Kevin Spacey wird 67: Vom gefeierten Oscar-Star unter falschem Namen zum Ausgestoßenen Hollywoods

Eine Geschichte über künstlerische Höhen und menschliche Abgründe.

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Ein Fall, der Hollywood in seinen Grundfesten erschütterte. | © MCR II

Kevin Spacey gehörte über Jahrzehnte zu den angesehensten Schauspielern Hollywoods. Zwei Oscars, prägende Rollen in Filmen wie Die üblichen Verdächtigen und American Beauty sowie sein weltweiter Erfolg mit House of Cards machten ihn zu einem der bekanntesten Charakterdarsteller seiner Generation.

Doch seit 2017 wird seine Karriere vor allem von schweren Vorwürfen, Gerichtsverfahren und den Folgen eines der größten Skandale der Filmbranche bestimmt. Heute wird Kevin Spacey 67.

Spacey ist eigentlich gar nicht sein Nachname

Geboren wurde der Schauspieler am 26. Juli 1959 in South Orange im US-Bundesstaat New Jersey unter dem vollständigen Namen Kevin Spacey Fowler. Sein eigentlicher Familienname lautet also Fowler. Spacey ist sein zweiter Vorname und geht auf den Geburtsnamen seiner Großmutter väterlicherseits zurück.

Bereits während seiner Schulzeit begann er, Kevin Spacey als Künstlernamen zu verwenden. Anders als gelegentlich behauptet, setzte er den Namen nicht aus den Vor- und Nachnamen des Schauspielers Spencer Tracy zusammen. Spacey war bereits Teil seines Geburtsnamens und seiner eigenen Familiengeschichte.

Die Familie zog nach Kalifornien, als Spacey noch ein Kind war. Nach ersten Versuchen als Stand-up-Comedian studierte er von 1979 bis 1981 Schauspiel an der renommierten Juilliard School in New York. Seinen Abschluss machte er dort nicht, stattdessen begann er früh, professionell auf der Theaterbühne zu arbeiten.

Vom Theater zum Hollywood-Star

Seine Karriere startete Spacey zunächst am Theater. In den 1980er-Jahren spielte er am Broadway und arbeitete unter anderem mit Jack Lemmon zusammen, den er später als einen seiner wichtigsten Mentoren bezeichnete. 1991 gewann Spacey für seine Rolle in dem Theaterstück Lost in Yonkers einen Tony Award.

Parallel dazu übernahm er erste kleinere Filmrollen. Zu sehen war er unter anderem in Sodbrennen und Die Waffen der Frauen. Anfang der 1990er-Jahre etablierte er sich zunehmend als Darsteller und spielte in Filmen wie Glengarry Glen Ross und Unter Haien in Hollywood.

Der internationale Durchbruch folgte 1995. In Die üblichen Verdächtigen verkörperte Spacey den unscheinbaren Kleinkriminellen Verbal Kint. Seine Darstellung und die Bedeutung seiner Figur für die berühmte Wendung des Films brachten ihm 1996 den Oscar als bester Nebendarsteller ein.

Im selben Jahr war Spacey außerdem als Serienmörder John Doe in David Finchers Thriller Sieben zu sehen. Obwohl sein Name bewusst nicht im Vorspann auftauchte, wurde seine Figur zu einer der bekanntesten Rollen seiner Karriere.

Es folgten Auftritte in Die Jury, L.A. Confidential, Mitternacht im Garten von Gut und Böse und Verhandlungssache. Spacey spezialisierte sich zunehmend auf intelligente, kontrollierte und moralisch ambivalente Figuren, bei denen hinter einer ruhigen Oberfläche häufig Manipulation oder Gewalt lauerte.

Der zweite Oscar für American Beauty

Den Höhepunkt seiner Filmkarriere erreichte Spacey 1999 mit American Beauty. Darin spielte er Lester Burnham, einen frustrierten Familienvater, der sein bisheriges Leben infrage stellt und sich immer weiter von seiner Familie und seinem gesellschaftlichen Umfeld entfernt.

Für seine Darstellung erhielt Spacey im Jahr 2000 den Oscar als bester Hauptdarsteller. Damit hatte er innerhalb weniger Jahre sowohl einen Hauptdarsteller- als auch einen Nebendarsteller-Oscar gewonnen.

In den folgenden Jahren spielte er unter anderem in Das Glücksprinzip, K-PAX – Alles ist möglich, Das Leben des David Gale und Superman Returns. Für das Biopic Beyond the Sea – Musik war sein Leben übernahm er nicht nur die Hauptrolle als Sänger Bobby Darin, sondern führte auch Regie und sang die im Film verwendeten Lieder selbst.

Neben seiner Filmkarriere blieb Spacey eng mit dem Theater verbunden. Von 2004 bis 2015 leitete er das traditionsreiche Old Vic Theatre in London. Unter seiner Führung wurden zahlreiche bekannte Produktionen auf die Bühne gebracht, in denen Spacey teilweise selbst die Hauptrolle übernahm.

House of Cards macht Spacey zum Streaming-Star

2013 begann die nächste große Phase seiner Karriere. In der Netflix-Serie House of Cards spielte Spacey den skrupellosen Politiker Frank Underwood, der sich mithilfe von Erpressung, Manipulation und Gewalt bis an die Spitze der amerikanischen Regierung arbeitet.

Die Serie gehörte zu den ersten großen Eigenproduktionen von Netflix und half dabei, den Streamingdienst als ernsthaften Konkurrenten klassischer Fernsehsender und Filmstudios zu etablieren. Spaceys direkte Ansprachen an das Publikum wurden zu einem Markenzeichen der Serie. Für die Rolle gewann er einen Golden Globe und erhielt mehrere Emmy-Nominierungen.

Auch im Kino blieb er präsent. Er spielte in Der große Crash – Margin Call, Kill the Boss und zuletzt 2017 in Baby Driver. Zu diesem Zeitpunkt war Spacey nicht nur ein gefragter Schauspieler, sondern auch Produzent, Theaterleiter und einer der prominentesten Vertreter der internationalen Filmbranche.

Die Vorwürfe, die seine Karriere beendeten

Im Oktober 2017 erhob der Schauspieler Anthony Rapp öffentlich schwere Vorwürfe gegen Spacey. Rapp erklärte, Spacey habe sich ihm 1986 auf einer Party sexuell angenähert, als Rapp 14 Jahre alt gewesen sei. Spacey war damals 26 Jahre alt.

Spacey erklärte zunächst, er könne sich nicht an den beschriebenen Vorfall erinnern. Sollte er sich so verhalten haben, sei dies ein unangemessenes Verhalten unter Alkoholeinfluss gewesen. In derselben Stellungnahme machte Spacey öffentlich, dass er homosexuell ist. Diese Verbindung aus einer Reaktion auf Missbrauchsvorwürfe und seinem Coming-out wurde vielfach kritisiert.

Nach Rapps Aussagen meldeten sich weitere Männer mit Vorwürfen gegen den Schauspieler. Sie beschrieben mutmaßliche sexuelle Belästigungen, unerwünschte Berührungen und Übergriffe, die sich teilweise während Spaceys Zeit am Old Vic Theatre oder im Umfeld von Film- und Fernsehproduktionen ereignet haben sollen. Spacey bestritt strafbares oder nicht einvernehmliches Verhalten.

Das Old Vic eröffnete eine unabhängige Untersuchung. Dabei gingen 20 Schilderungen über mutmaßlich unangemessenes Verhalten ein. Das Theater räumte später ein, dass Spaceys Bekanntheit und seine Machtposition dazu beigetragen haben könnten, dass sich Mitarbeitende und junge Schauspieler nicht in der Lage sahen, Bedenken zu äußern.

Netflix zieht sofort Konsequenzen

Die Auswirkungen auf Spaceys Karriere waren unmittelbar. Netflix beendete die Zusammenarbeit mit ihm und strich Frank Underwood aus der sechsten und letzten Staffel von House of Cards. Die bereits begonnene Produktion wurde unterbrochen, die Handlung vollständig umgeschrieben und die Staffel von ursprünglich geplanten 13 auf acht Episoden verkürzt.

Ein bereits gedrehter Netflix-Film über den Schriftsteller Gore Vidal wurde nicht veröffentlicht. Spaceys Agentur und seine PR-Beratung trennten sich von ihm.

Besonders sichtbar wurde sein Absturz bei Ridley Scotts Film Alles Geld der Welt. Spacey hatte darin den Milliardär J. Paul Getty gespielt und seine Szenen bereits vollständig gedreht. Wenige Wochen vor dem Kinostart entschied sich das Studio jedoch, ihn aus dem Film zu entfernen. Christopher Plummer übernahm die Rolle, während große Teile des Films kurzfristig neu gedreht wurden.

Innerhalb weniger Wochen wurde Spacey damit von einem der bekanntesten Schauspieler Hollywoods zu einem wirtschaftlichen und reputativen Risiko, mit dem kaum noch ein großes Studio zusammenarbeiten wollte.

Was die Gerichte entschieden haben

Die öffentliche und berufliche Verurteilung Spaceys muss von den späteren juristischen Entscheidungen getrennt betrachtet werden. Nicht jeder gegen ihn erhobene Vorwurf führte zu einem Verfahren, und mehrere Verfahren endeten ohne Verurteilung.

Anthony Rapp verklagte Spacey in New York auf 40 Millionen Dollar Schadenersatz. Im Oktober 2022 entschied eine Jury jedoch zugunsten Spaceys. Die Geschworenen sahen Rapps Vorwurf in diesem Zivilverfahren nicht als bewiesen an und befanden Spacey nicht für haftbar.

In Großbritannien wurde Spacey wegen mutmaßlicher Sexualdelikte angeklagt, die vier Männer betrafen und sich zwischen 2001 und 2013 ereignet haben sollen. Der Prozess fand 2023 in London statt. Am 26. Juli 2023, ausgerechnet an seinem 64. Geburtstag, sprach ihn die Jury in allen neun ihr vorgelegten Anklagepunkten frei.

Die Freisprüche bedeuteten jedoch nicht, dass sämtliche jemals öffentlich erhobenen Vorwürfe einzeln vor Gericht untersucht oder widerlegt wurden. Sie bedeuteten, dass Spaceys Schuld in den konkret verhandelten Fällen nicht in dem jeweils erforderlichen Maß bewiesen werden konnte.

2024 veröffentlichte die britische Dokumentation Spacey Unmasked weitere Aussagen von Männern, die Spacey unangemessenes oder übergriffiges Verhalten vorwarfen. Spacey wies auch diese Darstellungen zurück und erklärte, er habe nie eine berufliche Gegenleistung von sexuellen Kontakten abhängig gemacht.

Drei Männer reichten anschließend beziehungsweise parallel Zivilklagen in London ein. Der gemeinsame Prozess sollte ursprünglich im Herbst 2026 beginnen. Im März 2026 einigten sich Spacey und die drei Kläger jedoch außergerichtlich. Die Bedingungen des Vergleichs bleiben vertraulich. Eine gerichtliche Entscheidung über die zugrunde liegenden Vorwürfe gab es deshalb nicht.

Millionenschäden und finanzielle Probleme

Der Skandal hatte für Spacey nicht nur berufliche, sondern auch massive finanzielle Folgen. Die Produktionsfirma MRC, die hinter House of Cards stand, machte ihn für die Kosten verantwortlich, die durch die Produktionsunterbrechung und die Neugestaltung der letzten Staffel entstanden waren.

Ein Schiedsgericht verurteilte Spacey und seine Produktionsfirmen zunächst zur Zahlung von knapp 31 Millionen Dollar. Die Entscheidung wurde später von einem Gericht bestätigt. Im Rahmen einer weiteren Vereinbarung wurde Spaceys direkte Zahlungsverpflichtung schließlich auf eine Million Dollar reduziert. Im Gegenzug stellte er unter anderem Informationen für den Versicherungsstreit der Produktionsfirma zur Verfügung.

2024 wurde Spaceys Haus in Baltimore zwangsversteigert. Er erklärte später, dass ihn Anwalts- und Gerichtskosten finanziell stark belastet hätten. 2025 lebte er nach eigenen Angaben zeitweise in Hotels und Ferienwohnungen und reiste dorthin, wo er Engagements fand. Gleichzeitig stellte er klar, dass er sich nicht im üblichen Sinne als obdachlos betrachte.

Ein Comeback außerhalb des großen Hollywood-Systems

Nach mehreren Jahren ohne neue Hauptrollen begann Spacey schrittweise wieder zu arbeiten. Seine Projekte entstanden jedoch überwiegend außerhalb des klassischen Hollywood-Studiosystems und waren deutlich kleiner als seine früheren Produktionen.

2024 übernahm er in dem Thriller Peter Five Eight wieder eine größere Rolle. Es folgten internationale und unabhängig finanzierte Produktionen sowie Auftritte bei Veranstaltungen in Italien, Zypern und Frankreich.

Spacey führte außerdem bei dem Fantasy-Actionfilm Holiguards Saga – The Portal of Force Regie und übernahm selbst eine Rolle. Zum Ensemble gehören unter anderem Dolph Lundgren, Tyrese Gibson und Eric Roberts. Hinzu kommt der Verschwörungsthriller The Awakening.

Für Herbst 2026 ist zudem der Beginn der Dreharbeiten zum Kriegsdrama Melodies in the Forest angekündigt. Spacey soll darin einen weltberühmten Dirigenten spielen, dessen Vergangenheit während des Zweiten Weltkriegs Jahrzehnte später wieder ans Licht kommt.

Spacey selbst erklärte zuletzt, er fühle sich in der Filmbranche wieder stärker willkommen. Von einer Rückkehr zu seinem früheren Status kann am 26. Juli 2026 dennoch nicht gesprochen werden. Seine aktuellen Projekte stammen weiterhin überwiegend von unabhängigen oder internationalen Produzenten. Eine neue Hauptrolle bei einem großen Hollywood-Studio oder einem führenden Streamingdienst hat er bislang nicht erhalten.

Ein Geburtstag im Schatten des Skandals

Kevin Spaceys Karriere gehört zu den drastischsten Aufstiegs- und Fallgeschichten des modernen Hollywoods. Seine schauspielerischen Leistungen in Die üblichen Verdächtigen, American Beauty, Sieben und House of Cards bleiben ein bedeutender Teil der Film- und Fernsehgeschichte.

Gleichzeitig lassen sich diese Erfolge kaum noch unabhängig von den zahlreichen Vorwürfen betrachten. Zwar wurde Spacey in den prominentesten Verfahren nicht verurteilt und in London vollständig freigesprochen, doch der Vertrauensverlust innerhalb der Branche ließ sich durch diese Entscheidungen nicht rückgängig machen.

Heute wird Kevin Spacey 67 Jahre alt. Er arbeitet wieder, dreht Filme und tritt öffentlich auf. Doch aus dem einstigen Hollywood-Schwergewicht ist ein Schauspieler geworden, dessen Produktionen überwiegend am Rand der großen Filmindustrie entstehen. Sein Comeback hat begonnen – seine frühere Stellung hat er bisher nicht zurückgewonnen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....