Der Durchbruch kam, als er Kinder mit seiner Schwester hatte: Nikolaj Coster-Waldau wird 56

Als Jamie Lannister ist er der ganzen Welt bekannt, dabei kann und ist der Däne so viel mehr, als diese eine Rolle.

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Ob Theaterbühne, Eiserner Thron oder die Natur – Nikolaj Coster-Waldau ist an vielen Orten zuhause. | © NFP

Als Jaime Lannister wurde Nikolaj Coster-Waldau weltweit berühmt. Acht Staffeln lang spielte er in Game of Thrones einen der widersprüchlichsten Charaktere der Serie und schaffte damit den endgültigen Sprung vom dänischen Kino nach Hollywood. Doch Coster-Waldaus Karriere begann bereits fast zwei Jahrzehnte vor Westeros. Neben der Schauspielerei engagiert er sich seit Jahren für Klimaschutz, Gleichberechtigung und humanitäre Hilfe. Heute feiert der dänische Schauspieler seinen 56. Geburtstag.

Aufgewachsen in einem kleinen dänischen Dorf

Nikolaj William Coster-Waldau wurde am 27. Juli 1970 in Rudkøbing auf der dänischen Insel Langeland geboren. Aufgewachsen ist er jedoch hauptsächlich in Tybjerg, einem kleinen Dorf im Süden der Insel Seeland zwischen Ringsted und Næstved.

Seine Mutter Hanne Søborg Coster arbeitete als Bibliothekarin und zog Nikolaj und seine beiden älteren Schwestern größtenteils allein groß. Seine Eltern trennten sich früh. Coster-Waldau sprach später offen darüber, dass sein Vater alkoholabhängig war und das Familienleben dadurch immer wieder belastet wurde.

Nach seinem Schulabschluss wurde Coster-Waldau 1989 an der staatlichen Schauspielschule in Kopenhagen aufgenommen. Bis 1993 absolvierte er dort seine Ausbildung. Noch vor seinem Abschluss stand er am Betty-Nansen-Theater als Laertes in einer Inszenierung von Hamlet auf der Bühne.

1994 besetzte Regisseur Ole Bornedal den damals 23-Jährigen als Studenten Martin in dem Thriller Nightwatch – Nachtwache. Seine Figur nimmt einen Nebenjob als Nachtwächter in einem gerichtsmedizinischen Institut an und gerät dort in eine Serie verstörender Ereignisse.

Der Film wurde zu einem der größten dänischen Kinoerfolge der 1990er-Jahre. Coster-Waldau, der zuvor noch keine Erfahrung vor der Filmkamera hatte, wurde praktisch über Nacht zu einem bekannten Gesicht.

Der schwierige Schritt ins internationale Kino

Trotz des Erfolgs von Nightwatch – Nachtwache folgte nicht sofort die große internationale Karriere. Coster-Waldau arbeitete weiterhin am Theater und übernahm Rollen in kleineren dänischen sowie skandinavischen Produktionen.

Sein Debüt in einer großen amerikanischen Produktion gab er 2001 in Ridley Scotts Kriegsfilm Black Hawk Down. Coster-Waldau spielte den US-Soldaten Gary Gordon, der während der Schlacht von Mogadischu versucht, die Besatzung eines abgestürzten Hubschraubers zu schützen.

Die Rolle war nicht groß, öffnete ihm aber weitere Türen. 2004 spielte er in der romantischen Sportkomödie Wimbledon – Spiel, Satz und … Liebe, ein Jahr später arbeitete er für Königreich der Himmel erneut mit Ridley Scott zusammen. In dem Historienepos war er als Sheriff zu sehen, der die von Orlando Bloom gespielte Hauptfigur verfolgt.

Weitere internationale Auftritte folgten unter anderem in Firewall mit Harrison Ford sowie in der kurzlebigen Krimiserie New Amsterdam. Darin verkörperte Coster-Waldau einen unsterblichen Ermittler, der seit Jahrhunderten in New York lebt und nur durch die wahre Liebe von seinem Schicksal erlöst werden kann. Die Serie wurde 2008 nach einer Staffel eingestellt.

Die Rolle, die beinahe nicht zustande gekommen wäre

Ende der 2000er-Jahre befand sich Coster-Waldaus internationale Karriere an einem unsicheren Punkt. Er spielte regelmäßig, doch der ganz große Durchbruch blieb aus. Eine Rolle in dem Science-Fiction-Film John Carter – Zwischen zwei Welten, die seiner Karriere neuen Schwung hätte geben können, erhielt er nicht.

Fast zeitgleich wurde ihm eine Rolle in einer geplanten Fantasyserie angeboten. Die Produktion basierte auf den Romanen von George R. R. Martin, verfügte über ein großes Ensemble und galt zunächst als riskantes Projekt. Coster-Waldau sagte dennoch zu.

2011 feierte Game of Thrones seine Premiere. Coster-Waldau spielte Jaime Lannister, einen Ritter der königlichen Garde, der wegen der Ermordung eines früheren Königs den abwertend gemeinten Beinamen Königsmörder trägt und in Verruf geriet, weil er mit der Königin – seiner eigenen Schwester – heimlich Kinder hatte.

Zu Beginn der Serie erscheint Jaime arrogant, skrupellos und fest an seine mächtige Familie gebunden. Im Verlauf der Handlung wird jedoch deutlich, dass zahlreiche seiner Entscheidungen aus Loyalität, Angst und einem persönlichen Ehrenverständnis entstehen, das nicht mit seinem öffentlichen Ruf übereinstimmt.

Besonders seine Beziehung zu der Ritterin Brienne von Tarth, gespielt von Gwendoline Christie, veränderte die Wahrnehmung der Figur. Jaime entwickelte sich von einem vermeintlich klassischen Gegenspieler zu einem der moralisch widersprüchlichsten Charaktere der gesamten Serie.

Weltweiter Erfolg mit Game of Thrones

Game of Thrones entwickelte sich zu einem internationalen Phänomen. Die Serie machte ihre Darsteller weltweit bekannt und gehörte über Jahre zu den meistdiskutierten Fernsehproduktionen. Für Coster-Waldau bedeutete sie eine Form von Popularität, die er trotz seiner bisherigen Hollywoodrollen noch nicht erlebt hatte.

Er spielte Jaime Lannister von 2011 bis zum Serienfinale 2019. Für seine Darstellung wurde er 2018 und 2019 jeweils für den Emmy als bester Nebendarsteller in einer Dramaserie nominiert. Einen Preis gewann er nicht, seine Leistung wurde jedoch besonders in den späteren Staffeln zunehmend gewürdigt.

Zwischen dänischem Kino und Hollywood

Während seiner Zeit bei Game of Thrones arbeitete Coster-Waldau kontinuierlich weiter im Kino. In dem norwegischen Thriller Headhunters spielte er 2011 einen erfolgreichen Geschäftsmann, der zum Ziel eines Kunstdiebs wird.

2013 war er neben Tom Cruise in dem Science-Fiction-Film Oblivion zu sehen. Im selben Jahr übernahm er eine Doppelrolle in dem Horrorfilm Mama. Für Susanne Biers Drama Zweite Chance spielte er einen Polizisten, dessen privates Schicksal ihn zu einer folgenschweren Entscheidung treibt.

In der Komödie Die Schadenfreundinnen verkörperte er einen Mann, dessen Ehefrau und mehrere Geliebte gemeinsam gegen ihn vorgehen. Es folgten das Fantasyabenteuer Götter von Ägypten und der Gefängnisthriller Shot Caller.

Nach dem Ende von Game of Thrones setzte er verstärkt auf kleinere Thriller und europäische Produktionen. Dazu gehörten The Silencing – Tod in den Wäldern, Against the Ice sowie die Rückkehr zu seinen filmischen Anfängen in Nightwatch: Demons Are Forever. Fast drei Jahrzehnte nach dem Original spielte er erneut Martin, dessen traumatische Vergangenheit nun auch das Leben seiner Tochter beeinflusst.

Klimaschutz als zweite große Aufgabe

2016 wurde Coster-Waldau zum Goodwill-Botschafter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen ernannt. Seine Arbeit konzentriert sich auf Klimaschutz, Armutsbekämpfung, die Verringerung gesellschaftlicher Ungleichheit und die Gleichstellung der Geschlechter.

Für das UNDP reiste er unter anderem nach Kenia, Ruanda, auf die Malediven, nach Thailand und in den peruanischen Amazonas. Dabei beschäftigte er sich mit der Frage, wie Klimawandel, Armut und soziale Ungleichheit zusammenhängen.

In Grönland dokumentierte er gemeinsam mit Google die Veränderungen der Landschaft. Auf den Malediven sprach er mit Menschen, deren Lebensgrundlage durch den steigenden Meeresspiegel bedroht ist. Im Amazonasgebiet beschäftigte er sich mit den Ursachen von Waldbränden und den Folgen der Zerstörung für lokale Gemeinschaften.

Sein Ansatz besteht dabei nicht allein darin, vor Katastrophen zu warnen. Coster-Waldau versucht bewusst, funktionierende Lösungen zu zeigen. Er argumentiert, dass ständige Untergangsszenarien viele Menschen lähmen, während konkrete Beispiele für Fortschritt zum Handeln motivieren können.

An Optimist’s Guide to the Planet

Aus dieser Überzeugung entstand die Dokumentarserie An Optimist’s Guide to the Planet. In der ersten Staffel reiste Coster-Waldau durch zahlreiche Länder und traf Wissenschaftler, Unternehmer, Landwirte, indigene Gemeinschaften und Aktivisten, die an Lösungen für ökologische Probleme arbeiten.

Die Serie beschäftigte sich unter anderem mit erneuerbarer Energie, nachhaltiger Landwirtschaft, dem Schutz von Lebensräumen und neuen Formen des Zusammenlebens zwischen Menschen und Natur. Statt Coster-Waldau als allwissenden Moderator zu präsentieren, zeigt die Produktion ihn als neugierigen Reisenden, der Fragen stellt und sich Lösungsansätze erklären lässt.

Im Oktober 2025 erschien die zweite Staffel. Dafür reiste er unter anderem nach Indien, Ecuador, Peru, Finnland und Frankreich. Die neuen Folgen behandelten beispielsweise die Umwandlung von Abfall in Energie, die Gewinnung von Trinkwasser, die Wiederherstellung beschädigter Ökosysteme und neue Konzepte für eine nachhaltige Energieversorgung.

Einsatz für Gleichberechtigung

Neben dem Klimaschutz bildet die Gleichstellung von Frauen und Mädchen einen zweiten Schwerpunkt seiner Arbeit für die Vereinten Nationen. Als Vater zweier Töchter erklärte Coster-Waldau mehrfach, dass echte gesellschaftliche Entwicklung ohne gleichberechtigte Bildungs-, Arbeits- und Mitbestimmungsmöglichkeiten nicht möglich sei.

Nach einer Reise nach Kenia veröffentlichte er einen Aufruf an Väter, Verantwortung für die Gleichberechtigung ihrer Töchter zu übernehmen. Außerdem unterstützte er UN-Initiativen gegen geschlechtsspezifische Gewalt und nahm an Veranstaltungen teil, bei denen Frauen über politische Teilhabe und wirtschaftliche Unabhängigkeit sprachen.

Während der Corona-Pandemie forderte Coster-Waldau gemeinsam mit weiteren UN-Botschaftern, wirtschaftliche Hilfsprogramme mit Klimaschutz und Gleichberechtigung zu verbinden. Frauen und Mädchen seien von vielen Krisen besonders stark betroffen und müssten deshalb auch bei der Entwicklung von Lösungen beteiligt werden.

Humanitäre Hilfe und Schutz bedrohter Tiere

Coster-Waldau engagiert sich außerdem seit vielen Jahren für das Dänische Rote Kreuz. Er gehört dem Netzwerk Klub 100 an, in dem Persönlichkeiten aus Kultur und Wirtschaft Spenden für humanitäre Projekte sammeln.

Auch beim Schutz von Wildtieren ist er aktiv. 2018 unterstützte er die Gründung des UNDP-Fonds The Lion’s Share. Das Konzept sieht vor, dass Unternehmen einen kleinen Teil ihrer Werbeausgaben spenden, wenn Tiere in ihren Kampagnen verwendet werden. Das Geld fließt in Artenschutz- und Tierschutzprojekte.

Zum Start des Fonds führte Coster-Waldau ein Gespräch mit den Black Mambas, einer überwiegend aus Frauen bestehenden Anti-Wilderei-Einheit aus Südafrika. Die Initiative verbindet damit mehrere Themen, für die er sich einsetzt: den Schutz der Natur, die Stärkung lokaler Gemeinschaften und die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen.

Mehr als der Königsmörder

Nikolaj Coster-Waldau wird vermutlich noch lange mit Jaime Lannister verbunden bleiben. Die Rolle veränderte seine Karriere, machte ihn international bekannt und brachte ihm zwei Emmy-Nominierungen ein.

Sein beruflicher Weg begann jedoch lange vor Game of Thrones und setzte sich nach dem Ende der Serie konsequent fort. Er wechselte zwischen Hollywoodfilmen, skandinavischen Dramen, Thrillern, historischen Produktionen und Dokumentarprojekten, ohne seine Verbindung zu Dänemark und Grönland aufzugeben.

Heute wird Nikolaj Coster-Waldau 56 Jahre alt. Mit King & Conqueror und der zweiten Staffel von Beschütze sie hat er zuletzt wieder große Serienrollen übernommen. Gleichzeitig ist sein gesellschaftliches Engagement längst zu einem festen Teil seines öffentlichen Lebens geworden.

Aus dem Ritter von Westeros ist ein Schauspieler, Produzent, Regisseur und Klimaaktivist geworden, der seine Bekanntheit zunehmend dafür nutzt, nicht nur Geschichten über fiktive Welten zu erzählen, sondern nach Lösungen für die reale zu suchen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....