Erst war sie "Lost", dann "Wasp" – vor allem ist sie aber immer zu einer Schandtat bereit.
Mit ihrer Rolle als Kate Austen in Lost wurde Evangeline Lilly innerhalb kürzester Zeit zu einem der größten TV-Stars der 2000er-Jahre. Später überzeugte sie als Tauriel in der Der Hobbit-Trilogie und als Hope van Dyne alias Wasp im Marvel Cinematic Universe. Doch hinter der erfolgreichen Schauspielerin steckt eine Frau, die ihren Ruhm nie allzu ernst nahm – und deren kurioseste Geschichten inzwischen fast genauso bekannt sind wie ihre Filmrollen.
Von Kanada auf die einsame Insel
Nicole Evangeline Lilly wurde am 3. August 1979 in Fort Saskatchewan in der kanadischen Provinz Alberta geboren. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf, engagierte sich schon früh für humanitäre Projekte und studierte Internationale Beziehungen an der University of British Columbia. Um ihr Studium zu finanzieren, arbeitete sie unter anderem als Kellnerin, Flugbegleiterin und wechselte sogar Öl an Lastwagen. Schauspielerin werden wollte sie ursprünglich nie.
Ihre ersten Erfahrungen vor der Kamera sammelte sie lediglich als Statistin und in Werbespots. Der große Wendepunkt kam 2004, als sie die Hauptrolle der Kate Austen in der neuen Mystery-Serie Lost erhielt. Ironischerweise stand ihre Besetzung bis zuletzt auf der Kippe, weil sich die Ausstellung ihres US-Arbeitsvisums verzögerte. Erst wenige Tage vor Drehbeginn erhielt sie die Genehmigung und reiste direkt zum Set nach Hawaii.
Der weltweite Durchbruch mit Lost
Lost entwickelte sich schnell zu einem der größten Serienphänomene der Fernsehgeschichte. Lilly gehörte als Kate Austen über sechs Staffeln hinweg zu den zentralen Figuren und wurde für ihre Leistung unter anderem für einen Golden Globe nominiert. Die Serie machte sie praktisch über Nacht international bekannt und öffnete ihr die Türen nach Hollywood.
Trotz des enormen Erfolgs dachte Lilly nach dem Ende der Serie zeitweise sogar darüber nach, die Schauspielerei komplett aufzugeben. Erst spannende Rollenangebote überzeugten sie, doch weiterhin vor der Kamera zu bleiben.
Mittelerde und das Marvel Cinematic Universe
Nach Lost übernahm Lilly zunächst Rollen in Filmen wie Tödliches Kommando – The Hurt Locker und Real Steel – Stahlharte Gegner. Ihren nächsten großen Karriereschritt machte sie als Elbin Tauriel in Peter Jacksons Der Hobbit: Smaugs Einöde und Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere.
Ab 2015 wurde sie schließlich Teil des Marvel Cinematic Universe. Als Hope van Dyne spielte sie zunächst in Ant-Man, bevor sie in Ant-Man and the Wasp erstmals selbst den Superheldennamen Wasp trug. Später kehrte sie in Avengers: Endgame und Ant-Man and the Wasp: Quantumania zurück und etablierte sich endgültig als feste Größe im Superheldenkino.
Der verlorene Zahn
Abseits ihrer Filmkarriere sorgt Lilly immer wieder mit selbstironischen Geschichten für Unterhaltung. Eine ihrer bekanntesten Anekdoten stammt aus ihrer Zeit vor dem großen Durchbruch: Nach einer feuchtfröhlichen Nacht verlor sie bei einer missglückten Akrobatik-Einlage einen ihrer Schneidezähne. Seitdem trägt sie an dieser Stelle einen künstlichen Zahn – eine Geschichte, über die sie heute selbst lachen kann.
20 Dollar für eine ziemlich verrückte Wette
Auch eine andere Geschichte gehört längst zu den Lieblingsanekdoten ihrer Fans. Während der Dreharbeiten zu Lost waren Lilly und mehrere Kollegen nach einem Bowlingabend noch auf einem Parkplatz unterwegs, als Co-Star Jorge Garcia ihr eine spontane Wette anbot: 20 Dollar, wenn sie in einen Mülleimer urinieren würde.
Lilly zögerte offenbar keine 30 Sekunden. Sie nahm die Herausforderung an, gewann die Wette – und kassierte tatsächlich die 20 Dollar. Die Geschichte erzählte sie später selbst lachend in Interviews und zeigte damit einmal mehr, dass sie ihren Ruf als bodenständige und humorvolle Schauspielerin nie verloren hat.
Engagement abseits Hollywoods
Neben ihrer Schauspielkarriere engagiert sich Evangeline Lilly seit vielen Jahren für humanitäre Projekte. Schon vor ihrem Durchbruch arbeitete sie als Missionarin auf den Philippinen und unterstützte verschiedene Kinderhilfsprojekte. Später gründete sie eine eigene Hilfsorganisation mit Projekten in Ruanda und setzt sich bis heute für soziale und humanitäre Themen ein.
Darüber hinaus veröffentlichte Lilly mehrere Kinderbücher und betonte wiederholt, dass Schreiben für sie ebenso wichtig sei wie die Schauspielerei.
Eine Schauspielerin, die sich selbst treu geblieben ist
Evangeline Lilly hat sich in mehr als zwei Jahrzehnten vom TV-Star zur internationalen Kinodarstellerin entwickelt. Ob als Kate Austen, Tauriel oder Wasp – ihre Figuren zeichnen sich meist durch Stärke, Eigenständigkeit und Abenteuerlust aus.
Mindestens genauso sympathisch sind jedoch die Geschichten hinter den Kulissen. Der verlorene Schneidezahn, eine gewonnene 20-Dollar-Wette auf einem Parkplatz oder ihre ungewöhnlichen Jobs vor dem Schauspiel zeigen eine Frau, die sich selbst nie zu ernst nimmt. Genau diese Mischung aus Bodenständigkeit, Humor und Talent macht Evangeline Lilly auch an ihrem 47. Geburtstag zu einer der beliebtesten Schauspielerinnen ihrer Generation.
