Aus der Sowjetunion geflüchtet, lernte Kunis schon früh, sich durchzukämpfen. Und macht dies bis heute erfolgreich.
Mila Kunis feiert heute, am 14. August 2026, ihren 43. Geburtstag. Millionen kennen sie aus Die wilden Siebziger, Black Swan, Ted oder als Stimme von Meg Griffin in Family Guy. Dabei begann ihre Geschichte weit entfernt von Hollywood: Kunis wurde in der damaligen Sowjetunion geboren und kam als Siebenjährige mit ihrer Familie in die USA, ohne Englisch zu sprechen. Mit 14 erschlich sie sich anschließend beinahe ihre berühmteste Fernsehrolle, indem sie beim Casting ihr Alter großzügig auslegte. Und noch bevor diese Karriere richtig begann, bekam sie ausgerechnet von Chuck Norris persönlich beigebracht, wie man richtig zuschlägt.
Dass Mila Kunis einmal zu den bekanntesten Schauspielerinnen Hollywoods gehören würde, war für ihre Eltern nicht der Plan. Als die Familie Anfang der 1990er-Jahre die Sowjetunion verließ, ging es zunächst um etwas wesentlich Grundsätzlicheres. Eine Zukunft für ihre Kinder.
Geboren in der Ukrainischen SSR
Milena Markovna Kunis wurde am 14. August 1983 in Czernowitz, dem heutigen Tscherniwzi in der Ukraine, geboren. Damals existierte die unabhängige Ukraine noch nicht. Die Stadt gehörte zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik und damit zur Sowjetunion.
Kunis wuchs in einer jüdischen Familie auf. Ihre Mutter Elvira arbeitete unter anderem als Physiklehrerin, ihr Vater Mark war Maschinenbauingenieur. Sie hat außerdem einen älteren Bruder namens Michael.
Materiell beschrieb Kunis ihre Kindheit später keineswegs als arm. Ihre Eltern hatten Ausbildung und gute Berufe. Das Problem war vielmehr die Perspektive.
Religion wurde in der Sowjetunion unterdrückt, und Kunis berichtete später immer wieder von Antisemitismus. Sie habe zwar gewusst, dass sie Jüdin sei, gleichzeitig aber gelernt, darüber außerhalb der Familie besser nicht zu sprechen.
Ihre Eltern wollten ihren Kindern deshalb ein Leben außerhalb dieses Systems ermöglichen.
Mit sieben Jahren verlässt sie die Sowjetunion
1991 traf die Familie eine Entscheidung, die Mila Kunis' gesamtes Leben verändern sollte. Sie verließ die Sowjetunion und emigrierte in die Vereinigten Staaten. Kunis war sieben Jahre alt.
Der Umzug bedeutete für ihre Eltern, beruflich praktisch bei null anzufangen. Abschlüsse und Karrieren ließen sich nicht einfach in die USA übertragen. Ihr Vater arbeitete nach der Ankunft unter anderem als Taxifahrer, ihre Mutter später in einer Apotheke.
Nach Kunis' späteren Erzählungen durfte die Familie bei der Ausreise lediglich rund 250 Dollar mitnehmen.
Die Auswanderung erfolgte über ein religiöses Flüchtlingsvisum. Antisemitismus war dabei einer der Gründe, die Kunis selbst immer wieder für den Weggang ihrer Familie genannt hat.
Damit verließ sie ein Land, das nur wenige Monate später komplett aufhören sollte zu existieren. Ende 1991 zerfiel die Sowjetunion endgültig.
Der erste Schultag in Los Angeles wurde zum Kulturschock
Die Familie ließ sich in Los Angeles nieder. Für Mila war Amerika zunächst alles andere als Hollywood-Glamour, denn sie sprach kein Englisch.
Bereits kurz nach ihrer Ankunft wurde sie in einer amerikanischen Grundschule angemeldet. Kunis beschrieb diese Erfahrung später drastisch: Es habe sich angefühlt, als wäre sie mit sieben Jahren plötzlich blind und taub geworden.
Sie verstand die Lehrer nicht. Sie verstand ihre Mitschüler nicht. Sie verstand die Kultur nicht. Nach eigenen Erinnerungen kam sie regelmäßig weinend aus der Schule nach Hause.
Sogar etwas so Banales wie Coca-Cola wurde zum Kulturschock. Kunis erzählte später, sie habe auf der Reise in die USA erstmals das Getränk probiert und zunächst überhaupt nicht verstanden, warum jemand freiwillig Wasser mit Kohlensäure trinken würde.
Englisch lernte sie mit der Zeit auch über amerikanisches Fernsehen.
Ausgerechnet die Unterhaltungsindustrie, die ihr dabei half, in ihrer neuen Heimat anzukommen, sollte wenig später zu ihrem Beruf werden.
Mit neun Jahren beginnt Mila Kunis zu schauspielern
Kunis' Vater meldete seine Tochter mit etwa neun Jahren für Schauspielunterricht an.
Dort lernte sie die Managerin Susan Curtis kennen, die sie anschließend vertreten sollte.
Erste Werbespots folgten schnell. Kunis stand unter anderem für Barbie-Werbung vor der Kamera und bekam kleinere Rollen im Fernsehen.
Sie tauchte in Serien wie Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu und Eine himmlische Familie auf und sammelte Erfahrungen, lange bevor sie den Highschool-Abschluss erreicht hatte.
Eine dieser frühen Rollen brachte ihr zudem eine ziemlich außergewöhnliche private Kampfsportstunde ein.
Chuck Norris brachte Mila Kunis das Zuschlagen bei
Als Teenager ergatterte Kunis eine Gastrolle in Walker, Texas Ranger. Der Star der Serie war Chuck Norris. Norris war zu diesem Zeitpunkt längst nicht nur Schauspieler, sondern Kampfsportlegende, Karate-Champion und durch seine zahlreichen Actionfilme eine feste Größe der amerikanischen Popkultur.
Kunis beeindruckte das damals offenbar deutlich weniger. Sie wusste als Teenager schlicht nicht besonders genau, wer der Mann vor ihr eigentlich war. Während einer Mittagspause nahm Norris sich trotzdem Zeit für seine junge Kollegin und zeigte ihr, wie man eine Faust richtig formt und einen Schlag ausführt.
Eine Lektion blieb Kunis besonders im Gedächtnis: Der Daumen gehört nicht in die geschlossene Faust hinein. Nach einem Schlag sollen die Hände außerdem schnell wieder zurück zum Gesicht, damit man sich selbst schützen kann.
Norris erklärte ihr auch, wie hoch sie schlagen sollte, um dabei ihre eigene Deckung nicht komplett aufzugeben. Erst Jahre später begriff Kunis so richtig, wie absurd diese kleine Unterrichtsstunde eigentlich gewesen war.
Sinngemäß fasste sie es irgendwann mit einem ziemlich guten Satz zusammen:
Chuck Norris brachte mir bei, wie man kämpft.
Mit 14 mogelt sie sich zum Casting von Die wilden Siebziger
Doch der entscheidende Moment ihrer frühen Karriere kam 1998. Für eine neue Fox-Sitcom wurden junge Schauspieler gesucht. Die Produktion verlangte allerdings, dass die Kandidaten mindestens 18 Jahre alt sein sollten.
Mila Kunis war 14.
Das hielt sie nicht davon ab, zum Casting zu gehen. Über Jahre erzählte sie die Geschichte mit einer kleinen sprachlichen Spitzfindigkeit: Sie habe den Verantwortlichen gesagt, dass sie an ihrem Geburtstag 18 sein würde. Das war technisch betrachtet nicht falsch.
Sie verschwieg lediglich, dass bis zu diesem Geburtstag noch ungefähr vier Jahre vergehen würden. Später machte Kunis selbst allerdings keinen Versuch mehr, daraus eine juristische Meisterleistung zu machen. Sie stellte klar: Natürlich habe sie über ihr Alter gelogen.
Beim Vertrag fliegt die 14-Jährige auf
Allzu lange konnte das Geheimnis ohnehin nicht bestehen bleiben. Als die Vertragsformalitäten begannen, musste Kunis angeben, dass sie aufgrund ihres Alters einen Studiolehrer benötigte.
Plötzlich war klar: Die vermeintlich Volljährige war 14.
Normalerweise hätte das die Sache erledigen können. Doch die Produzenten mochten ihre Interpretation der Jackie Burkhart inzwischen so sehr, dass sie eine Ausnahme machten.
Kunis bekam die Rolle. Damit wurde aus einer kleinen Alterslüge einer der wichtigsten Momente ihrer gesamten Karriere.
Mit 15 bekommt sie eine zweite Rolle, die bis heute weiterläuft
Schon kurz nach dem Start von Die wilden Siebziger bekam Kunis den nächsten außergewöhnlich langlebigen Job. 1999 übernahm sie in Family Guy die Stimme von Meg Griffin.
Die Figur gehört zu den vier Kindern von Peter und Lois Griffin und wird innerhalb der Serie regelmäßig zum Ziel der eigenen Familie. Kunis spricht Meg inzwischen seit mehr als einem Vierteljahrhundert.
Damit besitzt sie zwei Fernsehrollen, die ihre Karriere auf sehr unterschiedliche Weise geprägt haben: Jackie zeigte ihr Gesicht, Meg machte ihre Stimme weltweit bekannt.
Der Wechsel vom Sitcom-Star zum Kino gelingt nicht sofort
Nach dem Ende von Die wilden Siebziger musste Kunis allerdings erst beweisen, dass sie auch außerhalb einer Sitcom funktionieren konnte. Wie bei vielen jungen Fernsehstars war der Übergang ins Kino nicht selbstverständlich. Ein entscheidender Schritt gelang ihr 2008 mit Nie wieder Sex mit der Ex.
In der romantischen Komödie spielte Kunis Rachel Jansen, eine Hotelangestellte auf Hawaii, die zum Gegenpol der komplizierten Trennungsgeschichte des von Jason Segel gespielten Peter Bretter wird.
Der Film zeigte eine andere Seite von Kunis: weniger Jackie Burkhart, weniger Sitcom-Rhythmus, dafür eine wesentlich ruhigere und natürlichere Form von Comedy. Im selben Jahr tauchte sie außerdem an der Seite von Mark Wahlberg in Max Payne auf.
Für diesen Film lernte sie übrigens eine weitere Fähigkeit fürs Actionkino: den Umgang mit Schusswaffen.
Chuck Norris hatte Jahre zuvor bereits die Grundlage für den Nahkampf gelegt.
Black Swan verändert ihre Karriere
Der vielleicht wichtigste Film ihrer Karriere folgte 2010. In Darren Aronofskys Black Swan spielte Kunis die Balletttänzerin Lily an der Seite von Natalie Portman. Portmans Nina ist perfektionistisch, kontrolliert und zunehmend psychisch instabil. Lily wirkt dagegen locker, sinnlich und frei – und wird dadurch gleichzeitig zur Konkurrentin, Projektionsfläche und Bedrohung.
Für Kunis war die Rolle ein deutlicher Bruch mit ihrem bisherigen Image. Sie absolvierte intensives Balletttraining, verlor Gewicht und bereitete sich monatelang körperlich auf die Produktion vor.
Die Arbeit zahlte sich aus.
Black Swan wurde international gefeiert und erhielt fünf Oscar-Nominierungen. Natalie Portman gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin.
Kunis selbst wurde unter anderem für einen Golden Globe und einen Screen Actors Guild Award nominiert.
Plötzlich galt die Frau aus Die wilden Siebziger nicht mehr nur als Comedy-Star.
Freunde mit gewissen Vorzügen, Ted und der endgültige Hollywooddurchbruch
Nach Black Swan konnte Kunis zwischen ernsthaften Rollen und großen Studiokomödien wechseln.
2011 spielte sie gemeinsam mit Justin Timberlake in Freunde mit gewissen Vorzügen. Die romantische Komödie wurde international erfolgreich und machte Kunis endgültig zu einer gefragten Hauptdarstellerin.
2012 folgte Ted.
Die Komödie von Seth MacFarlane über einen erwachsenen Mann und seinen lebendig gewordenen, vulgären Teddybären wurde zu einem gewaltigen Kassenerfolg.
Kunis spielte Lori, die Freundin von Mark Wahlbergs Figur John Bennett.
Auch hier gab es eine Verbindung zu einem ihrer frühesten Jobs: Seth MacFarlane war gleichzeitig der Schöpfer von Family Guy.
Weitere große Produktionen folgten mit Die fantastische Welt von Oz, Jupiter Ascending und Bad Moms.
Aus dem minderjährigen Sitcom-Star war eine Schauspielerin geworden, die große Hollywoodproduktionen tragen konnte.
Aus Jackie und Kelso werden Mila Kunis und Ashton Kutcher
Eine der kuriosesten Entwicklungen ihrer Geschichte spielte sich allerdings abseits der Filmsets ab. Ashton Kutcher war bei Die wilden Siebziger nicht nur ihr Serienfreund gewesen. Mit ihm hatte Kunis während der Serie auch einen ihrer ersten Küsse vor der Kamera.
Eine echte Liebesgeschichte entstand damals trotzdem nicht. Beide gingen jahrelang getrennte Wege. Kunis war lange mit Macaulay Culkin liiert, Kutcher heiratete Demi Moore.
Erst 2012 trafen sich Kunis und Kutcher wieder und begannen eine Beziehung. 2015 heirateten sie.
Das Paar hat zwei Kinder.
Damit wurde ausgerechnet der Schauspieler, mit dem die 14-jährige Kunis Ende der 1990er-Jahre ihre ersten großen Fernsehszenen spielte, Jahrzehnte später tatsächlich ihr Ehemann.
Der russische Angriff auf die Ukraine verändert ihren Blick auf ihre Herkunft
Über viele Jahre bezeichnete Mila Kunis sich in erster Linie als Amerikanerin. Sie war schließlich seit ihrem siebten Lebensjahr in den USA aufgewachsen. Dann begann am 24. Februar 2022 Russlands großangelegter Angriff auf die Ukraine.
Kunis beschrieb später, wie stark dieses Ereignis ihre Wahrnehmung der eigenen Herkunft verändert habe. Plötzlich sei die Verbindung zu ihrem Geburtsland wieder sehr präsent gewesen.
Gemeinsam mit Ashton Kutcher startete sie eine große Spendenkampagne für humanitäre Hilfe und ukrainische Geflüchtete. Das Paar stellte selbst mehrere Millionen Dollar bereit und sammelte mit Unterstützern insgesamt rund 37 Millionen Dollar.
Die Kampagne gehörte zu den erfolgreichsten GoFundMe-Spendenaktionen des Jahres 2022.
Für Kunis verbanden sich damit zwei Teile ihrer eigenen Geschichte. Sie war selbst ein Kind gewesen, dessen Eltern ihre Heimat verlassen hatten, um anderswo ein neues Leben aufzubauen. Nun half sie Familien, die ihr Land unter völlig anderen und noch dramatischeren Umständen verlassen mussten.
Mit 43 liegt zwischen der Sowjetunion und Hollywood ein ganzes Leben
Heute wird Mila Kunis 43 Jahre alt. Ihre Geschichte beginnt nicht auf einem roten Teppich, sondern in einer jüdischen Familie in der Ukrainischen SSR. Mit sieben Jahren verlässt sie gemeinsam mit ihren Eltern die Sowjetunion. Die Familie gibt sichere Berufe auf, kommt mit wenig Geld nach Amerika und beginnt von vorne. Kunis sitzt kurz darauf in einer Schule in Los Angeles und versteht kein Wort.
Zwei Jahre später nimmt sie Schauspielunterricht.
Als Teenager zeigt ihr Chuck Norris in einer Drehpause, wie man eine Faust richtig hält. Mit 14 geht sie zu einem Casting, bei dem sie eigentlich mindestens 18 sein müsste, und sorgt mit einer ziemlich kreativen Interpretation ihres Geburtsdatums dafür, dass man sie trotzdem vorsprechen lässt.
Diese Rolle wird zu Die wilden Siebziger. Es folgen Family Guy, Black Swan, Freunde mit gewissen Vorzügen, Ted, Bad Moms und zahlreiche weitere Produktionen.
Und ausgerechnet Michael Kelso, der Serienfreund der 14-jährigen Jackie Burkhart, wird Jahrzehnte später ihr tatsächlicher Ehemann.
Es gibt wahrscheinlich geradlinigere Wege nach Hollywood.
