Der verurteilte YouTuber Stephen McCullagh legt Berufung ein. Ein fingierter Livestream spielte eine Schlüsselrolle im Mordfall.
Am Ende des Gerichtsprozess gegen Stephen McCullagh wegen des Mords an seiner schwangeren Freundin wartete auf den YouTuber eine lebenslange Haftstrafe. Nun hat er offiziell Berufung gegen das Urteil eingelegt.
Nicht nur, weil das Opfer zum Zeitpunkt der Tat in der 15. Schwangerschaftswoche war machte der Fall international für Schlagzeilen, auch wegen der heimtückischen Planung und Vorbereitung.
Das YouTube-Alibi, das die Ermittler entlarvten
McCullagh veröffentlichte einen Gaming-Livestream, der zur mutmaßlichen Tatzeit ausgestrahlt wurde. Mit diesem Stream versuchte er zu beweisen, dass er sich während des Mordes an seiner schwangeren Freundin zu Hause befand.
Cybercrime-Experten fanden jedoch heraus, dass das Video bereits mehrere Tage zuvor aufgenommen und lediglich als Livestream ausgestrahlt worden war. Das Alibi, mit dem sich der inzwischen Verurteilte in Sicherheit wähnte, brach damit vollständig zusammen.
Zunächst gingen die Ermittler dem Alibi nach. Erst durch digitale Forensik fanden sie den entscheidenden Beweis, der McCullagh überführte – ein eindrucksvolles Beispiel für die Bedeutung digitaler Beweise in der modernen Kriminalistik.
Jetzt kämpft der YouTuber gegen seine Strafe
Der Verurteilte befindet sich bereits in Haft. Gegen die lebenslange Freiheitsstrafe mit einer Mindesthaftdauer von 31 Jahren hat er nun Berufung eingelegt. Die Gründe dafür wurden bislang nicht öffentlich erläutert, dennoch steht nun ein weiteres Gerichtsverfahren bevor.
Mehrere Medien berichten außerdem, dass McCullagh zu den meistgehassten Insassen des Gefängnisses zählen soll und bei Mitgefangenen auf einer sogenannten „Hitliste“ weit oben stehe. Diese Berichte stammen jedoch aus Medienquellen und wurden von den Behörden bislang nicht offiziell bestätigt.
Berichten zufolge soll sich McCullagh aus Sicherheitsgründen zudem für eine Unterbringung in einer Einzelzelle ausgesprochen haben.
Der Fall erschüttert weit über YouTube hinaus
Natalie McNally war zum Zeitpunkt ihres Todes 32 Jahre alt und in der 15. Schwangerschaftswoche. Der vorsitzende Richter beschrieb die Tat als geplant, berechnend und äußerst kaltblütig.
Die Angehörigen McNallys fordern nach dem Urteil ein entschlosseneres Vorgehen gegen Gewalt an Frauen. Der Fall gilt inzwischen für viele als Symbol für Femizide und reicht weit über eine klassische Creator-Story hinaus.
YouTube reagierte ebenfalls und entfernte McCullaghs Kanal wegen Verstößen gegen die Creator-Richtlinien.
Das Berufungsverfahren läuft mittlerweile. Das ursprüngliche Urteil bleibt zunächst bestehen, während der Ausgang des neuen Verfahrens offen ist. Die Berufung richtet sich dabei nicht gegen die Feststellung der Schuld, sondern gegen das Urteil beziehungsweise das Strafmaß.
Die Schlagzeilen drehen sich derzeit um McCullaghs Berufung und Berichte über seine Situation im Gefängnis. Der eigentliche Kern des Falls bleibt jedoch unverändert: Der Mord an Natalie McNally erschütterte die Öffentlichkeit nicht nur wegen seiner Brutalität, sondern auch wegen des aufwendig inszenierten Fake-Livestreams, der den Ermittlern zunächst ein falsches Bild vermitteln sollte. Mit der Berufung beginnt nun das nächste Kapitel eines Falls, der weit über die YouTube-Community hinaus Aufmerksamkeit erregt hat.
Sollten verurteilte Straftäter in solch schweren Fällen uneingeschränkt das Recht auf Berufung haben oder haltet ihr das bestehende Verfahren für richtig?
