Influencerin sammelt "im Namen des Islam" Spenden – doch die Spendenziele stellen sich als KI-Fakes heraus

Die Kritik daran bezeichnet sie als "islamfeindliche Schmierkampagne".

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In ihren Videos zeigt sich die Konvertierte sowohl mit Hijab als auch ohne. | © Lily Jay / YouTube / Twitter

Die Influencerin Lily Jay hat eine große Wandlung durchgemacht. Vom typischen Protz-und-Prahl-Lifestyle, den so viele ihrer KollegInnen leben, hin zu einem vom islamischen Glauben geprägten Dasein, dass sie vor allem auch der Hilfe anderer verschreibt – bis plötzlich berechtigte Zweifel an ihren guten Taten aufkamen.

Herzensgüte oder KI-Fake?

Spendenaufrufe leben von Vertrauen. Man sieht Kinder, Hilfslieferungen oder Menschen vor Ort und denkt: Okay, da passiert wirklich etwas.

Genau dieses Vertrauen steht jetzt bei Influencerin Lily Jay massiv in der Kritik.

Nach der Recherche eines Journalistenteams wird ihrer Foundation vorgeworfen, in mehreren Videos KI-generierte Szenen eingesetzt zu haben – darunter eine künstlich erzeugte Version von Lily Jay selbst, KI-generierte Kinder und nachträglich eingefügte Logos. Sogar eine Preisverleihung, bei der sie für ihre Benefiz-Arbeit geehrt wurde, soll komplett aus Bildern und Clips von einer künstlichen Intelligenz fingiert worden sein.

Teilweise sollen echte Aufnahmen mit künstlich erzeugten Bildern vermischt worden sein, sodass kaum noch zu erkennen ist, was tatsächlich passiert ist. Alles, um die Wirkung ihrer vermeintlich guten Taten zu steigern, wobei einige Kritiker in Frage stellen, ob überhaupt jemals Geld an entsprechende Einrichtungen geflossen sei.

Vom Style-Girl zur aufopfernden Muslima – Dank künstlicher Intelligenz?

Lily Jay lebte das ganz normale Influencer-Leben... oder versuchte es zumindest. Denn die Aufmerksamkeit die sie mit den üblichen Glamour-Shoots und den Videos über ihren pompösen Alltagpostete, schienen nie so ganz den Erfolg zu bringen, den sie sich erhoffte. Der kam erst, als sie einen Wandel vollzog.

Angeblich hatte sie ChatGPT gefragt, wie sie ihr Leben leben und ob sie an Gott glauben solle und der ChatBot hätte ihr dazu geraten, ein besonders erfülltes Leben führen zu können, wenn sie zur gläubigen Muslima würde.

Sie konvertierte auf Anraten der Maschine zum Islam, gab sich als geläutert und bescheiden und widmete sich mit ihrem Content von da an dieser Wandlung. Gesprochene Gebete, Hijab und vor allemdie Empfehlung, dass auch andere konvertieren sollten, stand plötzlich im Fokus – bis hin zu solch absurden Videos wie der Frage, ob Jack Sparrow aus der Piratenfilm-Reihe Fluch der Karibik im echten Leben Muslim gewesen sei.

Um das Image als selbstlose Social Media-Heilige noch zu unterstreichen rief sie zu Spendenaktionen auf und berichtete auf ihren Kanälen und über die von ihr gegründete Foundation über die vielen Projekte, die sie mit dem gesammelten Geld unterstützte .

Doch genau hier setzten die Journalisten von ABC News Verify an und beleuchteten das vermeintlich aufopfernde Leben von Lily Jay genauer.

Belege für Hilfe in Gaza und Uganda fehlen

Die Recherche konnte unter anderem keine unabhängigen Belege für ein angeblich eröffnetes Waisenhaus in Uganda oder eine behauptete Bäckerei in Gaza finden. Stattdessen geht man davon aus, dass das Bildmaterial mit dem die Wirkung ihrer Aktionen bewiesen werden sollte, von einer KI generiert wurde.

Die Foundation selbst weist die Vorwürfe teilweise zurück. Sie bestätigt zwar den Einsatz von KI, sagt aber, diese sei lediglich für kurze Einleitungen verwendet worden. Die eigentlichen Hilfsprojekte seien real und würden über lokale Partner umgesetzt.

Ob das stimmt, müssen letztlich unabhängige Nachweise oder Behörden klären, für viele Spender und Kritiker bleibt aber zumindest die Frage offen, warum man auf derartige Methoden zurückgreifen würde, wenn das gespendete Geld wirklich dort ankam und helfen konnte Bäckereien zu Bauen und Waisenhäuser zu unterstützen. Andere stellten sogar in Frage, ob ihre Konvertierung letztlich nur ein PR-Stunt gewesen sei.

Als die Fragen hiernach immer lauter wurden, antwortete Jay mit einem Videostatement.

Kritik an ihr eine "islamfeindliche Schmierkampagne"?

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Kritiker zweifeln stark an der Authentizität von Bildern und Videos wie diesem. | © Lily Jay / YouTube

Das sich Jay weder einsichtig noch transparent geben würde, wird in dem Statement recht schnell klar. Sie spricht davon, dass die Kritik an ihr angeblich aufkam, sobald sie anfing über ihren Glauben und Themen wie die Gewaltverbrechen an Muslimen zu sprechen und darin eine gewaltige Schmierkampagne sähe.

Sie behauptet, jeden Tag Material über die Verwendung ihrer Spenden zu erhalten und Updates darüber zu bekommen, wie die Projekte voranschreiten würden und fragt, ob die Menschen wirklich bereit wären, all ihre Arbeit zunichte zumachen, nur weil sie sich entschieden hätten einem Artikel zu glauben, der Zweifel daran hegt.

Im tränenreichen Finale ihres Videos betont sie, dass vor allem die Reaktion anderer Muslime sie verletzt hätte, die, statt an ihrer Seite zu kämpfen, auch in Frage stellen würden, ob das gesammelte Geld am richtigen Ort ankam.

"Der Westen hat Angst vor der Übernahme durch den Islam!"

Der Grund für die vermeintliche Schmierkampagne scheint für Jay auch klar. Sie gibt der Angst des Westens vor einer "Übernahme durch den Islam" die Schuld, da sie bedingt durch ihre Arbeit täglich tausende von Nachrichten erhalten würde, dass sich Menschen aufgrund ihrer Videos auch für den Islam als ihre Religion entscheiden würden.

Was sie bei alledem – sowohl hinsichtlich der Behauptungen, dass ihre Spenden sehr wohl an die entsprechenden Orte gelangen würden, als auch mit Blick auf die Vorwürfe, dass die Kritik an ihr nur westliche Propaganda sei – nicht zeigt, sind Belege. Nach wie vor bleiben Spendenquittungen aus und auch der vermeintliche Call mit einem Bäcker in Gaza wirkt auf eine schräge Weise inszeniert oder ebenfalls mit KI manipuliert.

"Allah wird euch richten... Und ein Gericht ebenfalls"

Als – vermutlich aufgrund der immer lauter werdenden Kritik und Menschen, die ihr vorwarfen, das Geld selbst eingesteckt zu haben – ihre Social Media Accounts offline gingen, sah sie darin einen weiteren Beweis dafür, dass westliche Medien sie unterdrücken wollen würden.

Dieses weitere Statement nahm so absurde Züge an, dass sie sich aus mehreren Kamerawinkeln gleichzeitig filmte um zu beweisen, dass dieses Video nun wirklich nicht mit KI verfälscht wurde – auch wenn sich diese Vorwürfe nie auf ihre Statements, sondern eben auf die Videos rund um die vermeintlichen Spendenaktionen bezogen.

Zum Schluss fordert sie auf, dass sämtliche kritischen Beträge über sie gelöscht werden sollten, sie öffentliche Entschuldigungen erwarte und erklärt dass sie alle, die diesem nicht nachkämen, “am Tag des jüngsten Gerichts vor Allah zur Rechenschaft ziehen” und darüber hinaus verklagen würde.

Letztlich stellt sich vor allem eine Frage: Wieso die KI-generierten Inhalte. Würden diese nicht existieren und sie einfach echtes Bildmaterial von den erfolgreich übermittelten Spenden und ihrer Wirkung präsentieren, hätte wohl niemand in Frage gestellt, dass Lily Jay Gutes vollbrächte. Gleiches gilt für entsprechende Papiere und Dokumente, die sich automatisch ergeben, wenn man Spenden für einen bestimmten Zweck sammelt – wäre sie jemals der Aufforderung nachgekommen, diese vorzulegen, würden auch die letzten Zweifler überzeugt werden.

Stattdessen blieb sie jedwede Beweise dieser Art schuldig und verstrickte sich stattdessen in Theorien vermeintlich antiislamischer Propaganda und persönlicher Angriffe gegen sie.

Vielleicht ist Lily Jay nach all der Zeit und ihrem großen Wandel vom Instagram-Püppchen zur TikTok-Heiligen doch eines geblieben: Der Hang zum Schein lange vor dem Sein. Bleibt nur zu hoffen, dass sie bald Beweise vorlegt und sich Kritiker eingestehen müssen, dass sie sich geirrt hatten – andernfalls wäre das ausgesprochen schade für ihr Image, vor allem aber die Bedürftigen in Gaza, Uganda und Co, denen dann vermutlich nie durch sie geholfen wurde.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....