Glenn Close gilt als Prototyp Hollywood-Diva – und das auch absolut verdient.
Glenn Close wird heute 79 Jahre alt. Kaum eine Schauspielerin ihrer Generation steht so sehr für künstlerische Konsequenz, Wandlungsfähigkeit und eine beeindruckende Bühnen- wie Filmkarriere. Sie ist eine der großen Diven Hollywoods – ohne je divenhaft zu wirken.
Aus der religiösen Enge in die künstlerische Freiheit
Geboren 1947 in Greenwich, Connecticut, wuchs Close in einer streng religiösen Gemeinschaft auf, die sie später als prägend, aber auch einengend beschrieb. Erst in ihren Zwanzigern fand sie zur Schauspielerei – und damit zu jener Freiheit, die ihr Leben bestimmen sollte. Anders als viele Kolleginnen wurde sie kein früher Kinderstar. Ihr Weg führte zunächst über das Theater, wo sie sich in den 1970er-Jahren einen Namen am Broadway machte und mehrere Tony Awards gewann.
Ihr Filmdebüt gab sie 1982 in The World According to Garp – und wurde prompt für den Oscar nominiert. Es war der Beginn einer außergewöhnlichen Leinwandkarriere. In Fatal Attraction schuf sie mit Alex Forrest eine der ikonischsten Figuren der Filmgeschichte: eine Frau zwischen Leidenschaft, Verletzlichkeit und Obsession. Der Film wurde zum kulturellen Phänomen – und Close zur Meisterin komplexer, ambivalenter Frauenrollen.
Nur ein Jahr später folgte mit der manipulativen Marquise de Merteuil in Dangerous Liaisons eine weitere Glanzleistung. Ihre Darstellung war kühl, intelligent und von aristokratischer Präzision – ein Gegenentwurf zu einfachen Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Glenn Close spielte nie bloß Bösewichte. Sie spielte Menschen mit Brüchen, Motiven und inneren Konflikten.
Die Definition der warmherzigen Hollywood-Diva
Auch leichtere Töne beherrschte sie mühelos: Als exzentrische Cruella de Vil in Disneys 101 Dalmatiner bewies sie Sinn für Überzeichnung und Humor. Gleichzeitig blieb sie stets dem anspruchsvollen Stoff treu – etwa in Albert Nobbs, einem Herzensprojekt, das sie jahrzehntelang vorbereitete und produzierte.
Trotz zahlreicher Oscar-Nominierungen – sie gehört zu den meistnominierten Schauspielerinnen ohne Gewinn – haftet ihrer Karriere nichts Unvollendetes an. Im Gegenteil: Glenn Close gilt als Inbegriff schauspielerischer Exzellenz. Preise sind Momentaufnahmen, ihr Werk ist bleibend.
In den vergangenen Jahren beeindruckte sie erneut mit Rollen, die Altersklischees sprengten. Ob als komplexe Mutterfigur oder als vielschichtige Charakterdarstellerin in Serien – Close zeigt, dass starke Frauenfiguren kein Verfallsdatum kennen.
Engagement für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen
Neben ihrer künstlerischen Arbeit engagiert sie sich seit vielen Jahren für psychische Gesundheit. Inspiriert durch die Erfahrungen in ihrer eigenen Familie gründete sie die Organisation Bring Change to Mind, die sich für Aufklärung und Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen einsetzt. Offen spricht sie über Depressionen und bipolare Störungen im familiären Umfeld – und nutzt ihre Bekanntheit, um Dialoge anzustoßen.
Privat beschreibt sich Glenn Close als unabhängigen Geist. Sie war dreimal verheiratet, ist Mutter einer Tochter und lebt heute zurückgezogen, wenn sie nicht gerade dreht oder auf der Bühne steht. Ihre Interviews sind geprägt von kluger Selbstreflexion, Humor und einem feinen Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen.
Mit 79 Jahren steht Glenn Close für eine Schauspielkunst, die nie laut sein musste, um kraftvoll zu wirken. Sie verkörpert Frauen, die denken, fühlen, kämpfen – und dabei immer menschlich bleiben.