Happy Birthday Columbo: Der Mann mit dem Glasauge und den Hang zu schönen Frauen wäre heute 99

Lange Zeit war er DIE größte Leitfigur von Krimi im TV.

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Peter Falk machte den scheinbar zerstreuten Inspektor Columbo zu einer der bekanntesten Figuren der Fernsehgeschichte. | © Wikipedia

Am 16. September 2026 wäre Peter Falk 99 Jahre alt geworden. Auch Jahrzehnte nach seinen größten Erfolgen ist der Schauspieler vor allem als Lieutenant Columbo fest im kollektiven Gedächtnis verankert: mit zerknittertem Regenmantel, einer Zigarre in der Hand und der berühmten zusätzlichen Frage, die seine Gesprächspartner regelmäßig aus der Fassung brachte.

Falk wurde am 16. September 1927 in New York City geboren. Bis er vor der Kamera landete, verlief sein Leben allerdings keineswegs geradlinig. Er studierte unter anderem an der Syracuse University und arbeitete zunächst als Verwaltungsanalyst. Erst danach entschied er sich endgültig für die Schauspielerei.

Aus dem vergleichsweise späten Karrierewechsel entwickelte sich eine außergewöhnliche Laufbahn. Peter Falk wurde zum gefeierten Charakterdarsteller, erhielt zwei Oscar-Nominierungen und schuf mit Columbo eine Figur, die bis heute zu den berühmtesten Ermittlern der Fernsehgeschichte zählt.

Die Geschichte hinter seinem unverwechselbaren Blick

Ein äußerliches Merkmal begleitete Peter Falk beinahe sein gesamtes Leben. Bereits im Alter von drei Jahren erkrankte er an einem Retinoblastom, einer seltenen Form von Augenkrebs. Sein rechtes Auge musste entfernt werden und wurde anschließend durch ein künstliches Auge ersetzt.

Der daraus resultierende leicht asymmetrische Blick wurde später zu einem wichtigen Bestandteil seiner besonderen Ausstrahlung. Gerade in Columbo verstärkte er den Eindruck eines Mannes, der etwas abwesend und orientierungslos erscheint, während er sein Gegenüber in Wirklichkeit ganz genau beobachtet.

Falk versuchte nie, diese Besonderheit vollständig zu verbergen. Stattdessen wurde sie Teil seines Spiels und verlieh seinen Figuren einen Wiedererkennungswert, den sich kein Kostüm und keine Maske hätten ausdenken können.

Sein Weg vom Nebendarsteller zum großen Star

Peter Falk machte sich zunächst auf der Theaterbühne sowie mit kleineren Rollen in Film und Fernsehen einen Namen. Besonders häufig wurde er als Gangster, Außenseiter oder unangepasster Charakter besetzt. Seine Auftritte in Unterwelt und Die unteren Zehntausend brachten ihm jeweils eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller ein.

Den entscheidenden Karriereschub lieferte jedoch das Fernsehen. 1968 war Falk erstmals als Columbo zu sehen. Ab 1971 wurde daraus eine regelmäßig ausgestrahlte Krimireihe, die zunächst bis 1978 lief. Zwischen 1989 und 2003 kehrte er für zahlreiche weitere Fälle in seine berühmteste Rolle zurück.

Für seine Darstellung des hartnäckigen Ermittlers gewann Falk vier Emmys und einen Golden Globe. Wie stark sein Einfluss auf das Fernsehen war, zeigte sich auch 1996: Damals nahm ihn das US-Magazin TV Guide in seine Liste der größten Fernsehstars aller Zeiten auf.

Ein Krimi, bei dem der Täter bereits feststand

Columbo unterschied sich deutlich von klassischen Krimiformaten. In den meisten Episoden erlebte das Publikum den Mord und kannte die verantwortliche Person bereits zu Beginn. Das eigentliche Rätsel bestand darin, welchen Fehler der Täter gemacht hatte und wie Columbo diesen entdecken würde.

Dabei setzte der Inspektor weder auf einschüchterndes Auftreten noch auf spektakuläre Verfolgungsjagden. Er erschien häufig unorganisiert, verlor scheinbar den Faden und ließ sich ausführlich Zusammenhänge erklären, die er längst verstanden hatte. Kurz vor dem Abschied fiel ihm dann meist noch etwas ein.

Vor allem wohlhabende und selbstsichere Täter hielten ihn deshalb für harmlos. Falk verwandelte diese Fehleinschätzung in Columbos wirksamste Methode: Je weniger ernst man den Ermittler nahm, desto bereitwilliger lieferte man ihm neue Hinweise und Widersprüche.

Peter Falk war nicht Columbo

Das private Leben des Schauspielers passte nur bedingt zum Bild des gemütlichen und etwas zerstreuten Fernsehinspektors. Falk galt als gesellig und temperamentvoll, feierte gern und war für seinen starken Willen bekannt. Biografische Darstellungen berichten außerdem von Alkohol, Zigaretten, Affären und Konflikten, die insbesondere seine erste Ehe belastet haben sollen.

Die von Richard Lertzman und William J. Birnes verfasste Biografie Beyond Columbo: The Life and Times of Peter Falk beschreibt ihn als charismatischen und leidenschaftlichen Künstler, aber zugleich als widersprüchliche Persönlichkeit. Neben Großzügigkeit und Loyalität gehörten demnach auch Rastlosigkeit und schwierige Verhaltensweisen zu seinem Charakter.

Diese Berichte zeigen vor allem, wie wenig eine berühmte Rolle über den Menschen dahinter aussagen muss. Falk ging nicht vollständig in Columbo auf. Hinter der vertrauten Fernsehfigur stand ein Künstler mit Ecken, Fehlern und einem deutlich bewegteren Privatleben.

Seine Karriere reichte weit über Columbo hinaus

Obwohl Columbo seine bekannteste Rolle blieb, umfasste Peter Falks Arbeit wesentlich mehr. Mehrfach stand er für den Regisseur John Cassavetes vor der Kamera, etwa in Ehemänner und Eine Frau unter Einfluss. In diesen Filmen konnte Falk eine spontanere, emotionalere und weniger kontrollierte Seite seines Spiels zeigen.

Auch Komödien und Märchenfilme gehörten zu seinem Repertoire. Er wirkte unter anderem in Eine Leiche zum Dessert, Der Schmalspurschnüffler und Die Braut des Prinzen mit. Seine markante Stimme, das raue Auftreten und sein Gespür für trockenes Timing machten ihn dabei selbst in Nebenrollen sofort erkennbar.

Eine besonders ungewöhnliche Aufgabe übernahm er in Wim Wenders’ Der Himmel über Berlin. Darin spielte Falk eine fiktive Variante seiner selbst: einen ehemaligen Engel, der sich für ein Leben als Mensch entschieden hat. Die Rolle verband Humor und Melancholie und zählt für viele Fans zu seinen eindrucksvollsten Auftritten außerhalb von Columbo.

Seine letzten Lebensjahre

Im hohen Alter erkrankte Peter Falk an Demenz beziehungsweise Alzheimer und zog sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Ab 2008 wurde sein gesundheitlicher Zustand öffentlich bekannt. Innerhalb seiner Familie entstanden anschließend Konflikte über seine Betreuung und darüber, wer ihn besuchen durfte.

Seine Tochter Catherine engagierte sich später für gesetzliche Regelungen, die Angehörigen den Kontakt zu erkrankten Familienmitgliedern unter Betreuung erleichtern sollen. Entsprechende Initiativen wurden unter der Bezeichnung Peter-Falk-Gesetze bekannt.

Peter Falk starb am 23. Juni 2011 im Alter von 83 Jahren in Beverly Hills. Als Todesursachen wurden eine Lungenentzündung sowie Alzheimer genannt. Zahlreiche Weggefährten würdigten nach seinem Tod seine besondere Arbeitsweise. Steven Spielberg erklärte, in seiner frühen Karriere durch Falk außergewöhnlich viel über Schauspiel gelernt zu haben. Auch Regisseur Rob Reiner erinnerte an ihn als einen vollkommen eigenständigen Darsteller.

Warum Peter Falk auch an seinem 99. Geburtstag unvergessen bleibt

Zu Peter Falks posthumem 99. Geburtstag zeigt sich, wie langlebig seine berühmteste Figur geworden ist. Columbo folgt einem langsameren Rhythmus als viele heutige Krimiserien. Statt schneller Schnitte und großer Wendungen stehen Gespräche, kleine Gesten und psychologische Duelle im Mittelpunkt.

Doch Falks Vermächtnis lässt sich nicht auf den Regenmantel reduzieren. Er machte Eigenschaften zu seinem Vorteil, die in Hollywood kaum dem klassischen Bild eines Hauptdarstellers entsprachen. Sein künstliches Auge, seine raue Stimme, die gebeugte Haltung und seine eigenwillige Sprechweise wurden zu unverwechselbaren Werkzeugen seiner Schauspielkunst.

Peter Falk musste nie wie ein makelloser Held wirken, um eine Szene zu beherrschen. Oft genügte es, dass er kurz innehielt, sich noch einmal umdrehte und beiläufig eine weitere Frage stellte. Am 16. September 2026 wäre er 99 Jahre alt geworden – verschwunden ist er aus der Fernsehgeschichte aber bis heute nicht.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....