Karl Lagerfeld wäre heute 93: Der Allvater des Modehimmels und das Tier, das alles vermacht bekam

Ein Punk der Motto, dessen Schneiderschere so scharf wie seine Zunge war.

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Er wollte Mode nicht einfach gestalten, sondern immer wieder neu erfinden. | © Lagerfeld / Instagram

Am 10. September 2026 wäre Karl Lagerfeld 93 Jahre alt geworden. Der gebürtige Hamburger gehörte über Jahrzehnte zu den prägendsten Persönlichkeiten der internationalen Modewelt. Mit seinen Entwürfen modernisierte er traditionsreiche Marken, gleichzeitig machte er sich selbst zur unverkennbaren Kunstfigur.

Weißer Zopf, dunkle Sonnenbrille, hoher Kragen und fingerlose Handschuhe: Lagerfelds Erscheinungsbild war mindestens so berühmt wie viele seiner Kollektionen. Zu seinem posthumen Geburtstag blicken wir auf seinen Weg von Hamburg nach Paris, seinen Aufstieg bei Chanel und Fendi, seine zahlreichen kreativen Projekte – aber auch auf die Kontroversen, die bis heute Teil seines Vermächtnisses sind.

Von Hamburg in die Pariser Modewelt

Karl Lagerfeld wurde am 10. September 1933 in Hamburg geboren. Schon früh interessierte er sich für Zeichnungen, Kleidung und Kunst. Als Jugendlicher zog es ihn nach Paris, wo er Mitte der 1950er-Jahre einen wichtigen ersten Erfolg feierte: Bei einem Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats wurde ein von ihm entworfener Mantel ausgezeichnet.

Der Preis öffnete ihm die Tür zur professionellen Modebranche. Lagerfeld arbeitete zunächst für Pierre Balmain und anschließend für Jean Patou. Später entwarf er unter anderem für Chloé und begann 1965 seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem italienischen Modehaus Fendi.

Statt sich dauerhaft an eine einzige Marke zu binden, arbeitete Lagerfeld zeitweise wie ein kreativer Freigeist zwischen verschiedenen Häusern. Diese Vielseitigkeit wurde zu einem zentralen Bestandteil seiner Karriere. Er griff historische Formen auf, kombinierte sie mit aktuellen Einflüssen und wechselte scheinbar mühelos zwischen Haute Couture, Prêt-à-porter, Fotografie und kommerziellen Kooperationen.

Wie Lagerfeld Chanel wieder relevant machte

Seinen wohl größten Einfluss entwickelte Lagerfeld ab 1983 als künstlerischer Leiter von Chanel. Das traditionsreiche französische Modehaus galt damals zwar noch immer als legendär, hatte nach dem Tod seiner Gründerin Coco Chanel aber deutlich an Strahlkraft verloren.

Lagerfeld behandelte das Archiv der Marke nicht wie ein Museum. Er nahm bekannte Chanel-Codes wie Tweed, Perlenketten, die Kamelie und das verschlungene Doppel-C und übersetzte sie in immer neue Kollektionen. Klassische Kostüme wurden kürzer, auffälliger oder mit Elementen aus Streetwear und Popkultur kombiniert.

Auch die Präsentation der Mode wurde unter seiner Leitung zunehmend spektakulär. Für Chanel ließ Lagerfeld das Pariser Grand Palais unter anderem in einen Supermarkt, einen Flughafen, ein Casino oder eine Raumstation verwandeln. Die Modenschauen entwickelten sich dadurch zu global beachteten Inszenierungen, deren Bilder weit über die eigentliche Branche hinaus verbreitet wurden.

Designer, Fotograf und eigene Marke

Während Lagerfeld Chanel modernisierte, blieb er auch Fendi bis zu seinem Tod verbunden. Gleichzeitig baute er seine eigene Marke Karl Lagerfeld auf. Hinzu kamen Parfüms, Accessoires, Bücher, Illustrationen und zahlreiche Kooperationen.

Besonders große Aufmerksamkeit erzeugte 2004 seine Zusammenarbeit mit H&M. Die Kollektion brachte einen Namen aus der Luxusmode zu vergleichsweise erschwinglichen Preisen in die Geschäfte und war innerhalb kurzer Zeit weitgehend ausverkauft. Das Konzept prominenter Designer-Kooperationen wurde anschließend zu einem festen Bestandteil der Strategie des Modekonzerns.

Lagerfeld arbeitete außerdem intensiv als Fotograf und inszenierte zahlreiche Kampagnen selbst. Seine Interessen reichten von Architektur und Literatur bis zur Werbung. Er sammelte Bücher in riesigen Mengen, betrieb mit 7L eine eigene Buchhandlung in Paris und veröffentlichte Fotobände sowie weitere Publikationen.

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Seinen Wiedererkennungswert überließ Lagerfeld nicht dem Zufall: Er gestaltete auch die eigene Erscheinung bis ins Detail. | © Lagerfeld / Instagram

Die problematische Seite der Modeikone

Zu Lagerfelds öffentlicher Rolle gehörte eine bewusst gepflegte Schärfe. In Interviews antwortete er häufig zugespitzt, provokant und ohne erkennbare Sorge darum, wen er damit gegen sich aufbrachte. Nicht jede dieser Aussagen lässt sich jedoch als exzentrischer Humor abtun.

Mehrfach geriet Lagerfeld wegen abwertender Äußerungen über Körpergewicht, Models, die MeToo-Bewegung, Geflüchtete und andere gesellschaftliche Themen in die Kritik. Seine Kommentare wurden als verletzend, frauenfeindlich oder elitär wahrgenommen. Damit hinterließ er neben seinen kreativen Leistungen auch ein Vermächtnis, das kontrovers diskutiert wird.

Diese Widersprüche gehören zu einer zeitgemäßen Betrachtung seiner Person dazu: Lagerfeld war ein außergewöhnlich produktiver Gestalter und zugleich eine öffentliche Figur, deren Aussagen wiederholt Grenzen überschritten.

Choupette wurde selbst zum Star

Auch abseits der Mode sorgte Lagerfeld für Schlagzeilen – besonders durch seine enge Verbindung zu Choupette. Die Heilige-Birma-Katze lebte bei ihm unter ausgesprochen luxuriösen Bedingungen und entwickelte sich mit eigenen Social-Media-Auftritten, Fotoshootings und Werbekooperationen selbst zu einer kleinen Berühmtheit.

Nach Lagerfelds Tod verbreitete sich schnell die Geschichte, Choupette habe einen großen Teil seines Vermögens geerbt. Tatsächlich hatte der Designer öffentlich erklärt, für ihre Versorgung vorgesorgt zu haben. Wie sein Nachlass genau geregelt wurde, ist jedoch nicht vollständig bekannt. Zudem kann eine Katze nach französischem Recht nicht direkt als Erbin eingesetzt werden. Choupettes Betreuerin erklärte 2026 sogar, bislang nichts aus Lagerfelds Nachlass erhalten zu haben.

Unabhängig von den Spekulationen blieb Choupette ein wichtiger Teil der von Lagerfeld geschaffenen Welt. Noch Jahre nach seinem Tod tritt sie bei ausgewählten Kampagnen und öffentlichen Anlässen in Erscheinung.

Ein Einfluss, der über einzelne Kollektionen hinausgeht

Karl Lagerfeld starb am 19. Februar 2019 im Alter von 85 Jahren. Sein Tod beendete eine Karriere, die sich über mehr als sechs Jahrzehnte erstreckt hatte. Bei Chanel folgte ihm Virginie Viard nach, während auch Fendi und seine eigene Marke ohne ihn weitergeführt wurden.

Sein Einfluss zeigt sich nicht nur in erhaltenen Kleidungsstücken oder berühmten Laufstegbildern. Lagerfeld demonstrierte, wie sich die Geschichte eines alten Modehauses bewahren und zugleich immer wieder neu vermarkten lässt. Er machte Modenschauen zu medialen Großereignissen, verband Luxus mit Popkultur und verstand früh, wie wichtig eine sofort erkennbare öffentliche Identität sein kann.

Am 10. September 2026 wäre Karl Lagerfeld 93 Jahre alt geworden. Sein Geburtstag erinnert an einen Designer, der die internationale Modewelt nachhaltig veränderte, sich selbst zu einer globalen Marke formte und dabei ebenso viel Bewunderung wie Widerspruch hervorrief. Gerade diese Mischung aus kreativer Leistung, kalkulierter Inszenierung und persönlicher Kontroverse sorgt dafür, dass sein Name bis heute präsent geblieben ist.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....