für wen und für welche Ideologie sie nun aktiv werden müssen. Er betont hier einerseits, dass die Verwendung solcher Einmal-Agenten durch Russland längst bewiesen wäre, auch wenn man selten bis nie nachweisen könnte, bei welcher Tat ein solcher zum Einsatz gekommen sei.
Explizit spricht er hierbei auch von der Vulkangruppe, deren vermeintliche Zugehörigkeit zu linksextremistischen Ansichten durch einen einzigen Kommentar in einem Forum “belegt” worden wäre und bei der nachträglich große Zweifel daran aufkamen, ob das erste Bekennerschreiben nicht ursprünglich aus dem Russischen übersetzt worden war. Dass das Narrativ der linksextremen Vulkangruppe, die in Deutschland agieren würde, dennoch von den Medien einfach so aufgegriffen wurde, war für die AfD natürlich ein gefundenes Fressen, so Dara.
Partei-Verbindungen nach Russland und zur Taliban
Eine weitere Verbindung zwischen Russland und der AfD stellt Dara her, wenn er davon ausgeht, dass viele der schriftlichen Anfragen, die die Partei an das Abgeordnetenhaus stellen würde, nicht wie bei anderen Parteien dazu dienen würde, Entscheidungen zu treffen oder ihre politischen Ziele zu formulieren, sondern ins Leere liefen. Für Dara ist klar, dass die übermäßig vielen Anfragen nach etwa der Stabilität des Berliner Stromnetzes oder dem Zustand des deutschen Militärs lediglich zur Informationsbeschaffung für Russland dienen würden.
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Auch bekannte Berichte über AfD-Mitarbeiter, die nach Afghanistan reisten und mit dem Taliban für Fotos posierten oder den Fall eines Bonner Parteimitglieds, dass sich bei der Taliban auf einen Job bewarb, führt er auf, um zu verdeutlichen, dass die Partei auch die Nähe zu islamistischen Gruppen suchen würde, weil man “sowieso die gleichen Ziele verfolgt” und zitiert dabei Maximilian Krah.
Kritik an Daras Thesen
Dies und viele weitere Argumente, die Dara ins Feld führt, um seine These zu untermauern trafen natürlich nicht nur auf Zuspruch. Speziell auch das News-Portal NIUS von Ex-Bild-Chef Julian Reichelt, äußerte sich dazu kritisch, wobei sie sich dabei vor allem auf seine Verwendung des Begriffes "rechtsextrem" fokussierten, was Dara in einem Folgevideo aufschlüsselte in dem er über die Hintergründe und die Herkunft des Wortes sprach.
Doch auch andere Polit-Influencer sind nicht vollends einverstanden mit Daras Thesen. Auch wenn YouTuber HeyWolfi nicht explizit Dara erwähnt, widmet er sich in einem seiner neuesten Videos ebenfalls den Theorien um eine Verbindung zwischen der AfD und Abdul B.
Auf dem Thumbnail des Videos prangte die Frage: “CSD-Anschlag von AfD inszeniert?” – doch Wolfi sieht in solchen Verschwörungstheorien eher einen Bärendienst für die Sache. So zieht er zwar klare Verbindungen zwischen Wahlerfolgen der AfD und derartigen Anschlägen, kritisiert auch die teils fragwürdige Ermittlungsarbeit zu den Hintergründen Abdul B.s und zeigt auf, dass auch im aktuellen Fall die AfD sich nahezu als einzige Partei inszeniert, die Veranstaltungen wie den CSD schützen könne, während sie diesen am liebsten gleichzeitig verbieten würde – hält viele der Theorien, die nun um die Tat aufkommen als gefährlich an.
"Fokus auf AfD-Einfluss versperrt den Blick auf andere Gefahren"
So soll der Eindruck, dass derartige Attacken auf die Demokratie stets rund um aktuelle Wahlen passieren sollten zwar richtig sein, dies aber daran liegen, dass von jedem beliebigen Tag eines Jahres aus die nächste Wahl im bundesdeutschen Gebiet in der Regel nie mehr als 85 Tage entfernt liegen würden.
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Auch Wolfi sieht zwar auch eine direkte Verbindung zwischen AfD und Russland und zeigt auch in anderen Videos immer wieder auf, dass er der Meinung ist, dass die Partei eng im Netz von Putins Machtbereich versponnen wäre, betont aber ebenso, dass ein tatsächlicher Einfluss beider Seiten auf Anschläge wie den beim CSD nie direkt und zweifelsfrei ableitbar wären.
Viel eher sieht er eine Gefahr darin, sich auf dieses Narrativ festzulegen und dabei völlig zu ignorieren, dass neben rechtsextremen Kräften in Deutschland auch auf der restlichen Welt faschistische oder rechte Organisationen und Terror-Gruppen eine direkte Gefahr für die Demokratie bedeuten würden.
Für Wolfi ist am Ende wichtig, dass die Menschen kritisch bleiben, Tathergänge und Ermittlungsarbeiten hinterfragen und sich nicht direkt auf die Narrative zu verlassen, die ihnen vorgegeben werden, sie andererseits aber auch nicht hinter jeder Tat direkt eine tiefgehende Verschwörung wittern – da beides der Demokratie am Ende schaden könnte.
