Einige Zuschauer wollen der Streamerin helfen, andere wollen sie leiden sehen – aber beide Seiten geben ihr Geld.
Die kanadische YouTuberin Chantal Sarault, besser bekannt als Foodie Beauty, sorgt seit Jahren für Kontroversen. Oftmals drehen sich diese um Geld. Geld, dass sie etwa von ihren Fans erbettelt und behauptet, sie würde es für den Schutz von Tieren nutzen, die sie dann in Wahrheit aussetzt oder um einem syrischen Mädchen die Ausbildung zu bezahlen, nur damit sich dann herausstellt, dass die vermeintlichen Beweisfotos bei ihr zuhause gemacht wurden.
Im Zentrum ihres jüngsten Skandals steht ein Scooter, welchen sie seit einigen Monaten fährt – das Problem ist dabei aber weniger, dass ihre Geldgeber nicht gewusst hätten, dass sie die Spenden für sich selbst und das Gefährt nutzen wird, sondern eher darum, dass sie sich damit wohl ihren Traum bezahlen lassen hat, nie wieder gehen zu müssen.
Wenn Zuschauer als Geldquelle ausgenutzt
Sarault hat sich über die Jahre ein System aufgebaut, in dem Zuschauer nicht nur konsumieren, sondern aktiv finanzieren. Spenden, Mitgliedschaften und direkte Geldzuwendungen gehören fest zu ihrem Content-Modell. Das ist bei vielen Streamern so und grundsätzlich okay, im Fall der Foodie Beauty hat dies aber einen mehr als bitteren Beigeschmack.
Die Menschen die ihr Geld geben, haben oftmals Mitleid mit ihr und kaufen ihr die Opferrolle der krankhaft übergewichtigen, unterdrückten muslimischen Frau ab, wobei Kritiker daran zweifeln, dass ihr Gewicht tatsächlich krankheitsbedingt ist und sie ihren Glauben ernsthaft praktiziert.
Außerdem wirft man ihr vor, dass sie gezielt emotionale Nähe nutzt, um ihre Community zur Unterstützung zu bewegen – oft ohne echte Transparenz darüber, wofür das Geld letztlich verwendet wird.
Die Kritik, die an sie herangetragen wird, stammt vor allem aus den problematischen Dingen, die sie sagt und tut und ihrem fragwürdigen Umgang mit Lebensmitteln, Tieren und ihrer eigenen Gesundheit – nur selten sind ihr Aussehen und ihr Glaube Kern der Missbilligungen.
Der Scooter als Symbol eines größeren Problems
Besonders kritisch wird in der Community das Elektromobil gesehen, welchen Sarault seit einger Zeit nutzt. Das wurde von den Zuschauern mitfinanziert – allerdings mit der Absicht ihr zu helfen.
Fahrzeuge wie diese werden oftmals von älteren oder übergewichtigen Menschen genutzt, um ihnen die Fortbewegung zu erleichtern – gerade in den USA und Kanada sind sie alles andere als ungewöhnlich.
Das Problem bei Sarault: Im Grunde ist sie nicht auf den Scooter angewiesen. Noch kann sie gehen. Es fällt ihr zwar sichtlich schwer, doch um ihrem angeblichen Ziel, dem Abnehmen und dem Erreichen eines für sie selbst gesünderen Gewichts, näher zu kommen, sollte sie genau dies tun.
Daher erklärte sie, als sie erstmals den Wunsch äußerte, einen solchen Scooter zu besitzen und entsprechend kritische Nachfragen aufkamen, sie wolle ihn nur für weite Strecken nutzen – quasi als Notlösung, während sie anderweitig weiter an ihrer körperlichen Fitness arbeiten würde.
Inzwischen ist der Scooter aber ein regelmäßiger Gast in ihren Streams und Videos geworden. Selbst kurze Strecken – etwa ins nächste Fastfoodrestaurant – werden mit dem Gefährt zurückgelegt.Mittlerweile gibt es auch einige Clips, die zeigen, wie die Streamerin mit ihrem Mobil etwa den normalen Straßenverkehr blockiert oder mitten in einem Supermarkt zum Stehen kommt, weil sie nicht bedacht hatte, dass sich ihr Körpergewicht auf die Laufzeit des Akkus auswirken könnte.
Ein Lügenkonstrukt auf ungesunden Beinen
Für die Fans, die ihr dennoch unbedingt glauben wollten, der Scooter sei für ihre Gesundheit förderlich, hatte sie stets Ausreden parat, warum jetzt mal doch wieder das Gefährt statt der eigenen Füße beansprucht werden würde, doch für die meisten Zuschauern steht fest: Für Foodie Beauty ist das Gefährt mehr als eine Notlösung. Ein Zuschauer schreibt in ihren Chat – welchen sie immer dann ignoriert, wenn unbequeme Meinungen oder Fragen aufkommen – sie hätte offensichtlich gar nicht mehr vor zu laufen und die Geldgeber ihr nun ihren Traum finanziert, nie wieder gehen zu müssen.
Für wieder andere scheint jedoch genau darin die Motivation zu liegen, Sarault solche schädlichen Bequemlichkeiten und da fettige Essen zu bezahlen, denn offenbar finden sich unter ihren Zuschauern, die es als unterhaltsam empfinden, der Streamerin bei ihrer selbstzerstörerischen Lebensweise zuzusehen. Die morbide Neugierde daran, wie weit man einen Menschen bringen kann, ist hier wohl nur einer der Beweggründe dieser Unterstützer.
Die Frage, ob Foodie Beauty ihre Zuschauer ausnutzt, oder diese sie, spielt, wenn die finanzielle Unterstützung nicht bald ein Ende hat, letztlich aber auch keine wirkliche Rolle – in jedem Fall bezahlen die Fans sie und sie mit ihrer Gesundheit.