Musiker, Schauspieler, Designer – Bowie war alles und dennoch mehr als die Summe seiner Teile.
Am 10. Januar 2016 starb David Bowie – zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag und nur kurz nach der Veröffentlichung seines letzten Albums Blackstar. Zehn Jahre später ist sein Todestag kein stilles Erinnern allein, sondern ein erneutes Nachdenken über ein Leben, das Popkultur, Kunst und gesellschaftliche Debatten nachhaltig geprägt hat.
Ein Leben in Verwandlung
Geboren 1947 in London als David Robert Jones, begann Bowie seine Karriere in einer Zeit, in der Popmusik noch klare Grenzen kannte. Er sprengte sie früh. Mit der Kunstfigur Ziggy Stardust erschuf er Anfang der 1970er-Jahre nicht nur einen Rockstar, sondern ein Gesamtkunstwerk aus Musik, Mode, Theater und Science-Fiction. Identität wurde bei Bowie nie festgeschrieben, sondern als etwas Wandelbares verstanden – ein Gedanke, der heute aktueller wirkt denn je.
Karriere zwischen Pop, Avantgarde und Experiment
Bowie war nie nur Musiker. Er war Schauspieler, Maler, Produzent, Stil-Ikone und Impulsgeber. Musikalisch reichte sein Spektrum von Glam Rock über Soul, Funk und Elektronik bis hin zu Industrial- und Jazz-Einflüssen. Seine sogenannte "Berliner Phase" Ende der 1970er-Jahre markierte einen künstlerischen Wendepunkt: reduziert, experimentell, zukunftsweisend. Was Bowie von vielen Zeitgenossen unterschied, war seine Bereitschaft zum Risiko. Kommerzieller Erfolg war für ihn nie Endpunkt, sondern Nebenprodukt künstlerischer Neugier. Selbst in Phasen großer Popularität suchte er den Bruch, den Neuanfang.
Lebende, künstlerische Freiheit
Bowie war kein lauter Aktivist, doch seine Haltung war klar. Er setzte sich früh für Diversität, sexuelle Selbstbestimmung und künstlerische Freiheit ein – nicht in Parolen, sondern durch Sichtbarkeit. In einer Zeit, in der Geschlechterrollen starr waren, lebte er Ambiguität und Offenheit vor. Später unterstützte er Künstler*innen, sprach sich gegen Rassismus aus und nutzte seine Plattform, um auf Ungleichheit aufmerksam zu machen. Seine Kunst war dabei stets politisch, ohne platt zu sein.
Blackstar – Abschied als Kunstwerk
Mit Blackstar schuf Bowie ein Vermächtnis, das bis heute nachwirkt. Das Album ist Abschied, Rätsel und künstlerische Selbstreflexion zugleich. Er machte seinen Tod nicht zum Skandal, sondern zum letzten kreativen Akt. Viele sahen darin eine radikale Form der Selbstbestimmung: das eigene Ende nicht zu verdrängen, sondern bewusst zu gestalten.
Zehn Jahre nach seinem Tod ist Bowie allgegenwärtig. Junge Musiker*innen berufen sich auf ihn, Mode greift seine Ästhetik auf, gesellschaftliche Debatten um Identität und Vielfalt finden in seinem Werk frühe Spiegelungen. Bowie steht heute weniger für ein bestimmtes Genre als für eine Haltung: neugierig bleiben, sich nicht festlegen lassen, Veränderung als Chance begreifen.
David Bowie fehlt – als Stimme, als Präsenz, als Provokateur. Doch seine Kunst ist geblieben. Und vielleicht ist das sein größtes Vermächtnis: die Erlaubnis, man selbst zu sein, auch wenn dieses „Selbst“ sich ständig verändert.