Zwischen Satanismusvorwürfen, Fledermausköpfen und Kult-TV-Shows.
Am 22. Juli 2026 jährt sich der Tod von Ozzy Osbourne zum ersten Mal. Der Sänger von Black Sabbath prägte den Heavy Metal wie kaum ein anderer, überlebte jahrzehntelange Suchterkrankungen, wurde zum Reality-TV-Star und verabschiedete sich nur 17 Tage vor seinem Tod mit einem letzten Konzert in seiner Heimatstadt Birmingham. Hinter dem Prince of Darkness stand ein widersprüchlicher Mensch, dessen Leben nicht nur aus Musik, Skandalen und schwarzem Humor bestand.
Vom Arbeiterkind aus Birmingham zum Prince of Darkness
Ozzy Osbourne wurde am 3. Dezember 1948 als John Michael Osbourne in Birmingham geboren. Er wuchs im Stadtteil Aston in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater arbeitete in einer Fabrik, seine Mutter in der Produktion von Autoteilen. Gemeinsam mit fünf Geschwistern lebte Osbourne in einem kleinen Haus, in dem Geld und persönlicher Raum knapp waren.
Der spätere Künstlername Ozzy entstand bereits während seiner Schulzeit. Mitschüler leiteten ihn vermutlich von seinem Nachnamen Osbourne ab. Mit dem Unterricht hatte er große Schwierigkeiten. Seine später diagnostizierte Legasthenie und Aufmerksamkeitsprobleme machten das Lernen zusätzlich kompliziert.
Osbourne verließ die Schule mit 15 Jahren und nahm verschiedene Arbeiten an. Er war unter anderem auf Baustellen, in einer Autofabrik und in einem Schlachthof beschäftigt. Nach einem Einbruchversuch verbrachte er außerdem mehrere Wochen im Gefängnis, weil sein Vater sich weigerte, die Geldstrafe für ihn zu bezahlen.
Die Musik wurde für ihn zum möglichen Ausweg aus einem Leben, das ansonsten wahrscheinlich von Fabrikarbeit geprägt worden wäre. Besonders die Beatles und ihr Song She Loves You hinterließen bei ihm einen starken Eindruck. Osbourne erkannte, dass auch ein Junge aus einer britischen Arbeiterstadt ein weltweit bekannter Musiker werden konnte.
Die Geburt von Black Sabbath
Ende der 1960er-Jahre schloss sich Osbourne mit dem Gitarristen Tony Iommi, dem Bassisten Geezer Butler und dem Schlagzeuger Bill Ward zusammen. Nach frühen Bandnamen wie Polka Tulk Blues Band und Earth entstand schließlich Black Sabbath.
Der neue Name passte zu einem Sound, der wesentlich schwerer und bedrohlicher klang als die Musik vieler damaliger Rockbands. Tony Iommis tief gestimmte Gitarrenriffs, Geezer Butlers düstere Texte, Bill Wards unberechenbares Schlagzeugspiel und Osbournes ungewöhnlich hohe, klagende Stimme ergaben eine Kombination, die kaum mit bestehenden Kategorien zu beschreiben war.
Das selbstbetitelte Debütalbum Black Sabbath erschien 1970. Noch im selben Jahr folgte Paranoid mit Songs wie War Pigs, Iron Man und Paranoid. Mit Master of Reality wurde der Sound 1971 noch schwerer und langsamer.
Black Sabbath erfanden Heavy Metal nicht vollständig aus dem Nichts. Harte Gitarrenmusik gab es bereits zuvor. Die Band bündelte jedoch viele Elemente, die das Genre bis heute prägen: tiefe Riffs, apokalyptische Stimmungen, eine massive Lautstärke und Texte über Krieg, Tod, Religion, psychische Krisen und gesellschaftliche Entfremdung.
Politischer, als das Image vermuten ließ
Black Sabbath wurden häufig als satanische oder gefährliche Band dargestellt. Religiöse Gruppen sahen in der Musik eine Bedrohung für Jugendliche. Osbournes Auftreten, Kreuze, schwarze Kleidung und die düsteren Plattencover verstärkten dieses Image zusätzlich.
Viele Songs waren inhaltlich jedoch weniger okkult als politisch und sozialkritisch. War Pigs richtete sich gegen politische und militärische Entscheidungsträger, die Kriege beginnen, ohne selbst auf den Schlachtfeldern zu kämpfen. Children of the Grave verband die Angst vor einem Atomkrieg mit der Hoffnung auf gesellschaftliche Veränderung. Hand of Doom thematisierte Drogenabhängigkeit bei Soldaten, die aus dem Vietnamkrieg zurückkehrten.
Die Texte stammten überwiegend von Geezer Butler. Osbournes Stimme machte sie jedoch zu Hymnen. Er sang nicht wie ein distanzierter Beobachter, sondern häufig so, als wäre er selbst Teil der Angst, Verzweiflung oder Wut, von der die Songs erzählten.
Black Sabbath gaben damit Menschen eine musikalische Sprache, die sich vom Optimismus der Hippie-Bewegung nicht angesprochen fühlten. Ihre Musik klang nach Fabriken, grauen Wohnvierteln und einer Generation, die mit wirtschaftlichen Krisen, Krieg und gesellschaftlichen Spannungen aufwuchs.
Erfolg, Drogen und der Rauswurf bei Black Sabbath
Der schnelle Erfolg hatte für die Band erhebliche Folgen. Tourneen, Alkohol und Drogen bestimmten zunehmend den Alltag. Besonders Osbournes Konsum geriet außer Kontrolle. Gleichzeitig verschlechterten sich die Beziehungen innerhalb der Gruppe.
Nach acht gemeinsamen Studioalben wurde Osbourne 1979 von Black Sabbath entlassen. Die übrigen Mitglieder sahen sich nicht mehr in der Lage, zuverlässig mit ihm zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt glaubte Osbourne zeitweise, seine Karriere sei beendet.
Sharon Arden, die Tochter des damaligen Black-Sabbath-Managers Don Arden, half ihm dabei, ein Soloprojekt aufzubauen. Sie wurde später seine Managerin und Ehefrau. Gemeinsam stellten sie eine neue Band zusammen, zu der unter anderem der junge Gitarrist Randy Rhoads gehörte.
Blizzard of Ozz machte ihn zum Solostar
1980 erschien Osbournes erstes Soloalbum Blizzard of Ozz. Songs wie Crazy Train und Mr. Crowley zeigten, dass er auch ohne Black Sabbath erfolgreich sein konnte. Das Album verband seine markante Stimme mit melodischeren Strukturen und dem technisch anspruchsvollen Gitarrenspiel von Randy Rhoads.
Ein Jahr später folgte Diary of a Madman. Beide Alben gelten heute als zentrale Werke des Heavy Metal. Die Zusammenarbeit mit Rhoads endete jedoch tragisch. Der Gitarrist starb 1982 im Alter von 25 Jahren bei einem Flugzeugabsturz während einer Tournee.
Osbourne setzte seine Karriere trotz des Verlustes fort. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte er unter anderem Bark at the Moon, No Rest for the Wicked, No More Tears, Ozzmosis, Ordinary Man und Patient Number 9.
Mit Songs wie Mama, I’m Coming Home bewies er, dass seine Musik nicht nur von Horror, Wahnsinn und Provokation leben musste. Die Ballade zeigte eine verletzlichere Seite des Sängers und wurde zu einem seiner größten Solohits.
Die Fledermaus, die ihn für immer verfolgte
Keine Geschichte aus Osbournes Karriere wurde häufiger erzählt als der Fledermausvorfall von 1982. Während eines Konzerts in Des Moines warf ein Zuschauer eine Fledermaus auf die Bühne. Osbourne hielt sie nach eigener Aussage für ein Gummitier und biss ihr den Kopf ab.
Als er bemerkte, dass die Fledermaus echt war, war es bereits zu spät. Nach dem Konzert musste er gegen Tollwut behandelt werden. Ob das Tier noch lebte, als es auf die Bühne geworfen wurde, wurde später unterschiedlich dargestellt. Der Vorfall selbst ist jedoch unbestritten.
Bereits im Jahr zuvor hatte Osbourne während eines Treffens mit Vertretern seiner Plattenfirma einer Taube den Kopf abgebissen. Beide Ereignisse standen in engem Zusammenhang mit seinem massiven Alkohol- und Drogenkonsum.
Die Geschichten machten ihn endgültig zum Prince of Darkness. Gleichzeitig reduzierten sie seine jahrzehntelange musikalische Arbeit häufig auf wenige schockierende Augenblicke. Osbourne scherzte später selbst darüber, dass selbst nach seinem Tod wahrscheinlich zuerst über die Fledermaus gesprochen werde.
Dunkle Seiten ganz ohne Romantik
Osbournes exzessiver Lebensstil wurde über Jahrzehnte als Teil einer unterhaltsamen Rocklegende erzählt. Hinter den Anekdoten standen jedoch Suchterkrankungen, zerstörte Beziehungen und gefährliche Situationen.
1989 griff Osbourne seine Frau Sharon während eines durch Alkohol und Drogen ausgelösten Blackouts an und versuchte, sie zu erwürgen. Er wurde festgenommen und anschließend für mehrere Monate in einer Behandlungseinrichtung untergebracht. Sharon entschied sich später, zu ihm zurückzukehren.
Osbourne bezeichnete den Angriff in seinen späteren Erinnerungen als das Ereignis, das er am meisten bereue. Die Tat bleibt dennoch ein Teil seiner Biografie, der nicht mit seinem Bühnenimage oder seiner Abhängigkeit entschuldigt werden kann.
Seine Ehe mit Sharon war von Liebe und gegenseitiger Loyalität, aber auch von Untreue, Rückfällen, Konflikten und öffentlichen Krisen geprägt. Beide heirateten 1982 und hatten drei gemeinsame Kinder: Aimee, Kelly und Jack. Aus Osbournes erster Ehe mit Thelma Riley stammten weitere Kinder.
The Osbournes machte ihn zum Reality-TV-Star
2002 begann auf MTV die Reality-Serie The Osbournes. Sie zeigte Ozzy, Sharon, Kelly und Jack in ihrem Familienalltag in Los Angeles. Tochter Aimee entschied sich gegen eine Teilnahme.
Die Serie präsentierte einen völlig anderen Ozzy Osbourne. Statt des angeblich gefährlichen Prince of Darkness sah das Publikum einen häufig verwirrten Familienvater, der an der Fernbedienung scheiterte, sich über seine Hunde beschwerte und versuchte, das Chaos in seinem Haus zu verstehen.
The Osbournes wurde zu einem internationalen Erfolg und gehörte zu den Produktionen, die den modernen Reality-TV-Boom maßgeblich mitprägten. Gleichzeitig diskutierten Zuschauer darüber, ob Osbournes gesundheitlicher Zustand und seine Abhängigkeiten zur Unterhaltung gemacht wurden.
Für eine neue Generation war er nun nicht mehr zuerst der Sänger von Black Sabbath, sondern der nuschelnde Vater aus dem Fernsehen. Die Serie veränderte sein öffentliches Bild dauerhaft und machte aus einer Metal-Ikone eine Figur der allgemeinen Popkultur.
Der letzte Auftritt in Birmingham
Am 5. Juli 2025 fand im Villa Park in Birmingham das Benefizfestival Back to the Beginning statt. Mehr als 40.000 Menschen erlebten Osbournes letzten Liveauftritt.
Zunächst spielte er ein kurzes Soloset mit Songs wie Crazy Train, Mr. Crowley und Mama, I’m Coming Home. Anschließend stand die Black-Sabbath-Originalbesetzung mit Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward erstmals seit rund 20 Jahren wieder gemeinsam auf einer Bühne.
Wegen seiner Erkrankungen konnte Osbourne nicht mehr stehen und absolvierte den gesamten Auftritt auf einem schwarzen, mit Fledermausflügeln verzierten Thron. Seine Stimme war nicht mehr dieselbe wie in früheren Jahrzehnten. Die Bedeutung des Moments lag jedoch weniger in musikalischer Perfektion als in der Tatsache, dass dieser Abschied überhaupt stattfinden konnte.
Black Sabbath beendeten den Abend mit War Pigs, N.I.B., Iron Man und Paranoid. Bands und Musiker wie Metallica, Guns N’ Roses, Slayer, Pantera, Tool, Alice in Chains und Steven Tyler waren Teil der Veranstaltung.
Die Erlöse des Konzerts wurden zu gleichen Teilen für Cure Parkinson’s, das Birmingham Children’s Hospital und das Acorns Children’s Hospice vorgesehen. Zwischenzeitlich kursierte die Behauptung, die Veranstaltung habe 140 Millionen Pfund eingebracht. Diese Zahl wurde später von den beteiligten Wohltätigkeitsorganisationen und Sharon Osbourne relativiert. Die genaue Spendensumme wurde nicht in dieser Höhe bestätigt.
Sein Tod nur 17 Tage später
Am Morgen des 22. Juli 2025 starb Ozzy Osbourne im Alter von 76 Jahren in seinem Haus in Buckinghamshire. Nach Angaben seiner Familie war er von seinen Angehörigen umgeben.
Aus seiner Sterbeurkunde ging später hervor, dass ein akuter Herzinfarkt und ein Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses als Todesursachen eingetragen wurden. Als weitere Faktoren wurden eine koronare Herzkrankheit und Parkinson mit autonomer Dysfunktion genannt.
Die Nachricht kam trotz seiner bekannten Gesundheitsprobleme unerwartet. Weniger als drei Wochen zuvor hatte Osbourne noch vor Zehntausenden Menschen gesungen und sich von seinen Fans verabschiedet.
Rückblickend wirkte Back to the Beginning wie ein bewusst gesetzter Schlusspunkt. Osbourne konnte seine Karriere dort beenden, wo sie begonnen hatte: in Birmingham, gemeinsam mit den drei Musikern, mit denen er den Heavy Metal entscheidend verändert hatte.
Wohltätiges Engagement statt bestätigter Rekordsumme
Osbournes soziales Engagement wurde von seinem öffentlichen Skandalimage häufig überlagert. Neben dem letzten Benefizkonzert unterstützte er im Laufe seiner Karriere verschiedene medizinische und humanitäre Organisationen.
Besonders eng war das spätere Engagement gegen Parkinson mit seiner eigenen Erkrankung verbunden. Dass ein Teil der Einnahmen seines letzten Auftritts an Cure Parkinson’s ging, gab dem Abschied eine zusätzliche persönliche Bedeutung.
Das Birmingham Children’s Hospital und das Acorns Children’s Hospice stehen gleichzeitig für seine Verbindung zur Region. Das Geld sollte nicht irgendeinem internationalen Prestigeprojekt zugutekommen, sondern auch Einrichtungen in jener Gegend, aus der Black Sabbath hervorgegangen waren.
Die unbestätigte Rekordsumme von 140 Millionen Pfund zeigt allerdings, wie schnell selbst gut gemeinte Erfolgsmeldungen Teil einer Legendenbildung werden können. Fest steht, dass sämtliche Gewinne für die drei Organisationen bestimmt waren. Eine offizielle Endsumme in der ursprünglich verbreiteten Höhe wurde nicht bestätigt.
Mehr als eine Fledermaus und ein schwarzer Thron
Ozzy Osbourne war weder der gefährliche Dämon, als den ihn manche Gegner darstellten, noch lediglich der harmlose, verwirrte Familienvater aus The Osbournes. Er war ein einflussreicher Musiker, ein schwer suchtkranker Mensch, ein Überlebender zahlreicher Krisen und zugleich jemand, der anderen erheblichen Schaden zufügte.
Seine Biografie lässt sich deshalb nicht glaubwürdig erzählen, indem man nur die unterhaltsamen Anekdoten übernimmt. Die Fledermaus gehört dazu. Die Musik, die Suchterkrankung, die Gewalt, die Familie, die späte Reue und sein unbedingter Wille, noch einmal auf einer Bühne zu stehen, gehören ebenfalls dazu.
Musikalisch bleibt sein Einfluss kaum zu überschätzen. Ohne Black Sabbath würden Metallica, Iron Maiden, Judas Priest, Nirvana, Soundgarden, Alice in Chains und zahlreiche spätere Metal- und Alternative-Bands vermutlich anders klingen.
Am heutigen 22. Juli 2026 ist Ozzy Osbourne seit einem Jahr tot. Sein letzter Auftritt wirkt inzwischen wie ein Abschied, den nur wenige Künstler erhalten: gemeinsam mit alten Freunden, vor der eigenen Heimatstadt und mit Songs, die ein ganzes Musikgenre veränderten.
Der Prince of Darkness ist gegangen. Der Klang, an dessen Entstehung er beteiligt war, ist geblieben.
