Mord war ihr Hobby: Zum Todestag von Angela Lansbury, die Bombenangriffe und Schiffsunglücke überlebte

Eine Frau, deren eigenes Leben auch einem Krimi ähnelte.

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Eine Frau, deren eigenes Leben auch einem Krimi ähnelte. | © CBS

Heute, am 11. Oktober, erinnern wir an Angela Lansbury, die vor vier Jahren im Alter von 96 Jahren starb. Für Millionen Zuschauer bleibt sie Jessica Fletcher aus Mord ist ihr Hobby. Doch ihre Karriere begann Jahrzehnte zuvor und führte sie vom klassischen Hollywood auf die großen Musicalbühnen. Ihr Lebensweg nahm seinen entscheidenden Anfang unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs: mit einer Flucht aus Großbritannien und einem Schiff, das später einem deutschen U-Boot zum Opfer fiel.

Eine Jugend im Schatten des Krieges

Angela Brigid Lansbury wurde am 16. Oktober 1925 in London geboren. Ihre Mutter Moyna Macgill war Schauspielerin, ihr Großvater George Lansbury ein bedeutender britischer Labour-Politiker. Schon als Mädchen wollte Angela auf die Bühne. Doch während sie ihre ersten Schritte im Schauspielunterricht machte, veränderte der Krieg den Alltag ihrer Familie.

Später erinnerte sie sich an die Sperrballons über London und die Angst beim Geräusch der Flugzeuge. Ihre Mutter entschied 1940, mit Angela und deren jüngeren Zwillingsbrüdern nach Nordamerika zu gehen. Die Gefahr deutscher Luftangriffe war ein wesentlicher Grund, Großbritannien zu verlassen.

Wie knapp die Familie dem Bombenkrieg entkam, schilderte Lansbury Jahrzehnte später in einem PBS-Interview: Nach ihrer Erinnerung wurde Liverpool am Tag ihrer Abreise bombardiert. Die Nachricht erreichte sie bereits auf See. Auch gegenüber NPR berichtete sie, Liverpool sei unmittelbar nach der Abfahrt ihres Schiffes angegriffen worden. Sie entkam damit einer Stadt, die zum Ziel deutscher Luftangriffe wurde.

Das Schiff, das später versenkt wurde

Die Familie überquerte den Atlantik auf der Duchess of Atholl, einem Passagierschiff der Canadian Pacific. Es brachte sie nach Kanada und eröffnete ihr einen Weg in ein neues Leben. Die Geschichte dieses Schiffes bekam später ein tragisches Ende.

Am 10. Oktober 1942 wurde die inzwischen als Truppentransporter eingesetzte Duchess of Atholl im Südatlantik vom deutschen U-Boot U 178 torpediert und versenkt. Angela Lansbury war zu diesem Zeitpunkt längst in Nordamerika. Sie überlebte also keinen Torpedoangriff an Bord; das Schiff, das sie in Sicherheit gebracht hatte, ging rund zwei Jahre nach ihrer Überfahrt unter.

In ihrem späteren Interview rückte Lansbury die Versenkung zeitlich näher an ihre eigene Reise und erinnerte sie als Ereignis auf der Rückfahrt nach Großbritannien. Die dokumentierte Schiffsgeschichte datiert den Untergang jedoch auf 1942. Auch mit dieser Einordnung bleibt die Verbindung eindrücklich: Das Schiff ihrer Flucht wurde selbst ein Opfer des Krieges.

Hollywood erkannte ihr Talent früh

In Nordamerika setzte Lansbury ihre Ausbildung fort und trat als junge Sängerin in Montreal auf. Später zog die Familie nach Los Angeles. Dort arbeitete sie zunächst in einem Kaufhaus, während sie nach Schauspielrollen suchte.

Ihr Leinwanddebüt war ein außergewöhnlicher Einstieg: In Das Haus der Lady Alquist spielte sie 1944 neben Ingrid Bergman und Charles Boyer das Dienstmädchen Nancy. Ihre Leistung brachte ihr sofort eine Oscar-Nominierung ein. Für Das Bildnis des Dorian Gray folgte bereits die zweite.

Hollywood besetzte die junge Schauspielerin allerdings häufig als deutlich ältere Frau. Lansbury konnte solchen Figuren Autorität geben, doch die Rollen schöpften ihre Möglichkeiten nicht immer aus. Wie bedrohlich sie wirken konnte, zeigte sie 1962 in Botschafter der Angst: Als manipulative Mutter lieferte sie einen beklemmenden Gegenpol zu dem warmherzigen Bild, das später viele mit ihr verbanden. Dafür erhielt sie ihre dritte Oscar-Nominierung.

Auf der Bühne wurde sie zum Star

Am Broadway fand Lansbury Rollen, in denen ihr Gesang, ihre Energie und ihr komödiantisches Können zusammenkamen. Mit Mame gelang ihr 1966 der große Durchbruch als Musicalstar. Weitere Erfolge folgten mit Dear World, Gypsy und Sweeney Todd.

Als Mrs. Lovett in Sweeney Todd verband sie schwarzen Humor mit einer verstörenden Geschäftstüchtigkeit. Diese Figur zeigt besonders gut, wie viel mehr sie konnte als die freundliche Ermittlerin aus dem Fernsehen. Lansbury gewann fünf reguläre Tony Awards; 2022 kam eine weitere Auszeichnung für ihr Lebenswerk im Theater hinzu. Bereits 2013 hatte sie einen Ehrenoscar erhalten.

Von der fliegenden Bettstatt zur singenden Teekanne

Auch im Familienkino hinterließ sie bleibende Erinnerungen. In Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett spielte sie 1971 eine angehende Hexe, die während des Zweiten Weltkriegs evakuierte Kinder bei sich aufnimmt. Der historische Hintergrund berührte damit auch Erfahrungen ihrer eigenen Jugend.

1991 lieh sie in der englischen Originalfassung von Die Schöne und das Biest der Teekanne Mrs. Potts ihre Stimme, die im Deutschen Madame Pottine heißt. Sie sang außerdem das oscarprämierte Titellied. Ihre Stimme gab der Figur jene Wärme, die den Film bis heute mitprägt.

Jessica Fletcher und ein langes Vermächtnis

Als Mord ist ihr Hobby 1984 startete, war Lansbury bereits ein etablierter Film- und Theaterstar. Bis 1996 spielte sie die Schriftstellerin Jessica Fletcher, die mit Aufmerksamkeit, Menschenkenntnis und beharrlichen Fragen Kriminalfälle löst. Die Rolle machte eine ältere Frau zum selbstverständlichen Mittelpunkt einer erfolgreichen Fernsehserie.

Am 11. Oktober 2022 starb Angela Lansbury friedlich im Schlaf in ihrem Haus in Los Angeles, fünf Tage vor ihrem 97. Geburtstag. An ihrem Todestag bleibt eine Künstlerin in Erinnerung, die ganz unterschiedliche Generationen erreichte. Jessica Fletcher gehört dazu – ebenso wie ihre gefährlichen Filmfiguren, ihre großen Bühnenrollen und die Stimme einer fürsorglichen Teekanne. Hinter all diesen Auftritten stand eine Frau, deren Weg aus dem kriegsbedrohten Großbritannien zu einer fast acht Jahrzehnte währenden Karriere führte.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....