Hugh Grant wird 66: Der kontroverse Romantikstar, der sich über Jahre als sein eigener Agent ausgab

Seine Filme kennt jeder – diesen einen Vorfall im Auto wohl allerdings auch...

Der Romantikschiene ist er inzwischen entkommen: Heute geht es Grant lieber düster an. | © Concorde Filmverleih

Hugh Grant feiert am heutigen 9. September 2026 seinen 66. Geburtstag. Mit zerzaustem Haar, nervösem Lächeln und sorgfältig gestammelten Sätzen wurde er in den 1990er-Jahren zum Gesicht der britischen Liebeskomödie. Dabei hatte Grant weder große Lust auf das Image des charmanten Engländers noch auf viele Mechanismen der Filmindustrie.

Er spielte einen Musikstar, obwohl er nach eigener Aussage keine Musik hört und praktisch keine CDs besaß. Er verzichtete mehrere Jahre auf professionelle Vertretung und erfand stattdessen einen Agenten, den er selbst per E-Mail und mit schottischem Akzent am Telefon verkörperte. Später tauschte er romantische Hauptrollen gegen korrupte Politiker, Gangster, Betrüger und einen erschreckend höflichen Horror-Bösewicht.

Von Oxford zur Schauspielerei

Hugh John Mungo Grant wurde am 9. September 1960 im Londoner Stadtteil Hammersmith geboren. Sein Vater James war Offizier und arbeitete später unter anderem im Teppichhandel, seine Mutter Fynvola unterrichtete Latein, Französisch und Musik.

Grant studierte englische Literatur am New College der University of Oxford. Eigentlich interessierte er sich für Kunstgeschichte und dachte über eine akademische Laufbahn nach. Während des Studiums spielte er jedoch in der Universitätsproduktion Privileged mit, die 1982 als sein erster Kinofilm erschien.

Nach Oxford arbeitete Grant zeitweise als Werbetexter, schrieb Buchbesprechungen und trat mit der Comedygruppe The Jockeys of Norfolk auf. Seine frühe Karriere bestand aus Theater, Fernsehrollen und kleineren Filmen. Den ersten größeren Kritikererfolg erzielte er 1987 mit dem Liebesdrama Maurice, für das er gemeinsam mit James Wilby den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Venedig gewann.

Vier Hochzeiten und ein Todesfall veränderte alles

Anfang der 1990er-Jahre erwog Grant nach eigener Aussage, die Schauspielerei aufzugeben. Dann erhielt er das Drehbuch zu Vier Hochzeiten und ein Todesfall. Die romantische Komödie wurde 1994 zu einem internationalen Überraschungserfolg und machte ihn praktisch über Nacht zum Weltstar.

Sein Charles war kein selbstbewusster Verführer, sondern ein höflicher, unentschlossener Mann, der sich ständig in seinen eigenen Sätzen verfing. Grant gewann für die Rolle einen Golden Globe und einen BAFTA. Gleichzeitig legte der Film das Bild fest, das ihn mehr als ein Jahrzehnt begleiten sollte: der attraktive, leicht verlegene Engländer mit perfektem Timing.

Es folgten Sinn und Sinnlichkeit, Notting Hill, Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück, About a Boy oder: Der Tag der toten Ente und Tatsächlich… Liebe. Die Filme machten Grant zu einem der erfolgreichsten Romantikstars seiner Generation. Sie sorgten aber auch dafür, dass Publikum und Studios ihn lange fast ausschließlich als Variation derselben Figur sehen wollten.

Vier Jahre lang spielte Hugh Grant seinen eigenen Agenten

Grant beschränkte sein Schauspiel nicht immer auf Filmsets. Nachdem er sich von seinen Vertretern getrennt hatte, arbeitete er nach eigener Aussage vier Jahre lang ohne echten Agenten. Produzenten und andere Interessenten sollten sich stattdessen an einen Mann namens James Howe Ealy wenden.

James Howe Ealy existierte nicht. Hinter der separaten E-Mail-Adresse saß Hugh Grant selbst. Auf diese Weise las er Angebote, verhandelte und lehnte Projekte ab, ohne die übliche Agentenprovision zahlen zu müssen. Grant erklärte später, er habe dadurch ein absolutes Vermögen gespart.

Schwierig wurde es, wenn Geschäftspartner den vermeintlichen Agenten persönlich kennenlernen oder zumindest mit ihm telefonieren wollten. Für solche Gespräche erfand Grant eine schottische Stimme. Gelegentlich verriet er sich beinahe selbst – etwa wenn er nach ein paar Drinks eine Nachricht als James verfasste und versehentlich mit Hugh unterschrieb.

Schließlich gab er die Konstruktion auf und engagierte wieder einen echten Agenten. Die Geschichte passt dennoch zu seinem Verhältnis zur Filmbranche: Grant genoss deren Möglichkeiten, betrachtete ihre Rituale aber häufig mit Misstrauen und Spott.

Ein Musikfilm mit einem Mann, der keine Musik hört

2007 spielte Grant in Mitten ins Herz – Ein Song für dich einen ehemaligen Popstar, der gemeinsam mit Drew Barrymores Figur einen neuen Hit schreiben soll. Grant sang mehrere Songs selbst und nahm für die Rolle Klavier- und Gesangsunterricht. Das ist besonders kurios, weil er privat zumindest lange Zeit nahezu kein Verhältnis zu Musik hatte.

In einem Interview aus dem Jahr 2002 erklärte Grant, er besitze keine Alben und praktisch keine CDs. Er höre keine Musik und Freunde wie der Drehbuchautor Richard Curtis oder die Schauspielerin Toni Collette hätten wiederholt versucht, ihn mit zusammengestellten CD-Sammlungen dafür zu begeistern.

Grant gab den Empfehlungen nach eigener Darstellung durchaus eine Chance. Meist habe er die CDs im Auto eingelegt, es aber ungefähr ab dem dritten Titel nicht mehr ausgehalten. Ausgerechnet dieser weitgehend musikresistente Schauspieler spielte wenige Jahre später überzeugend einen alternden Sänger, tanzte in hautengen Hosen durch ein Musikvideo und nahm mehrere Popsongs auf.

Die Aussage über seine CD-Sammlung liegt inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Ob Grant auch 2026 noch vollständig auf Musik verzichtet, ist nicht bekannt. Seine damalige Beschreibung war jedoch eindeutig genug, um zu den merkwürdigsten persönlichen Details seiner Karriere zu gehören.

Ein öffentlicher Skandal mitten im Aufstieg

Nur ein Jahr nach seinem Durchbruch geriet Grants Karriere in eine schwere Krise. Im Juni 1995 wurde er in Los Angeles festgenommen, nachdem die Polizei ihn mit der Sexarbeiterin Divine Brown in einem Auto angetroffen hatte. Grant bekannte sich später zu einem Vergehen und erhielt eine Geldstrafe sowie Bewährungsauflagen.

Statt die Auftritte zur Bewerbung seines neuen Films abzusagen oder komplizierte Rechtfertigungen vorzubereiten, stellte er sich den Interviews. In der Sendung von Jay Leno sagte er sinngemäß, er habe etwas völlig Wahnsinniges getan und keine Ausrede. Diese direkte Reaktion wurde zu einem frühen Beispiel dafür, wie ein Prominenter einen öffentlichen Skandal ohne umfangreiche Selbstinszenierung überstehen konnte.

Grant war zu dieser Zeit mit Elizabeth Hurley liiert. Beide blieben zunächst zusammen und trennten sich im Jahr 2000. Heute ist Grant mit der schwedischen Fernsehproduzentin Anna Eberstein verheiratet. Insgesamt hat er fünf Kinder.

Der Ausstieg aus der romantischen Hauptrolle

Nach Filmen wie Haben Sie das von den Morgans gehört? zog sich Grant zeitweise weitgehend von der Schauspielerei zurück. Er erklärte später selbstironisch, er sei zu alt und hässlich für romantische Komödien geworden. Tatsächlich eröffnete ihm das Älterwerden einen wesentlich interessanteren zweiten Teil seiner Karriere.

In Cloud Atlas spielte er gleich mehrere kleinere, teilweise kaum erkennbare Rollen. In Florence Foster Jenkins zeigte er als Ehemann und Manager einer notorisch schlechten Sängerin eine Mischung aus Liebe, Täuschung und Traurigkeit. Als eitler Bösewicht Phoenix Buchanan in Paddington 2 machte er sein altes Image zur farbenfrohen Karikatur.

In der Miniserie A Very English Scandal verkörperte Grant den britischen Politiker Jeremy Thorpe, der seinen ehemaligen Liebhaber zum Schweigen bringen will. Es folgten der schmierige Privatdetektiv Fletcher in The Gentlemen und der undurchsichtige Ehemann Jonathan Fraser in The Undoing.

Selbst in großen Studioproduktionen nutzte Grant sein früheres Charisma zunehmend gegen das Publikum. In Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben spielte er einen freundlich grinsenden Betrüger, in Wonka einen orangefarbenen Oompa Loompa. Sein früheres Image war nicht verschwunden – es war zum Werkzeug für Schurken, Hochstapler und seltsame Nebenfiguren geworden.

Heretic und die bisher dunkelste Rolle seiner Karriere

2024 erreichte Grants Wandel mit dem Horrorfilm Heretic einen neuen Höhepunkt. Darin empfängt der scheinbar höfliche Mr. Reed zwei junge Missionarinnen in seinem Haus. Aus einem theologischen Gespräch entwickelt sich ein perfides Spiel aus Manipulation, Gewalt und Kontrolle.

Der Film nutzte genau jene Eigenschaften, die Grant früher zum romantischen Star gemacht hatten. Sein Lächeln, seine sorgfältige Sprache und seine britische Höflichkeit erzeugten nun kein Vertrauen mehr, sondern Bedrohung. Für die Rolle erhielt er unter anderem Nominierungen für den Golden Globe und den BAFTA.

2025 kehrte er als Daniel Cleaver in Bridget Jones – Verrückt nach ihm noch einmal zu seiner berühmtesten Filmreihe zurück. Der Auftritt war kleiner als in den früheren Teilen, gab der Figur aber neben ihren bekannten anzüglichen Sprüchen eine unerwartet nachdenkliche Seite.

Der Schauspieler als Aktivist gegen Boulevardmedien

Abseits der Leinwand wurde Grant zu einem der prominentesten britischen Kritiker illegaler Methoden der Boulevardpresse. Nachdem sein Telefon gehackt worden war, engagierte er sich für strengere Regeln, besseren Schutz der Privatsphäre und die Kampagne Hacked Off.

Er trat vor politischen Gremien auf, besuchte Parteitage und unterstützte bei Wahlen gezielt Kandidaten, die sich gegen einen ungeregelten Brexit oder für Reformen der Presse einsetzten. Dabei bezeichnete er sich nicht dauerhaft als Anhänger einer bestimmten Partei.

Entschädigungszahlungen aus einem Verfahren gegen den Verlag der Zeitungen Daily Mirror und Sunday Mirror spendete Grant an Hacked Off. 2024 schloss er außerdem einen Vergleich mit dem Verlag der Sun, obwohl er nach eigener Aussage lieber vor Gericht gegangen wäre. Das finanzielle Risiko eines Prozesses sei jedoch selbst im Erfolgsfall zu hoch gewesen.

Vom unfreiwilligen Charmeur zum Charakterdarsteller

Hugh Grant hat seine bekanntesten Liebeskomödien häufig kritischer beurteilt als deren Fans. Diese Distanz kann undankbar wirken, ist aber ein Schlüssel zu seiner späten Karriere. Er wollte nie dauerhaft nur der stammelnde Traumprinz sein.

Heute sind Grants interessanteste Figuren Männer, die den alten Charme besitzen, ihn aber für Kontrolle, Täuschung oder Selbstschutz verwenden. Der romantische Held und der moderne Bösewicht liegen bei ihm oft nur ein Lächeln auseinander.

Mit 66 Jahren ist Hugh Grant erfolgreicher denn je darin, Hugh Grant gegen die Erwartungen des Publikums einzusetzen. Dass derselbe Mann vier Jahre lang seinen eigenen schottischen Agenten spielte und privat kaum drei Songs am Stück ertrug, passt perfekt dazu. Hinter der scheinbar vertrauten Oberfläche steckte bei ihm immer eine wesentlich eigenwilligere Figur.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....