Ein Jahr ohne Hulk Hogan: Von der Hulkmania, Sextapes und den angeblichen Fast-Bassisten von Metallica

Das einstige Gesicht des Wrestlings und was sich an Schattenseiten dahinter verbarg.

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Die schillernde Fassade der goldenen Wrestling-Ära konnte der fleckigen Weste seines Privatlebens nicht standhalten. | © Wikipedia

Am 24. Juli 2025 starb Hulk Hogan im Alter von 71 Jahren. Zum ersten Todestag blicken wir auf den Mann zurück, der Wrestling weltweit populär machte – aber auch auf politische Auftritte, soziales Engagement, Skandale und Geschichten, die selbst für die Wrestling-Welt außergewöhnlich waren.

Wenn heute, am 24. Juli 2026, an Hulk Hogan erinnert wird, geht es nicht nur um einen erfolgreichen Wrestler. Es geht um eine der prägendsten Figuren der modernen Popkultur: einen Mann, der Wrestling aus regionalen Veranstaltungshallen in Stadien, Wohnzimmer und Kinderzimmer brachte. Gleichzeitig hinterließ Hogan eine komplizierte Geschichte, in der sich sportliche Erfolge, geschickte Selbstvermarktung, Wohltätigkeit, politische Inszenierung und schwere persönliche Verfehlungen miteinander vermischen.

Hulk Hogan war Held, Bösewicht, Schauspieler, Reality-TV-Star, Musiker, Unternehmer und politischer Unterstützer Donald Trumps. Er war für Millionen von Kindern ein Idol und wurde für andere zum Beispiel dafür, wie schwer es sein kann, die öffentliche Kunstfigur vom Menschen dahinter zu trennen.

Vom Bassisten Terry Bollea zum Wrestler Hulk Hogan

Hulk Hogan wurde am 11. August 1953 als Terry Gene Bollea in Augusta im US-Bundesstaat Georgia geboren und wuchs überwiegend in Tampa, Florida, auf. Bevor er sich dem Wrestling widmete, wollte Bollea Musiker werden. Er spielte Gitarre und später Bass in verschiedenen Rockbands aus Florida. Mit der Band Ruckus trat er in Clubs der Region Tampa Bay auf.

Bei diesen Auftritten begegnete er mehreren Wrestlern, die von seiner Größe und seinem auffälligen Erscheinungsbild beeindruckt waren. Ende der 1970er-Jahre begann Bollea schließlich mit dem Wrestlingtraining. Sein offizielles Debüt folgte 1977. In den ersten Jahren trat er unter verschiedenen Namen auf, darunter Sterling Golden, ehe sich die Figur Hulk Hogan entwickelte.

Bereits damals zeigte sich eine seiner größten Fähigkeiten: Hogan konnte eine überlebensgroße Version seiner selbst erschaffen. Die blond gefärbten Haare, der markante Schnurrbart, die gebräunte Haut, Bandanas und Muskelshirts wurden zu einem Look, der selbst von Menschen erkannt wurde, die noch nie ein vollständiges Wrestlingmatch gesehen hatten.

WrestleMania und der Aufstieg des modernen Wrestlings

Als WWE-Chef Vince McMahon Wrestling von einem regional organisierten Geschäft zu einem nationalen Unterhaltungsprodukt ausbauen wollte, wurde Hogan zum idealen Gesicht dieser Expansion. Bei der ersten WrestleMania im Jahr 1985 trat er gemeinsam mit Mr. T gegen Roddy Piper und Paul Orndorff an. Prominente Gäste, Musikfernsehen und Wrestling wurden zu einer großen Show verbunden.

Der bekannteste Moment seiner Karriere folgte zwei Jahre später bei WrestleMania III. Im voll besetzten Pontiac Silverdome hob Hogan den deutlich schwereren André the Giant hoch und warf ihn auf die Matte. Der Bodyslam wurde zu einem der am häufigsten wiederholten Bilder der Wrestlinggeschichte.

Hogan gewann während seiner Karriere insgesamt sechs WWE- und sechs WCW-Weltmeisterschaften. Über Jahre war er der größte Publikumsmagnet der Branche. Merchandisingartikel, Actionfiguren, Videospiele, Frühstücksprodukte und Fernsehauftritte machten aus dem Wrestler eine weltweit vermarktete Marke.

Hollywood Hogan und die Neuerfindung als Bösewicht

In den frühen 1990er-Jahren begann sich das Publikum jedoch an der immer gleichen Heldenfigur sattzusehen. Hogan verließ die WWE und wechselte 1994 zur Konkurrenzliga World Championship Wrestling. Zunächst trat er dort weiterhin als rot-gelber Publikumsliebling auf.

1996 gelang ihm eine der bedeutendsten Neuerfindungen der Wrestlinggeschichte. Hogan schloss sich Scott Hall und Kevin Nash an und gründete die New World Order, kurz nWo. Aus dem patriotischen Helden wurde Hollywood Hogan: ein schwarz gekleideter, egoistischer Bösewicht, der seinen Einfluss offen ausspielte und sich für größer als die gesamte Liga hielt.

Der Wechsel schockierte viele Fans, passte aber perfekt zum veränderten Zeitgeist der 1990er-Jahre. Die nWo wurde zu einem der erfolgreichsten Wrestling-Stables überhaupt und half WCW zeitweise dabei, die WWE im Kampf um die Fernsehzuschauer zu überholen.

Wollte Metallica Hulk Hogan wirklich als Bassisten?

Hogan behauptete mehrfach, dass er beinahe Bassist von Metallica geworden wäre. Allerdings erzählte er im Laufe der Jahre unterschiedliche Versionen der Geschichte.

In einer Variante erklärte er, mit Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich befreundet gewesen zu sein. Ulrich habe ihn in der Anfangszeit der Band gefragt, ob er Bass spielen wolle. In einer anderen Version sagte Hogan, er habe nach dem Ausstieg von Jason Newsted von der offenen Position erfahren, Demoaufnahmen verschickt und die Band wiederholt kontaktiert. Eine Antwort habe er nie erhalten.

Dass Hogan tatsächlich Bass spielen konnte und vor seiner Wrestlingkarriere mehrere Jahre als Musiker gearbeitet hatte, ist belegt. Für eine ernsthafte Einladung oder ein Vorspielen bei Metallica gibt es dagegen keine überzeugenden Nachweise. Lars Ulrich erklärte, er könne sich nicht daran erinnern, Hogan getroffen zu haben. Auch James Hetfield zeigte sich von der Geschichte überrascht.

Hogan erzählte zudem, er habe versucht, Bassist der Rolling Stones zu werden. Weitere Geschichten besagten, Elvis Presley sei ein großer Fan von ihm gewesen und er habe die Hauptrolle in The Wrestler abgelehnt. Regisseur Darren Aronofsky widersprach der letztgenannten Darstellung und erklärte, die Rolle sei für Mickey Rourke entwickelt worden.

Diese Erzählungen gehörten zu Hogans ausgeprägter Form der Selbstmythologisierung. Berühmt wurde auch seine Behauptung, er habe wegen der Zeitverschiebung zwischen den USA und Japan innerhalb eines Jahres an 400 Tagen gewrestelt. Selbst für einen Mann, der regelmäßig als unbesiegbarer Superheld auftrat, war das mathematisch kaum zu verteidigen.

Vom patriotischen Wrestler zum Unterstützer Donald Trumps

Politische Motive waren schon früh ein Bestandteil der Figur Hulk Hogan. Seine Fehden wurden häufig als Kampf des amerikanischen Helden gegen ausländische oder antiamerikanisch inszenierte Gegner erzählt. Der Song Real American, US-Flaggen und patriotische Reden gehörten fest zu seiner Präsentation.

Privat war Hogans politischer Weg weniger geradlinig. Zeitweise äußerte er sich positiv über Barack Obama. Später näherte er sich zunehmend Donald Trump und dessen politischem Umfeld an. Hogan und Trump kannten sich bereits seit den 1980er-Jahren, als WrestleMania-Veranstaltungen im Umfeld des Trump Plaza in Atlantic City ausgetragen wurden.

Seinen deutlichsten politischen Auftritt hatte Hogan am 18. Juli 2024 beim Parteitag der Republikaner in Milwaukee. Dort bezeichnete er Trump als Helden und Gladiator. Wie bei einem Wrestlingauftritt riss er sein schwarzes Oberteil auseinander und enthüllte darunter ein rotes Trump-Vance-Shirt. Aus Hulkamania wurde auf der Bühne Trumpamania.

Hogan erklärte, er habe sich als Entertainer lange aus der Politik heraushalten wollen. Nach dem Attentatsversuch auf Trump wenige Tage zuvor könne er jedoch nicht länger schweigen. Der Auftritt machte ihn endgültig zu einem prominenten Unterstützer der MAGA-Bewegung.

Seine politische Positionierung polarisierte auch das Wrestlingpublikum. Bei seinem letzten großen WWE-Auftritt im Januar 2025 wurde Hogan von Teilen der Zuschauer lautstark ausgebuht. Der Moment zeigte, dass Nostalgie und Ablehnung bei seiner Person längst gleichzeitig existierten.

Das Sexvideo, der Gawker-Prozess und rassistische Aussagen

Zu Hogans größtem juristischen Erfolg wurde gleichzeitig einer der demütigendsten Abschnitte seines Privatlebens. Die Medienseite Gawker veröffentlichte 2012 Ausschnitte aus einem ohne seine Zustimmung aufgenommenen Sexvideo. Hogan, der vor Gericht unter seinem bürgerlichen Namen Terry Bollea auftrat, verklagte das Unternehmen wegen Verletzung seiner Privatsphäre.

2016 sprach ihm eine Jury insgesamt 140 Millionen US-Dollar Schadensersatz zu. Später einigten sich die Parteien auf eine Zahlung von 31 Millionen US-Dollar. Der Prozess entwickelte sich zu einer Grundsatzdebatte über Pressefreiheit, Privatsphäre und die Grenzen von Prominentenberichterstattung. Bekannt wurde zudem, dass der Unternehmer Peter Thiel Hogans Klage finanziell unterstützt hatte.

Im Umfeld der Aufnahmen wurde jedoch auch ein Gespräch öffentlich, in dem Hogan mehrfach rassistische Beleidigungen verwendete und sich abfällig über eine mögliche Beziehung seiner Tochter zu einem schwarzen Mann äußerte.

Die WWE beendete 2015 vorübergehend die Zusammenarbeit mit ihm, entfernte seine Profile und strich ihn aus der Hall of Fame. Hogan entschuldigte sich und bezeichnete seine Aussagen als inakzeptabel. 2018 wurde er wieder in die WWE Hall of Fame aufgenommen.

Die Entschuldigung überzeugte nicht alle Fans und Kollegen. Besonders kritisiert wurde, dass Hogan bei einem Treffen mit Wrestlern vor allem über die Gefahr heimlicher Aufnahmen gesprochen haben soll, statt ausschließlich den Rassismus seiner Aussagen zu thematisieren. Der Skandal blieb bis zu seinem Tod ein zentraler Bestandteil seiner öffentlichen Wahrnehmung.

Der letzte Blick auf den Menschen hinter Hulk Hogan

Am Morgen des 24. Juli 2025 wurden Rettungskräfte wegen eines Herzstillstands zu Hogans Haus in Clearwater, Florida, gerufen. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, konnte jedoch nicht wiederbelebt werden. Als offizielle Todesursache wurde ein akuter Herzinfarkt festgestellt. Bekannt wurde außerdem, dass Hogan unter Vorhofflimmern litt und an chronischer lymphatischer Leukämie erkrankt war.

Eine ausführliche polizeiliche Untersuchung wurde im Juni 2026 abgeschlossen. Die Behörden stuften seinen Tod als natürlich ein und fanden keine Hinweise auf Fremdverschulden.

Seit April 2026 ist auf Netflix die vierteilige Dokumentarserie Hulk Hogan: Real American verfügbar. Sie enthält Hogans letztes ausführliches Interview und versucht, den Unterschied zwischen Terry Bollea und der Kunstfigur Hulk Hogan sichtbar zu machen.

Diese Trennung war für Hogan selbst besonders wichtig. Während des Gawker-Prozesses argumentierte er sogar, dass Aussagen der übertriebenen Figur Hulk Hogan nicht automatisch als Aussagen des Privatmenschen Terry Bollea verstanden werden dürften.

Doch genau diese beiden Identitäten ließen sich am Ende kaum noch voneinander lösen. Terry Bollea erschuf Hulk Hogan, aber Hulk Hogan bestimmte zunehmend, wie Terry Bollea sprach, handelte und seine eigene Vergangenheit erzählte.

Ein Vermächtnis voller Widersprüche

Hulk Hogan hat das moderne Wrestling nicht allein erfunden. Ohne ihn wäre dessen weltweiter Aufstieg in den 1980er-Jahren jedoch kaum in derselben Form möglich gewesen. Er zeigte, dass ein Wrestler gleichzeitig Sportler, Schauspieler, Werbefigur, Musiker und internationale Marke sein konnte.

Sein Einfluss ist in nahezu jeder späteren Wrestlinggeneration zu erkennen. Stars wie The Rock, John Cena oder Roman Reigns bewegten sich in einer Unterhaltungsindustrie, deren globale Strukturen während der Hulkamania entstanden.

Gleichzeitig kann eine ehrliche Erinnerung an Hogan seine rassistischen Aussagen, seinen Steroidkonsum, seine teilweise rücksichtslose Macht hinter den Kulissen und die zahlreichen fragwürdigen Geschichten über seine Vergangenheit nicht ausblenden.

Ein Jahr nach seinem Tod bleibt Hulk Hogan deshalb eine der größten und zugleich widersprüchlichsten Figuren der Wrestlinggeschichte. Für manche wird er immer der strahlende Held in Rot und Gelb bleiben, der André the Giant durch den Ring schleuderte. Für andere ist er ein Symbol für die problematischen Seiten einer Industrie, in der Wahrheit, Rolle und Selbstinszenierung ständig ineinander übergehen.

Vielleicht besteht sein eigentliches Vermächtnis genau darin: Hulk Hogan war größer als das Wrestling – und irgendwann auch größer als Terry Bollea selbst.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....