Als er mit 50 seine Fernsehkarriere begann, war er schon in ganz anderen Bereichen erfolgreich.
Heute vor sechs Jahren, am 6. Oktober 2020, starb Herbert Feuerstein. Viele kennen ihn als Harald Schmidts Partner aus Schmidteinander. Doch lange bevor er im Fernsehen berühmt wurde, prägte er als Chefredakteur der deutschen MAD-Ausgabe den Humor einer ganzen Lesergeneration.
Erst Musiker, dann Blattmacher
Feuerstein wurde 1937 im österreichischen Zell am See geboren. Er ließ sich zum Musiker ausbilden, arbeitete später als Journalist und verbrachte mehrere Jahre in New York. Anfang der 1970er-Jahre übernahm er die deutsche Ausgabe des amerikanischen Satiremagazins MAD. Rund zwei Jahrzehnte lang bestimmte er, wie das Heft klang und worüber es sich lustig machte.
Was Feuerstein aus MAD machte
Die ersten deutschen Ausgaben übernahmen vor allem Beiträge aus den USA. Feuerstein wollte mehr: Witze sollten hierzulande funktionieren, Anspielungen verstanden werden und deutsche Themen ihren Platz bekommen. Er holte Autoren und Zeichner ins Heft, ließ Filme, Fernsehen und Alltagsgewohnheiten vor Ort parodieren und schrieb selbst die bissigen Antworten auf Leserbriefe. Aus einer übersetzten Zeitschrift wurde ein Heft mit eigener Stimme.
Zu dieser Stimme gehörte eine Sprache, die man beim Lesen beinahe hören konnte: „lechz“, „hechel“, „ächz“, „würg“. Feuerstein beanspruchte für sich, solche Lautwörter im deutschen MAD geprägt zu haben. Er machte damit nicht jede Silbe persönlich berühmt – an den Comics arbeiteten viele Menschen mit. Als Chefredakteur gab er dieser Art von Sprachwitz aber eine Bühne, auf der sie Hunderttausende Leser erreichte. Auf dem Höhepunkt verkaufte sich die deutsche Ausgabe mehr als 300.000-mal.
Feuersteins Einfluss auf deutschen Humor lag auch in der Haltung des Heftes. MAD machte sich über Werbung, Prominente, Popkultur und die eigene Leserschaft lustig. Die Pointe musste keine Lehre liefern. Sie durfte frech, absurd oder schlicht herrlich dumm sein – solange sie saß. Für junge Leser war das eine Einladung, Gewohntes nicht allzu ehrfürchtig zu betrachten.
Mit Harald Schmidt ins Fernsehen
Sein größtes Fernsehpublikum fand Feuerstein an der Seite von Harald Schmidt – da war er bereits 50. Die beiden begegneten sich bei der Ratesendung Pssst …. Von 1990 bis 1994 moderierten sie Schmidteinander, zunächst im WDR, später im Ersten. Das Konzept für die Sendung stammte von Feuerstein. Vor der Kamera spielte er oft den Mann, auf dessen Kosten Schmidt den nächsten Witz machte. Hinter der Kamera war er einer der Köpfe, die diesen eigenwilligen Mix aus Satire, Show und kontrolliertem Unsinn möglich machten.
Danach blieb Feuerstein vielseitig: Er präsentierte Feuersteins Reisen, trat in Film und Theater auf und hielt sein Publikum bei Feuersteins Nacht jeweils zwölf Stunden lang live bei Laune. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Grimme-Preis und dem Ehrenpreis des Deutschen Comedypreises.
Sein Witz wirkte schon vor dem Fernsehen
Herbert Feuerstein starb am 6. Oktober 2020 im Alter von 83 Jahren in Erftstadt. Schmidteinander machte ihn zum Fernsehstar. Sein Einfluss begann jedoch am Redaktionstisch: Dort half er, amerikanische Satire in einen deutschen Humor zu verwandeln, der lustvoll respektlos war – und dessen „ächz“ und „würg“ weit über die Seiten von MAD hinaus zu hören waren.
Bis zum Tod blieb er Komiker und Satiriker und schrieb sogar seinen eigenen Nachruf, in dem es heißt "Ich will nicht lange drumherum reden, ich bin jetzt tot." Knallhart, ehrlich, mit einem feinen Humor und einer Spitze in die richtige Richtung – genau wie er MAD gestaltete und sein ganzes Leben über war.
