Emilia Clarke wird 40: Mehr als Daenerys und ihre Nacktszenen

Längst hat Clarke bewiesen, weit mehr als "nur die Khaleesi" zu sein.

Emilia Clarke 01 HBO Disney
Längst hat Clarke bewiesen, weit mehr als "nur die Khaleesi" zu sein. | © HBO / Disney

Emilia Clarke feiert heute, am 23. Oktober 2026, ihren 40. Geburtstag. Als Daenerys Targaryen in Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer wurde sie weltberühmt. Doch während ihre Figur nach Macht griff, kämpfte Clarke hinter den Kulissen mit lebensbedrohlichen gesundheitlichen Problemen. Ihre Karriere erzählt auch davon, eigene Grenzen zu setzen: Die Hauptrolle in Fifty Shades of Grey – Geheimes Verlangen lehnte sie ab, weil sie nicht weiter auf Nacktheit reduziert werden wollte.

Von der Schauspielschule nach Westeros

Emilia Clarke wurde am 23. Oktober 1986 in London geboren und wuchs in Oxfordshire auf. Ihr Vater arbeitete als Tontechniker am Theater, wodurch sie früh mit der Bühne in Kontakt kam. 2009 schloss sie ihre Ausbildung am Drama Centre London ab. Nur wenig später bekam sie die Rolle, die ihr Leben verändern sollte.

Von 2011 bis 2019 spielte sie Daenerys Targaryen in Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer. Die Entwicklung von der eingeschüchterten jungen Frau zur selbstbewussten Herrscherin verlangte ihr unterschiedliche Facetten ab: Verletzlichkeit, Entschlossenheit, Mitgefühl und zunehmende Härte. Für ihre Darstellung erhielt Clarke vier Emmy-Nominierungen.

Eine so prägende Rolle ist allerdings auch eine berufliche Herausforderung. Wer über Jahre mit einer Figur verbunden wird, muss anschließend gegen die Erwartungen des Publikums anspielen. Bei Clarke kam hinzu, dass ein Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit immer wieder ihrem Körper galt, statt ihrer schauspielerischen Arbeit.

Warum sie Fifty Shades of Grey ablehnte

Clarke hätte die Rolle der Anastasia Steele übernehmen können, die schließlich Dakota Johnson spielte. Sie entschied sich jedoch gegen Fifty Shades of Grey – Geheimes Verlangen. Bereits 2015 erklärte sie, dass sie nach ihren bisherigen Nacktszenen Sorge gehabt habe, durch weitere Auftritte dieser Art dauerhaft auf ein bestimmtes Rollenbild festgelegt zu werden.

2019 erläuterte sie ihre Entscheidung ausführlicher. Nach den Nacktszenen in Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer fühlte sie sich bereits in eine Schublade gesteckt. Ein Film, dessen öffentliche Wahrnehmung so stark um Sex und Nacktheit kreiste, hätte diese Verbindung aus ihrer Sicht weiter verstärkt. Sie wollte nicht immer wieder dieselben Fragen beantworten müssen.

Sie wollte als Schauspielerin wahrgenommen werden, deren Fähigkeiten über Nacktszenen hinausgehen. Die Formulierung, sie habe beweisen wollen, dass sie mehr könne als nackt zu sein, fasst dieses Anliegen sinngemäß zusammen. Als wörtliches Zitat sollte sie allerdings nicht verwendet werden. Clarkes belegte Begründung war die Sorge, auf Nacktheit festgelegt zu werden.

Ihre Absage war damit eine Entscheidung über die eigene Karriere und ihre Grenzen. Daraus folgt keine Abwertung von Dakota Johnson oder von Schauspielerinnen, die solche Rollen annehmen. Nacktheit kann Teil einer anspruchsvollen Darstellung sein. Problematisch wird es, wenn sie die übrige Arbeit einer Darstellerin in der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt.

Andere Rollen, andere Möglichkeiten

Clarke suchte auch abseits von Westeros unterschiedliche Aufgaben. In Terminator: Genisys spielte sie Sarah Connor, in Solo: A Star Wars Story die undurchsichtige Qi’ra. Mit Ein ganzes halbes Jahr und Last Christmas zeigte sie eine leichtere, romantische und komische Seite. Diese Rollen unterscheiden sich deutlich von der kontrollierten Autorität ihrer bekanntesten Figur.

Die Bandbreite der Projekte bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jedes davon ihr Können gleichermaßen nutzt. Große Filmreihen bieten Sichtbarkeit, lassen ihren Darstellern aber nicht immer viel Raum. Eine faire Betrachtung muss deshalb zwischen Clarkes Leistung und den Grenzen eines Drehbuchs unterscheiden. Ebenso wenig sollte die berechtigte Kritik an ihrer Sexualisierung dazu führen, jede ihrer Rollen von einer künstlerischen Bewertung auszunehmen.

Die gesundheitliche Krise hinter dem Erfolg

Während ihre Karriere Fahrt aufnahm, erlitt Clarke 2011 eine lebensbedrohliche Hirnblutung infolge eines geplatzten Aneurysmas. Nach dem Eingriff hatte sie vorübergehend schwere Sprachprobleme. 2013 musste ein weiteres Aneurysma behandelt werden; nach Komplikationen war eine weitere große Operation nötig. Öffentlich machte sie ihre Erfahrungen erst 2019.

Ihre Erkrankung sollte dabei nicht bloß als dramatische Ergänzung einer Erfolgsgeschichte dienen. Dass sie weiterarbeiten konnte, ist bemerkenswert. Daraus entsteht aber kein Maßstab für andere Betroffene. Genesung verläuft unterschiedlich, und niemand muss nach einer schweren Erkrankung berufliche Leistungsfähigkeit beweisen, um Anerkennung zu verdienen.

Mit SameYou macht sie auf Versorgungslücken aufmerksam

Aus ihren Erfahrungen entwickelte Clarke gemeinsam mit ihrer Mutter Jenny die Organisation SameYou, die 2019 an die Öffentlichkeit ging. Sie setzt sich für eine bessere Rehabilitation nach Hirnverletzungen und Schlaganfällen ein. Dabei geht es auch um die Unterstützung, die Menschen nach dem Verlassen des Krankenhauses benötigen.

Dieses Engagement richtet den Blick auf ein Problem, das in prominenten Genesungsgeschichten leicht untergeht: Überleben und Erholung sind nicht dasselbe. Betroffene können langfristig mit Veränderungen ihres Alltags und ihrer Arbeitsfähigkeit konfrontiert sein. SameYou hat gemeinsam mit der Organisation Big Issue auch die Rückkehr ins Berufsleben zum Thema einer Veranstaltung im britischen Parlament gemacht.

Clarke nutzt ihre Bekanntheit damit für ein konkretes gesellschaftliches Anliegen. Entscheidend bleibt, dass verbesserte Versorgung auch Menschen erreicht, die weder ihre finanziellen Möglichkeiten noch ihre öffentliche Plattform haben. Ihr Engagement ist besonders dort relevant, wo es diese Unterschiede sichtbar macht.

Sie muss niemandem beweisen, dass sie mehr kann

An ihrem 40. Geburtstag lässt sich Emilia Clarke nicht auf Daenerys Targaryen reduzieren. Ebenso wenig sollte ihre Karriere auf Nacktszenen oder ihre Krankheitsgeschichte zusammengeschrumpft werden. Ihre Rollen dürfen kritisch beurteilt werden; ihre persönlichen Grenzen verdienen Respekt.

Die Absage an Fifty Shades of Grey zeigt vor allem ihren Wunsch, über die eigene berufliche Zukunft mitzuentscheiden. Dass daraus überhaupt eine Geschichte über den Beweis ihres Könnens wurde, sagt auch etwas über den Blick auf Schauspielerinnen aus. Clarke hat eine Schauspielausbildung, unterschiedliche Rollen und gesellschaftliches Engagement vorzuweisen. Ihr Körper war nie die vollständige Erklärung für ihre Karriere.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....