Die Handtasche als Waffe: Die Eiserne Lady Margeret Thatcher wäre heute 101

Die Politikerin würde heute ihren 101. Geburtstag feiern und die Wirkung ihre Arbeit ist heute noch spürbar,

Margret Thatcher 01 Wikipedia
Margaret Thatcher veränderte Großbritannien nachhaltig – ihr politischer Kurs bleibt umstritten. | © Wikipedia

Am 13. Oktober 2026 wäre Margaret Thatcher 101 Jahre alt geworden. Die erste Frau an der Spitze der britischen Regierung steht bis heute für einen politischen Richtungswechsel, dessen Folgen weit über ihre Amtszeit hinausreichen. Ihr Geburtstag bietet Anlass, auf eine Karriere zurückzublicken, die gesellschaftliche Grenzen verschob und zugleich neue Konflikte schuf.

Eine Regierungschefin, die mit Gewohnheiten brach

Als Thatcher 1979 in die Downing Street einzog, übernahm sie ein Land, das mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und heftigen Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Gewerkschaften kämpfte. Ihre Antwort war ein umfassender Umbau: Private Unternehmen und Wettbewerb sollten mehr Gewicht erhalten, der Staat sich aus Teilen der Wirtschaft zurückziehen. Für diesen Kurs suchte sie bewusst die Konfrontation.

Staatsbetriebe wurden verkauft, Märkte liberalisiert und der Einfluss der Gewerkschaften begrenzt. Unter dem Begriff „Thatcherismus“ wurden diese Entscheidungen zum politischen Programm. Befürworter verbinden damit wirtschaftliche Erneuerung und mehr unternehmerische Freiheit. Kritiker verweisen auf Arbeitslosigkeit, wachsende Ungleichheit und die Folgen für Regionen, deren Lebensgrundlage von der Industrie abhing.

Der Weg aus Grantham nach London

Begonnen hatte ihr Leben fern vom politischen Machtzentrum. Am 13. Oktober 1925 kam sie in Grantham als Margaret Hilda Roberts zur Welt. Ihr Vater führte ein Lebensmittelgeschäft und engagierte sich in der Kommunalpolitik. Leistungsbereitschaft, Sparsamkeit und persönliche Verantwortung gehörten zu den Überzeugungen, mit denen sie aufwuchs und die später ihre Politik bestimmten.

Ihr erster beruflicher Weg führte allerdings in die Naturwissenschaften. Nach einem Chemiestudium in Oxford arbeitete sie in der Forschung. Anschließend absolvierte sie eine juristische Ausbildung und wurde Anwältin. Parallel verfolgte sie ihre politischen Ambitionen bei den Konservativen. 1959 zog sie ins Unterhaus ein, 1975 übernahm sie die Parteiführung.

Vier Jahre später wurde sie Premierministerin. In einer politischen Welt, deren Spitzenpositionen fast ausschließlich Männer besetzten, war das ein historischer Schritt. Thatcher gewann insgesamt drei Unterhauswahlen und regierte bis 1990. Kein anderer britischer Premierminister des 20. Jahrhunderts blieb länger ununterbrochen im Amt.

Zu ihrem öffentlichen Bild gehörte ein sorgfältig vorbereitetes Auftreten. Sie arbeitete an ihrer Stimme, feilte an Reden und setzte auf klare Botschaften. Der Beiname „Eiserne Lady“, den ihr sowjetische Medien bereits vor ihrer Regierungszeit gegeben hatten, passte zu diesem Anspruch: Thatcher wollte Entschlossenheit vermitteln und übernahm die Bezeichnung selbst.

Internationale Stärke und ein umkämpftes Vermächtnis

Besonders sichtbar wurde dieser Führungsanspruch im Falklandkrieg. Nachdem Argentinien 1982 die Inseln besetzt hatte, entsandte ihre Regierung britische Streitkräfte. Der britische Sieg verschaffte Thatcher innenpolitischen Rückenwind. Im Kalten Krieg stand sie eng an der Seite von US-Präsident Ronald Reagan, suchte später aber auch das Gespräch mit dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow.

Ihr Ende als Regierungschefin kam schließlich aus der eigenen Partei. Streit über ihren Kurs, darunter die Europapolitik und die umstrittene Kopfsteuer, schwächte ihren Rückhalt. Im November 1990 trat sie zurück. Damit endete ihre Amtszeit, doch die von ihr veränderten wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen blieben bestehen.

Margaret Thatcher starb am 8. April 2013 im Alter von 87 Jahren. An ihrem 101. Geburtstag richtet sich der Blick deshalb auf ein widersprüchliches Vermächtnis: Sie öffnete als erste Premierministerin eine zuvor verschlossene Tür, während ihre Entscheidungen für viele Menschen mit schmerzhaften Einschnitten verbunden waren.

Wer heute über das Verhältnis von Markt und Staat oder über die Verantwortung einer Regierung für sozialen Ausgleich diskutiert, berührt damit auch die Fragen, die Thatchers Politik aufgeworfen hat. Ihr Geburtstag erinnert an eine Frau, deren Bedeutung sich kaum von den Auseinandersetzungen um sie trennen lässt.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....