Nein? Doch! OH!? Zum 112. Geburtstag von Louis de Funès

Einer, dessen Humor nicht nur seine Zeit, sonder Comedy bis heute prägt.

Louis de Funes 01 Constantin Film
Über sich selbst zu lachen empfand de Funès stets als wirkungsvoller, als über andere. | © Constantin Films

Am heutigen 31. Juli 2026 wäre Louis de Funès 112 Jahre alt geworden. Mehr als vier Jahrzehnte nach seinem Tod zählt der französische Schauspieler noch immer zu den bekanntesten Komikern der Filmgeschichte. Mit seiner unverwechselbaren Mimik, seinem rasanten Spiel und seinem außergewöhnlichen Gespür für Slapstick prägte er das europäische Kino wie kaum ein anderer. Filme wie Der Gendarm von Saint-Tropez, Fantomas, Brust oder Keule, Balduin, der Ferienschreck oder Louis, das Schlitzohr genießen bis heute Kultstatus.

Spanische Wurzeln in Frankreich

Louis Germain David de Funès de Galarza wurde am 31. Juli 1914 in Courbevoie bei Paris geboren. Seine Eltern waren aus Spanien nach Frankreich ausgewandert, nachdem sie sich gegen den Willen ihrer Familien verliebt hatten. Sein Vater arbeitete als Jurist, später unter anderem als Diamantenhändler, während seine Mutter sich um die Familie kümmerte.

Durch seine Herkunft sprach de Funès bereits als Kind fließend Französisch und Spanisch. Seine südländischen Wurzeln spiegelten sich später immer wieder in seinem temperamentvollen Schauspiel wider.

Vom Pianisten zum Schauspieler

Bevor Louis de Funès vor der Kamera stand, schlug er sich mit unterschiedlichsten Berufen durch. Er arbeitete unter anderem als Dekorateur, Buchhalter und Zeichner. Seine große Leidenschaft galt jedoch der Musik.

In den 1930er- und 1940er-Jahren spielte er als Jazzpianist in Bars, Restaurants und Nachtclubs. Dort entwickelte er auch sein außergewöhnliches Gespür für Timing und Improvisation – Fähigkeiten, die später zu seinen größten Stärken als Komiker wurden.

Erst mit über 30 Jahren begann er ernsthaft, Schauspielunterricht zu nehmen. Es folgten jahrelang kleine Filmrollen, häufig ohne große Aufmerksamkeit.

Der späte Durchbruch

Während viele Schauspieler bereits in jungen Jahren zu Stars werden, musste Louis de Funès ungewöhnlich lange auf seinen Durchbruch warten. Erst Anfang der 1960er-Jahre gelang ihm der große Erfolg.

1964 erschienen nahezu zeitgleich Der Gendarm von Saint-Tropez und Fantomas. Beide Filme wurden internationale Publikumserfolge und machten de Funès innerhalb weniger Monate zu einem der bekanntesten Schauspieler Europas.

In den folgenden Jahren drehte er nahezu im Jahrestakt Kassenschlager. Besonders erfolgreich waren unter anderem Balduin, der Heiratsmuffel, Oscar, Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe, Der Querkopf, Hasch mich – ich bin der Mörder sowie Brust oder Keule, in dem er gemeinsam mit Coluche spielte.

Sein Markenzeichen: Mimik und Perfektionismus

Louis de Funès war bekannt für seine explosionsartige Mimik. Kaum ein anderer Schauspieler konnte innerhalb weniger Sekunden zwischen Wut, Panik, Überheblichkeit und Verzweiflung wechseln. Seine Grimassen wurden zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen.

Hinter den Kulissen galt er allerdings als Perfektionist. Szenen ließ er häufig mehrfach drehen, bis Timing und Rhythmus exakt seinen Vorstellungen entsprachen. Viele Kollegen beschrieben ihn als zurückhaltenden und eher schüchternen Menschen – ein starker Kontrast zu den lauten Figuren, die er auf der Leinwand verkörperte.

Gesundheitliche Rückschläge

1975 erlitt Louis de Funès innerhalb kurzer Zeit zwei schwere Herzinfarkte. Ärzte rieten ihm dringend, seine Arbeit deutlich zu reduzieren. Für einige Zeit zog er sich vollständig aus dem Filmgeschäft zurück.

Erst Jahre später kehrte er zurück und spielte unter anderem erneut den Gendarmen Ludovic Cruchot sowie den exzentrischen Restaurantkritiker Charles Duchemin in weiteren beliebten Filmen. Trotz gesundheitlicher Einschränkungen blieb seine Energie vor der Kamera beeindruckend.

Tod und Vermächtnis

Am 27. Januar 1983 starb Louis de Funès im Alter von 68 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Sein Tod löste in Frankreich große Anteilnahme aus. Bis heute zählt er zu den beliebtesten Schauspielern des Landes.

Seine Filme werden regelmäßig im Fernsehen ausgestrahlt und begeistern immer wieder neue Generationen. Besonders im deutschsprachigen Raum gehören die Synchronfassungen mit Sprechern wie Gerd Martienzen oder Klaus Miedel für viele Zuschauer fest zur Kindheit und haben entscheidend zur Popularität seiner Filme beigetragen.

Ein Vorbild für Generationen von Komikern

Zahlreiche Schauspieler und Komiker nennen Louis de Funès als Inspiration. Sein körperbetontes Spiel, seine präzise Mimik und sein außergewöhnliches Gespür für Tempo beeinflussten weit über Frankreich hinaus die Filmkomödie.

Auch mehr als 40 Jahre nach seinem Tod gelten seine Werke als zeitlose Klassiker. Ob als cholerischer Gendarm, exzentrischer Geschäftsmann oder überforderter Familienvater – Louis de Funès verstand es wie kaum ein anderer, alltägliche Situationen in unvergessliche Komik zu verwandeln.

An seinem heutigen, posthumen 112. Geburtstag bleibt Louis de Funès deshalb nicht nur eine Legende des französischen Kinos, sondern einer der größten Komiker der Filmgeschichte.

Daniel Fersch

Daniel schreibt über so ziemliches alles, was mit Games, Serien oder Filmen und (leider) auch fragwürdigen Streamern zu tun hat – insbesondere, wenn es dabei um Nintendo, Dragon Ball, Pokémon oder Marvel geht....