Lachen ist die beste Medizin? Manchmal genau das Gegenteil!
Ein toter Papagei, absurde Gangarten und ein Hotelier am Rande des Nervenzusammenbruchs: John Cleese hat Figuren und Szenen geschaffen, die Generationen zum Lachen bringen. Heute, am 27. Oktober 2026, feiert der britische Komiker, Schauspieler und Drehbuchautor seinen 87. Geburtstag. Sein Lebenswerk umfasst allerdings weit mehr als legendäre Pointen – und eine Geschichte, in der das Lachen angeblich tödlich endete.
Von der Juristerei zur großen Komödie
John Marwood Cleese wurde am 27. Oktober 1939 im englischen Weston-super-Mare geboren. Sein Weg führte ihn zunächst ans Clifton College in Bristol und anschließend zum Jurastudium nach Cambridge. Dort entdeckte er bei der studentischen Theatergruppe Footlights die Bühne als sein eigentliches Revier. Auch die Zusammenarbeit mit Graham Chapman, seinem späteren Partner bei Monty Python, nahm hier ihren Anfang.
Statt eine juristische Laufbahn einzuschlagen, arbeitete Cleese als Autor und Darsteller. In den 1960er-Jahren machte er unter anderem mit der britischen Satiresendung The Frost Report auf sich aufmerksam. Schon damals zeichnete sich seine besondere Stärke ab: Mit aufrechter Haltung, strengem Blick und scheinbar unerschütterlicher Ernsthaftigkeit konnte er selbst den größten Unsinn vollkommen selbstverständlich erscheinen lassen.
Monty Python: Die gepflegte Demontage der Autorität
1969 gründete Cleese gemeinsam mit Graham Chapman, Eric Idle, Terry Gilliam, Terry Jones und Michael Palin die Gruppe Monty Python. Mit Monty Python’s Flying Circus veränderten die sechs Komiker die Regeln der Fernsehunterhaltung. Sketche brauchten plötzlich keine ordentliche Schlusspointe mehr, Figuren unterbrachen andere Szenen, und bürokratische Logik führte zuverlässig ins Absurde.
Cleese wurde dabei zum idealen Darsteller einer Autorität, die an ihrer eigenen Starrheit scheitert. Im Ministerium für alberne Gangarten verwandelte er den Körper eines britischen Beamten in einen widerspenstiges Bewegungsapparat. Im berühmten Papageien-Sketch versuchte er als zunehmend verzweifelter Kunde, einem Verkäufer die offensichtliche Tatsache begreiflich zu machen, dass dessen Vogel tot ist.
Auch im Kino prägte die Gruppe den britischen Humor: Die Ritter der Kokosnuß von 1975 zerlegte den Artusmythos, Das Leben des Brian von 1979 nahm religiösen Fanatismus und politische Gruppenkämpfe auseinander. Mit Der Sinn des Lebens folgte 1983 eine weitere Sammlung respektloser Betrachtungen über die menschliche Existenz. Hinter dem Nonsens steckte häufig ein genauer Blick auf Macht, Mitläufertum und gesellschaftliche Konventionen.
Zwölf Folgen für die Fernsehgeschichte
Einen weiteren Klassiker schuf Cleese mit Connie Booth, seiner damaligen Ehefrau: Das verrückte Hotel – Fawlty Towers. In der 1975 und 1979 ausgestrahlten Serie spielte er Basil Fawlty, einen Hotelbesitzer, dessen gesellschaftlicher Ehrgeiz nur von seiner Unfähigkeit übertroffen wird, freundlich mit Gästen umzugehen.
Lediglich zwölf Folgen entstanden. Ihr komischer Motor funktioniert bis heute: Basil will unbedingt die Kontrolle behalten und verursacht mit jeder Lüge, jedem Vorurteil und jedem Wutausbruch das nächste Desaster. Cleese verband dabei sprachliche Präzision mit einer Körperkomik, die aus einem steifen Gentleman binnen Sekunden ein herumfuchtelndes Nervenbündel machte.
Seine Zusammenarbeit mit Booth überdauerte sogar die Ehe: Die beiden ließen sich 1978 scheiden und schrieben dennoch die zweite Staffel gemeinsam. Aus der Ehe stammt Tochter Cynthia; mit seiner zweiten Frau Barbara Trentham bekam Cleese Tochter Camilla. Insgesamt war er viermal verheiratet. 2012 heiratete er Jennifer Wade.
Ein Fisch, ein Oscar-Erfolg und Hollywood
Mit Ein Fisch namens Wanda gelang Cleese 1988 einer seiner größten Kinoerfolge außerhalb von Monty Python. Unter der Regie von Charles Crichton spielte er den gehemmten Anwalt Archie Leach, der in die Intrigen einer chaotischen Verbrechergruppe gerät. Neben ihm standen Jamie Lee Curtis, Kevin Kline und Michael Palin vor der Kamera.
Die Komödie brachte Cleese einen BAFTA als bester Hauptdarsteller und gemeinsam mit Crichton eine Oscar-Nominierung für das Originaldrehbuch ein. Den Oscar gewann Kevin Kline für seine Nebenrolle als ebenso aggressiver wie selbstüberschätzter Otto.
Später erreichte Cleese weitere Publikumsgenerationen: als Technikexperte in James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug und James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag, als Fast Kopfloser Nick in Harry Potter und der Stein der Weisen sowie Harry Potter und die Kammer des Schreckens. Im englischen Original von Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück lieh er König Harold seine Stimme.
Ole Bentzen – der Mann, der vor Lachen starb
Zu Ein Fisch namens Wanda gehört eine makabre Geschichte: Der 56-jährige dänische Audiologe Ole Bentzen soll 1989 während einer Vorführung nach heftigem Lachen gestorben sein. Während der Szene, in der Michael Palins Figur Ken Pommes in die Nase gesteckt bekommt, habe Bentzen so sehr lachen müssen und damit die Kontraktion Herzmuskeln so stark beschleunigt, dass das Organ daran gehindert wurde, genügend Blut ins Gehirn zu pumpen.
Die Geschichte, die damals wie heute immer wieder von Medien aufgegriffen wird, ist einer von mehreren belegten Fällen in der Menschheitsgeschichte, in welchen sich einen Person wirklich "zu Tode lachte". Konsequenzen hatte dies für Cleese oder die Filmemacher aber selbstverständlich nicht.
Humor im Dienst der Menschenrechte
Cleese setzte seine Bekanntheit früh auch für gesellschaftliche Anliegen ein. Ab 1976 gehörte er zu den treibenden Kräften hinter den Benefizveranstaltungen für Amnesty International, die später unter dem Namen Secret Policeman’s Ball bekannt wurden. Gemeinsam mit anderen Künstlern half er, Geld und Aufmerksamkeit für die Menschenrechtsarbeit der Organisation zu gewinnen.
Das Engagement verband Unterhaltung mit einem konkreten Anliegen: Ein Publikum, das wegen der Komiker kam, begegnete zugleich dem Einsatz gegen Folter und politische Verfolgung. Die Veranstaltungen wurden zu einem wichtigen Vorbild für weitere Benefizprojekte der Unterhaltungsbranche.
Daneben unterstützte Cleese den Schutz von Lemuren. Für das Duke Lemur Center sprach er unter anderem Werbefilme für ein symbolisches Patenschaftsprogramm ein, das die Arbeit mit den bedrohten Primaten unterstützt.
Auch psychologische Fragen beschäftigten ihn über Jahrzehnte. Gemeinsam mit dem Psychiater und Familientherapeuten Robin Skynner verfasste er Bücher über Beziehungen und menschliches Verhalten. Dabei übernahm Cleese die Rolle des neugierigen Gesprächspartners, der Fachwissen mit Fragen aus dem Alltag zugänglich machte.
Politisch engagiert – und zunehmend umstritten
Parteipolitisch stand Cleese lange dem britischen sozialliberalen Lager nahe. Er unterstützte zunächst die SDP und später die Liberal Democrats, für die er auch Wahlwerbung machte. Zu seinen Anliegen gehörte eine Reform des britischen Wahlsystems.
Seine späteren Positionen passten allerdings immer weniger zu diesem früheren politischen Umfeld. 2016 sprach er sich für den Brexit aus. Außerdem profilierte er sich als Kritiker politischer Korrektheit und warnte vor Einschränkungen der künstlerischen Freiheit durch die Angst, Anstoß zu erregen.
Widerspruch lösten besonders seine Äußerungen über kulturelle Identität und Einwanderung aus. 2019 erklärte er erneut, London sei keine wirklich englische Stadt mehr. Kritiker warfen ihm Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit vor; Cleese wies solche Deutungen zurück.
2026 bekundete er öffentlich seine Unterstützung für Rupert Lowe, den Gründer der weit rechts stehenden Partei Restore Britain. Weitere Aussagen über vermeintlich überlegene Kulturen und eine Bedrohung britischer Werte durch islamische Glaubensvorstellungen verschärften die Kontroverse. Cleese bestritt Rassismusvorwürfe. Für viele frühere Bewunderer stehen diese Positionen dennoch in einem schwer auflösbaren Spannungsverhältnis zu seinem früheren politischen Engagement.
Ein Werk, das seinen Schöpfer überragt
John Cleeses 87. Geburtstag bietet damit Anlass für Bewunderung und kritische Betrachtung zugleich. Sein Einsatz für Menschenrechte gehört zu seiner Biografie ebenso wie politische Äußerungen, die deutlichen Widerspruch verdienen.
Seine komische Leistung bleibt außergewöhnlich: Cleese machte aus verletztem Stolz, gesellschaftlicher Verkrampfung und dem verzweifelten Wunsch nach Kontrolle große Unterhaltung. Seine berühmtesten Figuren sind besonders komisch, wenn sie sich ihrer eigenen Vernunft absolut sicher sind – und das Publikum längst erkannt hat, wie gründlich sie sich irren
