Ein einzelner Film hätte ihre Karriere zerstört – wäre sie nicht stur und kämpferisch geblieben.
Elizabeth Berkley wurde als ehrgeizige Schülerin Jessie Spano in California High School zum Idol einer ganzen Teenagergeneration. Anschließend riskierte sie mit Showgirls alles – und musste erleben, wie nicht der Regisseur oder der Drehbuchautor, sondern vor allem sie selbst für das Scheitern des Films verantwortlich gemacht wurde. Zwischendurch ließ sie Leonardo DiCaprio abblitzen und löste damit indirekt einen Streit aus, der jahrelang die Gerichte beschäftigte. Heute feiert Elizabeth Berkley ihren 54. Geburtstag.
Eine Kindheit im Zeichen des Tanzes
Elizabeth Berkley wurde am 28. Juli 1972 in Farmington Hills im US-Bundesstaat Michigan geboren. Ihre Mutter Jere führte ein Unternehmen für Geschenkkörbe, ihr Vater Fred Berkley arbeitete als Rechtsanwalt. Gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Jason wuchs sie in einer jüdischen Familie in der Umgebung von Detroit auf.
Eine Besonderheit ist bereits in ihrem Gesicht zu erkennen: Berkley kam mit einer partiellen Heterochromie zur Welt. Ihr linkes Auge ist grün, während sich in ihrem rechten Auge grüne und braune Bereiche befinden.
Ihre eigentliche Leidenschaft entwickelte sich jedoch nicht vor der Kamera, sondern im Tanzstudio. Bereits als kleines Kind erhielt sie Unterricht in Jazz, Stepptanz und Ballett. Ihre Eltern richteten ihr im Keller des Familienhauses sogar einen eigenen Trainingsraum ein, in dem sie nahezu täglich üben konnte.
Berkley tanzte in Detroit in Produktionen von Schwanensee und trat über mehrere Jahre in Aufführungen von Der Nussknacker auf. Tanz blieb für sie weit mehr als eine Vorbereitung auf ihre Schauspielkarriere. Noch Jahrzehnte später bezeichnete sie ihn als einen unverzichtbaren Teil ihres Lebens.
Mit 15 Jahren auf dem Weg nach Hollywood
Neben ihrer Tanzausbildung arbeitete Berkley bereits als Jugendliche als Model und wurde von der Agentur Elite unter Vertrag genommen. Mit ungefähr 15 Jahren begann sie, regelmäßig in Los Angeles für Fernsehrollen vorzusprechen.
Sie übernahm erste kleinere Auftritte in Serien, doch der entscheidende Moment kam 1989. Berkley bewarb sich zunächst für die Rolle der beliebten Schülerin Kelly Kapowski in einer neuen Jugendserie. Diese Rolle ging schließlich an Tiffani Thiessen.
Die Produzenten wollten Berkley jedoch nicht verlieren. Sie boten ihr stattdessen Jessie Spano an: eine intelligente, ehrgeizige und politisch interessierte Schülerin, die sich für Gleichberechtigung, Umweltschutz und soziale Themen einsetzte.
Aus der neuen Serie wurde California High School. Berkley war zu Beginn der Dreharbeiten selbst erst 16 Jahre alt und spielte damit nicht nur eine Jugendliche, sondern erlebte viele der Unsicherheiten und Veränderungen ihrer Figur praktisch gleichzeitig mit ihr.
Jessie Spano war ihrer Zeit voraus
California High School erzählte vom Alltag einer Freundesgruppe an der fiktiven Bayside High School. Im Zentrum standen Zack Morris, Kelly Kapowski, A. C. Slater, Lisa Turtle, Screech Powers und Jessie Spano.
Während viele Jugendserien ihre weiblichen Figuren damals vor allem als romantische Partnerinnen oder beliebte Schulschönheiten einsetzten, durfte Jessie laut, ehrgeizig und unbequem sein. Sie sprach über Sexismus, kritisierte traditionelle Rollenbilder und wollte später an einer Eliteuniversität studieren.
Der riskante Sprung aus der Teenagerrolle
Nach mehreren Staffeln von California High School wollte Berkley beweisen, dass sie mehr spielen konnte als die ehrgeizige Jessie Spano. Wie viele früh bekannt gewordene Darstellerinnen stand sie vor dem Problem, dass Produzenten und Publikum sie weiterhin als Teenager wahrnahmen.
Sie suchte bewusst nach einer erwachsenen und körperlich anspruchsvollen Rolle. Als sie von einem neuen Film des niederländischen Regisseurs Paul Verhoeven erfuhr, schien sich genau diese Gelegenheit zu bieten.
Verhoeven hatte kurz zuvor mit Basic Instinct einen weltweiten Erfolg gefeiert und Sharon Stone zum Hollywoodstar gemacht. Sein neues Projekt sollte den Aufstieg einer jungen Tänzerin in der Unterhaltungsindustrie von Las Vegas zeigen.
Berkley wollte die Rolle unbedingt. Sie absolvierte mehrere Vorsprechen und Bildschirmtests und setzte sich gegen zahlreiche andere Bewerberinnen durch. Ihre jahrelange Tanzausbildung und ihre Erfahrung vor der Kamera schienen sie zur idealen Besetzung zu machen.
Showgirls sollte sie zum Filmstar machen
In Showgirls reist Nomi Malone per Anhalter nach Las Vegas. Sie beginnt als Tänzerin in einem kleinen Stripclub und arbeitet sich schließlich in die große Show eines Luxushotels vor.
Der Film zeigt eine Welt aus Konkurrenz, Ausbeutung, Sex, Geld und Macht. Nomi ist aggressiv, verletzlich und beinahe besessen davon, sich einen Platz an der Spitze zu erkämpfen. Dabei gerät sie in einen Machtkampf mit der etablierten Showtänzerin Cristal Connors, gespielt von Gina Gershon.
Die Dreharbeiten verlangten Berkley körperlich alles ab. Sie tanzte über Monate hinweg in aufwendigen Choreografien und spielte zahlreiche Nackt- und Sexszenen. Eine ähnliche Hauptrolle hatte es in einer großen Studioproduktion für eine erst 22 Jahre alte Schauspielerin kaum gegeben.
Eine Kritik, die sich gegen die Schauspielerin richtete
Als Showgirls im September 1995 erschien, reagierten viele Kritiker mit offener Ablehnung. Bemängelt wurden die Dialoge, die überzeichnete Inszenierung, die Sexszenen und die extremen Darstellungen der Figuren.
Ein erheblicher Teil der Kritik konzentrierte sich jedoch nicht auf Verhoevens Regie oder das Drehbuch von Joe Eszterhas, sondern auf Berkley selbst. Journalisten kommentierten ihren Körper, ihre Attraktivität und ihre Intelligenz. Einige Angriffe gingen weit über eine Beurteilung ihrer schauspielerischen Arbeit hinaus.
Berkley gewann zwei Goldene Himbeeren als schlechteste Schauspielerin und schlechtester neuer Star. Ein Journalist soll ein Interview mit der Frage begonnen haben, wie es sich anfühle, eine Versagerin zu sein.
Hollywood schloss seine Türen
Für Berkley hatte der Misserfolg direkte Folgen. Sie berichtete später, dass sie ungefähr zwei Jahre lang kaum noch zu Vorsprechen eingeladen wurde. Projekte, für die sie vor der Veröffentlichung noch infrage gekommen wäre, waren plötzlich nicht mehr erreichbar.
Das Beispiel zeigt, wie unterschiedlich berufliche Misserfolge in Hollywood verteilt werden können. Verhoeven inszenierte nach Showgirls weitere große Filme. Eszterhas erhielt weiterhin Drehbuchangebote. Berkley wurde dagegen zur öffentlichen Verkörperung des Scheiterns erklärt.
Bereits 1996 erhielt Berkley eine Nebenrolle in der Komödie Der Club der Teufelinnen. Darin spielte sie eine junge Schauspielerin, wegen der sich der Ehemann der von Goldie Hawn verkörperten Figur von seiner Frau trennt.
Der Film wurde ein kommerzieller Erfolg und zeigte Berkley in einer bewusst komödiantischen Rolle. Trotzdem führte er nicht zu einer direkten Rückkehr als große Hauptdarstellerin.
Es folgten kleinere Produktionen und Nebenrollen. 1999 spielte sie in Oliver Stones Footballfilm An jedem verdammten Sonntag. Zwei Jahre später war sie in Woody Allens Kriminalkomödie Im Bann des Jade Skorpions zu sehen. In Sex für Anfänger übernahm sie 2002 eine weitere Nebenrolle.
Im Fernsehen trat sie unter anderem in CSI: Miami, Law & Order: Criminal Intent, Without a Trace – Spurlos verschwunden und The L Word – Wenn Frauen Frauen lieben auf.
Berkley arbeitete damit kontinuierlich weiter. Die großen Hauptrollen, die vor Showgirls möglich erschienen waren, erhielt sie jedoch nicht mehr.
Auf der Theaterbühne erkämpfte sie sich Anerkennung
Einen wichtigen Teil ihrer beruflichen Rehabilitation fand Berkley nicht im Kino, sondern auf der Bühne. In London spielte sie im Theaterstück Lenny, später folgte mit Sly Fox ihr Broadwaydebüt.
2005 übernahm sie kurzfristig eine Rolle in der Off-Broadway-Produktion Hurlyburly. Zum Ensemble gehörten unter anderem Ethan Hawke, Parker Posey, Bobby Cannavale und Wallace Shawn.
Ihre Leistung wurde überraschend positiv aufgenommen. Der Theaterkritiker Charles Isherwood, der zuvor eine andere Bühnenarbeit Berkleys kritisiert hatte, widmete ihr in der New York Times einen Artikel über ihre schauspielerische Entwicklung.
Er stellte fest, dass sie sich in einem hochkarätigen Ensemble behauptete. Für Berkley war dies ein seltener Moment, in dem ein einflussreicher Kritiker öffentlich bereit war, sein bisheriges Urteil über sie zu überdenken.
Wie sie Leonardo DiCaprio abblitzen ließ
Zu den ungewöhnlichsten Episoden in Berkleys Leben gehört eine Begegnung mit Leonardo DiCaprio im Frühjahr 1998. DiCaprio war nach dem Erfolg von Titanic gerade zu einem der berühmtesten Schauspieler der Welt geworden.
Auf einer Premierenfeier zu Der Mann in der eisernen Maske befand sich Berkley gemeinsam mit ihrem damaligen Freund, dem Schauspieler und Drehbuchautor Roger Wilson. Nach ihrer späteren Schilderung wurde sie von einer PR-Beraterin angesprochen.
Diese habe ihr mitgeteilt, dass DiCaprio und der Schauspieler Jay R. Ferguson sie anschließend gerne im Restaurant Elaine’s treffen wollten – allerdings ohne Wilson.
Berkley lehnte ab. Gegenüber dem New York Magazine erklärte sie später, sie habe der Vermittlerin gesagt, dass sie in Roger Wilson verliebt sei. Damit ließ der ehemalige Teenie-Star den damals wohl begehrtesten Junggesellen Hollywoods abblitzen.
Aus der Absage wurde ein Gerichtsfall
Die Geschichte endete allerdings nicht auf der Premierenparty. Wilson behauptete später, aus DiCaprios Umfeld seien wiederholt Anrufe bei Berkley eingegangen. Als er die Gruppe vor einem New Yorker Restaurant zur Rede stellte, kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung.
Wilson wurde am Hals getroffen und erklärte, dadurch schwere Verletzungen erlitten zu haben. Er verklagte DiCaprio und mehrere weitere Männer auf 45 Millionen Dollar. In der Klage behauptete er, DiCaprio habe seine Freunde zu dem Angriff angestachelt.
DiCaprio bestritt die Verantwortung. 2004 entschied ein Gericht, dass das Verfahren gegen ihn nicht fortgesetzt werden sollte. Gegen einen anderen Mann, der eingeräumt hatte, Wilson geschlagen zu haben, durfte die Klage dagegen weitergeführt werden. Dieser erklärte, er habe aus Selbstverteidigung gehandelt.
Berkley selbst wurde keine Beteiligung an dem Streit vorgeworfen. Die belegte Grundlage für den bekannten Aufhänger besteht darin, dass sie DiCaprios Einladung nach eigener Aussage ablehnte. Die Behauptung, der anschließende Angriff sei von DiCaprio angeordnet worden, blieb dagegen ein Vorwurf aus Wilsons Klage und wurde gegen den Schauspieler nicht gerichtlich bestätigt.
Aus dem Teenie-Star wurde eine Mentorin
Berkleys umfangreichstes gesellschaftliches Engagement entstand aus Begegnungen mit jungen Fans. Mädchen sprachen sie auf der Straße an, erzählten ihr von Unsicherheiten und stellten Fragen zu Beziehungen, Körperbildern, Freundschaften und Selbstwertgefühl.
Ab Mitte der 2000er-Jahre begann Berkley, Workshops für Teenagerinnen zu veranstalten. Daraus entwickelte sich das gemeinnützige Projekt Ask Elizabeth.
Die Veranstaltungen sollten keine klassischen Vorträge sein. Berkley wollte nach eigener Aussage Räume schaffen, in denen Mädchen offen sprechen und sich gegenseitig zuhören konnten. Im Mittelpunkt standen Themen wie Leistungsdruck, Essstörungen, Sexualität, Mobbing, Trennungen und das Gefühl, nicht gut genug zu sein.
2011 veröffentlichte sie den Ratgeber Ask Elizabeth. Das Buch fasste Fragen aus ihren Workshops zusammen und entwickelte sich zu einem Bestseller.
Ihr Engagement besitzt auch eine persönliche Ebene. Berkley hatte selbst erlebt, wie öffentlich über ihren Körper geurteilt und ihre gesamte Person auf eine Rolle reduziert wurde. In ihren Workshops versuchte sie, jungen Frauen zu vermitteln, ihren eigenen Wert nicht von solchen Bewertungen abhängig zu machen.
Ein Comeback zwischen schlechten Kritiken und hohen Zuschauerzahlen
2025 übernahm Berkley neben vielen anderen Auftritten außerdem eine Gastrolle in der von Ryan Murphy produzierten Serie All’s Fair. Die Handlung folgt einer Gruppe mächtiger Scheidungsanwältinnen, die eine eigene Kanzlei eröffnet.
Zum Ensemble gehören unter anderem Kim Kardashian, Naomi Watts, Niecy Nash-Betts, Sarah Paulson und Glenn Close. Berkley spielte Dee Barber, eine Frau, die juristische Hilfe bei ihrer Scheidung sucht.
Die Serie wurde von zahlreichen Kritikern verrissen, erreichte jedoch hohe Zuschauerzahlen. Disney verlängerte All’s Fair bereits im November 2025 um eine zweite Staffel. Ob Berkley als Gastdarstellerin erneut auftreten wird, wurde zunächst nicht bekannt gegeben.
Die Schauspielerin, die Hollywood nicht loswurde
Elizabeth Berkleys Karriere verlief anders, als es nach ihrem Erfolg als Teenagerstar zu erwarten gewesen war. Showgirls hätte ihr Übergang zum erwachsenen Filmstar werden sollen. Stattdessen wurde der Film über viele Jahre zu einer Belastung, die nahezu jede spätere Rolle überschattete.
Doch Berkley verschwand nie vollständig. Sie spielte Theater, übernahm Fernsehrollen, gründete ein Hilfsprojekt für junge Frauen, veröffentlichte ein Buch und kehrte schließlich sowohl zu Jessie Spano als auch zu Nomi Malone zurück.
Die Anekdote um Leonardo DiCaprio ist dabei fast nur eine Randnotiz – allerdings eine besonders spektakuläre. In einer Zeit, in der DiCaprio nach Titanic praktisch jede Tür offenstand, lehnte Berkley seine Einladung ab, weil sie ihrem damaligen Partner treu bleiben wollte.
Weitaus wichtiger ist jedoch, dass sie auch Hollywoods Ablehnung überstand. Die Branche, die sie nach Showgirls nicht einmal mehr vorsprechen lassen wollte, entdeckt sie drei Jahrzehnte später neu.
Heute wird Elizabeth Berkley 54 Jahre alt. Sie ist weiterhin Jessie Spano und Nomi Malone, aber nicht mehr auf diese beiden Figuren begrenzt. Aus dem Teenie-Star wurde eine Schauspielerin, Produzentin, Mutter und Mentorin, die ihre schwierigste berufliche Erfahrung in ein öffentliches Gespräch über Sexismus, Körperbilder und zweite Chancen verwandelt hat.
