Meryl Streep hat Geburtstag: Die Hollywood-Ikone, deren Oscar in der Toilette verschwand

Meryl Streep gilt als Symbol von Eleganz in Hollywood – trotz eines verlorenen Oscars auf der Toilette.

Meryl Streep 01 United International Pictures
Damals wie heute ist Meryl Streep DIE Personifizierung von Eleganz in Hollywood. | © United International Pictures

Meryl Streep feiert heute ihren 77. Geburtstag – und es gibt kaum eine Schauspielerin, deren Name so selbstverständlich als Synonym für Exzellenz verwendet wird. Sie ist nicht einfach nur eine Hollywood-Legende, sondern eine Künstlerin, die über Jahrzehnte hinweg gezeigt hat, wie wandelbar, präzise, komisch, verletzlich und politisch Schauspiel sein kann.

Mary Louise Streep wurde am 22. Juni 1949 in Summit, New Jersey, geboren. Sie studierte am Vassar College und später an der Yale School of Drama, bevor sie zunächst auf der Bühne und dann im Film Fuß fasste. Schon früh fiel auf, was später zu ihrem Markenzeichen werden sollte: eine fast unheimliche Fähigkeit, Stimmen, Dialekte, Körperhaltungen und innere Widersprüche einer Figur so genau zu erfassen, dass sie nie wie bloße Verwandlung wirkt, sondern wie ein vollständig gelebtes Leben.

Der Aufstieg einer Ausnahmeschauspielerin

Ihre ersten großen Filmrollen kamen Ende der 1970er-Jahre. Mit Die durch die Hölle gehen erhielt Streep ihre erste Oscar-Nominierung, kurz darauf folgte Kramer gegen Kramer – der Film, der ihr den ersten Oscar einbrachte. In der Rolle der Joanna Kramer hätte sie leicht als distanzierte Mutter oder Gegenspielerin erscheinen können. Stattdessen machte Streep daraus eine Frau, die um Selbstbestimmung ringt, ohne einfach zur Heldin oder Schuldigen erklärt zu werden.

Gerade diese Fähigkeit wurde zu einem roten Faden ihrer Karriere. Streep spielt Figuren selten glatt. Sie sucht die Brüche, die leisen Widersprüche, die Stellen, an denen ein Mensch nicht vollständig erklärbar ist. Das machte sie in den 1980er-Jahren zu einer der wichtigsten Schauspielerinnen ihrer Generation – mit Filmen wie Sophies Entscheidung, Jenseits von Afrika, Silkwood und Ein Schrei in der Dunkelheit.

Der Oscar, der kurz auf der Toilette verschwand

So ehrfürchtig über Meryl Streep oft gesprochen wird, so schön ist eine Anekdote, die sie erstaunlich menschlich macht. Als sie 1980 ihren ersten Oscar für Kramer gegen Kramer gewann, war der Abend offenbar so überwältigend, dass sie die goldene Statue nach ihrer Dankesrede kurz auf der Toilette liegen ließ. Einer Frau fiel der vergessene Oscar auf – und Streep bekam ihren Preis zum Glück schnell wieder zurück.

Die Geschichte passt perfekt zu dem Bild, das viele Kolleginnen und Kollegen von ihr zeichnen: eine Schauspielerin von fast übermenschlichem Können, aber eben kein unnahbares Denkmal. Selbst Meryl Streep kann in einem Moment des Trubels ihren frisch gewonnenen Oscar vergessen. Vielleicht macht genau das diese Anekdote so charmant: Der wichtigste Filmpreis der Welt wird für einen kurzen Augenblick zu einem Gegenstand, den man im Stress irgendwo abstellt.

Rekorde, Rollen und die Kunst der Verwandlung

Mit inzwischen drei Oscars und 21 Oscar-Nominierungen hält Meryl Streep weiterhin den Rekord als meistnominierte Schauspielerin in der Geschichte der Academy Awards. Ihre Siege erhielt sie für Kramer gegen Kramer, Sophies Entscheidung und Die Eiserne Lady.

Doch die Zahlen erzählen nur einen Teil ihrer Bedeutung. Streep konnte in schweren Dramen ebenso glänzen wie in Komödien und Musicals. In Der Tod steht ihr gut zeigte sie eine böse, überdrehte Lust an der Groteske. In Die Brücken am Fluss machte sie aus einer leisen Liebesgeschichte ein emotionales Kammerspiel. In Der Teufel trägt Prada wurde sie als Miranda Priestly zur eiskalten Mode-Ikone – und das mit so viel Kontrolle, dass schon ein Blick mehr sagte als ganze Dialogseiten.

Auch Mamma Mia! zeigte eine andere Seite von ihr. Plötzlich sang und tanzte Streep sich durch ein Musical, das längst nicht auf subtile Nuancen setzte, sondern auf pure Lebensfreude. Dass sie darin genauso glaubwürdig wirkte wie in schweren Charakterrollen, ist vielleicht eines der besten Beispiele für ihre Bandbreite.

Eine Karriere, die nie stehen blieb

Viele Schauspielerinnen werden in Hollywood mit zunehmendem Alter an den Rand gedrängt. Meryl Streep machte daraus fast das Gegenteil. Sie blieb über Jahrzehnte hinweg präsent, relevant und gefragt. Ob Julie & Julia, Wenn Liebe so einfach wäre, Florence Foster Jenkins, Die Verlegerin, Big Little Lies oder Only Murders in the Building: Streep fand immer wieder neue Formen, sichtbar zu bleiben, ohne sich selbst zu wiederholen.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass sie nie nur von ihrer eigenen Legende lebt. Natürlich trägt ihr Name inzwischen jedes Projekt mit einer gewissen Aura. Aber Streep wirkt bis heute neugierig auf Rollen, auf Tonlagen, auf neue Ensembles und auf Figuren, die nicht einfach bewundert werden wollen. Sie spielt Macht, Angst, Humor, Eitelkeit, Trauer und Würde – manchmal alles in einer einzigen Szene.

Politisches und soziales Engagement

Meryl Streep hat ihre Stimme immer wieder auch außerhalb des Kinos genutzt. Sie engagierte sich für Frauenrechte, Gleichstellung, Umweltfragen und die Sichtbarkeit weiblicher Geschichte. Bereits 1989 war sie Mitgründerin von Mothers & Others, einer Verbraucher- und Umweltinitiative unter dem Dach des Natural Resources Defense Council. Außerdem unterstützt sie seit Jahren das National Women’s History Museum, das die Leistungen von Frauen in der Geschichte sichtbarer machen will.

Auch politisch trat Streep deutlich auf. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt ihre Rede bei den Golden Globes 2017, als sie den Cecil B. DeMille Award entgegennahm und den damaligen designierten US-Präsidenten Donald Trump scharf kritisierte. Sie sprach über Macht, Demütigung, Pressefreiheit und Verantwortung – und machte klar, dass sie Ruhm nicht nur als Privileg, sondern auch als Plattform versteht.

Zuletzt wurde außerdem öffentlich, dass Streep eine siebenstellige Spende an das National Women’s History Museum geleistet hat. Das Museum will damit unter anderem Bildungsarbeit und die Sichtbarkeit von Frauengeschichte stärken. Für Streep ist das ein Engagement, das gut zu ihrer Karriere passt: Auch in vielen ihrer Rollen ging es darum, Frauen nicht als Nebenfiguren der Geschichte zu erzählen, sondern als deren Zentrum.

Eine Schauspielerin, die längst größer ist als ihre Preise

Heute, an ihrem 77. Geburtstag, ist Meryl Streep längst mehr als die Summe ihrer Auszeichnungen. Sie ist eine der seltenen Künstlerinnen, bei denen sich technisches Können und emotionale Intelligenz fast unsichtbar verbinden. Man sieht nicht nur die Vorbereitung, die Dialekte oder die Verwandlung. Man sieht Menschen.

Vielleicht liegt genau darin ihr größtes Talent. Meryl Streep kann Königinnen, Köchinnen, Mütter, Politikerinnen, Modechefinnen, Sängerinnen, Liebende und gebrochene Frauen spielen, ohne sie je auf eine einzige Eigenschaft zu reduzieren. Und selbst wenn sie einmal ihren Oscar auf der Toilette vergisst, bleibt eines ziemlich sicher: Ihre Spuren in der Filmgeschichte wird niemand so schnell liegen lassen.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....