Du brauchst „Urlaub“ von deiner Beziehung oder möchtest mit einem neuen Job angeben? Dann bist du bei Stefan Eibens „Alibiagentur“ genau richtig.
Die Streamerin und YouTuberin Jasmin Sibel, die unter dem Namen „Gnu“ bekannt ist, teilt online nicht nur Gameplays von zahlreichen Horror- und humorvollen Spielen wie “Tomodachi Life“, sondern leistet auch oft gründliche Recherchearbeit. Für ihre "1-Tag-als …"-Reihe schnuppert sie in viele verschiedene Berufe hinein, beispielsweise in das Leben als Balletttänzerin oder sogar als Ninja. Dieses Mal hat sich die 37-Jährige ein ganz besonderes Gewerbe ausgesucht: eine Alibiagentur, die unter anderem Vergebenen beim Fremdgehen hilft.
Lügen als Service
Für ihr neues Video “Ich musste für 24 h meine Moral wegwerfen” verbrachte Gnu einen Tag bei einer Alibiagentur und lernte deren Kund*innen und Arbeitsmethoden kennen. Der Chef der Agentur ist der 49-jährige Stefan Eiben, der sich selbst als “Freiraum-Manager“ bezeichnet. Eiben ist gelernter Informatiker, arbeitet aber mittlerweile seit 26 Jahren im “Alibi-Gewerbe“. Er behauptet, dass in all den Jahren noch kein einziges Alibi aufgeflogen sei, was Gnu jedoch nicht überprüfen konnte.
Doch was genau macht eigentlich eine Alibiagentur? (Außer Leuten beim Fremdgehen zu helfen – denn das tut sie tatsächlich auch.)
Die Firma bietet eine breite Auswahl an Alibis an. Diese reichen von Fake-Gästen bei einer Hochzeit oder Beerdigung bis hin zu einem gefälschten Job oder sogar einer ganzen gefälschten Karriere mit Doktortitel. Die Methodik erstreckt sich dabei von angeheuerten Schauspieler*innen über Fake-Anrufe bis hin zu erstellten Schauplätzen wie einem neuen Büro, um Erfolg im Beruf vorzutäuschen.
An dieser Stelle muss man sich die Frage stellen: Ist das Ganze denn überhaupt legal? Für ihr Video sprach Gnu mit dem Rechtsanwalt Johannes Heisenberg, der die Arbeitsweisen der Agentur juristisch einordnet. Grundsätzlich seien private Lügen erlaubt, solange die betroffene Person nicht zu einem Selbstschaden verleitet wird, beispielsweise wenn ihr Vermögen gefährdet ist. Ab diesem Punkt würde man die Grenze zur Betrugsstrafbarkeit überschreiten.
Doppelleben mit System
Stefan Eiben stellte Gnu zwei seiner Langzeitkund:innen vor. Beide nutzen die Agentur seit Jahren, um ihre Affären zu vertuschen. Gnu findet das moralisch sehr verwerflich.
Ein Kunde behauptete, seine Frau sei sehr depressiv und er brauche ab und zu “Urlaub“ von der Beziehung. Seine Partnerin würde eine Trennung aber nicht verkraften. Außerdem nehme er die Beziehung sehr ernst und liebe sie immer noch.
Eine weibliche Kundin gab an, die Agentur schon seit einiger Zeit zu nutzen, um durch eine “Gym-Freundin“ eine Affäre zu verheimlichen. Immer wieder erhalte sie Anrufe der in Wahrheit nicht existenten Freundin im Beisein der Familie. Das Ganze ging sogar so weit, dass sie einmal einen Wochenendtrip mit besagter “Gym-Freundin“ geplant hatte. Als Grund für ihr Verhalten gab sie an, dass ihr Mann schon seit längerer Zeit keine Intimität wolle, sie ihn aber trotzdem liebe.
Stefan Eiben stellt die Moral seiner Kund*innen nicht in Frage. Für ihn zählt nur die Grenze zwischen legal und illegal.
Gnu als Schauspielerin und Lockvogel
Während ihres Tages bei der Agentur machte Gnu sich auch selbst ans Werk – selbstverständlich nicht, indem sie fremdging, sondern indem sie zur Schauspielerin und zum Lockvogel wurde.
So übernahm sie beispielsweise einen Anruf, um einer Frau, die von ihrem Mann mehrfach betrogen worden war, beim Schluss machen zu helfen. Außerdem erhielt sie den Auftrag, einem Mann, der einem von Eibens Kunden viel Geld schuldete, ein schlechtes Gewissen zu machen. Die Methode? Über einen längeren Zeitraum hinweg wurden verschiedene Schauspieler engagiert, um in Gegenwart des Mannes plötzlich das Thema Schulden anzusprechen. Gnu meisterte diese Prüfung, indem sie an dem Mann vorbei ging und laut in das Mikrofon ihres Handys “Schulden zahlt man zurück“ sagte. Das war ihr allerdings ziemlich unangenehm.
Außerdem musste Gnu den Lockvogel spielen, um mögliche Untreue aufzudecken, da Eibens Klientin ihren Mann testen wollte. Gnu lief an dem Mann vorbei und ließ ihr Handy fallen, um seine Aufmerksamkeit zu erregen, was jedoch nicht gelang. Daraufhin sprach Gnu den Mann an und fragte ihn nach seiner Telefonnummer. Sie erhielt eine freundliche Abfuhr. Treuetest bestanden!
Alles nur Fake?
Am Ende des Videos kam es jedoch zu einer überraschenden Wendung. Sowohl der Mann am Telefon mit den Schulden als auch die vermeintlich untreue Person waren Schauspieler. Somit war Gnu das ganze Video über selbst auf die Methoden der Agentur hereingefallen, ohne es zu merken.
Eine Frage bleibt jedoch offen: Wie viel ihrer Interaktionen mit Stefan Eiben und seinen Klient*innen war letztendlich echt und wie viel nur inszeniert? Darauf hat Gnu selbst keine Antwort. Was sagt ihr zu dem Ganzen? Schreibt es uns in die Kommentare.
