Experten warnen Eltern: Warum selbst harmlose Kinderfotos im KI-Zeitalter zum Risiko werden können

Ein virales Instagram-Video warnt vor den Gefahren öffentlich geteilter Kinderfotos im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.

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Immer mehr Cyberkriminelle greifen zu erschreckenden Maßnahmen um ihre Ziele zu verfolgen. | © Instagram © ChatGPT / KI generiertes Bild

Ein Instagram-Reel der Online-Sicherheits-Expertin Dr. Catherine Knibbs geht derzeit viral. Knibbs arbeitet als Kindertherapeutin und Beraterin für Online-Sicherheit. Sie warnt davor, dass öffentlich verfügbare Kinderfotos heute einfacher denn je missbraucht werden können.

Auslöser ihrer Warnung sind aktuelle Fälle aus Großbritannien, bei denen Schulen Ziel von KI-Erpressung wurden. In einem Fall veröffentlichte eine Schule ein Foto ihrer Mädchenfußballmannschaft. Dieses Bild soll anschließend genutzt worden sein, um mithilfe von KI missbräuchliches Videomaterial zu erstellen, um im Anschluss die Schule mit dessen Veröffentlichung erpressen.

Für Knibbs reicht das Problem jedoch weit über Schulen hinaus. Die aktuellen Fälle seien lediglich ein Beispiel. Betroffen sein, könnte jede Familie, die Bilder ihrer Kinder öffentlich im Internet teilt.

Warum KI harmlose Fotos plötzlich gefährlich machen kann

Moderne KI benötigt oft nur wenige Bilder, um innerhalb weniger Sekunden täuschend echte Deepfakes zu erzeugen. Cyberkriminelle nutzen solche Inhalte teilweise für Erpressung oder Mobbing. Gleichzeitig werden die benötigten Programme immer einfacher zugänglich. Laut Experten wie Dr. Catherine Knibbs sinkt dadurch die Hemmschwelle für den Missbrauch solcher Bilder erheblich.

Früher mussten Täter Bilder noch aufwendig bearbeiten. Heute übernehmen frei verfügbare KI-Programme einen Großteil dieser Arbeit innerhalb weniger Minuten.

Das Problem ist dabei nicht das Foto selbst. Kritisch wird es vor allem dann, wenn Bilder öffentlich im Internet verfügbar sind und von praktisch jedem heruntergeladen werden können.

Es betrifft nicht nur Schulen, sondern auch Eltern und Großeltern – Experten fordern ein Umdenken

Familien posten häufig Bilder ihrer Kinder aus dem Urlaub, von der Einschulung, Geburtstagsfeiern oder Sportveranstaltungen. Auch Großeltern teilen voller Stolz Fotos ihrer Enkel auf Facebook oder anderen Plattformen. Über die möglichen Risiken machen sich dabei viele keine oder nur wenige Gedanken.

Es geht jedoch nicht darum, Panik zu verbreiten, sondern das Bewusstsein für diese Entwicklung zu stärken.

Experten empfehlen deshalb, weniger öffentlich zu posten und die eigenen Privatsphäre-Einstellungen regelmäßig zu überprüfen. Vor allem sollte man sich vor jedem Upload fragen, ob das Bild wirklich dauerhaft im Internet verfügbar sein muss.

Kinder sollten später selbst über ihre digitale Identität entscheiden können. Gerade durch KI gewinnt der Schutz persönlicher Daten und Bilder eine völlig neue Bedeutung.

Dr Catherine Knibbsinternetmatters org
Dr. Catherine Knibbs, Creatorin von aufklärendem Content. | © internetmatters.org

Dr. Knibbs berichtet, dass sie sich bereits seit mehr als zehn Jahren mit Online-Gefahren für Kinder beschäftigt. Durch KI hätten sich die Möglichkeiten des Missbrauchs jedoch erheblich erweitert.

Es geht also nicht darum, nie wieder Familienfotos zu veröffentlichen, sondern bewusster zu entscheiden, welche Bilder öffentlich zugänglich sein sollten.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Risiko zu reduzieren. So können Accounts auf privat gestellt werden, wodurch Nutzer selbst entscheiden, wer ihre Inhalte sehen kann. Auch das Verpixeln oder Verdecken von Gesichtern kann zusätzlichen Schutz bieten. Storys sind zwar nur für kurze Zeit sichtbar, bieten jedoch keinen vollständigen Schutz, da Inhalte weiterhin gespeichert oder per Screenshot festgehalten werden können.

Vor wenigen Jahren galten Familienfotos aus dem Urlaub oder vom ersten Schultag vor allem als schöne Erinnerungen. Im Zeitalter leistungsfähiger KI bekommen diese Bilder jedoch eine neue Dimension. Experten raten deshalb nicht zu Angst, sondern zu einem bewussteren Umgang mit persönlichen Aufnahmen. Denn oft entscheidet bereits die Frage, wer ein Foto sehen kann, darüber, ob es einfach eine schöne Erinnerung bleibt – oder zur Grundlage für Missbrauch werden könnte.

Postet ihr Fotos eurer Kinder oder Familienmitglieder öffentlich im Internet – oder hat KI eure Einstellung dazu verändert? Schreibt es uns gerne in die Kommentare.

Julian Mayorga
Julian Mayorga