Einer, der das Image des Schönlings ablegte, um Figuren mit Charakter zu spielen.
Jacob Elordi feiert am heutigen 26. Juni 2026 seinen 29. Geburtstag – und blickt auf eine Karriere zurück, die sich in erstaunlich kurzer Zeit komplett gewandelt hat. Aus dem australischen Teen-Star aus The Kissing Booth wurde einer der spannendsten jungen Schauspieler Hollywoods: jemand, der erst als Internet-Crush abgestempelt wurde und inzwischen für Rollen in Euphoria, Priscilla, Saltburn und Frankenstein ernsthaft im Award-Gespräch steht.
Geboren wurde Elordi am 26. Juni 1997 in Brisbane, Australien, als jüngstes von vier Kindern – in den letzten Jahren wurde er zu einem der bekanntesten Schauspieler aller Zeiten.
Vom Rugbyplatz auf die Bühne
Bevor Elordi in Hollywood ankam, sah sein Weg erstmal deutlich australischer aus: Sport, Schule, Rugby. Gleichzeitig entdeckte er früh die Bühne für sich. Laut Britannica spielte er bereits mit zwölf Jahren in einer Schulaufführung von Seussical, später führte eine Rückenverletzung dazu, dass Rugby immer stärker in den Hintergrund rückte und Schauspiel für ihn wichtiger wurde.
Um sich eine überzeugende, amerikanische Sprechweise mit entsprechendem Akzent anzueignen, nutzte Elordi vor allem Rap-Musik. Besonders die Texte von Eminem sorgten dafür, dass Elordi immer besser darin wurde, den Amerikaner zu mimen.
Seine ersten Schritte im Filmgeschäft waren noch klein. Nach einem Auftritt im australischen Film Swinging Safari wurde er 2018 durch Netflix praktisch über Nacht bekannt: In The Kissing Booth spielte er Noah Flynn, den klassischen Bad-Boy-Love-Interest. Der Film wurde zwar kritisch nicht gerade gefeiert, machte Elordi aber weltweit sichtbar und führte zu zwei Fortsetzungen.
Der Bruch mit dem Teenie-Image
Der entscheidende (positiven) Karriereknick kam mit Euphoria. Als Nate Jacobs spielte Elordi keinen charmanten Romcom-Typen mehr, sondern eine Figur voller Wut, Kontrolle, Unsicherheit und toxischer Männlichkeit. Genau dieser Rollenwechsel half ihm, aus dem Netflix-Image auszubrechen. Plötzlich ging es nicht mehr nur darum, wie er aussieht, sondern darum, wie unangenehm, gefährlich und verletzlich er eine Figur wirken lassen kann.
Danach wurde seine Rollenauswahl deutlich mutiger. In Priscilla spielte er Elvis Presley nicht als reinen Mythos, sondern als magnetische und zugleich kontrollierende Figur. In Saltburn wurde er als Felix Catton zum perfekten Symbol für Schönheit, Reichtum und Unerreichbarkeit.
Und mit Frankenstein gelang ihm 2025 endgültig der Sprung in die Prestige-Liga: Als Kreatur in Guillermo del Toros Neuinterpretation wurde Elordi unter Prothesen, Narben und Make-up fast unkenntlich – und genau dadurch als Schauspieler sichtbarer denn je. Netflix beschreibt den Film als Neuinterpretation von Mary Shelleys Klassiker über einen Wissenschaftler und seine Schöpfung.
2026 ist sein bisher größtes Karrierejahr
Aus heutiger Sicht ist 2026 für Elordi ein echtes Meilenstein-Jahr. Für Frankenstein erhielt er eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller; laut offizieller Academy-Liste ging der Preis zwar an Sean Penn für One Battle after Another, aber allein die Nominierung markierte Elordi als ernstzunehmenden Charakterdarsteller.
Parallel wurde er bei den Golden Globes gleich doppelt nominiert: einmal für Frankenstein und einmal für die Miniserie The Narrow Road to the Deep North. Für letztere gewann er bei den AACTA Awards 2026 außerdem den Preis als bester Hauptdarsteller in einem Drama.
Auch im Kino blieb er 2026 präsent: In Emerald Fennells Wuthering Heights – Sturmhöhe spielte er Heathcliff an der Seite von Margot Robbie. Der Film kam in Deutschland am 12. Februar 2026 in die Kinos und zeigte Elordi erneut in einer Rolle, die weniger auf Sympathie als auf Intensität, Obsession und dunkle Romantik setzt.
Von Heath Ledger inspiriert
Ein wichtiger Teil von Elordis Schauspielmythos führt zurück zu einem anderen australischen Star: Heath Ledger. Elordi hat mehrfach erzählt, wie stark ihn Ledgers Joker in The Dark Knight geprägt hat. Als Kind habe er in dieser Performance gesehen, dass ein australischer Schauspieler in Hollywood nicht nur mitspielen, sondern eine Rolle komplett neu definieren kann.
Besonders emotional wurde diese Verbindung im Umfeld seiner Oscar-Nominierung für Frankenstein. Elordi dankte Ledger öffentlich für diese Inspiration und verwies darauf, wie sehr Ledgers Arbeit seinen eigenen Traum vom Schauspiel beeinflusst habe. Der Vergleich ist natürlich groß, vielleicht sogar gefährlich groß – aber er zeigt gut, wonach Elordi sucht: Rollen, die nicht nur gut aussehen, sondern sich riskant anfühlen.
Politisches und soziales Engagement
Sozial wird Elordi vor allem dann greifbar, wenn er über Männlichkeitsbilder, Homophobie und öffentlichen Druck spricht. In einem Interview erzählte er, dass Mitschüler ihn wegen seiner frühen Theaterleidenschaft homophob beleidigten. Statt sich davon abbringen zu lassen, habe er den künstlerischen Ausdruck und auch das Spiel mit Weiblichkeit eher angenommen. Gerade im Kontrast zu seiner Rolle als Nate Jacobs in Euphoria wirkt das wie eine bewusste Auseinandersetzung mit toxischer Männlichkeit.
Auch seine Rollenauswahl trägt soziale Themen mit. On Swift Horses behandelt Begehren, Identität und queere Selbstfindung in den 1950er-Jahren; Euphoria zeigt Gewalt, Scham, Sexualität und mentale Krisen; Frankenstein erzählt von Ausgrenzung, Einsamkeit und der Frage, wer überhaupt als Mensch gesehen wird. Das ist nicht dasselbe wie Aktivismus – aber es zeigt, dass Elordi sich zunehmend für Stoffe entscheidet, die gesellschaftliche Reibung nicht meiden.
Warum Jacob Elordi spannend bleibt
Jacob Elordi ist 2026 längst mehr als der Typ aus The Kissing Booth. Sein Karriereweg wirkt fast wie eine bewusste Flucht nach vorne: weg vom Posterboy, hin zu gebrochenen Figuren, literarischen Stoffen, Arthouse-Regisseuren und körperlich extremen Rollen. Dabei bleibt er öffentlich eher kontrolliert, manchmal fast altmodisch: wenig Social Media, wenig Dauerverfügbarkeit, viel Fokus auf Arbeit.
Genau das macht ihn an seinem 29. Geburtstag so interessant. Elordi steht an einem Punkt, an dem Hollywood ihn nicht mehr nur als schönen jungen Star verkaufen kann. Er hat inzwischen bewiesen, dass hinter dem Hype ein Schauspieler steckt, der bereit ist, sich hässlich, verletzlich, unangenehm und fremd zu machen. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Ledger-Lektion: Nicht der Star bleibt hängen, sondern die Verwandlung.
