Vom Süßkram-Spot zum Ebenbild großer Frauen Hollywoods – mittlerweile ist Purnell ihr eigener Name im Showbiz.
Bevor Ella Purnell als Lucy durch das Ödland von Fallout zog oder Jinx in Arcane ihre Stimme lieh, warb sie als Kind für Toffifee. Wenig später spezialisierte sie sich beinahe darauf, jüngere Versionen berühmter Hollywoodstars zu spielen – darunter Angelina Jolie. Am 17. September 2026 feiert die britische Schauspielerin ihren 30. Geburtstag.
Aufgewachsen im Osten Londons
Ella Summer Reed Purnell wurde am 17. September 1996 im Londoner Stadtteil Whitechapel geboren und wuchs in Bethnal Green auf. Schon früh besuchte sie Schauspiel-, Gesangs- und Tanzkurse. Unter anderem wurde sie an der Sylvia Young Theatre School und am Young Actors Theatre Islington ausgebildet.
Eine große Hollywoodkarriere war zu diesem Zeitpunkt nicht ihr erklärtes Ziel. Purnell beschrieb die ersten Castings später eher als gemeinsames Hobby mit ihrer Mutter. Sie lernte andere Kinder kennen, sammelte Erfahrungen vor der Kamera und betrachtete die Schauspielerei zunächst als Freizeitbeschäftigung nach der Schule.
Ihr erster Auftritt war eine Toffifee-Werbung
Eine ihrer ersten professionellen Erfahrungen machte Purnell nicht in einem Film oder einer Serie, sondern in einem Werbespot für Toffifee. Im Alter von etwa acht oder neun Jahren stand sie für eine kroatische Werbung der bekannten Süßigkeit vor der Kamera.
Damit begann ihre Karriere ausgerechnet mit einer Marke, die auch in Deutschland praktisch jeder aus dem Süßigkeitenregal kennt. Bevor Purnell gegen Zombies kämpfte, durch postapokalyptische Landschaften wanderte oder zur Serienkillerin wurde, war sie also eines der Kinder aus einer Toffifee-Werbung.
Jahre später erinnerte sie selbst öffentlich an diesen ungewöhnlichen Karrierestart. Der frühe Spot blieb zwar nur ein kleiner Eintrag in ihrer Filmografie, zeigt aber, wie lange Purnell bereits vor der Kamera steht.
Der eigentliche Anfang auf der großen Bühne
Mit 13 Jahren erhielt Purnell eine Rolle in der Londoner West-End-Produktion von Oliver!. Sie gehörte ein Jahr lang zum Ensemble des Musicals am Theatre Royal Drury Lane.
Die Zeit am Theater veränderte ihre Sicht auf den Beruf. Dort beobachtete sie ältere Darsteller, die mit großer Ernsthaftigkeit arbeiteten und gleichzeitig wie eine Familie zusammenlebten. Aus einem Hobby entwickelte sich langsam die Vorstellung, selbst dauerhaft Schauspielerin werden zu können.
Noch während ihrer Zeit bei Oliver! wurde sie für ihren ersten Kinofilm entdeckt. Damit begann eine auffällige Phase ihrer Karriere: Purnell spielte mehrfach die jüngere Version eines bereits etablierten Hollywoodstars.
Zuerst wurde sie zur jungen Keira Knightley ...
In dem Drama Alles, was wir geben mussten verkörperte Purnell die junge Ruth. Die erwachsene Version der Figur wurde von Keira Knightley gespielt.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kazuo Ishiguro und erzählt von Kindern, die in einem englischen Internat aufwachsen, ohne zunächst den wahren Grund ihrer Existenz zu kennen. Neben Purnell gehörten auch Carey Mulligan, Andrew Garfield und Charlotte Rampling zur Besetzung.
Für die damals erst 13-jährige Schauspielerin war der Film ein bemerkenswerter Einstieg. Statt einer leichten Kinderrolle spielte sie eine Figur in einer melancholischen Geschichte über Liebe, Eifersucht, Sterblichkeit und den Wert eines menschlichen Lebens.
Im selben Jahr war Purnell außerdem in Ways to Live Forever – Die Seele stirbt nie zu sehen. Es folgten Rollen in Intruders mit Clive Owen und Kick-Ass 2.
... dann die Kinderversion von Angelina Jolie
2014 übernahm Ella Purnell eine Rolle, die ihr zusätzliche internationale Aufmerksamkeit verschaffte. In Disneys Maleficent – Die dunkle Fee spielte sie die jugendliche Version der Titelfigur, die als Erwachsene von Angelina Jolie verkörpert wurde.
Streng genommen spielte Purnell damit natürlich nicht Angelina Jolie selbst, sondern eine jüngere Version ihrer Figur Maleficent. Die Ähnlichkeit zwischen beiden Schauspielerinnen gehörte jedoch zu den Gründen, weshalb sie für die Rolle ausgewählt wurde.
Purnells Auftritt fiel am Ende kleiner aus als ursprünglich geplant. Für Teile der Kindheitsgeschichte wurde zusätzlich die jüngere Schauspielerin Isobelle Molloy eingesetzt. Purnell ist dennoch als jugendliche Maleficent zu sehen und gehörte offiziell zur Besetzung des Films.
In ihrer Familie entstand damals der Witz, sie könne eine ganze Karriere daraus machen, jüngere Versionen berühmter Schauspielerinnen zu verkörpern. Vollkommen abwegig war das nicht.
Danach spielte sie auch die junge Margot Robbie
Nur zwei Jahre nach Maleficent – Die dunkle Fee wurde Purnell erneut als jüngere Version eines Hollywoodstars besetzt. In Legend of Tarzan spielte sie die junge Jane Porter, während Margot Robbie die erwachsene Figur verkörperte.
Für Purnell war es bereits die dritte Rolle dieser Art. Zuvor hatte sie die jüngeren Figuren von Keira Knightley und Angelina Jolie gespielt. Dass sie nacheinander mit drei der bekanntesten Schauspielerinnen ihrer Generation verbunden wurde, brachte ihr früh Aufmerksamkeit ein, drohte sie aber gleichzeitig auf einen bestimmten Rollentyp festzulegen.
Purnell wollte nicht dauerhaft nur das jüngere Abbild anderer Stars bleiben. Mit ihren nächsten Projekten begann sie deshalb, eine deutlich eigenständigere Karriere aufzubauen.
Tim Burton hielt sie von einem anderen Lebensweg ab
Mit 18 Jahren dachte Purnell ernsthaft darüber nach, die Schauspielerei zu unterbrechen. Sie wollte studieren und konnte sich vorstellen, später als Kinderbuchautorin oder Lehrerin zu arbeiten. Nach Jahren voller Castings und Dreharbeiten war sie unsicher, ob sie ihr Leben weiterhin vor der Kamera verbringen wollte.
Dann erhielt sie das Angebot für Tim Burtons Die Insel der besonderen Kinder. Da es schon lange ihr Traum gewesen war, mit Burton zu arbeiten, nahm sie die Rolle an und verschob ihre Universitätspläne.
Als Emma Bloom spielte Purnell ein Mädchen, das leichter als Luft ist und deshalb schwere Schuhe tragen muss, um nicht davonzuschweben. Der Fantasyfilm wurde zu einem wichtigen Schritt auf dem Weg zu erwachsenen Hauptrollen.
Der schwierige Übergang vom Kinderstar zur erwachsenen Schauspielerin
Wie viele ehemalige Kinderdarstellerinnen erlebte auch Purnell eine Phase, in der sie ihren Platz in der Filmbranche neu finden musste. Für klassische Kinderrollen war sie zu alt, für bestimmte Erwachsenenrollen wurde sie noch als zu jung wahrgenommen.
Eine größere Fernsehrolle erhielt sie 2018 in Sweetbitter. Darin spielte sie Tess, eine junge Frau, die nach New York zieht und in der intensiven Welt eines gehobenen Restaurants landet. Die Serie lief zwei Staffeln lang.
2021 war Purnell in Zack Snyders Army of the Dead als Kate Ward zu sehen. Im selben Jahr begann jedoch auch jene Phase, in der sie endgültig zu einem der auffälligsten Gesichter moderner Serienproduktionen wurde.
Jackie aus Yellowjackets
In Yellowjackets spielte Purnell Jackie Taylor, die beliebte Kapitänin einer Mädchenfußballmannschaft. Nach einem Flugzeugabsturz müssen die Jugendlichen in der kanadischen Wildnis ums Überleben kämpfen.
Jackie ist zunächst selbstbewusst, beliebt und daran gewöhnt, im Mittelpunkt zu stehen. In der Wildnis verlieren die sozialen Regeln aus ihrem früheren Leben jedoch zunehmend ihre Bedeutung. Während andere Mitglieder der Gruppe neue Fähigkeiten und Hierarchien entwickeln, findet Jackie kaum einen Platz in der brutaler werdenden Gemeinschaft.
Obwohl ihre Figur bereits in der ersten Staffel stirbt, blieb Purnell der Serie durch Rückblenden, Visionen und Halluzinationen erhalten. Jackies Schicksal wurde zu einem zentralen Bestandteil der Geschichte und sorgte für einige der verstörendsten Momente von Yellowjackets.
Als Jinx wurde ihre Stimme weltberühmt
Ebenfalls 2021 übernahm Purnell die englische Stimme von Jinx in der Animationsserie Arcane. Die auf dem Videospiel League of Legends basierende Produktion erzählt von den rivalisierenden Städten Piltover und Zhaun sowie von der tragischen Beziehung zwischen den Schwestern Vi und Powder.
Purnell sprach sowohl die chaotische und gefährliche Seite von Jinx als auch die verletzliche junge Frau, die unter Schuldgefühlen, Verlustängsten und traumatischen Erinnerungen leidet. Ihre Stimme wurde zu einem der wichtigsten Bestandteile der Figur.
Arcane entwickelte sich weit über die Community von League of Legends hinaus zu einem internationalen Erfolg. Purnell gewann für ihre Darstellung einen Annie Award. Nach zwei Staffeln endete die Serie 2024.
Parallel sprach sie Gwyndala in der Animationsserie Star Trek: Prodigy. Damit war Purnell gleichzeitig Teil von zwei großen Gaming- und Science-Fiction-Welten.
Lucy MacLean machte sie endgültig zum internationalen Star
Ihre bislang größte Realfilmrolle erhielt Purnell in der Videospieladaption Fallout. Darin spielt sie Lucy MacLean, die in einem scheinbar sicheren unterirdischen Vault aufgewachsen ist. Als ihr Vater entführt wird, verlässt sie zum ersten Mal ihre geschützte Heimat und begibt sich in das radioaktiv verseuchte Ödland.
Lucy beginnt ihre Reise höflich, optimistisch und mit einem beinahe naiven Vertrauen in andere Menschen. Außerhalb des Vaults trifft sie jedoch auf mutierte Kreaturen, Kopfgeldjäger, Kannibalen und verschiedene Gruppen, die ihre eigenen Vorstellungen vom Überleben entwickelt haben.
Purnell machte den Gegensatz zwischen Lucys freundlicher Erziehung und der brutalen Realität des Ödlands zum Zentrum ihrer Darstellung. Die Figur verliert ihren moralischen Kompass nicht vollständig, muss aber lernen, dass gute Absichten allein in dieser Welt kaum ausreichen.
Die erste Staffel von Fallout wurde 2024 zu einem der größten Serienerfolge von Prime Video. Eine zweite Staffel setzte Lucys Geschichte fort, während eine dritte Staffel bereits vorbereitet wurde. Purnell war damit endgültig von der ehemaligen Kinderdarstellerin zur Hauptdarstellerin eines internationalen Franchise aufgestiegen.
In Sweetpea wurde sie selbst zur Killerin
Im selben Jahr wie Fallout zeigte Purnell in Sweetpea eine vollkommen andere Seite. Sie spielt Rhiannon Lewis, eine unscheinbare junge Frau, die von ihrer Umgebung übersehen, gedemütigt und ausgenutzt wird.
Hinter ihrer zurückhaltenden Fassade wächst jedoch eine enorme Wut. Schließlich beginnt Rhiannon zu töten und entdeckt dabei ein Gefühl von Kontrolle, das ihr im restlichen Leben fehlt.
Purnell übernahm bei Sweetpea nicht nur die Hauptrolle, sondern arbeitete auch als Executive Producerin. Damit erhielt sie erstmals größeren Einfluss auf die kreative Entwicklung eines eigenen Serienprojekts.
Die zweite Staffel wurde für November 2026 angekündigt. Kurz vor ihrem 30. Geburtstag erschien ein erster Trailer, der Rhiannons zunehmend gefährliche Entwicklung fortsetzt.
Engagement gegen Zwangsheirat und Gewalt
Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin setzte sich Purnell auch für gesellschaftliche Themen ein. Gemeinsam mit ihrer früheren Mitschülerin Arifa Nasim unterstützte sie den Aufbau der Organisation Educate2Eradicate.
Die britische Initiative leistet Aufklärungsarbeit gegen Zwangsheirat, sogenannte Ehrengewalt und weibliche Genitalverstümmelung. Ziel ist es unter anderem, Lehrer und andere Fachkräfte darin zu schulen, Warnzeichen zu erkennen und betroffene Kinder besser zu schützen.
Purnell sprach sich außerdem wiederholt für mehr Vielfalt und Verantwortung innerhalb der Filmindustrie aus. Ihren Erfolg betrachtet sie nach eigener Aussage weniger als festes Endziel, sondern als Möglichkeit, sich persönlich und künstlerisch weiterzuentwickeln.
Vom Toffifee-Kind zu einer der gefragtesten Serienschauspielerinnen
Ella Purnells Karriere verlief über mehrere ungewöhnliche Etappen. Sie begann mit einer Toffifee-Werbung, stand als Kind auf einer der größten Theaterbühnen Londons und spielte anschließend jüngere Versionen von Keira Knightley, Angelina Jolie und Margot Robbie.
Heute muss sie niemanden mehr in jungen Jahren verkörpern. Als Jackie, Jinx, Lucy und Rhiannon hat sie vollkommen eigenständige Figuren geschaffen, die kaum unterschiedlicher sein könnten: eine gescheiterte Anführerin, eine traumatisierte Rebellin, eine optimistische Vault-Bewohnerin und eine unscheinbare Serienkillerin.
Mit 30 Jahren gehört Ella Purnell längst nicht mehr nur zu den vielversprechenden Nachwuchsstars. Aus dem Mädchen aus der Toffifee-Werbung ist eine Schauspielerin geworden, die einige der größten Serienwelten der Gegenwart trägt
