Ihre Karriere begann schon vor Wednesday und wird noch lange danach nachhallen.
Jenna Ortega feiert am 27. September 2026 ihren 24. Geburtstag. Mit Wednesday wurde sie zu einem der größten Stars ihrer Generation, doch ihre Karriere begann schon lange vor der Nevermore Academy. Dass ihr die makabre Addams-Tochter so gut liegt, erscheint rückblickend fast logisch: Als Kind untersuchte Ortega tote Eidechsen aus ihrem Garten – und während der Dreharbeiten zur Serie musste sie sogar ihre langjährige vegane Ernährung umstellen.
Ein früher Traum und eine hartnäckige Mutter
Jenna Marie Ortega wurde am 27. September 2002 im kalifornischen Coachella Valley geboren und wuchs in La Quinta auf. Sie ist das vierte von sechs Kindern. Ihr Vater hat mexikanische Wurzeln, ihre Mutter stammt aus einer mexikanisch-puerto-ricanischen Familie und arbeitete als Krankenschwester in einer Notaufnahme.
Schon im Alter von sechs Jahren wollte Ortega Schauspielerin werden. Besonders beeindruckte sie Dakota Fanning in Mann unter Feuer. Ortega analysierte den Film immer wieder und fasste den Plan, selbst vor die Kamera zu treten. Ihre Eltern waren zunächst skeptisch. Erst Jahre später postete ihre Mutter ein Video im Internet, in dem Jenna einen Monolog spielte. Eine Castingagentin wurde darauf aufmerksam.
Mit neun Jahren erhielt Ortega ihre ersten professionellen Rollen. Es folgten kleine Auftritte in Serien und Filmen wie CSI: NY und Iron Man 3. Einen größeren Bekanntheitsschub brachte ihr die Rolle der jungen Jane in Jane the Virgin. Von 2016 bis 2018 spielte sie anschließend Harley Diaz in der Disney-Serie Mittendrin und kein Entkommen.
Das schwierige Leben als Kinderstar
Ortega arbeitete schon in einem Alter, in dem andere Kinder ihren Alltag hauptsächlich zwischen Schule, Freunden und Familie verbrachten. Castings und Dreharbeiten bedeuteten lange Fahrten durch Kalifornien, Unterricht am Set und ein frühes Leben unter Erwachsenen. Später sagte sie, dass sie dadurch schneller habe erwachsen werden müssen.
Als junge Latina stieß sie zusätzlich auf ein begrenztes Rollenangebot. Viele Figuren waren stereotyp angelegt, und Hauptrollen für mexikanisch-amerikanische Mädchen blieben selten. Ortega sprach deshalb immer wieder darüber, wie wichtig Repräsentation ist. Ihr Disney-Erfolg öffnete Türen, brachte aber auch die Gefahr mit sich, dauerhaft auf harmlose Familienunterhaltung festgelegt zu werden.
Der Übergang zu erwachseneren Rollen gelang ihr mit der Netflix-Serie You – Du wirst mich lieben. Als Ellie Alves zeigte sie eine härtere und verletzlichere Seite. Es folgten The Babysitter: Killer Queen und Yes Day. Im Drama The Fallout spielte sie eine Schülerin, die nach einem Amoklauf versucht, mit ihrem Trauma weiterzuleben. Die zurückgenommene Darstellung brachte ihr starke Kritiken und bewies, dass ihre Karriere weit über frühere Disney-Rollen hinausgehen würde.
Warum Horror so gut zu Jenna Ortega passt
Mit Scream, X und Scream VI wurde Ortega innerhalb kurzer Zeit zu einem der bekanntesten Gesichter des modernen Horrorkinos. Medien bezeichneten sie schnell als Scream Queen der Generation Z. Sie selbst erklärte ihre Vorliebe für düstere Stoffe damit, dass Horror am Set oft überraschend spielerisch sei. Kunstblut, Verfolgungsjagden und scheinbar grausame Szenen hätten hinter der Kamera häufig etwas Absurdes und Lustiges.
Ortega sucht Figuren, die widersprüchlich sein dürfen. Ihre Charaktere sind selten bloße Opfer. Sie wehren sich, treffen schwierige Entscheidungen und tragen häufig einen sehr trockenen Humor in sich. Diese Mischung wurde schließlich zur perfekten Vorbereitung auf die Rolle, die ihr Leben verändern sollte.
Als Kind führte sie Autopsien an kleinen Tieren durch
Ortegas Interesse am Makabren begann offenbar deutlich vor ihrer Horrorkarriere. In einem WIRED-Interview aus dem Jahr 2022 erzählte sie, dass sie als Kind Autopsien an kleinen toten Tieren durchgeführt habe. Als Beispiel nannte sie Eidechsen, die sie bereits tot in ihrem Garten gefunden hatte.
Sie beschrieb sich dabei selbst augenzwinkernd als seltsam. Wichtig ist allerdings die Einordnung: Ortega tötete die Tiere nach ihrer Darstellung nicht. Sie fand die Kadaver und untersuchte sie aus kindlicher Neugier. Was in Schlagzeilen schnell nach einer Vorgeschichte für Wednesday Addams klingt, war offenbar eine frühe Faszination für Anatomie und das Unheimliche.
Ganz allein war sie mit diesem Interesse vermutlich nicht. Ihre Mutter arbeitete in der Notaufnahme, und Ortega wuchs mit medizinischen Themen näher auf als viele andere Kinder. Trotzdem ist es schwer, eine passendere Kindheitsanekdote für die spätere Darstellerin von Wednesday Addams zu erfinden.
Wednesday macht sie zum Weltstar
2021 wurde Ortega als Wednesday Addams in Tim Burtons Netflix-Serie Wednesday besetzt. Für die Rolle lernte sie unter anderem Cello, Fechten, Bogenschießen und Deutsch. Ihre Wednesday blinzelte kaum, bewegte sich kontrolliert und sprach mit einer Präzision, die selbst harmlose Sätze wie Drohungen klingen ließ.
Besonders berühmt wurde die Tanzszene der vierten Episode. Ortega entwickelte die eigenwillige Choreografie selbst und ließ sich dabei unter anderem von alten Aufnahmen gothischer Tänzer und der ursprünglichen Wednesday-Darstellerin Lisa Loring inspirieren. Die Szene verbreitete sich weltweit in sozialen Netzwerken und machte aus einer ohnehin erfolgreichen Serie ein Popkulturphänomen.
Für ihre Leistung erhielt Ortega Nominierungen für den Emmy, den Golden Globe und den Screen Actors Guild Award. Sie war bei ihrer ersten Emmy-Nominierung erst 20 Jahre alt und damit eine der jüngsten Nominierten, die es jemals in der Kategorie für Hauptdarstellerinnen einer Comedyserie gegeben hatte.
Für die Dreharbeiten gab sie ihre vegane Ernährung auf
Die erste Staffel von Wednesday wurde größtenteils in Rumänien gedreht. Dort änderte Ortega eine Gewohnheit, die sie lange gepflegt hatte: Sie ernährte sich nicht mehr vegan. Später erklärte sie, dass sich das Essen vor Ort stark von ihrer gewohnten Ernährung unterschieden habe und sie das Gefühl hatte, ihren Nährstoffbedarf nicht ausreichend zu decken.
Deshalb begann sie wieder Fisch zu essen und bezeichnete sich anschließend als Pescetarierin. Die Produktion zwang sie also nicht im wörtlichen Sinn dazu, tierische Lebensmittel zu essen. Die Bedingungen während des langen Auslandsdrehs machten es für sie jedoch schwierig, eine ausgewogene vegane Ernährung beizubehalten.
Die oft verbreitete Formulierung, Ortega habe für Wednesday ihre vegane Ernährung aufgeben müssen, ist damit nur verkürzt richtig. Es ging weder um eine Rolle, für die sie Fisch essen sollte, noch um eine Anweisung von Netflix. Ortega traf die Entscheidung selbst, weil sie ihre Ernährung während der körperlich fordernden Dreharbeiten für nicht ausreichend hielt.
Mehr Einfluss hinter der Kamera
Nach dem Erfolg der ersten Staffel wollte Ortega stärker an der kreativen Ausrichtung der Serie beteiligt sein. In der zweiten Staffel von Wednesday, die 2025 erschien, übernahm sie deshalb zusätzlich eine Produzentenrolle. Sie beteiligte sich an Gesprächen über Drehbücher, Besetzung, Prothesen und visuelle Details.
Die neuen Folgen rückten Horror und die komplizierten Beziehungen innerhalb der Addams-Familie stärker in den Mittelpunkt. Romanzen spielten eine kleinere Rolle. Für Ortega bedeutete die zusätzliche Verantwortung nach eigenen Angaben, ihre Meinung offener einbringen zu können und den gesamten Produktionsprozess besser zu verstehen.
Eine dritte Staffel befindet sich 2026 in Produktion. Netflix deutete bereits einen Abstecher nach Paris an. Ortega bleibt dabei nicht nur Hauptdarstellerin, sondern eine der kreativen Schlüsselfiguren der Serie. Aus dem ehemaligen Kinderstar ist damit innerhalb weniger Jahre auch eine Produzentin geworden.
Zwischen Blockbustern und ungewöhnlichen Projekten
Auch im Kino baute Ortega ihren Einfluss aus. In Tim Burtons Beetlejuice Beetlejuice spielte sie Astrid, die Tochter von Lydia Deetz. Der Film wurde 2024 zu einem großen kommerziellen Erfolg. Daneben wählte sie bewusst kleinere und ungewöhnlichere Stoffe wie Miller’s Girl, Death of a Unicorn und Hurry Up Tomorrow.
2026 war sie zudem an The Gallerist beteiligt, einer schwarzen Komödie mit Natalie Portman. Ortega hat mehrfach erklärt, langfristig auch Regie führen zu wollen. Seit ihrer Jugend arbeitet sie an einem eigenen Drehbuch, das sie eines Tages selbst inszenieren möchte.
Engagement gegen Diskriminierung und HIV-Stigma
Ortega nutzt ihre Reichweite auch für gesellschaftliche Themen. Sie setzt sich für die Rechte von Einwanderern, gegen Diskriminierung und für eine bessere Repräsentation von Latinas und Latinos in Hollywood ein. 2018 trug sie bei den Radio Disney Music Awards eine Jacke mit einer Botschaft gegen die Gleichgültigkeit gegenüber getrennten Einwandererfamilien.
Besonders persönlich ist ihr Engagement im Kampf gegen HIV und AIDS. Ihr Großvater starb an den Folgen von AIDS. Gemeinsam mit UNAIDS ermutigte Ortega junge Menschen, über HIV zu sprechen, Vorurteile abzubauen und sich für Prävention und Behandlung einzusetzen.
Mit 24 längst mehr als Wednesday Addams
Jenna Ortega hat in wenigen Jahren einen bemerkenswerten Wandel vollzogen: vom Disney-Kinderstar zur gefeierten Horrordarstellerin, Produzentin und möglichen zukünftigen Regisseurin. Ihr Erfolg beruht nicht nur auf ihrem düsteren Image, sondern auf einer sehr kontrollierten Spielweise, klaren kreativen Vorstellungen und der Bereitschaft, Rollen auch öffentlich zu hinterfragen.
Die Autopsien an toten Eidechsen und ihre Ernährungsumstellung in Rumänien sind perfekte kuriose Randnotizen. Entscheidend ist jedoch, wie konsequent Ortega ihren eigenen Weg verfolgt. Mit 24 Jahren steht sie nicht mehr nur vor der Kamera – sie beginnt zunehmend mitzubestimmen, was dahinter passiert.
