Im Alter von nur 10 Jahren war Lasse Lund gezwungen, in den brutalen Slums von Mumbai völlig allein zu überleben.
Lasse Lund war etwa 10 Jahre alt, als seine Eltern ihn unter dem Vorwand eines Familienurlaubs in Mumbai einfach im Stich ließen.
Das finnisch-norwegische Paar steckte wegen wachsender rechtlicher Probleme und abgelaufener Visa in einer schwierigen Lage. Dies führte schließlich dazu, dass die Familie zerbrach. Als Obdachloser auf der Straße lebte Lund von der Hand in den Mund und versuchte, einen Weg zurück nach Europa zu finden. Heute klärt er über Kinderverwahrlosung und behördliches Versagen auf. Die nordischen Behörden hatten nämlich sieben Jahre gebraucht, um seine Ausreise aus Indien zu organisieren.
Die Familientrennung
Lund flog mit seinen Eltern, seinem Bruder und seiner Schwester nach Mumbai. Was als Familienurlaub getarnt war, hatte eine viel dunklere Seite: In der Drop A Pin Show gibt Lund an, dass sein Vater in Indien aufgrund einer drohenden Freiheitsstrafe die norwegischen Behörden abschütteln wollte. Er kommentierte, sein Vater sei „vor seinen Problemen davongelaufen“. „Der weiße Inder“ behauptet, dass sein älterer Bruder sowie seine Patentante das Versteckspiel der Eltern auffliegen ließen. Beide Eltern führten Berichten zufolge einen rücksichtslosen Lebensstil, der auch Drogenmissbrauch einschloss.
Die Situation eskalierte, als die Visa der Familie abliefen. Sie hatten keinen legalen Aufenthaltsstatus mehr, weshalb hohe Geldstrafen und sogar eine Haftstrafe drohten. Der Vater traf daraufhin die verzweifelte Entscheidung, sich mit Lunds Bruder aus Indien abzusetzen und die Mutter sowie die Schwester zurückzulassen. Da seine Mutter praktisch wehrlos war, wurde sie wegen des Überschreitens ihres Visums bald verhaftet, wodurch Lund ohne Vormund dastand. Im Zuge ihrer Inhaftierung wurde „Der weiße Inder“ zudem von seiner Schwester getrennt.
Überleben in den Slums
Völlig auf sich allein gestellt in einer der am dichtesten besiedelten Stadtlandschaften der Welt, musste sich Lund rasch anpassen, um die harte Realität der Slums von Mumbai zu überleben. Ohne formelle Schulbildung oder eine feste Unterkunft schlief er hauptsächlich am Straßenrand, unter Unterführungen und in lokalen Tempelanlagen. Er schlug sich mit täglichen Gelegenheitsjobs auf der Straße durch und verdiente sich schließlich als informeller, autodidaktischer Fremdenführer einen kargen Lebensunterhalt. Da er vollkommen in die lokale Kultur eintauchte, eignete er sich einen verblüffend fließenden lokalen Dialekt an. Später merkte er an, dass die herzliche Gemeinschaft der Einwohner Mumbais ihn ernährte und am Leben hielt, als sein eigener Staat und seine Familie ihn im Stich gelassen hatten.
Der bürokratische Albtraum
Die Rückkehr war zermürbend, da Lasse Lund große Probleme mit der finnischen Botschaft in Indien hatte. Er war minderjährig und lebte auf der Straße; ohne Ausweis oder Vormund. Deshalb hielt der Papierkrieg seine Rettung jahrelang auf. Die Mitarbeiter der Botschaft konnten seine Identität anfangs nicht bestätigen, weshalb sie zunächst skeptisch waren und nicht schnell genug handelten. Er saß in einer diplomatischen Sackgasse fest und musste die schwierigen Formalitäten ganz allein regeln. Erst mit 17 Jahren gab das finnische Außenministerium ihm die Papiere für die Ausreise. Lund kritisiert dieses späte Handeln heute als großes Versagen des Staates.
Lunds Martyrium zeigt große Lücken im weltweiten Kinderschutz. Was denkt ihr über das Verhalten der Botschaften in diesem Fall? Schreibt eure Meinung in die Kommentare und teilt diesen Beitrag, um gemeinsam ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen!
