Guillermo del Toro wird 62: 40 Red Bull täglich, sein entführter Vater und das verlorene Notizbuch all seiner Ideen

Ein Mann zwischen Filmmonstern und dem Horror des realen Lebens.

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Der König der Monster und sein mehr als spannendes Leben. | © Universal

Guillermo del Toro feiert heute, am 9. Oktober 2026, seinen 62. Geburtstag. Kaum ein Regisseur erzählt so liebevoll von Monstern und so schonungslos von Menschen. Mit Pans Labyrinth, Shape of Water – Das Flüstern des Wassers und Guillermo del Toros Pinocchio hat er fantastische Welten geschaffen, die lange im Gedächtnis bleiben. Seine eigene Lebensgeschichte kennt allerdings auch Schrecken, gegen die kein Filmmonster ankommt – und Zufälle, die selbst ein Drehbuchautor kaum schöner erfinden könnte.

Ein Junge aus Guadalajara entdeckt die Monster

Guillermo del Toro Gómez wurde am 9. Oktober 1964 im mexikanischen Guadalajara geboren. Er wuchs in einem katholisch geprägten Umfeld auf und begeisterte sich früh für Horrorfilme, Bücher und fantastische Kreaturen. Schon als Kind experimentierte er mit der Super-8-Kamera seines Vaters.

Bevor er als Regisseur bekannt wurde, arbeitete del Toro als Maskenbildner und Spezialeffektkünstler. Er lernte unter anderem von Dick Smith, einem der großen Namen seines Fachs. Diese handwerkliche Herkunft ist seinen Filmen bis heute anzusehen: Seine Wesen haben Haut, Narben und eine Geschichte, die sich oft schon an ihrem Äußeren ablesen lässt.

1993 legte er mit Cronos seinen ersten Langfilm vor. Die ungewöhnliche Vampirgeschichte machte ihn international bekannt. Mit Mimic folgte 1997 der Schritt nach Hollywood – und eine Produktion, bei der er unter massiven Eingriffen des Studios litt.

72 Tage Angst: Die Entführung seines Vaters

In dieser Phase wurde del Toros Vater Federico in Guadalajara entführt. Für die Familie begann eine 72 Tage dauernde Zeit der Ungewissheit. Schließlich kam er nach der Zahlung eines Lösegelds frei. Die Erfahrung veränderte del Toros Verhältnis zu seiner Heimat tiefgreifend. Später beschrieb er sein Leben außerhalb Mexikos als unfreiwilliges Exil.

Eine entscheidende Stütze war sein Freund James Cameron. Über dessen Hilfe kursiert bis heute die Geschichte, er habe das Lösegeld bezahlt. Del Toro stellte das jedoch ausdrücklich richtig: Die Familie zahlte das Lösegeld; Cameron finanzierte einen professionellen Verhandlungsführer. Diesen Betrag erstattete die Familie später zurück. Cameron habe von sich aus gehandelt und in einer kaum erträglichen Situation Verantwortung übernommen.

Die Episode zeigt eine Freundschaft, die weit über gelegentliche Begegnungen bei Premieren hinausgeht. Del Toro hat Cameron als eine Art älteren Bruder beschrieben, der ihm seit seinen ersten Filmen zur Seite steht.

40 Red Bulls pro Tag: Die wilde Energie hinter Blade II

Mit Blade II inszenierte del Toro 2002 einen schnellen, blutigen Vampir-Actionfilm mit Wesley Snipes. Rückblickend erzählte er in einem IGN-Interview eine Anekdote, die zur rastlosen Energie des Films passt: Während der Arbeit daran habe er 40 Red Bulls am Tag getrunken.

Die Zahl stammt aus seiner eigenen Erinnerung. Del Toro schilderte sich in dieser Zeit als völlig aufgedreht und verglich die Energie der Produktion scherzhaft mit einem unter Kokain entstandenen Film. Der eigentliche Treibstoff waren nach seiner Darstellung die Energydrinks. Als Erklärung für die fiebrige Stimmung von Blade II ist die Geschichte jedenfalls schwer zu vergessen.

Danach brachte er mit Hellboy einen weiteren ungewöhnlichen Helden auf die Leinwand. Ron Perlmans roter Dämon ist riesig, schlagkräftig und trotz seiner Erscheinung erstaunlich menschlich. Genau dieser Blick auf vermeintliche Ungeheuer wurde zu einem Markenzeichen des Regisseurs.

Das Taxi, in dem beinahe Pans Labyrinth verschwand

Del Toro hält Zeichnungen, Figurenentwürfe und Geschichten in Notizbüchern fest. Eines davon ließ er auf der Rückbank eines Londoner Taxis liegen. Darin steckten vier Jahre Arbeit, darunter zentrale Ideen für Pans Labyrinth. Es war also weit mehr als ein Buch mit ein paar flüchtigen Einfällen.

Laut einem Bericht der Los Angeles Times lief del Toro dem Wagen hinterher und stieg schließlich in ein anderes Taxi, um ihn zu verfolgen. Ohne Erfolg. Auch Nachfragen bei Polizei und Taxiunternehmen brachten das Notizbuch zunächst nicht zurück.

Zwei Tage später tauchte der Fahrer mit dem Buch auf. Er hatte anhand eines Stücks Hotelbriefpapier mit einem Logo herausgefunden, wo sein Fahrgast wohnte. Del Toro gab ihm aus Dankbarkeit umgerechnet etwa 900 Dollar. Die Rückkehr seines Notizbuchs verstand er als Zeichen, Pans Labyrinth tatsächlich zu verwirklichen.

2006 erschien der Film: ein düsteres Märchen über ein Mädchen im Spanien der Franco-Zeit, in dem fantastische Prüfungen auf brutale politische Wirklichkeit treffen. Dass ein Taxifahrer die gesammelten Vorarbeiten zurückbrachte, gehört damit zu den schönsten kleinen Rettungsgeschichten der Filmgeschichte.

Vom Außenseiterkino zu den Oscars

Del Toro blieb auch nach diesem Erfolg schwer auf ein Genre festzulegen. In Pacific Rim ließ er riesige Roboter gegen gewaltige Kreaturen kämpfen, mit Crimson Peak schuf er eine prachtvolle Geistergeschichte. Seine Liebe zum Schauermärchen blieb dabei ebenso sichtbar wie sein Interesse an einsamen Figuren.

Mit Shape of Water – Das Flüstern des Wassers erzählte er eine Liebesgeschichte zwischen einer stummen Reinigungskraft und einem amphibischen Wesen. 2018 erhielt er dafür die Oscars für die beste Regie und als einer der Produzenten für den besten Film.

2023 folgte mit Guillermo del Toros Pinocchio, den er gemeinsam mit Mark Gustafson inszenierte, der Oscar für den besten Animationsfilm. Seine Stop-Motion-Version verbindet die bekannte Holzpuppengeschichte mit Trauer, Krieg und dem Widerstand gegen blinden Gehorsam. Mit Frankenstein verwirklichte er 2025 schließlich einen weiteren Stoff, der zu seiner lebenslangen Faszination für missverstandene Geschöpfe passt.

Haltung zeigen und neue Talente fördern

Del Toros fantastische Welten sind oft politisch. In Pans Labyrinth und Guillermo del Toros Pinocchio erscheinen Autorität und Gehorsam als bedrohliche Kräfte. Seine Sympathie gilt den Menschen und Wesen, die nicht hineinpassen. Die Frage, wer wirklich das Monster ist, beantwortet er selten anhand von Zähnen oder Klauen.

Sein Einsatz für die Filmkunst reicht außerdem über eigene Produktionen hinaus. Gemeinsam mit der Jenkins-Stiftung und Partnern aus Guadalajara unterstützt er das Jenkins-del-Toro-Stipendium. Es ermöglicht mexikanischen Talenten eine Ausbildung im Filmbereich. Damit hilft er anderen, einen Weg zu gehen, für den Chancen und finanzielle Unterstützung entscheidend sein können.

Mit 62 bleibt Guillermo del Toro ein Filmemacher, der seine kindliche Begeisterung bewahrt hat, ohne die Härte der Welt auszublenden. Er weiß, dass echte Schrecken keine Maske brauchen. Vielleicht erzählt er gerade deshalb so beharrlich von Kreaturen, die uns trotz ihres fremden Äußeren näher sind, als wir zunächst glauben

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....