Zwischen dem Helden der griechischen Mythen und dem Verteidiger christlicher Werte.
Kevin Sorbo feiert am heutigen 24. September 2026 seinen 68. Geburtstag. Weltweit bekannt wurde er als griechischer Halbgott in Hercules. Dabei hätte seine Karriere völlig anders verlaufen können: Sorbo war als Superman und Fox Mulder im Gespräch. Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs erlitt er mehrere Schlaganfälle – woraufhin die Macher von Hercules den Titelhelden in einer Episode kurzerhand durch ein Schwein ersetzten.
Start als Model
Kevin David Sorbo wurde am 24. September 1958 in Mound im US-Bundesstaat Minnesota geboren. Er wuchs in einer lutherischen Familie auf und hat norwegische sowie italienische Wurzeln.
An der Minnesota State University Moorhead studierte Sorbo Marketing und Werbung. Um sein Studium zu finanzieren, arbeitete er zunächst als Model. In den 1980er-Jahren reiste er durch Europa und Australien und trat in zahlreichen Werbespots auf.
Nach eigenen Angaben war Sorbo im Laufe seiner frühen Karriere in mehr als 150 Werbeproduktionen zu sehen. Seine ersten kleineren Schauspielrollen erhielt er unter anderem in den Serien California Clan, Mord ist ihr Hobby und Der Polizeichef.
Zu Beginn der 1990er-Jahre fehlte ihm nur noch die eine Rolle, die ihn endgültig bekannt machen würde. Beinahe fand er sie gleich in zwei der größten Serienfiguren dieses Jahrzehnts.
Der Fast-Superman
1993 wurde Kevin Sorbo für die Rolle des Clark Kent in Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark in Betracht gezogen. Mit seinem Aussehen und seiner damaligen Erfahrung als Model brachte er einige der offensichtlichen Voraussetzungen für Superman mit.
Sorbo schaffte es im Casting weit und konkurrierte unter anderem mit Dean Cain. Die Produzenten entschieden sich schließlich für Cain, der Clark Kent und Superman zwischen 1993 und 1997 in insgesamt vier Staffeln verkörperte.
Für Sorbo wäre die Rolle vermutlich der direkte Einstieg in das Superheldengenre geworden. Statt Umhang und rotem S trat er wenig später allerdings mit langen Haaren, Lederhose und Keule vor die Kamera.
Ganz vom Superman-Universum hielt er sich später nicht fern. 2017 übernahm Sorbo in Supergirl die Rolle des außerirdischen Königs Lar Gand. Fast 25 Jahre nach seinem ursprünglichen Casting wurde er damit doch noch Teil einer Superman-Serie – allerdings als Gegenspieler und nicht als Mann aus Stahl.
Fünf Fernsehfilme machen Sorbo zu Hercules
1993 wurde Kevin Sorbo als Hercules für eine Reihe von Fernsehfilmen verpflichtet. Den Anfang machte Hercules und die Amazonen, gefolgt von vier weiteren Abenteuern. Anthony Quinn spielte darin Zeus, den Vater des griechischen Helden.
Die Filme präsentierten keine werkgetreue Umsetzung der griechischen Mythologie. Stattdessen kombinierten sie Fantasy, Action, Humor, Monster und moderne Dialoge. Sorbos Hercules war weniger tragischer Mythos als gut gelaunter Abenteurer, der Menschen vor Kriegsherren, Kreaturen und streitlustigen Göttern beschützte.
Die Einschaltquoten waren stark genug, um aus den Fernsehfilmen eine reguläre Serie zu entwickeln. 1995 startete Hercules, international bekannt als Hercules: The Legendary Journeys.
Hercules wird zu einem weltweiten Fernseherfolg
Die in Neuseeland produzierte Serie entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Syndication-Produktionen der 1990er-Jahre. Kevin Sorbo spielte Hercules als Mischung aus klassischem Helden, Actionstar und sympathischem Kumpel.
Die Serie nahm sich selbst selten vollständig ernst. Historische Epochen wurden vermischt, mythologische Figuren frei interpretiert und moderne Witze in das antike Griechenland eingebaut. Gerade diese Mischung machte Hercules für ein breites Publikum zugänglich.
An der Seite von Sorbo spielte Michael Hurst dessen Freund Iolaus. Wiederkehrende Gaststars wie Bruce Campbell als Autolycus verstärkten den humorvollen Abenteuercharakter.
Aus Hercules entstand außerdem das Spin-off Xena. Lucy Lawless’ Kriegerprinzessin war ursprünglich als Gegenspielerin eingeführt worden, wurde aber so beliebt, dass sie ihre eigene Serie erhielt. Xena entwickelte sich schließlich zu einem mindestens ebenso großen Kultphänomen wie die Mutterserie.
Ein realer Actionheld und drei Schlaganfälle
Die Dreharbeiten zu Hercules waren körperlich anspruchsvoll. Sorbo absolvierte zahlreiche Kampfszenen und einen großen Teil seiner Stunts. Sein muskulöses Erscheinungsbild wurde zu einem der wichtigsten Erkennungsmerkmale der Serie.
Zeitweise arbeitete der Schauspieler extrem lange Tage und drehte parallel weitere Projekte. 1997 übernahm er in Kull, der Eroberer seine erste große Kinohauptrolle. Der Fantasyfilm basierte lose auf einer Figur des Conan-Schöpfers Robert E. Howard.
Der Film konnte nicht an den Erfolg von Hercules anknüpfen. Wesentlich schwerwiegender waren jedoch die gesundheitlichen Probleme, die Sorbo während der damaligen Pressetour entwickelte.
1997 bemerkte Kevin Sorbo Schmerzen, Taubheitsgefühle und eine ungewöhnliche Schwellung im Bereich seiner linken Schulter. Untersuchungen ergaben schließlich ein Aneurysma an einer Arterie in der Nähe der Schulter. Dadurch hatten sich Blutgerinnsel gebildet.
Sorbo erlitt insgesamt drei Schlaganfälle. Sie beeinträchtigten unter anderem sein Sehvermögen, sein Gleichgewicht und seine körperliche Belastbarkeit. Der Schauspieler litt unter Schwindel, Erschöpfung, Schmerzen und zeitweiligen Schwierigkeiten beim Gehen.
Für einen Darsteller, dessen Karriere auf der Verkörperung eines beinahe unbesiegbaren Halbgottes beruhte, war die Situation besonders bitter. In der Öffentlichkeit wurde das volle Ausmaß seiner Erkrankung zunächst nicht bekannt. Die Produktion von Hercules musste jedoch grundlegend verändert werden.
Sorbos Drehplan wurde reduziert. Andere Figuren übernahmen größere Teile einzelner Episoden, während Rückblenden, Parallelwelten und ungewöhnliche Erzählkonstruktionen seine Abwesenheit erklärten. Der Titelheld seiner eigenen Serie war zeitweise nur eingeschränkt zu sehen.
Ein Schwein als Ersatz
Die vermutlich ungewöhnlichste Lösung findet sich in der Episode Porkules aus der vierten Staffel. Darin gelangt die Göttin Discord an den Bogen der Artemis und verwandelt Hercules in ein Schwein.
Statt Kevin Sorbo kämpfte sich deshalb über weite Strecken ein echtes Schwein durch die Handlung. Iolaus und Autolycus mussten den verwandelten Hercules retten, bevor dieser auf dem Tisch eines Metzgers landete.
Die Geschichte passte zum absurden Humor der Serie. Gleichzeitig gilt sie als eine der kreativen Maßnahmen, mit denen die Produktion Sorbos reduzierte körperliche Einsatzfähigkeit während seiner Genesung auffing. Der Star konnte weiterhin Teil der Episode sein, ohne die üblichen Kampf- und Actionszenen absolvieren zu müssen.
In der anschließenden Episode One Fowl Day wurden die Folgen der Verwandlung weitergeführt. Die Autoren machten aus einer ernsten Produktionskrise damit einen bewusst albernen Zweiteiler.
Hercules macht weiter
Kevin Sorbo kehrte nach seinen Schlaganfällen an das Set zurück, obwohl er noch lange nicht vollständig genesen war. Sein Arbeitspensum blieb reduziert, und in den späteren Staffeln traten deutlich mehr Gastfiguren auf.
Nach außen sollte der Eindruck eines weiterhin starken und gesunden Hauptdarstellers bestehen bleiben. Hinter den Kulissen kämpfte Sorbo jedoch über Jahre mit den Folgen seiner Erkrankung. Später erklärte er, dass besonders die unsichtbaren Symptome und die psychische Belastung seiner Genesung schwierig gewesen seien.
Hercules endete 1999 nach sechs Staffeln. Die letzte Staffel fiel mit lediglich acht Episoden deutlich kürzer aus. Sorbo verkörperte die Figur anschließend noch einmal in Xena und sprach Hercules in mehreren Videospielen, darunter God of War III.
2011 machte er die Details seiner Erkrankung in seiner Autobiografie True Strength öffentlich. Für seinen Einsatz zur Aufklärung über Schlaganfälle erhielt er später Auszeichnungen der American Academy of Neurology und der American Brain Foundation.
Reise ins Weltall
Nur ein Jahr nach dem Ende von Hercules übernahm Kevin Sorbo die nächste große Serienhauptrolle. In der Science-Fiction-Serie Andromeda spielte er Captain Dylan Hunt, der nach 300 Jahren aus der Nähe eines Schwarzen Lochs gerettet wird.
Hunt versucht, eine zerfallene galaktische Zivilisation wieder aufzubauen. Die Serie basierte auf Ideen aus dem Nachlass von Star Trek-Schöpfer Gene Roddenberry und lief zwischen 2000 und 2005 über fünf Staffeln.
Für Sorbo war Andromeda der Beweis, dass er auch außerhalb der griechischen Fantasy eine lang laufende Serie tragen konnte. Gleichzeitig war Dylan Hunt erneut ein moralisch gefestigter Held, der körperliche Stärke mit Optimismus und Führungswillen verband.
Von Hollywood zu christlichen Filmen
Nach Andromeda trat Sorbo in zahlreichen Fernsehproduktionen, kleineren Filmen und Direct-to-Video-Projekten auf. In der Parodie Meine Frau, die Spartaner und ich machte er sich über sein eigenes Image als muskulöser Fantasyheld lustig.
2014 spielte er in Gott ist nicht tot einen atheistischen Philosophieprofessor, der von seinen Studenten verlangt, die Existenz Gottes zu verneinen. Der Film wurde von Kritikern überwiegend negativ aufgenommen, entwickelte sich mit einem vergleichsweise kleinen Budget aber zu einem finanziellen Erfolg.
Danach konzentrierte sich Sorbo verstärkt auf christliche und konservativ ausgerichtete Produktionen. Bei Let There Be Light übernahm er nicht nur die Hauptrolle, sondern auch die Regie. Seine Ehefrau Sam Sorbo und ihre gemeinsamen Kinder wirkten ebenfalls an dem Film mit.
Sorbo wurde dadurch zu einem der bekanntesten Gesichter des christlichen Films in den USA. Seine späteren Produktionen erreichten zwar nicht mehr das internationale Publikum von Hercules oder Andromeda, fanden innerhalb dieses Marktes aber eine feste Zielgruppe.
Kritik an politischen Ansichten
In den vergangenen Jahren machte Kevin Sorbo nicht nur mit Filmen Schlagzeilen. Er positionierte sich öffentlich als konservativer Christ und Unterstützer von Donald Trump. In sozialen Netzwerken kommentiert er regelmäßig politische und gesellschaftliche Themen.
Mehrere seiner Aussagen lösten heftige Kritik aus. Facebook entfernte 2021 seine Seite und verwies dabei auf wiederholt verbreitete widerlegte Behauptungen über das Coronavirus und Impfungen. Auch seine Äußerungen zur US-Präsidentschaftswahl 2020 und zum Angriff auf das Kapitol am 6. Januar 2021 waren umstritten.
Seine früheren Kolleginnen und Kollegen teilen diese politischen Ansichten nicht unbedingt. Besonders öffentlich wurde sein Konflikt mit Lucy Lawless, die Sorbos Darstellung der Ereignisse rund um den Kapitolsturm scharf widersprach.
Damit hat sich auch sein öffentliches Image verändert. Für viele Zuschauer bleibt er der charmante Hercules ihrer Kindheit. Andere verbinden seinen Namen inzwischen vor allem mit seinen religiösen Filmen und politischen Kontroversen.
Kevin Sorbos Karriere hätte völlig anders aussehen können
Hätte Kevin Sorbo 1993 eines seiner großen Castings gewonnen, wäre er heute möglicherweise als Superman oder Fox Mulder bekannt. Stattdessen erhielt er eine Rolle, die auf dem Papier zunächst kleiner wirkte, aber perfekt zu seiner Präsenz passte.
Als Hercules wurde Sorbo zu einem der markantesten Fernsehstars der 1990er-Jahre. Die Serie brachte sechs Staffeln, mehrere Filme, ein erfolgreiches Spin-off und eine internationale Fangemeinde hervor.
Seine schwerwiegenden gesundheitlichen Probleme machten diese Karriere beinahe unmöglich. Dass er trotz dreier Schlaganfälle zur Serie zurückkehrte und anschließend fünf Staffeln von Andromeda drehte, gehört zu den bemerkenswertesten Teilen seiner Geschichte.
