Die Titanic ging unter, doch Winslet Karriere ging damit erst so richtig aufwärts.
Kate Winslet hat einen Oscar gewonnen, doch wer die Trophäe bei ihr zu Hause sehen will, muss ins Badezimmer gehen. Die Schauspielerin bewahrte den Preis dort auf, damit Gäste ihn ungestört in die Hand nehmen und vor dem Spiegel ihre eigene Dankesrede halten konnten. Eine andere Geschichte aus ihrer Karriere klingt fast ebenso unwahrscheinlich: Für Avatar: The Way of Water hielt sie beim Tauchtraining mehr als sieben Minuten lang die Luft an. Heute wird Winslet 51 Jahre alt.
Vom Theaterumfeld auf die Kinoleinwand
Kate Winslet wurde am 5. Oktober 1975 im englischen Reading geboren. Ihre Eltern arbeiteten als Schauspieler, auch ihre Großeltern waren im Theater tätig. Schon früh stand für sie fest, dass sie selbst spielen wollte. Auf ihren Filmauftritt in Peter Jacksons Heavenly Creatures folgte Sinn und Sinnlichkeit, für den sie ihre erste Oscar-Nominierung erhielt.
1997 machte Titanic sie weltweit berühmt. Als Rose spielte sie eine junge Frau, die sich gegen die Zukunft wehrt, die andere für sie vorgesehen haben. Der gewaltige Erfolg hätte Winslet auf romantische Hauptrollen festlegen können. Stattdessen suchte sie immer wieder Figuren mit Widersprüchen: In Vergiss mein nicht! spielte sie die impulsive Clementine, in Zeiten des Aufruhrs eine Frau, deren Ehe und Lebensträume auseinanderdriften.
Warum der Oscar im Badezimmer stand
2009 gewann Winslet für Der Vorleser den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Bei ihrer Dankesrede erinnerte sie sich daran, wie sie als Kind vor dem Badezimmerspiegel einen solchen Moment geprobt hatte – damals mit einer Shampooflasche als Ersatz für die Trophäe. Jahre später bekam der echte Oscar einen Platz im Bad. Winslet erzählte, dass Besucher ihn dort anfassen und ihre eigene Rede ausprobieren konnten, ohne vor anderen um Erlaubnis fragen zu müssen.
Die Anekdote passt zu einer Schauspielerin, die große Auszeichnungen ernst nimmt, ihnen aber nicht ständig mit Ehrfurcht begegnen will. Ein Oscar ist etwas Besonderes. Im Badezimmer wird daraus für einen Moment auch ein Gegenstand, mit dem andere ihren Kindheitstraum nachspielen dürfen.
Sieben Minuten und 14 Sekunden ohne Atemzug
Für James Camerons Avatar: The Way of Water übernahm Winslet die Rolle der Ronal, einer Anführerin des Meeresvolkes der Metkayina. Viele Szenen wurden für die Bewegungserfassung tatsächlich unter Wasser gespielt.
Dafür trainierte die Besetzung das Freitauchen unter professioneller Aufsicht. Winslet sagte, sie habe ihre Luft dabei sieben Minuten und 14 Sekunden angehalten. Guinness World Records führt die Leistung mit sieben Minuten und 15 Sekunden – beide Angaben liegen also bei deutlich mehr als sieben Minuten.
Winslet sprach später auch darüber, wie wichtig die Betreuung beim Auftauchen ist. Ein solcher Atemversuch gehört in die Hände ausgebildeter Fachleute und war kein spontaner Wettbewerb am Filmset. Für sie war die Leistung Teil einer ungewöhnlichen schauspielerischen Aufgabe: Auch unter Wasser sollte Ronal als Figur glaubwürdig bleiben.
Neue Rollen, erstmals auch Regie
Winslet spielte in den vergangenen Jahren weiterhin Frauen, die sich einfachen Beschreibungen entziehen. In der Serie Mare of Easttown war sie eine erschöpfte Ermittlerin, in The Regime eine autoritäre Staatschefin. Für Die Fotografin verkörperte sie die Kriegsfotografin Lee Miller und setzte sich auch als Produzentin für das Projekt ein. 2025 gab sie mit dem Familiendrama Goodbye June ihr Regiedebüt. Das Drehbuch schrieb ihr Sohn Joe Anders.
Mit 51 Jahren reicht Winslets Karriere von Titanic bis zur eigenen Regiearbeit. Die Geschichten vom Oscar im Badezimmer und vom Tauchtraining zeigen zwei Seiten davon: Sie kann über den Ruhm lachen – und sich für eine Rolle mit erstaunlicher Ausdauer in eine völlig neue Arbeitsweise einarbeiten
